wunsch [I]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 10.06.2011, 10:42

wunsch [I]


sitze in dunklen zimmern
während du draußen
die welt zertanzt

komm
lass uns toben

hier drinnen
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 11.06.2011, 15:10

Hallo Tom,

eigentlich dachte ich erst: "Ja, passt, alles gesagt, schön rund". Aber inzwischen scheint mir der Text doch etwas... unwirklich, als ob zu wenig zum Anfassen drin wäre. Das "die Welt zertanzen" ist zwar nett, aber nebulös, und "toben" - hm. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich meine, von dir nahrhafteres gewöhnt zu sein ;-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 11.06.2011, 18:25

Heio Ferdi,

na, das Zuwenig liegt vielleicht daran, weil aus der Entbehrung heraus entstanden ... und halt nur ne Skizze.
Eigentlich mag ich ja auch gar keine Kurzprosa :o)

Nebulös triffts aber schon sehr gut, da es sich ja nur um etwas Herbeigewünschtes handelt.

Danke für deine Betrachtung,

Tom.
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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 11.06.2011, 19:30

hallo thomas,

das ist mir mir ehrlich gesagt zu dünne. die verse bewegen nix in mir.

lg
a

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 12.06.2011, 02:10

Hi Tom,

ich bin nicht sicher, was "die Welt zertanzt" hier bedeutet - ich lese es positiv und finde dann keinen Bogen und kein Angebot des LI, das die dunklen Zimmer erhellen könnte. Stünde da z.B. "im Tanz zerfranst", dann würde mir der Wunsch des LI zumindest ansatzweise unterlegt erscheinen - vielleicht war so etwas deine Intention (d.h. zertanzen im Sinn von zerstören?)?
Grüße
Franz

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 03:24

In meinigem Kopf erzeugt dieser Text eine ganz spezielle, melancholische Stimmung; eine, die mit deutschem Vokabular fast unbeschreibbar ist; so unbeschreibbar wie Farben, die man bekanntlich selbst gesehen haben muss, bevor man von einem Wort sie gesagt bekommen kann. -- Diese gewisse Art der Sehnsucht können eigentlich nur Bild oder Musik wiedergeben. Der Text enthält beide Medien, und zeigt die Koordinaten im Empfindungsraum punktgenau. Ich glaube, treffender und eleganter gehts nicht.

(Allerdings lese ich nicht in Zeitlupe. Würde ich das tun, entstünde eine andere Szene, eine, mit einem Sumpfmonster :-) Hoffentlich wird die Tonregie demnächst wieder auf normales Tempo setzen.)


Ahoi

Pjotr

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 12.06.2011, 09:28

Hi Franz,

wenn man die Welt als etwas Dunkles, Graues, Liebloses wahrnimmt, ist Zertanzen quasi Zerstörung im Positiven, ein Vertreiben der bösen Geister. Es gibt Menschen, die durch ihr bloßes Erscheinen, ihre Anwesenheit eine Szene, einen Raum erhellen. Manche Kinder haben sowas, und auch noch mindestens eine Frau ...
Dein zerfranst verstehe ich irgendwie nicht, außer, es schriebe sich zerfranzt ... :o)

Moin Pjotr,

ich habe mich selten über einen Kommentar so gefreut! Ich selbst empfinde genau diese Melancholie in diesem Text, immer wieder, und wüsste nicht, wie sie anders gesagt werden könnte. Für mich ist das Ding absolut schlüssig; dass sich das nicht auf jeden Leser übertragen kann, ist aber ebenso logisch (sorry, Frau A.). Umso schöner zu sehen, dass ich zumindest einen erreichen konnte ...
Aber was meinst du mit Zeitlupe und Sumpfmonster? Stehe ich auf dem Kabel?

Pfrohe Pfingsten,
Tom.
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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 09:59

Hallo Tom!

Die Schlüssigkeit ist auch nicht das Problem - die sehe ich ja auch... Aber eine Nachfrage: Meinst du jetzt, dass der Sprecher im Gedicht "die Welt als etwas Dunkles, Graues, Liebloses wahrnimmt"?! Und wenn ja: Woran wäre das mir als Leser erkennbar?

Ferdigruß :-)
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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 10:14

Moin Tom,

es ist schon ewig lange her, aber vielleicht erinnerst Du Dich wieder: Bei "Zakkinen liest Milser" gab es mal einen Tonregisseur, der bat den Sprecher, gaaanz laaangsam zu sprechen. Ich fand das sooo langsam, dass es für mich fast an einer Grusel-Satire grenzte.

Das kam mir halt wieder in den Sinn.


Pfirsich

Pjotr


Moin Ferdi, für mich ist die Dunkelheit klar erkennbar. Sie steht gleich in der ersten Zeile.

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Beitragvon Thomas Milser » 12.06.2011, 10:22

Hallo Ferdi,

Pjotr hat geschrieben:Moin Ferdi, für mich ist die Dunkelheit klar erkennbar. Sie steht gleich in der ersten Zeile.


und zur Sicherheit nochmal in der letzten ... :o)




Hallo Pjotr,

ja, ich erinnere mich schwach, aber den Bezug hierzu habe ich trotzdem nicht ...
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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 10:31

Hallo Tom, hallo Pjotr,

also für mich wird da ein klarer Gegensatz zwischen "drinnen" und "draußen" ausgedrückt, mit der Feststellung, dass es "drinnen" dunkel ist. Und dann ist es "draußen" eben das Gegenteil, nämlich hell. Die Welt ist hell, bunt und voll von Liebe - bevor sie zertanzt wird, jedenfalls ;-)

So einfach, wie ihr es euch da in eurer Antwort (die, nebenbei, keine wirkliche ist: Schließlich war meine Frage "Nimmt der Sprecher... wahr?") macht, liegen die Dinge dann doch wohl nicht?!

Ferdigruß!
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Beitragvon Pjotr » 12.06.2011, 10:51

Thomas Milser hat geschrieben:ja, ich erinnere mich schwach, aber den Bezug hierzu habe ich trotzdem nicht ...

Es gibt keinen Bezug. Ich wollte nur einen nicht ganz ernst gemeinten Ausdruck zur Hoffnung bringen, dass, falls auch dieser Text mal gelesen werden sollte, einen kleinen Zakken schneller gesprochen werden würde als beim letzten Mal damals :-)

Jah, Ferdi, die seinige Welt ist hier drinnen. Der ist ja nicht draußen. Der lebt drinnen.

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 12.06.2011, 10:59

ferdi hat geschrieben:Und dann ist es "draußen" eben das Gegenteil, nämlich hell. Die Welt ist hell, bunt und voll von Liebe - bevor sie zertanzt wird, jedenfalls ;-)


Lieber Ferdi,

man merkt, dass du gerne Brettspiele betreibst :o)


Immerhin glaube ich jetzt verstanden zu haben, worin dein logischer Ansatzknackpunkt liegt.

Also, ich versuch mal eine Erklärung:
Nehmen wir an, bevor das "du" die Welt betritt, liegt sie - die Welt, nicht das "du" - da in finst'rem Grau. Nun zertanzt die Protagonistin ebenjenes Grau mittels innerem Sonnenschein. Worauf die Welt (draußen) gar helle ward. Das liebende "Ich", welches im Dunkeln hockt (drinnen), erwünscht sich nun, dass sich der Sonnenschein des "du" nach innen, also auch auf ihn übertragen möge. Mittels fic ... ähm ... toben ...

So isses - glaube ich - gedacht ... nein?


@Pjotr:

Aha! :o)
Ich werde das so an die Crew weitergeben ...


Tom.
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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.06.2011, 14:26

Hallo Tom!

Ja, das klingt vernünftig... Nur: Wo ist das im Text verortet?! Oder anders gefragt - welche Bestandteile des Gedichts würden es mir versagen, folgendes zu lesen:

Das "Ich" und das "Du", sich liebend verbunden, leiden an der Welt. Sie finden darauf zwei verschiedene Antworten: Das "Ich" zieht sich von der Welt zurück, das "Du" wirft sich ihr in die Arme, mag sein, mit dem Ziel der Eigenbetäubung, mag sein, mit dem Ziel des Verbrauchens. Das "Ich" leidet unter der Trennung und sagt: "Komm zu mir, dann machen wir das, was du machen möchtest, nur eben im Dunkeln".

Ich sehe gerade nicht, was dagegen spricht... Und sollte dem so sein - wäre der Text dann nicht doch ein wenig zu beliebig?! Denn wenn man eine Sache und ihr Gegenteil gleichzeitig vorfindet, wird es haarig ;-)

Ferdigruß!
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