2. Fassung
Betonplatten
Baumärkte, wochentags und immer
das Billige
Unzerbrochene suchen, Kanten
prüfen-
Berillt, bestreut, besandet-
Ausgefugt,
liegen sie nun
jede für sich.
Sie bilden den Grund,
zu begehen.
ursprüngliche Fassung:
Sie war nicht teuer.
Sie lag inmitten andrer, unzerbrochen.
Graue Feuchte
kühles Grau, Kante
an Kante.
Nun liegt sie allein und
wird es bleiben,
befugt, bestreut, berillt, besandet.
Allein inmitten andrer,
nichts andres als ein Grund
zu begehen.
Die Betonplatte
Hallo René,
einer Betonplatte ein Gedicht zu widmen finde ich wunderbar pantheistisch (Mond kann ja jeder). Und aus dem Grund gefällt mir der Individualaspekt der ersten Fassung. Durch die "Verallgemeinerung" verliert der Text perspektivische Spannung.
Der Prolet unter den Bodenbelägen im Außenbereich und doch Individuum... in dieser Richtung würde ich es vielleicht weiterverfolgen und die Schönheit liegt im Detail und auch in der Verarbeitung? Ich habe alle Betonplatten an meinem Haus rausgerissen und samt Einfriedungssteinen zur Hangabstützung als eine unterirdische Trockensteinmauer gesetzt. Als sie fertig war, dachte ich whow, schade dass sie unterirdisch sein wird. In einer Häuserzeitschrift sah ich mal ein Haus mit einer Fassade aus Europaletten, das sah genial aus. Ä, was ich sagen möchte, ist, dass jedem Baustoff eine Schönheit immanent ist und es vornehmlich auf einen originären Kontext und oder Verarbeitung ankommt? Ich schweife ab.
Gruß
einer Betonplatte ein Gedicht zu widmen finde ich wunderbar pantheistisch (Mond kann ja jeder). Und aus dem Grund gefällt mir der Individualaspekt der ersten Fassung. Durch die "Verallgemeinerung" verliert der Text perspektivische Spannung.
Der Prolet unter den Bodenbelägen im Außenbereich und doch Individuum... in dieser Richtung würde ich es vielleicht weiterverfolgen und die Schönheit liegt im Detail und auch in der Verarbeitung? Ich habe alle Betonplatten an meinem Haus rausgerissen und samt Einfriedungssteinen zur Hangabstützung als eine unterirdische Trockensteinmauer gesetzt. Als sie fertig war, dachte ich whow, schade dass sie unterirdisch sein wird. In einer Häuserzeitschrift sah ich mal ein Haus mit einer Fassade aus Europaletten, das sah genial aus. Ä, was ich sagen möchte, ist, dass jedem Baustoff eine Schönheit immanent ist und es vornehmlich auf einen originären Kontext und oder Verarbeitung ankommt? Ich schweife ab.
Gruß
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)
Er weigert sich Steine aus Vietnam, China, Indien oder Pakistan zu verarbeiten. Er versteht ihre Sprache nicht. Dass sie ordinär sind mit ihren grellen Farben und ein roter Melahyr aus Pakistan eine Nutte für ihn ist, behält er für sich.
Das ist ein Zitat aus Nifls Text "Grauwacke". Habe ich gerade aufgestöbert und frage mich nun, welche Sprache die Betonplatte spricht und was sie wohl symbolisiert. Sie wurde ja nicht aus der Natur herausgehauen, sondern neu geformt. Allerdings reißt so ein Betonwerk auch tiefe Wunden in die Berge.
Schön, dass die Texte hier so miteinander kommunizieren können!
Huhu Fene,
hm, na ja, nur weil dieser vierschrötige Niflprotag über keinerlei Fremdsprachenkenntnis verfügt, heißt das ja nicht, dass sie ausdruckslos sein müssen? Kannte mal eine, die hat überall in der Wohnung Steine verteilt, sollte gegen Allergie und alles mögliche helfen, in der Hosentasche lag einer und um den Hals hing sowieso einer usw... wenn sie von den Steinen erzählte, wurde sie immer ganz rotwangig. Eines Tages überreichte sie mir einen. Nicht einfach so: Zack da hast du einen, sondern so wie Asiaten ihre Visitenkarte überreichen. Ich halte also dieses kostbare Stück in den Händen und frage in meiner nichtswürdigen Art wo denn solche Steine wüchsen? Nein, das seien doch keine Natursteine, sie würden unter was weiß ich wieviel tausend Grad in einem Ofen gebacken... Und jetzt kommst du?
Und was die Ökobilanz angeht, könnte ich mir fast vorstellen, dass hiesiger Beton besser abschneidet, als der Melaphyr (oh hatte ich echt Melahyr geschrieben?) aus Pakistan.
LG
Nifl
hm, na ja, nur weil dieser vierschrötige Niflprotag über keinerlei Fremdsprachenkenntnis verfügt, heißt das ja nicht, dass sie ausdruckslos sein müssen? Kannte mal eine, die hat überall in der Wohnung Steine verteilt, sollte gegen Allergie und alles mögliche helfen, in der Hosentasche lag einer und um den Hals hing sowieso einer usw... wenn sie von den Steinen erzählte, wurde sie immer ganz rotwangig. Eines Tages überreichte sie mir einen. Nicht einfach so: Zack da hast du einen, sondern so wie Asiaten ihre Visitenkarte überreichen. Ich halte also dieses kostbare Stück in den Händen und frage in meiner nichtswürdigen Art wo denn solche Steine wüchsen? Nein, das seien doch keine Natursteine, sie würden unter was weiß ich wieviel tausend Grad in einem Ofen gebacken... Und jetzt kommst du?
Und was die Ökobilanz angeht, könnte ich mir fast vorstellen, dass hiesiger Beton besser abschneidet, als der Melaphyr (oh hatte ich echt Melahyr geschrieben?) aus Pakistan.
LG
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)
Liebe Renée,
deine zweite Fassung ist ja nun etwas völlig anderes geworden. Das ursprüngliche Motiv, die Betonplatte vorher und nachher zu beschreiben, ging verloren.
Nun sehe ich ein sparwilliges lyrisches Ich, dass nach makellosen Steinen sucht, diese überall ausliest und dann in einen "Grund", in etwas Tragendes verwandelt.
Nein! Nicht jeder - und zwar längst nicht jeder hat irgendwann einmal die Mittel (oder auch das Interesse), selbst einen Boden zu fliesen. Es gibt lebenslange Mieter, es gibt Obdachlose, es gibt Vagabunden, Arme ... Das aber nur als Einschub zu deinen Erläuterungen. Nun zurück zum Text:
Dass diese Suche nach unbeschädigten Platten "immer" stattfindet, könnte ich z.B. so deuten, dass wir in unseren Gedanken und Erinnerungen immer das Makellose festhalten und aus diesem dann einen "Grund", einen Sinn, eine Rechtfertigung für unser Leben suchen. Nur sind Gedanken eben kein Beton. Ein Gedankengebäude bricht schneller wieder in sich zusammen.
Beton heißt auf englich "concrete"? Ist ja spannend!
Huhu Nifl,
weiß nicht, ob wir hier so abschweifen dürfen, aber das mit der Ökobilanz war nur so ein Nebengedanke - ich kenne in Thüringen einen herrlichen Wald an einer Felswand, der durch den Abbau für eine Betonfabrik regelrecht hindurchgehackt wurde. Aber die Edelsteinförderung in Afrika nimmt mit Sicherheit noch viel weniger Rücksicht auf die Umwelt.
Ja, es gibt Menschen, die sehr viel von der Kraft der Steine halten. Ich bin da zwar nicht esoterisch drauf, aber ich bringe mir auch oft von der Reise einen besonders schönen, z.B. einen vom Wasser gerundeten Stein mit. Deine "Sprache der Steine" konnte ich gut nachvollziehen, weil gerade in Gärten weniger mehr ist. Steine brauchen Raum, um zu wirken.
Viele Grüße
fenestra
deine zweite Fassung ist ja nun etwas völlig anderes geworden. Das ursprüngliche Motiv, die Betonplatte vorher und nachher zu beschreiben, ging verloren.
Nun sehe ich ein sparwilliges lyrisches Ich, dass nach makellosen Steinen sucht, diese überall ausliest und dann in einen "Grund", in etwas Tragendes verwandelt.
Jeder steht irgendwann einmal vor der Bodenplatte, der Marmorplatte, der Terracotta Befliesung, und jeder wird in gewisser Weise seinen Status begründen oder nicht.
Nein! Nicht jeder - und zwar längst nicht jeder hat irgendwann einmal die Mittel (oder auch das Interesse), selbst einen Boden zu fliesen. Es gibt lebenslange Mieter, es gibt Obdachlose, es gibt Vagabunden, Arme ... Das aber nur als Einschub zu deinen Erläuterungen. Nun zurück zum Text:
Dass diese Suche nach unbeschädigten Platten "immer" stattfindet, könnte ich z.B. so deuten, dass wir in unseren Gedanken und Erinnerungen immer das Makellose festhalten und aus diesem dann einen "Grund", einen Sinn, eine Rechtfertigung für unser Leben suchen. Nur sind Gedanken eben kein Beton. Ein Gedankengebäude bricht schneller wieder in sich zusammen.
Beton heißt auf englich "concrete"? Ist ja spannend!
Huhu Nifl,
weiß nicht, ob wir hier so abschweifen dürfen, aber das mit der Ökobilanz war nur so ein Nebengedanke - ich kenne in Thüringen einen herrlichen Wald an einer Felswand, der durch den Abbau für eine Betonfabrik regelrecht hindurchgehackt wurde. Aber die Edelsteinförderung in Afrika nimmt mit Sicherheit noch viel weniger Rücksicht auf die Umwelt.
Ja, es gibt Menschen, die sehr viel von der Kraft der Steine halten. Ich bin da zwar nicht esoterisch drauf, aber ich bringe mir auch oft von der Reise einen besonders schönen, z.B. einen vom Wasser gerundeten Stein mit. Deine "Sprache der Steine" konnte ich gut nachvollziehen, weil gerade in Gärten weniger mehr ist. Steine brauchen Raum, um zu wirken.
Viele Grüße
fenestra
Liebe Renee,
ich kann mich Fenestras Statement, Nifls Abschweifungen und Gabriellas Frage nur anschließen!
Daher will ich selber eine Abschweifung Mythenmetz'schen Ausmaßes anfügen, allerdings nur inhaltlich, nicht längenmäßig.gif)
Individualität ("unzerbrochen"!), die durch Funktionalität ("nichts...als... ein Grund/ zu begehen") aufgehoben, überhaupt erst zur Einsamkeit wird! Denn allein unter vielen ist die Platte ja auch vorher schon...
Da gibt es den dialektischen Zusammenhang zwischen Individuum und Masse!
Das eine existiert nicht ohne das andere.
Seit dem Beginn der Hochkultur im Neolithikum ist der Mensch (auch) funktional.
Ohne das kein Stonehenge.
Ohne Funktionalität gäbe es nicht genug Ressourcen für immer mehr, ihre Individualität zu entfalten.
Das es trotzdem nicht für alle reicht, ist dazu leider kein Widerspruch.
Der Preis dafür, dass sogar du und ich Gedichte schreiben können, ist, dass wir uns in andren Bereichen des Lebens funktionalisieren lassen...
LG, Carl
P.S. da ist der "Beton" als der billigste und handhabbarste Baustoff aller Zeiten seit seiner Erfindung durch die Römer die geeignete Metapher!
ich kann mich Fenestras Statement, Nifls Abschweifungen und Gabriellas Frage nur anschließen!
Daher will ich selber eine Abschweifung Mythenmetz'schen Ausmaßes anfügen, allerdings nur inhaltlich, nicht längenmäßig
.gif)
Individualität ("unzerbrochen"!), die durch Funktionalität ("nichts...als... ein Grund/ zu begehen") aufgehoben, überhaupt erst zur Einsamkeit wird! Denn allein unter vielen ist die Platte ja auch vorher schon...
Da gibt es den dialektischen Zusammenhang zwischen Individuum und Masse!
Das eine existiert nicht ohne das andere.
Seit dem Beginn der Hochkultur im Neolithikum ist der Mensch (auch) funktional.
Ohne das kein Stonehenge.
Ohne Funktionalität gäbe es nicht genug Ressourcen für immer mehr, ihre Individualität zu entfalten.
Das es trotzdem nicht für alle reicht, ist dazu leider kein Widerspruch.
Der Preis dafür, dass sogar du und ich Gedichte schreiben können, ist, dass wir uns in andren Bereichen des Lebens funktionalisieren lassen...
LG, Carl
P.S. da ist der "Beton" als der billigste und handhabbarste Baustoff aller Zeiten seit seiner Erfindung durch die Römer die geeignete Metapher!
-
Renée Lomris
Also, ich muss schon sagen, dass mich das Niveau aller geschätzten Kommentare mit sämtlichen Ohren schlackern lässt. Ihr seid klug, subtil, lustig, und Carl hat nun den Vogel abgeschossen ...
ich kann leider im Moment gar nicht - und schon gar nicht adäquat - antworten. Meine ganze Energie strebt nach endlicher Bändigung-Beendung der Mischpult-Farbkorrektur-Tonsynchron_Abspann-Tragödie, die seit August kein Ende nehmen will. "Meine/Unsere (Unsere/Meine)" (vier) Kurzfilme sind offensichtlich ganz gut geworden, deshalb will man diesen letzten Feinschliff nicht verpatzen.
Aber es dauert. Es dauert.
Da ist die graue Betonplatte ein bunter Lichtblick ...
Nifl, dein Kommentar hat mich gefreut
lG
Renate
ich kann leider im Moment gar nicht - und schon gar nicht adäquat - antworten. Meine ganze Energie strebt nach endlicher Bändigung-Beendung der Mischpult-Farbkorrektur-Tonsynchron_Abspann-Tragödie, die seit August kein Ende nehmen will. "Meine/Unsere (Unsere/Meine)" (vier) Kurzfilme sind offensichtlich ganz gut geworden, deshalb will man diesen letzten Feinschliff nicht verpatzen.
Aber es dauert. Es dauert.
Da ist die graue Betonplatte ein bunter Lichtblick ...
Nifl, dein Kommentar hat mich gefreut
lG
Renate
Liebe Renée,
für mich ist die ursprüngliche Fassung unbedingt stärker als deine überarbeitete Version.
Und zwar vor allem deshalb, weil du dir ursprünglich diese EINE (Betonplatte) rausgegriffen hast, und nur von einer einzigen schreibst. Das finde ich individueller, näher und eindringlicher.
Gefällt mir gut, dieses Konkrete, besonders der Schluss, "ein Grund zu begehen". Ja!
Liebe Grüße
Diana
PS - Und viel Erfolg mit deinen Filmprojekten!
für mich ist die ursprüngliche Fassung unbedingt stärker als deine überarbeitete Version.
Und zwar vor allem deshalb, weil du dir ursprünglich diese EINE (Betonplatte) rausgegriffen hast, und nur von einer einzigen schreibst. Das finde ich individueller, näher und eindringlicher.
Gefällt mir gut, dieses Konkrete, besonders der Schluss, "ein Grund zu begehen". Ja!
Liebe Grüße
Diana
PS - Und viel Erfolg mit deinen Filmprojekten!

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