aus dem Zyklus: Tagebuch einer Verschwindenden

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 08.01.2011, 13:16

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noel
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Beitragvon noel » 08.01.2011, 16:16

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NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 08.01.2011, 17:26

Liebe Xanthippe,

mir gefällt wie die Buchstaben zu Träumen anschwellen, der Wunsch, das Unterscheidungsvermögen lsozuwerden im Kontrast zu der Uhr, die immer zurückbleibt.

Diese Verschwindende hat für mich viele weiße Flächen, wo sie bereits undeutlich wird.

Finde den Zyklus sehr reizvoll,

viele Grüße
Fux

Max

Beitragvon Max » 08.01.2011, 21:24

Liebe Xanthi,

da geht es mir genau wie dem Fux.

Verschwinden finde ich ein sehr reizvolles Thema.

Liebe Grüße
Max

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 08.01.2011, 22:53

Liebe Xanthippe,

der Titel hat mich angelockt - wenn das eine Riehe ist/wird, finde ich das auch einen ganz feinen Titel unter dem man alles bündeln kann und es trotzdem einzelne Atemzüge bleiben.
Und auch den Text finde ich sprachlich sehr anziehend, berührend, die Bilder sind phantasievoll und sinnlich, die Vergleiche und Formulierungen sind immer angenehm und spannungsvoll gemischt: empfindsam- analytisch, freimütig-distanziert, traurig-schlicht.

Davon möchte ich unbedingt noch mehr lesen (auch wenn es wehtut),

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 10.01.2011, 10:34

Noel, Wüstenfuchs, Max und Lisa,

vielen Dank für die durchwegs positive Resonanz. Dann bleibe ich mal dran an diesem Zyklus und stelle demnächst vielleicht noch etwas davon vor.

viele Grüße
Xanthi

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 10.01.2011, 23:17

Liebe Xanthi,

auch ich finde diesen Text klasse! Es sind surreale Bilder, die sich zu einer Metapher zusammenfinden für ein Ich, dass seinen eigenen Wahrnehmungen, seiner "Unterscheidungsfähigkeit" ausgeliefert ist.

Einzig das Wort Träume - da bin ich mir unschlüssig, ob es nicht das Gesamtbild etwas schwächt. Denn in den Büchern, auf der Leinwand sind doch auch schon Träume. Alles ist irgendwie Traum nach der Sichtweise dieses Gedichts.

Viele Grüße
fenestra

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 15.01.2011, 12:00

Liebe Fenestra,

Danke für Deine Überlegungen. Ich glaube, mit dem Einwand bezüglich der Träume hast Du Recht, ich werde versuchen etwas anderes, stimmigeres zu finden.

vielen Dank
Xanthi

Niko

Beitragvon Niko » 16.01.2011, 03:13

die idee ist toll, der titel noch besser. nur bei der umsetzung hab ich beim lesen so gedacht, dass ein schreiben in der dritten person oder garkeiner person passender wäre. für mich eben. also etwa so:

Das Gesicht im Spiegel.
Es gibt Tage an denen es
nicht erkannt wird. Heute ist es verziert
von einer schweigsamen Verlegenheit.
Durch den Gedanken an ihn.
Es wäre besser, sich an die Buchstaben halten,
an die, die auffallen.
Die Worte erscheinen
wie ein zunehmend zahnloser Mund.

usw....


dennoch: sehr viel lesegenuss!

liebe grüße: niko

Gerda

Beitragvon Gerda » 16.01.2011, 11:02

Liebe Xanthippe,

jetzt, da ich Nikos Kommentar lese, ist mir bewust geworden, was mich beim Gedicht stört.
Ich würde es gern abstrakter lesen ohne Lyrich. Es lässt in der Form, in der du es zeigst kaum Deutung zu, es ist auf das Lyrich festgelegt.
Verschwinden ist auf jedenfall ein sehr interessantes, weitreichendens Thema.
Mein Hauptthema ist -"Vergehen", was ja auch immer mit dem Verschwinden von irgend etwas zu tun hat.

Liebe Grüße
Gerda

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 16.01.2011, 11:38

Hallo Niko und Gerda,

das finde ich sehr interessant, weil mir die vorgeschlagene Leseart viel zu distanziert erscheint. Verschwinden oder Vergehen) ohne eine Person, die verschwindet ist ein Gedanke, der mir jetzt beim ersten Lesen viel zu abstrakt vorkommt, aber ich denke gerne darüber nach.
An Dich, Gerda, hätte ich dann aber doch noch die Frage inwiefern Du es als einengend empfindest, dass da ein lyrisches Ich vorhanden ist, welche Art der Deutungsfreiheit Du Dir wünschen würdest.

Vielen Dank für eure Gedanken
Xanthi

Gerda

Beitragvon Gerda » 16.01.2011, 12:07

Liebe Xanthi,

ich finde Distanz, gerade bei Lyrik sehr wichtig. Zu leicht drängt sich der Gedanke des Lesers zwischen die Rezeption und den Text, dass der Autor selbst der Betroffene ist, von sich, erzählt (was er meist auch tut, denn wenn er zumindest diese Gedanken nicht gehabt hätte, wäre es nicht sein Text). Bei Prosa kann man sich als Autor vielleicht besser hinter den Figuren verstecken.
Ich glaube, dass es möglich ist, gerade aus der Distanz, also nicht unter Verwendung des "Lyichs", mit Texten zu berühren.
Ich suche in der Lyrik weniger eine Betroffenheit (nicht negativ gmeint), sondern eher die Abstaktion einer Beobachtung, Begebenheit, Erfahrung etc. und die sich für mich daraus ergebende Überlegung, ja eine Art von Gültigkeit.
Ich suche selbstverständlich noch einges mehr (Bereicherung, Beglückung durch Bilder und Worte u.d. m.), was ich jetzt aber nicht hier zum Gegenstand einer Diskussion machen möchte, denn hier geht nicht um meinen Geschmack oder meine Sicht auf Lyrik, sondern um deinen Text. :-)

Einen schönen Sonntag
Gerda

Niko

Beitragvon Niko » 16.01.2011, 13:46

hallo xanthi,

mir ist es durch die bezugnahme, durch das "ich-bezogene" zu einengend. einengend in der form, als das mir ein text etwas 1:1 erzählt und mir keine möglichkeiten lässt, mich selbst in dem text wiederzufinden. das ist ein phaenomen. zumindest bei mir. wenn ich einen text lese, der nicht konkret von einer person, hier dem "ich (vermeindlich der autor selbst) erzählt, ist er für mich offen. ich finde genügend winkel und nischen zwischen den worten, die meinem empfinden, meiner fantasie raum geben. und somit kann ich als leser ein gedicht eines anderen emotional zu einem stück eigenen machen, kann eintauchen und nachempfinden. wenn ein text ganz konkret von einer person handelt, nimmt er mir damit die möglichkeit. sein korsett ist eng und meine fantasie kann nicht eindringen. oder zumindest nur ansatzweise. somit versperrt sich der text dem leser unfreiwillig.

liebe grüße: niko

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 16.01.2011, 14:01

habt vielen Dank für eure aufschlussreichen (und so schnellen) Antworten, Gerda und Niko,
ich werde darüber nachdenken. aber ein Tagebuch ohne Ich kann ich mir dann doch nicht vorstellen, eines aus dem das ich immer mehr verschwindet sicher, aber ich denke es wäre ein Widerspruch in sich Tagebuchaufzeichnungen ohne ich zu schreiben, was wiederum gerade deshalb reizvoll sein könnte...


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