haushaltsauflösung

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.01.2011, 23:33

haushaltsauflösung

noch einmal
in diesem düsteren berg
letzte schätze aufspüren
zwischen den sedimenten
mit der spitzhacke
kindheitsjahre zerstören
abraum
in säcken wegschleppen
die schlüssel abgeben
adieu

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.01.2011, 00:31

Hallo Amanita,

der Schmerz dringt spürbar durch diese Zeilen. Einzig das "adieu" am Schluss würde ich weglassen, es wirkt auf mich zu lapidar und passt deshalb für mich nicht zu dem Schmerz. Auch könnte m.E. "abraum" entfallen. Dadurch würden sich dann die "kindheitsjahre" auch auf die nächste Zeile beziehen. Dies wäre meine Idee (noch ein "und" eingefügt, damit man eine Pause macht beim Lesen und die letzte Zeile nachhallt):

noch einmal
in diesem düsteren berg
letzte schätze aufspüren
zwischen den sedimenten
mit der spitzhacke
kindheitsjahre zerstören
in säcken wegschleppen
und
die schlüssel abgeben


Was meinst du?

Liebe Grüße
Gabi

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 00:37

Es muss nicht das Adieu am Schluss sein, ich hätt' dort aber gern noch ein kurzes, klingendes Wort.

Den "Abraum" hätte ich ebenfalls gern dabei, weil sich bis auf den Schlüssel alles irgendwie auf Bergbau bezieht. Und nicht nur das: Die Kindheit braucht noch eine Ergänzung, fast einen Kontrapunkt, sie ist mir in Deiner Version zu gewichtig.

Gute Nacht!

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 06.01.2011, 07:09

Mir gefällt das Adieu, gerade weil es ein bisschen lapidar klingt, aber nicht negativ lapidar; es vermischt sich in wohlklingender Tonlage mit Respekt und ehrlicher Melancholie. Ich finde jede Zeile sehr treffend.


Guten Morgen

Pjotr

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 06.01.2011, 13:11

spannend finde ich den titel haushaltsauflösung wenn dann ganz andere bilder kommen, als die die ich von diesem titel ausgehend vor augen habe. auf einmal ist da ein dunkler berg, aber auch schätze, jemand der mit der spitzhacke arbeitet und etwas zerstört, weil es sein muss, müde und traurig den abraum in säcke packt und entsorgt, um dann die schlüssel abzugeben und adieu zu sagen.
für meine leseart ist da kein wort zu viel und das adieu gibt dem ganzen einen sanften traurig resignierten, aber auch weichen, irgendwie liebevollen (vielleicht sogar versöhnlichen) abschluss.
einzig den titel der haushaltsauflösung, obwohl er zugegebenermaßen bei mir eine funktion erfüllt, mag ich nicht so sehr, weil er wenig neugierig macht und nicht sehr schön klingt, obwohl er das vielleicht auch nicht muss...

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 14:08

So geht es mir übrigens auch - ich wollte den Titel erst nicht nehmen, weil ich das Wort, isoliert, nicht sehr mag. Aber kein anderer Begriff erfüllt die Funktion, die ich brauche: einen "schnöden" Einstieg zu geben.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.01.2011, 14:11

Der Titel "Haushaltsauflösung" verrät vielleicht zu viel. Aber auf der anderen Seite wird dadurch der Text sehr klar. Man muss ja nicht immer kryptisch schreiben.
Auch wenn Begriffe aus dem Bergbau benutzt werden, handelt es sich ja doch um eine Haushaltsauflösung. Und diese, so lese ich es, ist für das LI so schwer, als würde es einen riesigen Berg abbauen.
Mit dem "Adieu" kann ich mich allerdings nicht anfreunden. Ich kann darin keine Melancholie oder Ähnliches hören. Aber das mag Geschmackssache sein.

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leonie
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Beitragvon leonie » 06.01.2011, 15:06

Liebe Amanita,

mir gefällt der Text so wie er ist. Einzig bei dem "letzte" habe ich überlegt, ob es sich mit dem "noch einmal" doppelt.
Aber eigentlich bringt es ja auch noch einmal einen neuen Akzent hinein.
EIn trauriger Text, sehr realistisch und auch mit einer gewissen Härte darin.

So wie es im Leben manchmal ist/sein muss.

Liebe Grüße

leonie

Niko

Beitragvon Niko » 06.01.2011, 16:24

für mich ist es ein endlich aufräumen können, wollen mit der kindheit, dem elternhaus, den beschwerenden erinnerungen. das "adieu" ist für mich nicht lapidar, sondern trifft mich ins mark, denn ich denke, dass es eine kurz-schmerzlose (augenscheinlich) und endgültige verabschiedung ist, die nicht mehr zurücksehen lassen will.

gefällt mir: niko

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 06.01.2011, 21:22

Liebe Amanita,

ich mag das "adieu" auch, kommt bei mir "echt" an. Und den Rest des Textes auch, so wie er ist. Ich würde nur überlegen, das "letzte" zu streichen, das ist etwas redundant aufgrund des "noch einmal" und der Thematik überhaupt. Es klingt irgendwie mit, dass es immer schwierig ist, sich im Haushalt der Eltern zu bewegen, dass es eine vergebliche Bewegung ist und dass der Abschied eben auch ein Abschied ist, von einer Hoffnung auf einen Fund, den es nie geben konnte.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 21:31

Hm, was statt letzte?
Nur Schätze wäre mir zu wenig.

Ich fand die Doppelung nicht schlimm, weil es, sozusagen, mehrere "letzte Male" vor der Endgültigkeit gibt.

Max

Beitragvon Max » 06.01.2011, 22:31

Liebe Amanita,

ich gehöre zu denen, die gut ohne das "Adieu" leben könnten .. es kommt bei mir als Geste an, die sich kaum füllen lässt.

Ansonsten ein guter Text.

Liebe grüße
Max

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 06.01.2011, 23:02

Liebe Amanita,

ich würde es tatsächlich einfach streichen - alle Zusätze schwächen für mich das Wort Schatz, ein wahrer Schatz braucht keine Attribute per definitionem, sagt mein Empfinden.

liebe Grüße,
Lisa
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 23:10

Nein, noch einmal schätze aufspüren - geht für mich nicht.

Wie wäre es, das noch einmal zu ersetzen? Zum Beispiel durch heute?


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