Flußbett

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Eule
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Beitragvon Eule » 19.06.2012, 10:07

Flußbett


niedergebeugt wächst
der frühe Sommer durch
haut und haar dir schwer in die Hand

du kannst ihn nicht halten
er küsst dir das Augenlid

du legst ihn beiseite
behutsam ins Schildkrötennest
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 20.06.2012, 22:18

Lieber Eulerich,

nun ist zu dem Gedicht schon eine Menge geschrieben worden.
Manches kann ich nachvollziehen, anderes ist mir fremd.
Wichtig ist, und am Ende komme ich immer wieder auf die intensive Wirkung des Textes zurück, die er auf mich schon beim ersten Lesen entfaltete, ohne, dass ich ihn Wort für Wort interpretieren könnte und müsste.
Mir vermittelt das Gedicht eine spezielle Sicht auf das Leben, das viele Sommer (Jahreszeiten) dauert und einen eigenen Sommer (des Lebens) hat. Niemand bleibt lebenszeitlich im Sommer, der u U. auch schwer zu leben ist. Möglich, das manchmal ein Schutzschild nötig ist.
Ein berührendes Stückchen Lyrik, was ich als Allegorie lese und was in mir ein ganz persönliches Empfinden auslöst, eine Art Übereinstimmung.

Besonders gefallen mir,
der frühe Sommer durch
haut und haar dir schwer in die Hand

und
die Schildkrötennester.

Liebe Grüße
Gerda

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Eule
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Beitragvon Eule » 21.06.2012, 10:15

Danke Euch für die vielen und fast durchgehend stimmigen Kommentare, ihr habt den Inhalt, so meine ich, sehr gut erschlossen.
Vielleicht zwei Anmerkungen zum Titel und dem "niedergebeugt": Ein Flußbett kann auch topographisch, und damit nicht direkt abhängig vom Wasserstand, vorhanden sein. Wichtig ist hier vielleicht seine Funktion als geeignetes "Brut"gebiet für Schildkröten, da dort meist geeignete, offene und warme Sandstellen zu finden wären.
"Niedergebeugt" ist zum Beispiel die Vegetation durch viel oder starken Sommerrregen, was in Getreidefeldern oft zu Ernteverlusten führt.
Zuletzt geändert von Eule am 21.06.2012, 12:13, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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birke
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Beitragvon birke » 21.06.2012, 11:32

Aaah, natürlich! :idee:
Wusst ichs doch, dass es noch eine Verbindung vom Titel zum Text gibt.
Danke für die Erläuterungen, Eule.

Nun, da ich auch den Titel verstehen kann, finde ich deinen Text absolut und rundum gelungen, ganz wunderbar, chapeau! :daumen:

Liebe Grüße
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Mucki
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Beitragvon Mucki » 23.06.2012, 21:56

Hallo Eule,

hm, deine Erklärung zum Titel und zum "niedergebeugt" verwirrt mich.
Demnach stimmt meine Lesart wohl doch nicht, da du hier offensichtlich das "Schildkrötennest" nicht als Metapher meinst, sondern konkret, da du es in Bezug zur Brutstätte im Flussbett siehst. Und auch das "niedergebeugt" meinst du konkret auf den Sommer bezogen (bzw. auf den starken Sommerregen), genauso einen starken Sommerregen erleben wir ja gerade. Somit bezieht sich das "niedergebeugt" doch nicht auf das LyrDu. :12:

Verwirrte Grüße
Gabi

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Eule
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Beitragvon Eule » 24.06.2012, 12:01

Hallo Gabi, den meisten Interpretationsversuchen gelingt es doch, einen Teilaspekt eines Textes zu bemerken. Oft hat nicht einmal der/die Autor/in eine vollständige "Interpretationskompetenz". Noch weniger könnte diese dann von einer/m anderen Leser/in in Anspruch genommen werden. Obwohl der Gedanke an (oder Wunsch nach) einer solchen dann ja meistens doch im Umfeld des Aufgabenbereich einer professionell verstandenen Kritik vorkommt.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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