melancholie
die zeit wird grau
wenn die erinnerungen
hinter glas
nicht mehr ins leben wurzeln
ich schau aus dem fenster
tief nach unten
sehe die jungen
mit dem tag in der hand
während ich so
auf morgen warte
das ticken der uhr
mich tötet
melancholie (2)
ja liebe amanita, wir nehmen texte (vielleicht auch persönliche zustände) sehr unterschiedlich war - lyr ich hat/kennt z.b. scheinbar überhaupt keine distanz zu seiner distanz (der hinter glas), und verfasserin scheinbar keine kritische distanz zu abgegriffnen bildern (etwa 'hinter glas', 'das ticken der uhr', 'das leben in der hand', auf 'morgen' warten) und übertreibungen (tötet) - persönlich kann das im mitfühlen berührend sein. aber halt nicht literarisch/textlich berührend.
es ist nicht damit getan, zu sagen, genau so sieht und selbst-beschreibt das lyr.ich eben - das mag so sein, aber diese art von authentizität ist gruselig, wenn keinerlei in ein verhältnis setzende distanz dazu auftaucht - dann kommt das, was eigentlich berührend sein könnte, trotzdem nur gefühlsduselig oder kitschig-selbstmitleidig an.
dabei könnte da eine feinheit sein, die zugleich 'lichtjahre entfernt', und nur 'um die ecke zu warten' scheint. mein eindruck halt.
es ist nicht damit getan, zu sagen, genau so sieht und selbst-beschreibt das lyr.ich eben - das mag so sein, aber diese art von authentizität ist gruselig, wenn keinerlei in ein verhältnis setzende distanz dazu auftaucht - dann kommt das, was eigentlich berührend sein könnte, trotzdem nur gefühlsduselig oder kitschig-selbstmitleidig an.
dabei könnte da eine feinheit sein, die zugleich 'lichtjahre entfernt', und nur 'um die ecke zu warten' scheint. mein eindruck halt.
-
scarlett
liebe amanita,
mir gefällt dein text - zwei dinge allerdings will ich zu bedenken geben:
wenn die erinnerungen hinter glas sind, ist ein wurzeln im leben ja nicht mehr möglich, will heißen, das erscheint mit doppelt gemoppelt, sprich das hinter glas ist redundant.
andrerseits sehe ich schon, dass du dieses am fenster stehen und hinunter blicken auf die straße, wo für das li die jungen das leben in der hand halten, mit dem hinter glas verbunden haben möchtest, dennoch-
ferner verstehe ich diese verdrehung, inversion am schluss nicht, wieso nicht "tötet mich// das ticken der uhr"?
die bilder finde ich nicht abgegriffen.
scarlett
mir gefällt dein text - zwei dinge allerdings will ich zu bedenken geben:
wenn die erinnerungen hinter glas sind, ist ein wurzeln im leben ja nicht mehr möglich, will heißen, das erscheint mit doppelt gemoppelt, sprich das hinter glas ist redundant.
andrerseits sehe ich schon, dass du dieses am fenster stehen und hinunter blicken auf die straße, wo für das li die jungen das leben in der hand halten, mit dem hinter glas verbunden haben möchtest, dennoch-
ferner verstehe ich diese verdrehung, inversion am schluss nicht, wieso nicht "tötet mich// das ticken der uhr"?
die bilder finde ich nicht abgegriffen.
scarlett
Das weiß ich doch schon :), aram, dass ein "genauso" (war's, beschreibt das Ich es eben usw.) kein Argument ist.
Liebe Scarlett, Änderungen sind natürlich allemal drin. Es war halt eine Idee, den Leser gerade nicht mit-leiden zu lassen, sondern ihn aufs Carpe Diem zu stupsen.
Liebe Scarlett, Änderungen sind natürlich allemal drin. Es war halt eine Idee, den Leser gerade nicht mit-leiden zu lassen, sondern ihn aufs Carpe Diem zu stupsen.
P. S. Vielleicht ist hinter glas zu passiv. Gemeint ist nämlich, dass das Ich sie hinter Glas verbannt hat. Ohne diesen Zusatz klänge es mir zu fatalistisch (und wirklich zu wehleidig).
Dieser Mensch wartet (ohne dass er sein Leben nutzen oder füllen kann) auf irgendwas (Interessantes), und es quält ihn gleichzeitig zu sehen, dass die Zeit rennt.
Ich habe zusammen gefasst, was ich hin und wieder an alten Menschen beobachte(t habe). Sie kamen mit genau diesem letzten Widerspruch nicht klar.
Dieser Mensch wartet (ohne dass er sein Leben nutzen oder füllen kann) auf irgendwas (Interessantes), und es quält ihn gleichzeitig zu sehen, dass die Zeit rennt.
Ich habe zusammen gefasst, was ich hin und wieder an alten Menschen beobachte(t habe). Sie kamen mit genau diesem letzten Widerspruch nicht klar.
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scarlett
amanita, es ist sonnenklar, was du gemeint hast, aber aus den erinnerungen, die hinter glas verbannt sind, kann nichts neues mehr entstehen. man hat sie dort eingeschlossen und betrachtet sie wie etwas wertvolles, an das nicht gerührt wird.
auf der anderen seite ist es ja durchaus so, dass man erinnerungen "lebendig" halten und etwas daraus machen kann.
darum ging es mir- hinter glas /was ich an sich gut verwortet finde/ und kann nicht wurzeln ist doppelt.
auf der anderen seite ist es ja durchaus so, dass man erinnerungen "lebendig" halten und etwas daraus machen kann.
darum ging es mir- hinter glas /was ich an sich gut verwortet finde/ und kann nicht wurzeln ist doppelt.
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