inventur

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 16.09.2010, 21:58



inventur
*

und darin ist brot
sauerteig im ofen gebacken
von schwieligen händen geformt

und wieder darin
ein choral der reinen art
schwebend über hängenden aussichten

und darum
ein paket aus postkarten
bunt bedruckt und gestempelt

ein segeltuch über blauem mohn
möcht ich sein
doch in dem gestirnten
blüht ein irrlicht
das vergessen zur frucht



*vorher: ventur
"schwielenden" in "schwieligen" geändert
Zuletzt geändert von Niko am 03.10.2010, 11:20, insgesamt 4-mal geändert.

scarlett

Beitragvon scarlett » 17.09.2010, 08:02

Wunderbare Einzelbilder, die ich, lieber Niko, allerdings nicht zusammenkrieg.
Mag auch daran liegen, dass ich mit "ventur" nicht wirklich was anfangen kann; kannst du mit dabei helfen? Was bedeutet dir dieses Wort?

LG
scarlett

Max

Beitragvon Max » 19.09.2010, 15:31

Hallo Niko,

das geht mir sehr ähnlich wie Scarlett.
"Ventur" ist zumindest in den mir geläufigen Sprachen kein Wort, stets fehlen so ein bis zwei Vokale.
Jede Strophe für sich erzählt etwas, ist kräftig - aber ich lese auch nur jede Strohe getrennt, weil sich das Bild nicht bis in die nächste Strophe retten lässt ....
Vielleicht täte etwas Lesehilfe gut.

Liebe Grüße
Max

Niko

Beitragvon Niko » 19.09.2010, 15:40

hallo scarlett, hallo max!

danke zunächst mal für eure beschäftigung mit diesem text!
mal gleich zum titel:
ich räume ein, dass der titel dem leser nicht gerade hinweise gibt. und meine ideen bei der titeltaufe sind so verworren, dass ich nicht erwarten kann, dass irgend ein mensch das nachvollziehen kann. ich werde also über die änderung des titels grübeln müssen.
die basis für den titel ist "inventur" das gedicht soll eine bestandsaufnahme eines lyrichs sein. meine von mir aus. aus dem befinden heraus ist das nach innen gekehrte, die sicht nach innen versperrt. die silbe "in" bei "inventur", bzw. das weglassen sollte darauf hinweisen. zudem aber bedeutet "venturus" soviel wie der kommende, ich glaube auch: jüngling. somit wäre wieder hoffnung gesetzt. - aber ich muss einräumen, dass das wohl nicht erkennbar sein kann!
vielleicht wäre mit dem titel "bestandsaufnahme" ein schlüssigeres lesen geschaffen?
es freut mich jedenfalls, dass euch die bilder der strofen gefallen!

liebe grüße: niko

Max

Beitragvon Max » 19.09.2010, 15:55

Hm, wenn mich mein Latein nicht trügt, kommt Inventur von invenire, was schon im Lateinischen verwirrenderweise finden oder erfinden heißt. Inventur ist also mehr das was man so (er)findet, das Ge- oder Erfundene. bei Ventur ist es ein wenig als schriebest Du "Fundene" in den Titel .. damit hätte ich vermutlich ähnliche schwieriigkeiten gehabt ;-)

scarlett

Beitragvon scarlett » 19.09.2010, 16:10

Lieber Niko,

ja ja, an die Inventur hab ich shcon auch gedacht, klar ... Bestandsaufnahme wär da vielleicht als mögliche Änderung sinnvoll.

Die ersten drei Strophen passen mir denn auch zusammen, die vierte allerdings sehe ich als eigenständiges kleines Gedicht mit großem Inhalt.

In S3 wär vielleicht "drumherum" auch eine Alternative oder wär dir das dann zu klar/einfach?
allerdings dem Paket würd ich unbedingt das "c" klauen, es sei denn, ich versteh hier wieder was nicht ...

Auf jeden Fall, ich lese es immer wieder, irgendwie lässt es mich nicht los.

LG
scarlett

Niko

Beitragvon Niko » 19.09.2010, 16:14

invenire - finden, erfinden...-das mag wohl sein. aber im lateinischen gibt es auch das wort venire. in das heißt kommen. in - venire hat somit für mich eher die bedeutung von "zu sich (herein)kommen". - was durchaus falsch sein kann.

vokabelgrüße: niko.....

Niko

Beitragvon Niko » 19.09.2010, 16:19

"packet" ist keiner größeren bedeutung untergeordnet, sondern schlicht ein dreckfuhler...-danke für den hinweis, scarlett! das vierte eigenständige ströphchen soll eigentlich von der sehnsucht erzählen, einer wunschvorstellung, einen traum zu haben, was aber unerreichbar ist. oder unerreichbar scheint?

ich weiß, wie toll es ist, wenn ich ein gedicht lese, was mich so dermaßen fasziniert, dass ich es immer und immer wieder lesen muss. von daher erfüllt mich deine anmerkung diesbezüglich mir größter freude!

liebe grüße: niko

NACHTRAG: habe einen alternativen titel unter die originalversion gepostet

Max

Beitragvon Max » 19.09.2010, 18:13

Hai Niko (man merkt, dass ich an derSee bin),

was hätte denn beim Alternativtitel gegen "Bestandsaufnahme" gesprochen? "Aufnahme des Bestandes" klingt als würdest Du Dich mit aller Macht gegen "Bestandsaufnahme" sträuben.

Liebe Grüße
Max

Niko

Beitragvon Niko » 19.09.2010, 18:36

fliegt ein kuckuck über´s meer, worin ein hai schwimmt. ruft der Hai "kuckuck" und der kuckuck "Hai!" :smile:

ne, max....ich sträube mich nicht gegen bestandsaufnahme. es ist für mich ein unterschied, zumindest ein gefühlter. aufnahme eines bestandes - das kann darauf hindeuten, dass man den bestand in sich aufnimmt. rückt also vom gebräuchlichen "bestandsaufnahme" ab, was mehr von auflistung und zählen ausgeht.

liebe grüße: niko

Quoth
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Beitragvon Quoth » 19.09.2010, 18:49

Lieber Niko,
auch wenn dies ein Gedicht ist mit Bildern, deren Schlüssel irgendwo in den Büschen liegt (vgl. Renée Lomris' Übersetzungsaufgabe), gefällt es mir allein schon wegen des Themas "bestandsaufnahme" - für das Du meines Erachtens ebenso gut wenn nicht besser "inventur" titeln kannst. Oder Du musst, wenn Dir der fehlende Zugang zum Innen so wichtig ist, eventuell "(in)ventur" schreiben, das "ventur" allein ist so recht nur was, wenn man Deine verwickelte Erklärung kennt.
Ich habe noch ein Problem mit den "schwielenden" Händen. Das Verb "schwielen" ist ein Neologismus. Warum nicht "schwieligen" Händen? Mit Neologismen ist das so eine Sache - ich finde, wenn man sie benutzt, sollte man sie öfter benutzen, sonst schwimmen sie wie ein einziges Fettauge auf dem Text.
Gut gefällt mir, wie Du einen "choral der reinen art" in den Text verpackt hast. Das erinnert mich an das Bachzitat in Alban Bergs Violinkonzert.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 19.09.2010, 20:45

Hallo Niko!

Bezüglich des Titels hast du dich wirklich verrannt. Ich würde auf jeden Fall den "alternativen Titel" zum richtigen Titel machen.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Max

Beitragvon Max » 19.09.2010, 20:54

fliegt ein kuckuck über´s meer, worin ein hai schwimmt. ruft der Hai "kuckuck" und der kuckuck "Hai!" :smile:


Es gibt ein großartiges Schweizer Duo, das ganz tolle kuckuck und hai witze hat ...
Bei dem Totel bin ich dennoch nicht Deiner Meinung ;-)

Liebe Grüße
Max

Niko

Beitragvon Niko » 19.09.2010, 23:11

dann vielleicht entweder "bestandsaufnahme (davon hab ich aber schon drei gedichte) oder inventur (was ich ziemlich günter eich-klanglich finde)........hm......

titellose grüße: Niko


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