bestandsaufnahme oder: ich bin nicht . der ich bin

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 26.02.2011, 10:56




bestandsaufnahme oder: ich bin nicht . der ich bin


immer am rand
mit den händen in der tasche
und das herz verstreut
zwischen drei galaxien
ziemlich kopflos mit durchblick
den ich nicht erkenne

nur links von mir
hab ich mich liegen sehen





.

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Eule
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Beitragvon Eule » 27.02.2011, 00:00

Hallo niko, der Text erzählt eine Verwirrung mit fantasievollen Worten - aber am Ende würde ich etwas seitenneutraler schreiben: nur neben mir/hab ich mich liegen sehen

Die Punktsymbolik öffnet eine passende Blickachse dazu. :smile:
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 28.03.2011, 10:23

Hallo Niko,

immer am rand
mit den händen in der tasche
In den Taschen?

immer am rand
mit den händen in den taschen
und das herz verstreut

nur links von mir
hab ich mich liegen sehen


Das würde mir für sich genommen sehr gefallen! Ich finde auch die letzten beiden Zeilen genau richtig, weil sie sowohl symbolisch lesbar sind, aber mir auch eine Orientierung geben, und dadurch auch eine Bewegung ins Bild kommt, die man mitgehen kann, es "sichtbarer" wird.
zwischen drei galaxien
ziemlich kopflos mit durchblick
den ich nicht erkenne
Hier wird es mir persönlich zu groß (@Galaxien) und zu erklärend und nimmt somit dem starken Bild, das ich vor mir sehe, an Kraft, ohne dass es mir etwas hinzugibt. Das betrifft auch den Titel, den ich für sich genommen zwar spannend finde, der mir aber hier zu viel "will", oder den Einstieg zu sehr in den Kopf verlagert. .-)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Max

Beitragvon Max » 28.03.2011, 21:17

Lieber Niko,

da geht es mir ähnlich wie Flora.

Zum einen funktionieren die Taschen für mich im Plural besser, zum anderen habe ich Angst vor den Dimnesionen der Galaxien, die mir auch ein wenig verbraucht scheinen.

Liebe Grüße
Max

Niko

Beitragvon Niko » 30.03.2011, 17:10

hallo ihr,
vielen dank für euer kommentieren und auseinandersetzen!

die tasche(n) lass ich jetzt mal außen vor. denn ich glaube, das hat etwas mit (umgangs)sprachgebrauch zu tun. finde ich davon ab auch nicht die erheblichste frage im text.
eure angst vor den galaxien versteh ich nicht. warum? ich meine, wir denken manchmal in solchen unendlichkeiten, dass drei galaxien doch nun wirklich ein klacks ist! ein empfinden zudem, dass andere raumvorstellungen füllt als das "normale denken". find ich jedenfalls.
auf den titel war ich eigentlich ziemlich stolz, denn er birgt viele möglichkeiten in sich. ich sehe das weniger als verkopft. und die bilder nach den galaxien finde ich auch nicht wirklich erklärend. im gegenteil. sie bleiben nach niko´scher manier schön im diffusen.

liebe grüße: niko

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 31.03.2011, 09:49

Hallo Niko,

die tasche(n) lass ich jetzt mal außen vor. denn ich glaube, das hat etwas mit (umgangs)sprachgebrauch zu tun. finde ich davon ab auch nicht die erheblichste frage im text.
Für mich macht es schon einen großen Unterschied, ob ich hier ein LIch mit den Händen in den Hosentaschen vor mir sehe, oder eines, das die Hände in irgendeiner Tasche hat.
eure angst vor den galaxien versteh ich nicht. warum? ich meine, wir denken manchmal in solchen unendlichkeiten, dass drei galaxien doch nun wirklich ein klacks ist! ein empfinden zudem, dass andere raumvorstellungen füllt als das "normale denken". find ich jedenfalls.
Die Galaxien "bringen" mir hier einfach nichts, sondern überlagern und verstellen durch ihre Größe, Übersteigerung und Unvorstellbarkeit nur das Eigentliche, lenken ab. Vielleicht denke ich aber auch einfach in kleineren Maßstäben. .-)
auf den titel war ich eigentlich ziemlich stolz, denn er birgt viele möglichkeiten in sich. ich sehe das weniger als verkopft.
Viele Möglichkeiten heißt für mich meist aber schon, dass der Kopf zu arbeiten anfängt und erst mal daran hängenbleibt? Ich mag das ja selbst auch gern, fürchte aber, dass am Ende oft für den Leser eben kein "mehr" daraus entsteht und auch nicht die gleiche Freude an den Interpretationsmöglichkeiten aufkommt, die man vielleicht selbst beim Schreiben hatte.
und die bilder nach den galaxien finde ich auch nicht wirklich erklärend. im gegenteil. sie bleiben nach niko´scher manier schön im diffusen.
Erklären bedeutet ja leider auch nicht zwangsläufig, dass es dadurch besser verstanden wird. .-) Es entsteht an der Stelle für mich einfach ein Druck, ähnlich wie beim Titel, der für mich ganz persönlich nicht zum Rest des Gedichtes passt.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Eule
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Beitragvon Eule » 31.03.2011, 10:30

Ich hatte den Titel als Wechselspiel zwischen Inhalt und Interpunktion verstanden. Ein Punkt beendet oder trennt oft Sätze Inhalte, Sachverhalte und - ja, auch Menschen. Galaxien, ein positives, vielfältiges, aber nicht festgelegtes Bild. Dieses Experiment gefällt mir sehr gut.
Zuletzt geändert von Eule am 31.03.2011, 21:43, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Niko

Beitragvon Niko » 31.03.2011, 16:30

danke, arne - ich freue mich, dass dir mein experiment geglückt ist!

liebe flora - wenn ich die tasche nehme, dann endert sich nichts dadurch, dass ich einen plural daraus mache. gut: dann sind es "die taschen" - aber aufschluss ob hosen - oder handtasche gibt es immer noch nicht.
wenn für dich ein "druck entsteht" nach den galaxien, dann kann ich damit wenig anfangen. was für ein druck? fühlst du dich in die enge getrieben? versteh ich nicht...

liebe grüße: niko

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 02.04.2011, 08:46

Hallo Niko,

wenn für dich ein "druck entsteht" nach den galaxien, dann kann ich damit wenig anfangen. was für ein druck? fühlst du dich in die enge getrieben? versteh ich nicht...
Vielleicht so: an den Stellen nehme ich den Autor, die Konstruktion, also die Schreibebene wahr, was mich aus dem Gedicht rauswirft und den Eindruck entstehen lässt, dass ich als Leser interpretieren soll, weil der Autor sich schließlich etwas dabei gedacht hat. Besser kann ich es leider gerade nicht erklären.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

FRP

Beitragvon FRP » 07.04.2011, 14:36

Hallo Niko,

hier ein anderer (meiner) Ansatz.
Wenn Dir was davon gefällt - bitte.


das herz
verstreut
in drei galaxien
milchstraßenklar
bewohnte Äonen

kopfloser durchblick
unbekannt
sah ich mich
links
erscheinen am rand

mit händen
die sich
ein heim besiedeln


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