der rabe

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Estragon

Beitragvon Estragon » 11.08.2012, 20:16

es war einmal ein rabe
dieser rabe war nicht mehr jung

in den nächsten zeilen würde er sterben
wie still es danach war
als würde man ihn bereits vergessen

es war unmöglich ihn zu sehen
sah man ihn..sah man sich
er starb
er starb für uns
er starb weil wir ihn sahen
weil wir sahen was er in der luft tat

der rabe war tot
doch er lebte
er lebte obwohl er gestorben war
er träumte er könnte das und als er erwachte
lag er im sterben

immer wenn es nacht wird
fliegen die toten raben in der luft
keiner kann zittern wie sie
Zuletzt geändert von Estragon am 21.08.2012, 19:20, insgesamt 5-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 12.08.2012, 00:30

Hallo Estragon,

dein Gedicht zieht mich total in den Bann. Es ist, wie bei Poe's Raben, diese mystisch-düstere Stimmung, die du hier erzeugst. Die letzten beiden Sätze finde ich genial!
Hier ein peanut
Estragon hat geschrieben:starb man statt ihm

stimmt das "ihm" grammatisch nicht.

Tolles Gedicht!

Liebe Grüße
Gabi

Estragon

Beitragvon Estragon » 12.08.2012, 02:41

Vielen Dank, hab es geändert

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.08.2012, 03:17

Ja, wahrlich, wieder ein tolles Gedicht, lieber Estragon. Düster, "unhandlich" aufwühlend.
Eine Unebenheit hat Gabi schon genannt, du hast sie noch nicht korrigiert,
Eine zweite habe ich gefunden
wie sie ihre augen in den wind trocknen

M. E. muss es heißen:
wie sie ihre augen im wind trocknen

Nächtliche Grüße
Gerda

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 14.08.2012, 10:16

Hallo Estragon,

wieder ein wunderbarer Anfang. Die zweite Strophe wirft mich dann raus, ist mir zu erklärenwollend und den gesetzten Widerspruch schaffend und gleich wieder auflösend. Das zieht sich zwar durch das Gedicht, aber für mich später auf eine andere Weise. Auf die Strophe würde ich gerne verzichten.
Der Rest zieht mich dann wieder mit hinein und entwickelt einen ganz eigenartigen Sog, ähnlich einem Traum, den man nicht so richtig fassen kann, der über eine eigene Logik und Gesetzmäßigkeit verfügt.
die nächsten stunden würde
er sterben
Hier irritiert mich der Zeilenumbruch, der ungewohnt theatralisch scheint und darin für mich nicht zum restlichen Tonfall passt ... wozu?
starb man statt ihn
Ähm, ich bin verwirrt, stand da mal ein "ihm"? Und warum war das falsch, Gabriellla??

sie fallen der nacht immer dann ein...wenn jemand schreit
Hier würde ich die Pünktchen weglassen, den Trommelwirbel braucht das Gedicht nicht. .-)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.08.2012, 11:49

Flora hat geschrieben:Zitat:
starb man statt ihn
Ähm, ich bin verwirrt, stand da mal ein "ihm"? Und warum war das falsch, Gabriellla??

Da muss doch Akkusativ rein und nicht Dativ?

Aber, ehrlich gesagt, bin ich mir auch unsicher. Es hört sich beides irgendwie falsch an.

starb man statt ihn

starb man statt ihm

das "statt" steht ja für anstelle von ... und das wäre wieder Dativ, also doch "ihm". *grübel*

Geht das "ihn" oder "ihm" überhaupt? Das ist echt schwierig. Däutsche Sprach, schwäre Sprach. :12:
Je mehr ich drüber nachdenke, um so verwirrter bin ich.

"starb man an seiner stelle" gefiele mir besser. Die Frage ist, ob es für dich auch passen würde, Estragon?

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 14.08.2012, 12:11

Korrekt sollte m.E. sein "starb man anstatt seiner", also Genitiv. Es ist ja eine Umstellung von "man starb an seiner statt" bzw. "stattdessen".

Grüße von Zefira, die gerade bei canoo.net nachgesehen hat
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
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(Ikkyu Sojun)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.08.2012, 12:16

Jetzt haben wir bald alle Fälle durch. *lach*
Aber Zefi, ich stimme dir zu:

starb man anstatt seiner

das passt auch am besten in die Sprache des Gedichtes.

Estragon

Beitragvon Estragon » 21.08.2012, 19:18

nun hab ich es nochmal überarbeitet

Mucki
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Beitragvon Mucki » 21.08.2012, 20:05

Hallo Estragon,

die Neufassung finde ich sehr gelungen. Aber ich vermisse die beiden letzten Zeilen. Sie waren, für mich persönlich, etwas ganz Besonderes, etwas, das dem Ganzen sozusagen die mysthisch/gruselige Krone aufsetzte.

sie fallen der nacht ein
sie fallen der nacht immer dann ein...wenn jemand schreit
(oder halt ohne Pünktchen, dann mit Komma)

Die Frage ist nur, ob sie jetzt - in der Neufassung - noch an den Schluss passen? :sad:

Saludos
Gabriella

Estragon

Beitragvon Estragon » 21.08.2012, 20:10

Das habe ich mich auch gefragt. ich glaub es passt nimmer, aber es ist
jetzt wohl nicht mehr so arg erklärend, was nicht sein soll

Gerda

Beitragvon Gerda » 22.08.2012, 05:10

Entschuldigung wo finde ich denn die ursprüngliche Fassung?
Ich würde gern vergleichen ... ?

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 22.08.2012, 14:20

Ich frage mich gerade, ob in der Ursprungsfassung schon "in den nächsten zeilen würde er sterben" stand.

Muss nämlich eingestehen, ich habe das Gedicht beim ersten Lesen schlicht nicht verstanden. Jetzt gehen mir ein paar Lichter auf, und zwar eben wegen des Wortlauts dieser dritten Zeile. Hat die immer so gelautet oder hatte ich vielleicht etwas überlesen?

Grüße von Zefira

ps. Ich finde, die von Gabriella zitierten ursprünglichen Schlusszeilen könnten auch jetzt noch gut am Ende stehen!
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RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 22.08.2012, 17:38

Hm,
mir kommt das alles sehr religiös pompös verschwurbelt vor - ich kann auch keine Ironie in den Bildern erkennen, wirkt auf mich alles, mit Verlaub, ver-Gauck-elte Diktion, will fragen: schreibt hier ein Pfarrer? Vielleicht stehe ich nur auf dem Schlauch, denke aber, dass man für diese Methaphorik ("starb für uns ..." , "war tot, doch er lebte...", gar noch mehrfach wiederholt...) einiges an Wildheit/Frechheit gegenpusten muss, um es zum Fliegen zu kriegen, ich kann nicht sehen, dass die Annäherung an Poe dabei hilft.
Grüße
Franz


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