Der Stein der Bildhauerin

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 21.05.2012, 21:30

leicht geänderte Fassung:



Der Stein der Bildhauerin

Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen.
Viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen.

Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß.
War auf der anderen Seite
ein Mann, viel zu gerade graviert
seine Lebenslineatur.
Er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte.

Er war Geburt und Tod.

Gesägt hat sie ihn.
Gefeilt, geklopft und gedreht,
bis er zusammenbrach.




Der Stein der Bildhauerin


Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen
viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen

Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod

Gesägt hat sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
Zuletzt geändert von Amanita am 22.05.2012, 13:45, insgesamt 2-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.05.2012, 11:00

Ja, das finde ich eine gute Lösung, Amanita!

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birke
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Beitragvon birke » 22.05.2012, 11:10

JA!
So find ichs auch gut.

LG, Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.05.2012, 13:05

Jetzt fehlt mir aber doch das er ... :)

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birke
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Beitragvon birke » 22.05.2012, 13:13

Echt? Also, ich finds jetzt wunderbar so - mir fehlt da nix, auch kein "er" ;) - gerade weil man die Zeile

seine Lebenslineatur

so auf die vorhergehende und eben auch auf die folgende beziehen kann.

Nur meine Meinung ... :)

Sonnige Grüße
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.05.2012, 13:20

Hallo Amanita,

Amanita hat geschrieben:Jetzt fehlt mir aber doch das er ... :)

Dann setz es ruhig wieder ein, es muss für dich stimmig sein. Und ein wunderbares Gedicht ist es allemal!

Übrigens, hast du schon mal überlegt, hier volle Interpunktion einzusetzen, da du ja auch teilweise Kommas gesetzt hast? Und noch eine Leerzeile einfügen? So? (Mit dem eingefügten "er")

Der Stein der Bildhauerin


Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen.
Viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen.

Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß.
War auf der anderen Seite
ein Mann, viel zu gerade graviert,
seine Lebenslineatur.
Er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte.

Er war Geburt und Tod.

Gesägt hat sie ihn.
Gefeilt, geklopft und gedreht,
bis er zusammenbrach.


Wobei man hier dann die Lebenslineatur nicht zeilenübergreifend lesen kann, aber ich glaube, das hier auch gar kein Enjambement von dir intendiert war, hm?

Liebe Grüße
Gabi

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.05.2012, 13:44

Hatte ich in der Tat überlegt, liebe Gabriella, ich tendiere in der letzten Zeit ohnehin zu mehr Satzzeichen.
Bis auf das Komma nach graviert werde ich Deine letzte Fassung übernehmen! Danke!

Die Leerzeile müsste für mich nicht unbedingt sein, aber sie tut vielleicht auch ganz gut - warum also nicht?

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.05.2012, 13:54

:daumen:

Bei dem Komma nach "graviert" hatte ich hinterher auch überlegt, ob da eins hingehört. Aber du hast Recht. Da gehört keines hin.

Die abgesetzte Zeile finde ich gut, da sie diesen ganzen Schaffensprozess noch einmal sehr intensiv wiederspiegelt.

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birke
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Beitragvon birke » 22.05.2012, 14:11

Ja doch, sehr schön so! :daumen:
Und für dich muss es schließlich stimmig sein, Amanita, natürlich.

Herzlichst,
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Beitragvon leonie » 22.05.2012, 14:51

Liebe Amanita,

das finde ich einen sehr feinen Text,der sich auch auf andere kreative Prozesse übertragen lässt.

Ich bin nur ein wenig unschlüssig wegen der sich ähnelnden Satzstrukturen. Wäre es eine Option, es bei Geburt und Tod einmal umzudrehen:

Geburt und Tod war er.

Dann wäre natürlich die Frage, ob man die nächste Zeile nciht auch umdrehen müsste:

Sie hat ihn gesägt...

In dieser Zeile würde ich vielleicht das "und" sogar weglassen.


Sehr gern gelesen!


Liebe Grüße

leonie

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.05.2012, 15:03

Hallo leonie, erst einmal vielen Dank!
Ja, die Wiederholungen waren schon auf der ersten Seite schon angesprochen, ich wollte es gern (etwas) statisch(er als sonst), weil es um Stein geht; vor allem aber wollte ich auf das fast stereotype Meißeln hinweisen.
"Er war Geburt und Tod" - in ihm war zunächst alles enthalten, und weil sich die Bildhauerin nicht entscheiden mochte (bei so viel "Angebot" :), ist er zum Schluss nur noch Staub - auch als Parallele zu unserem Menschsein. Das würde ich gern so lassen. "Sie hat ihn gesägt" würde mir nicht gefallen, denn "sie" tritt ja ziemlich in den Hintergrund, das Bildhauern (heißt das so?) ist in diesem Fall wichtiger als die Person, die sich in ihrem Tun dem Stein unterordnen muss (so erzählen mir es die Bildhauer auch).

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.06.2012, 11:46

Liebe Amanita,

bei diesem Gedicht geschieht etwas Seltsames in mir.
Ich lese den Titel und die erste Strophe :

Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen.
Viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen.


... und brauche weiter nichts ... alles was dann kommt, ist für mich bereits in der ersten Strophe enthalten.
Sie ist sehr aussagestark.
(Ach gerade sehe ich, du hast es unter Erzählgedichte gepostet, hm ... dann wäre vielleicht die erste Strophe der eigentliche Schluss, die Schlussfolgerung, die du gleich zu Beginn zusammenfasst?)

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 01.06.2012, 12:27

Ja, Gerda, die ersten Zeilen werden noch näher erläutert; so wars gedacht.


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