Frankfurter Weihnachtsmarkt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 25.11.2011, 15:49

Frankfurter Weihnachtsmarkt

Wenn es nur endlich schneien würde,
und Frost und Winter kehrten ein,
der Pelz wär nicht mehr länger Bürde,
sondern er wärmte, ohne Pein.

Im Sommerjäckchen Shoppen gehen,
wer will das schon zur Weihnachtszeit?
Wenn laue Winde westwärts wehen,
ist niemand stimmungsvoll bereit.

Wir brauchen Schnee für unser Herz,
der Weihnachtswünsche sanft umhüllt,
für das Gemüt und den Kommerz,
sonst bleiben Träume unerfüllt.

So fliegt kein Schlitten durch den Himmel,
kein Santa kommt durch den Kamin.
Da können Glöckchen feste bimmeln,
kein Mensch hört überhaupt noch hin.

Man quält sich irgendwie durch Gassen
Glühwein – Wein-Nacht überall.
Und Lebkuchen in braunen Massen,
gehört dazu auf jeden Fall.

Allerorts ein Glitzern, Blinken,
gar mancher Schlaf wird so gestört.
Und ist der Strom auch noch so teuer
gibt´s keinen, der sich recht empört.

Nicht einmal tausend Schritte weiter:
„Kämpft mit für alle"! Occupy!
Der Marktbesucher, glühwein-heiter,
hält smalltalk um den heißen Brei.



©20111125


Änderungen in Strophe 1, 6 und 7 auf Anregung von Niko - vielen Dank
Alte Fassung:
► Text zeigen


Dieser Text schmorte als Skizze schon lange. Auslöser war ein warmer Dezember, in dem sich Muttis dennoch in die Pelze schmissen ... heute war mir nach Posten.
Ich hoffe, dass er eine feine, bisweilen bissige Ironie transportiert.
Zuletzt geändert von Gerda am 17.12.2011, 14:31, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.12.2011, 20:49

Liebe Gerda,

die "feine, bissige Ironie" lese ich hier lediglich in der letzten Strophe, die mir sehr gut gefällt.
So würde ich mir den ganzen Text wünschen. Die anderen Strophen sind m.E. viel zu harmlos.

Liebe Grüße
Gabi

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Eule
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Beitragvon Eule » 10.12.2011, 20:56

Hallo Gerda, als alter "Halb-Frankfurter" finde ich den Text sehr gelungen und fein geschmunzelt ... ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 11.12.2011, 07:01

Liebe Gabi,

herzlichen Dank dir fürs Lesen.

Wenn der Text bei dir nicht so ankommt wie von mir intendiert, ist das natürlich schade und ich habe ihn deshalb auf dein "harmlos" hin noch einmal "geprüft". ;-)
Ich fürchte, ich muss dich bitten, doch noch einmal -verzeih - etwas gründlicher zu lesen ... denn wie anders als ironisch kann jede einzelne Strophe gemeint sein?
Das Plakative liegt mir fern. Subtil etwas zu kritisieren, hier die Besucher des Weihnachtsmarktes, bzw. die gesamte Gesellschaft. Es steckt vieles drin, was man evtl. erst auf den zweiten Blick sieht.

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 11.12.2011, 07:09

Lieber Eule,

dankeschön, ich freue mich sehr über dein "gelungen" und Schmunzeln war durchaus beabsichtigt!

Einen guten Tag (wer weiß vllt. sogar a. d. Weihnachtsmarkt) ;-)

Liebe Grüße
Gerda

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 11.12.2011, 21:35

Hallo Gerda,

wie du die Strophen gemeint hast, ist das eine; wie der Leser sie wahrnimmt, eine andere. Mir geht es wie Mucki, ich finde das Gedicht gleichfalls harmlos, und das meint hier: langweilig. Dazu tragen auch die Verse bei, die bestenfalls betulich, fast immer aber steif daherkommen; und manchmal - schlimmstes Beispiel S6, V3/V4 - rutschen sie auch auf die Güte einer Büttenrede ab. Tut mir leid, aber das zu Lesen macht wohl wirklich nur Spaß, wenn man "ein alter Halb-Frankfurter" ist?!

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.12.2011, 10:15

Hallo Ferdi,

danke für deinen Verriss!

Mir ist dein Kommentar zu verallgemeinernd, jede Strophe hat ihren ironischen Ton, wenn er bei dir nicht ankommt, so ist das schade, aber nicht schlimm für mich.
Das dieser Text nicht aus literarischen Gründen den Weg in die Tatstatur fand, dürfte doch hoffentlich klar sein.
Ich werde den Verdacht nicht los, dass in deiner Kritik ein Unterton mitschwingt, der nichts mit meinem Text zu tun hat. ;-)

Und nebenbei gesagt, so ein Weihnachtsmarkt hat tatsächlich etwas von Fasching ... Ebenso wie zu Karneval, Fasching oder Fassenacht, der Hoch-Zeit der Büttenreden, dröhnen sich auf Weihnachtsmärkten viele Menschen zu.
Das ist keinesfalls auf jenen in Frankfurt am Main beschränkt.
Ist es zu Fasching hauptsächlich Schnaps, Bier und Wein, so ist es auf den Weihnachtsmärkten der Glühwein oder härtere heiße Gesöffe, die sich dann harmlos "Punsch" oder "Jagertee" nennen.
daraus resultiert dann auch das büttenredehafte, was du aus deiner Sicht als schlecht verurteilst.

Liebe Grüße
Gerda

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.12.2011, 10:23

Hallo Gerda,

nein, kein Unterton. Lediglich die reine Mitteilung, dass dies ein schlechtes Gedicht ist. Die Gründe für diese Einordnung stehen in meinem letzten Beitrag.

Aber dass du Hintergedanken vermutest, wundert mich nicht. Wenn du nicht ganz so begeisterte Rückmeldungen bekommst, schiebst du die Möglichkeit, dir könnte vielleicht doch mal ein etwas weniger gelungener Text aus der Feder geflossen sein, ja regelmäßig weg mit dem Hinweis darauf, nicht der Text sei schlecht, sondern der Leser einfach nur nicht in der Lage, ihn zu verstehen, oder hege sonstige böse Absichten.

Na ja. Mach, wie du willst. Das dumme ist nur, dass man mit dieser Haltung nicht besser wird. Und unter dem nächsten Text dann wieder denselben Kommentar findet wie unter diesem:

Das ist ein schlechtes Gedicht.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.12.2011, 12:05

Ganz wie du meinst, Ferdi,

ich könnte auch denken, dass du dir, die deiner Meinung nach schlechten, herauspickst, gell ;-).
Wahrscheinlich sind deiner Meinung eh nach alle meine Texte schlecht, du äußest dich dann nur zu einigen "schlechten". Andere Saloner, die meine Texte anders sehen, haben Tomaten auf den Augen, nicht wahr.
Du bist doch nicht der Lyrikpapst im Salon, oder sollte ich etwas verpasst haben?
Also mach du ruhig weiter. Festige deine Stellung im Salon.

Eins noch, ich bin durchaus inder Lage zu erkennen, was ein schlechtes Gedicht oder ein nicht ganz so gutes ist.
Auch in jenen Bereichen, wo man dich so gut wie nie liest.

Dass ich dieses Gedicht für literarairsch nicht unbedingt gelungen halte, schrieb ich schon.

Eine frohe, friedliche Adventszeit wünsche ich weiterhin.
Gerda

OT
Hast du eigentlich etwas gegen Frankfurter?
Ich fühle mich als Düsseldorferin, nach fast 20 Jahren im Taunus seit Juli hier sehr wohl und gut akzeptiert.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.12.2011, 12:55

Hallo Gerda,

schlechte Gedichte erkennen - klar. Bei anderen. Bei deinen eigenen lassen deine Ausführungen zumindest nicht darauf schließen.

Was die schlichte, aber begründete Feststellung, das Mitglied "Gerda" habe ein schlechtes Gedicht geschrieben, mit der Stellung eines "Lyrikpapstes" zu tun hat, wird wohl auf ewig dein Geheimnis bleiben. Aber klar: Immer frisch verleumndet, irgendwas bleibt immer hängen. So sagt man doch?!

Ansonsten äußere ich mich zu den Gedichten kritisch, zu denen ich glaube, meine Kritik aufgrund von Wissen und Erfahrung begründen zu können. Reimgedichte gehören dazu, damit auch dieses.

Und nein, ich habe nichts gegen Frankfurter. Nur gegen Dichter, die lieber ihre Kommentatoren als Dummies hinstellen, als einen "Blick von außen" auf ihre Werke anzunehmen.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon Amanita » 12.12.2011, 18:29

Liebe Gerda, für mich besteht das Problem des Gedichtes darin, dass Du ja Kritik äußern bzw. Ironie transportieren willst und Dich eben nicht "lustig machst" über die sprachlichen Versatzstücke, die Du da benutzst "ein ... ohne Pein" - so was könnte ich mir eher in einem Nonsense-Gedicht vorstellen.
So wie es hier steht, erinnert es mich auch an eine Büttenrede, die ein bestimmtes Anliegen in eine launige Gedichtform quetschen will.

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Eule
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Beitragvon Eule » 13.12.2011, 17:22

ferdi hat geschrieben:Tut mir leid, aber das zu Lesen macht wohl wirklich nur Spaß, wenn man "ein alter Halb-Frankfurter" ist?!

Ferdigruß!


Hallo ferdi, der Text hat schon durchs Thema Lokalkolorit und mit Strophe 6 zusätzlich einen aktuellen Stadtbezug. Ohne das verbrauchte Etikett "Heimatdichtung" könnte man deshalb vielleicht etwas modener von "Stadtdichtung" sprechen, die hier jenseits des oft bemühten Asphaltblues/jazz/slam ein wenig kultivierter klingt. Es stimmt wohl auch, dass solche Texte oft nur eine überwiegend lokale "Zielgruppe" erreichen (können). Dass der Text stellenweise (auf komödiantisch - ironische Art) augenzwinkert, hat ja auch die Autorin bestätigt. :-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

Quoth
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Beitragvon Quoth » 14.12.2011, 10:45

Inzwischen hat man auf Berliner Weihnachtsmärkten ja die Chance, vergiftet zu werden. Mir schwebte die Möglichkeit vor, analog zu "Geh mer Tauben vergiften im Park" des göttlichen Georg Kreisler ein paar Verse über das Vergiften von Weihnachtsmarktbesuchern zu schreiben ... Hier hat die Realität die literarische Satire mal wieder überholt!

Was Ferdis herbe Kritik betrifft: Auch ein gewisser fröhlicher Dilettantismus muss in einem Forum Platz haben - sonst könnte ich hier auch nicht mehr schreiben!

Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Jelena

Beitragvon Jelena » 14.12.2011, 11:57

[quote="Gerda"]
Wir brauchen Schnee für unser Herz,
der Weihnachtswünsche sanft umhüllt,
für das Gemüt und den Kommerz,
sonst bleiben Träume unerfüllt.

So fliegt kein Schlitten durch den Himmel,
kein Santa kommt durch den Kamin.
Da können Glöckchen feste bimmeln,
kein Mensch hört überhaupt noch hin.

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Liebe Gerda, ist es wirklich dein Ernst, dass du diese Reime als irgendeine Art von Literatur ansiehst? Ironie ist das nicht. Das ist einfach wirklich nicht gut. Warum?
Weil die Kohärenz komplett fehlt. Kommerz / Herz: Ja, das reimt sich. Aber das hat hier leider ein Mischung, die nur noch dem "Reim dich oder ich fress dich" gerecht wird. Schon allein weil du plötzlich wieder im nächsten Vers von unerfüllten Weihnachtswünschen sprichst. Plötzlich wieder die Ebene des Kommerz verlässt. Die ganze Strophe ist ein einziger Unsinn!
In der danach erwähnten Strophe ist der ganze vierte Vers nur noch dem Reimprinzip geschuldet. Schließlich weiß jeder, dass die shoppende Menschheit längst keine Glöckchen mehr hört oder je erwartet. Du vermischst hier verschiedene Ebenen, die Erwachsenen und die Kleinkinder. Klappt so leider nicht.
Du kannst wirklich besser Gedichte schreiben, das hier ist tatsächlich nicht dein Genre.
Hier musst du wirklich heftig Selbstkritik üben und dir sagen: Das gehört NUR in die Tonne!
Nix für Ungut, Jelka.


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