wunsch [I]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 10.06.2011, 10:42

wunsch [I]


sitze in dunklen zimmern
während du draußen
die welt zertanzt

komm
lass uns toben

hier drinnen
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 12.06.2011, 14:58

Ferdi,

ich kann nicht mehr ... :o)

In jeder Sache ist immer auch ihr Gegenteil enthalten. Und, ja: Das Leben ist haarig. Und Liebe sowieso. Von den Düsternissen der Seele mal ganz zu schweigen ...

Deine neuerliche Interpretation geht in eine völlig andere Richtung (trotz deiner bewusst gleichen Lesart), und das nehme ich wohlwollend entgegen. Ich werde diese Sache nicht auflösen, ich nicht ... Ist es nicht toll, dass dieses Rätsel für immer im Text verbleiben wird? In so einem kleinen Text?

Ein Stück Lyrik kann immer nur ein Angebot an den Leser sein, sich daran zu spiegeln oder zu reiben oder sich zu ärgern (im Idealfall über sich selbst, nicht über den Autor :o). Antworten geben kann er keine.

Du nennst ihn beliebig (auch wieder den Text, nicht den Autor). Ich fasse es so auf, dass sich jeder beliebig oder Jeder beliebige daran spiegeln möge, wie es ihm frommt, und das mit seiner eigenen Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt abgleichen kann. Da diese aber selten identisch mit denen des Autors sind, kann die Interpretaion immer nur unterschiedlich sein. Zumal in solch kurzen Worten, die keinen Raum für Eindeutigkeit bieten, gottlob!
Für mich jedenfalls eine Skizze, in der ich mich sehr tief und genau spüren kann. Viel mehr kann ich nicht machen, wenn ich schreibe ...

Und jetzt gehe ich raus, meinen Hof zertanzen :o)

Danke, alter Fuchs!
Tom :o)
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 19:46

Hallo Ferdi,

ich verstehe nicht, warum da ein Beliebigkeitsproblem in die Kritik eingeführt werden muss. Für mein Empfinden geht es hier um eine emotionale Qualität, nicht um eine geometrische Rätselaufgabe oder szenarische Kontinuität. Wenn der Wein eine bestimmte Qualität hat, ist es dann nicht wahrlich beliebig egal, ob die Flasche rund oder schmal ist? Ich spüre da einfach eine hochverdichtete Atmosphäre aus melancholischer Ficklust. Ihre Qualität ist extrem schwer zu beschreiben. -- Die Magd ist draußen und lässt es krachen, während drinnen ein Trübsinniger es aus lauter Sehnsucht schier nicht mehr aushält. -- Der Text ist so knapp, er ist geradezu immun gegen Regiefehler. Und selbst wenn er ausführlicher wäre und Anschlussfehler sich einschleichen würden, warum sollten dann die Lichter nicht surreal verteilt sein? So wie auf einem dieser Gemälde von Magritte, auf dem dunkle Häuser mit Nachtlichtern in einer taghellen Sonnenlandschaft stehen.


Cheers

Pjotr

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 19:56

Hallo Pjotr,

das heißt aber doch nur, jeder soll in dem Text doch bitte finden, was er gerade möchte. Da spricht nun nichts gegen; aber dann muss ich keine Gedichte lesen, dann kann ich mich auch nach draußen setzen und den Wolken zuschauen - das ist wahrschenlich auch gesünder, wegen der frischen Luft. Und so. Ein kleines Stückweit zumindest muss doch wohl auch ein Gedicht eine Mitteilungabsicht haben. Wenn nicht, macht es sich überflüssig, weil es auch so schon reichlich Dinge gibt, über die man meditieren kann, genaugenommen alle Dinge. Und daher: Doch, ja, ein Beliebigkeitsproblem.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 20:55

Nein, ganz im Gegenteil. Der Text ist eindeutig und einige Leser mögen bitte genau das erkennen; die anderen Leser, die nichts sehen, sollen halt weitergehen. Blau ist eine Qualität. Und sie ist nicht beliebig. Dieser Text ist eine Farbe.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 20:58

Hallo Pjotr,

das ist völliger Quatsch :-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 22:06

Warum?

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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 22:15

Hallo Pjotr!

Weil du mit Sätzen wie "Der Text ist eindeutig und einige Leser mögen bitte genau das erkennen" nur ein ganz kleines Stückchen weg bist von "Das ist so, weil ich es sage" - und so etwas ist zumindest in einem Gespräch Quatsch.

Wenn du mich von der Eindeutigkeit des Textes überzeugen willst, dann bitte durch Darlegung der Texteigenschaften, die diese Eindeutigkeit hervorrufen; und wenn du dabei bist, zeige am Text doch bitte auch gleich, warum meine obige Deutung des Textes nicht zutreffen kann. Denn solange das nicht geschieht, ist der Text eindeutig zweideutig, oder?

Anders liegen die Dinge natürlich, wenn du gar kein Gespräch suchst. Dann nehme ich den "Quatsch" zurück, denn ein Gespräch abzuwürgen ist dein Beitrag aufs feinste in der Lage...

Ferdigruß :-)
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 23:22

Ich bin nicht in der Lage, zu überzeugen. Mir fehlen die Worte.

Deshalb gibt es diesen Text. Der hat die Worte.

Kannst Du die Farbe Blau beschreiben? Ich meine, die Bläue selbst. Nicht die Wellenlänge, auch keine blauen Gegenstände. Sondern allein die Farbe.

Ich kann es leider nicht.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als die hieraus folgende Gesprächsunfähigkeit stillschweigend zu akzeptieren. Zum Glück kommt das nur selten vor.


Schöne Nacht

Pjotr

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 13.06.2011, 00:33

Boähj, geiöl,

Euch beiden zuzuhören ist ein reines Vergnügen.
Ihr habt doch sicherlich nichts dagegen, wenn ich mich ebenso genüsslich wie teilnahmslos nach hinten lehne und den Treiben weiterhin lustvoll mein Ansinnen schenke ... ?

Großartig!

Tom.
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Beitragvon Thomas Milser » 13.06.2011, 00:42

Pjotr hat geschrieben:Ich spüre da einfach eine hochverdichtete Atmosphäre aus melancholischer Ficklust. Ihre Qualität ist extrem schwer zu beschreiben.


Ich wollte ja gerne die Fresse halten, aber das hier muss raus:

Also wenn das nicht gespürte Literaturkritik hoch neun ist, dann weiß ich auch nicht ... bin sprachlos ...

T-Punkt
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