Flußbett
niedergebeugt wächst
der frühe Sommer durch
haut und haar dir schwer in die Hand
du kannst ihn nicht halten
er küsst dir das Augenlid
du legst ihn beiseite
behutsam ins Schildkrötennest
Flußbett
-
scarlett
das geht mir irgendwie sehr unter die haut.
der zu schwere sommer, der nicht gehalten werden kann, der sich deshalb verabschiedet /und nicht:verabschiedet wird!/, dieses behutsame betten ins schildkrötennest ...
möge er wieder kommen, denke ich am schluss, bleibe aber zwiespältig zurück.
niedergebeugt- das erscheint mir irgendwie doppelt gemoppel.
zumindest einen genaueren hingucker wert.
sehr berührende zeilen, eule.
lg
scarlett
der zu schwere sommer, der nicht gehalten werden kann, der sich deshalb verabschiedet /und nicht:verabschiedet wird!/, dieses behutsame betten ins schildkrötennest ...
möge er wieder kommen, denke ich am schluss, bleibe aber zwiespältig zurück.
niedergebeugt- das erscheint mir irgendwie doppelt gemoppel.
zumindest einen genaueren hingucker wert.
sehr berührende zeilen, eule.
lg
scarlett
Hallo Eule,
deine Zeilen haben einen traurigen/schwermütigen Nachhall, berühren mich. Da geht es mir wie Monika.
Du schreibst so zärtlich von einer großen Schwere, von einem Nicht-(Aus)-Halten können und einem Zurücklegen(müssen).
Vor allem die letzte Zeile geht sehr rein.
Das "niedergebeugt" ist zwar eigentlich doppeltgemoppelt, aber ich finde, dass gerade durch das "nieder" die Beugung verstärkt wird, würde es deshalb so lassen.
Einzig "haut" und "haar" würde ich groß schreiben.
Sehr gelungen, Zeilen, die man nicht so schnell vergisst, die im Kopf bei mir nachklingen.
Liebe Grüße
Gabi
deine Zeilen haben einen traurigen/schwermütigen Nachhall, berühren mich. Da geht es mir wie Monika.
Du schreibst so zärtlich von einer großen Schwere, von einem Nicht-(Aus)-Halten können und einem Zurücklegen(müssen).
Vor allem die letzte Zeile geht sehr rein.
Das "niedergebeugt" ist zwar eigentlich doppeltgemoppelt, aber ich finde, dass gerade durch das "nieder" die Beugung verstärkt wird, würde es deshalb so lassen.
Einzig "haut" und "haar" würde ich groß schreiben.
Sehr gelungen, Zeilen, die man nicht so schnell vergisst, die im Kopf bei mir nachklingen.
Liebe Grüße
Gabi
Hallo Eule, den "schweren" Sommer ins Schildkrötennest legen ... das ist für mich nicht stimmig. Abgesehen davon, dass Schildkröten glaube ich keine Nester haben (allerdings ihre Eier durchaus an einer Stelle ablegen, die in einem Gedicht vielleicht noch als Nest durchgehen kann), so fände ich den Gedanken, ihnen was Schweres draufzulegen, sei es noch so behutsam, zu destruktiv (denn das würde die Eier vermutlich zerstören).
Auch beim Kuss aufs Augenlid stört mich die angesprochene Schwere.
Heißt: Dein Gedicht zerfällt für mich in zwei Teile - die ich kaum verbinden kann.
Auch beim Kuss aufs Augenlid stört mich die angesprochene Schwere.
Heißt: Dein Gedicht zerfällt für mich in zwei Teile - die ich kaum verbinden kann.
Hallo Eule, das ist für mich ein sehr berührendes, melancholisch angehauchtes Gedicht, Kompliment!
Ich empfinde keinen Widerspruch zwischen der ersten Strophe und dem zarten Schluss ... denn Schweres kann für mich durchaus auch sanft und schützenswert sein. Ihn in ein Schildkrötennest zu legen, ist ein starkes Bild!
Denn zum einen brauchen die Schildkröten & ihr Nachwuchs viel Wärme und Sonne - und zum anderen kann so aus dem Sommer, der für mich hier nur zeitweilig "beiseite" gelegt wird, wieder etwas Neues er-wachsen.
Einzig den Titel (der wohl nach "neuer" Rechtschreibung Flussbett heißen müsste) kann ich nicht so recht in Einklang mit deinem Text bringen ... höchstens, dass der Sommer schwer und träge wie ein (langsamer) Fluss daher kommt ... was mir aber eher zum Spätsommer denn zum "frühen Sommer" passen würde ...
Und "niedergebeugt" erscheint mir doch auch doppelt-gemoppelt ... gebeugt impliziert ja das "nieder" durchaus schon.
Sehr gern gelesen!
Liebe Grüße
Diana
Ich empfinde keinen Widerspruch zwischen der ersten Strophe und dem zarten Schluss ... denn Schweres kann für mich durchaus auch sanft und schützenswert sein. Ihn in ein Schildkrötennest zu legen, ist ein starkes Bild!
Denn zum einen brauchen die Schildkröten & ihr Nachwuchs viel Wärme und Sonne - und zum anderen kann so aus dem Sommer, der für mich hier nur zeitweilig "beiseite" gelegt wird, wieder etwas Neues er-wachsen.
Einzig den Titel (der wohl nach "neuer" Rechtschreibung Flussbett heißen müsste) kann ich nicht so recht in Einklang mit deinem Text bringen ... höchstens, dass der Sommer schwer und träge wie ein (langsamer) Fluss daher kommt ... was mir aber eher zum Spätsommer denn zum "frühen Sommer" passen würde ...
Und "niedergebeugt" erscheint mir doch auch doppelt-gemoppelt ... gebeugt impliziert ja das "nieder" durchaus schon.
Sehr gern gelesen!
Liebe Grüße
Diana
-
Niko
hallo eule,
ein wirklich guter text, wie ich finde. und was die schildkrötennester angeht: immer schön die metaphernkirche im dorf lassen! meiner meinung nach ist es völlig unerheblich, ob das von lyrich ins nest gelegte zu schwer ist für schildkröten. oder ob sie überhaupt nester haben. es funktioniert für mich auch ohne diese logischen gründe, die es unlogisch werden lassen (wollen).
die erste strofe finde ich geradezu genial!!!!!!!!
gefällt mir gut!
liebe grüße: niko
ein wirklich guter text, wie ich finde. und was die schildkrötennester angeht: immer schön die metaphernkirche im dorf lassen! meiner meinung nach ist es völlig unerheblich, ob das von lyrich ins nest gelegte zu schwer ist für schildkröten. oder ob sie überhaupt nester haben. es funktioniert für mich auch ohne diese logischen gründe, die es unlogisch werden lassen (wollen).
die erste strofe finde ich geradezu genial!!!!!!!!
gefällt mir gut!
liebe grüße: niko
Hallo Niko, ich gehöre doch eigentlich nicht zu denen, die die Metaphern-Goldwaage mit sich herumschleppen bzw. immerzu fragen, ob "das" alles überhaupt sein kann. Aber wenn das Ende für mich Zerstörung bedeutet, stimmt das behutsam nicht. (Es liegt vermutlich daran, dass ich in meinem Leben schon mehrmals mit Schildkröteneiern zu tun hatte, diese Erfahrung kann ich nun leider nicht abschütteln).
Einen ähnlichen Widerspruch empfinde ich übrigens am Anfang: Der "niedergebeugte" Sommer wäre für mich eher der späte, daher kann ich das Begriffspaar niedergebeugt - früh auch nur schlecht zusammenkriegen.
Aber das sind eben die subjektiven Sichtweisen ...
Einen ähnlichen Widerspruch empfinde ich übrigens am Anfang: Der "niedergebeugte" Sommer wäre für mich eher der späte, daher kann ich das Begriffspaar niedergebeugt - früh auch nur schlecht zusammenkriegen.
Aber das sind eben die subjektiven Sichtweisen ...
Amanita hat geschrieben:den "schweren" Sommer ins Schildkrötennest legen ... das ist für mich nicht stimmig. ...
Auch beim Kuss aufs Augenlid stört mich die angesprochene Schwere.
Bin ich deppert?
Der Sommer an sich ist doch nicht schwer hier. Er ist für das LyrDu schwer, zu schwer.
Es kann diesen früh kommenden Sommer nicht halten und legt ihn deshalb beiseite. Behutsam, also langsam und vorsichtig. Hierin lese ich die Kraftlosigkeit und auch eine gewisse Resignation des LyrDu.
Das "Schildkrötennest" ist für mich eine Metapher. Einmal steckt da für mich die Schildkröte drin, die sich in ihren (Schutz)Panzer zurückzieht und zum anderen dieses "Nest" als Ort, in dem das LyrDu das hortet, was es nicht tragen kann.
Kurzum, für mich ist das total stimmig.
Nachtrag zum Titel Flussbett:
Das Flussbett steht hier für mich symbolisch für die Vertiefung (Tieflage) oder die Austrocknung des Flusses (Lebensflusses), der einst einmal ein wasserführender Fluss (das pralle Leben) war.
Deshalb ist für mich auch der Titel hier sehr passend.
Das Flussbett steht hier für mich symbolisch für die Vertiefung (Tieflage) oder die Austrocknung des Flusses (Lebensflusses), der einst einmal ein wasserführender Fluss (das pralle Leben) war.
Deshalb ist für mich auch der Titel hier sehr passend.
Zum Titel - hmmm ... aber ein Flussbett ist doch nicht automatisch ausgetrocknet?
Zunächst mal ist es nur eine Vertiefung, durch die aber durchaus Wasser fließt?
Na, vielleicht komm ich dem Titel auch noch auf die Spur ...
LG, Diana
Zunächst mal ist es nur eine Vertiefung, durch die aber durchaus Wasser fließt?
Na, vielleicht komm ich dem Titel auch noch auf die Spur ...
LG, Diana
@ Diana:
aus Wiki:
Als Flussbett werden auch ausgetrocknete, nicht mehr oder nicht immer wasserführende Flussbetten bezeichnet. In Asien und Afrika werden die Trockentäler als Wadi bezeichnet.
Ich finde das Wort "Schildkrötennest" richtig klasse. Es könnte auch noch anders verstanden werden: das Nest als stark und gepanzert wie eine Schildkröte.
aus Wiki:
Als Flussbett werden auch ausgetrocknete, nicht mehr oder nicht immer wasserführende Flussbetten bezeichnet. In Asien und Afrika werden die Trockentäler als Wadi bezeichnet.
Ich finde das Wort "Schildkrötennest" richtig klasse. Es könnte auch noch anders verstanden werden: das Nest als stark und gepanzert wie eine Schildkröte.
- allerleirauh
- Beiträge: 766
- Registriert: 26.06.2010
- Geschlecht:
hallo eule,
ich möchte gern anmerken, dass ich dein gedicht, so wie es jetzt da steht, sehr berührend finde.
interessant finde ich, dass sich der interpretationsraum in verschiedene richtungen verschiebt, wenn man sich statt der schildkrötennester andere wassertiergelege denkt. ("entennest" / "schwanennest" /"wasseramselnest" / "eidechsennest"...)
lg
a.
ich möchte gern anmerken, dass ich dein gedicht, so wie es jetzt da steht, sehr berührend finde.
interessant finde ich, dass sich der interpretationsraum in verschiedene richtungen verschiebt, wenn man sich statt der schildkrötennester andere wassertiergelege denkt. ("entennest" / "schwanennest" /"wasseramselnest" / "eidechsennest"...)
lg
a.
-
Niko
man (ich jedenfalls) macht ein gedicht nicht mit / nach aufgeschlagenem wiki.
ein flussbett ist ein flussbett ist ein flussbett.........
viel wichtiger ist doch die frage: was assoziiere ich mit dem wort?
für mich schwingt viel darin. aber nix ausgetrocknetes. ein flussbett ist (m)eine vorgegebene bahl, in der ich mich bewege. im verlauf vielleicht frei, in der ausdehnung eingeengt. ein flussbett ist ein weg. am ende eines flusses steht meist (oder immer?) das meer. etwas größeres. ein großes ganzes. und: "alles im fluss" und das wir die richtung unseres lebens nur in nuancen beeinflussen können. nicht aber die bahn, die uns vorbestimmt ist.
das schwingt bei mir mit, wenn ich den titel lese.
niedergebeugt wächst
der frühe Sommer durch
haut und haar dir schwer in die Hand
der sommer ist nicht niedergebeugt. sondern das lyrich (du = lyrich)
du kannst dich gegen den sommer nicht sträuben, gegen das leben nicht stellen. es kommt. es nimmt dich mit und durchdringt dich und wiegt so schwer. ich kenne das gefühl, dass "leichtes leben", dass durch den begriff sommer impliziert wird, so unendlich schwer zu handhaben ist.
du kannst ihn nicht halten
er küsst dir das Augenlid
halten bedeutet mir eher aufhalten als festhalten (konservieren)
du wirst von diesem leichten leben überfallen. das küssen des augenlids- letztlich kannst du dich nicht verschließen. ein gewaltsames hineiziehen in diese zeit
du legst ihn beiseite
behutsam ins Schildkrötennest
um dies alles bewusster leben zu können, wird es beiseite gelegt ins schildkrötennest. sozusagen auf halde um es dann - schildkröten gleich - ganz gemächlich angehen zu können und mit der hoffnung (der unausgesprochenen) verbunden, bewusster erleben zu können.
so meine lesart.....
liebe grüße: niko
ein flussbett ist ein flussbett ist ein flussbett.........
viel wichtiger ist doch die frage: was assoziiere ich mit dem wort?
für mich schwingt viel darin. aber nix ausgetrocknetes. ein flussbett ist (m)eine vorgegebene bahl, in der ich mich bewege. im verlauf vielleicht frei, in der ausdehnung eingeengt. ein flussbett ist ein weg. am ende eines flusses steht meist (oder immer?) das meer. etwas größeres. ein großes ganzes. und: "alles im fluss" und das wir die richtung unseres lebens nur in nuancen beeinflussen können. nicht aber die bahn, die uns vorbestimmt ist.
das schwingt bei mir mit, wenn ich den titel lese.
niedergebeugt wächst
der frühe Sommer durch
haut und haar dir schwer in die Hand
der sommer ist nicht niedergebeugt. sondern das lyrich (du = lyrich)
du kannst dich gegen den sommer nicht sträuben, gegen das leben nicht stellen. es kommt. es nimmt dich mit und durchdringt dich und wiegt so schwer. ich kenne das gefühl, dass "leichtes leben", dass durch den begriff sommer impliziert wird, so unendlich schwer zu handhaben ist.
du kannst ihn nicht halten
er küsst dir das Augenlid
halten bedeutet mir eher aufhalten als festhalten (konservieren)
du wirst von diesem leichten leben überfallen. das küssen des augenlids- letztlich kannst du dich nicht verschließen. ein gewaltsames hineiziehen in diese zeit
du legst ihn beiseite
behutsam ins Schildkrötennest
um dies alles bewusster leben zu können, wird es beiseite gelegt ins schildkrötennest. sozusagen auf halde um es dann - schildkröten gleich - ganz gemächlich angehen zu können und mit der hoffnung (der unausgesprochenen) verbunden, bewusster erleben zu können.
so meine lesart.....
liebe grüße: niko
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