Blitzwut

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 18.07.2010, 13:16

2. Fassung (danke leo und carl für die überlegungen)

Blitzwut

die leisen Geheimnisse
zwischen uns teilst du
längst mit einer anderen

sie weiß von deinem Drachen
auf der Lende und
welche Angst dir Altern macht

unsere Codes einander sprachlos
zu verstehen – ob du sie teilst
mit ihr – sprengt mir das Pochen

unterm Brustbein rollt der Donner
schwefelgelb rotiert das Blut
rot steigt Hitze in die Stirn

dahinter quält das Bild
von dir mit einem Lachen
das nicht mehr mir gehört

großmütig bin ich nicht
wünsch dir die Pest
ganz ehrlich


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Zuletzt geändert von Elsa am 28.08.2010, 12:31, insgesamt 3-mal geändert.
Schreiben ist atmen

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noel
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Beitragvon noel » 23.07.2010, 16:22

ich habe nietzsche sehrsehr gerne
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

Quoth
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Beitragvon Quoth » 23.07.2010, 16:38

Hallo, Elsa,
für mich handelt es sich um eine gute Momentaufnahme aus dem Eifersuchtsprozess. Schon wenige Minuten später könnte das "Urviech" (hübsch!) die "leisen Geheimnisse" banal, das Tattoo geschmacklos und das wortlose Verstehen als eine Serie von Missverständnissen beschreiben. Diese Herabsetzung des Verlorenen ist für mich eigentlich die dauerhaftere Form von Selbstverteidigung des gekränkten Ich - vielleicht lässt ja auch die sich in Verse gießen!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 23.07.2010, 17:59

Liebe noel, ich hab ihn auch gern, aber hier ist es besser ohne ihn, da ich von wut schreibe und weniger von hass.

lieber Quoth, Genau, gemeine Eifersucht ist das Thema. Da ist wohl fast jeder im Ego gekränkt. Ich denke sogar, oftmals ist die Liebe dann eh schon raus, allein die persönl. Demütigung wächst und wächst ...

Du meinst, gereimt ginge es auch? Ja, vermutlich.

Lieben Dank für den schönen Komm.

Herzlich,
ELsa
Schreiben ist atmen

scarlett

Beitragvon scarlett » 23.07.2010, 20:13

Elsa hat geschrieben:ich streich den Nietzsche jetzt sowieso, den braucht kein Mensch ;-)


Ich glaube zwar nicht, dass kein Mensch Nietzsche braucht, aber seis drum ... in diesem sehr gelungenen Gedicht vielleicht wirklich nicht ...

LG
scarlett

Max

Beitragvon Max » 23.07.2010, 21:40

Grins, Elsa, ich stehe voll hinter Deinem Nietzschesatz ;-)

Liebe Grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 24.07.2010, 17:59

Liebe Mo, danke fürs Gelungen! *hüpf*

Lieber Max, ja eh.

Euch beiden: Klar braucht man den Herrn, aber hier eher nicht. Ich. ;-)

Liebe Grüße
ELsa
Zuletzt geändert von Elsa am 06.08.2010, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 06.08.2010, 14:14

Liebe Elsie,

ein offenener Text, kraftvoll und doch mit leisen Tönen,
in meinen Augen daher kein unmittelbarer (Wut/Hass-)Ausbruch (mehr), weil er verwebt ist mit nuancierten, reflektierten Gedanken,

hab den Text anfangs als Gedicht lesen wollen, die Zeilenschaltung hat mich dazu verführt, doch der Text lässt sich nicht darauf ein, nein, ein Gedicht ist er nicht.

unsere codes (einander sprachlos verstehen) verraten,
diese Frage stellt sich das das Lyrische Ich, innerlich erregt, allein der Gedanke...schmerzt,
wie der Text dann genau dieses Gefühl ausdrückt, das Bild, das er dafür findet, mit dem er es ins Reich der Worte, der Sprache überträgt, "sprengt mir das Pochen hinterm Rippenbogen", ist so was wie ein Volltreffer.

Nach dem ersten Lesen hatte ich (in einer ersten intension) auch dafür plädiert, die beiden letzten wörter "ganz ehrlich" wegzulassen, weil man das ja nicht extra zu betonen braucht,
jetzt, wenn ich den text nach tagen wieder lese, seh ich es anders, hab ich meine meinung darüber geändert, ich begründe dies damit:

Diese beiden Wörter stehen in unmittelbarem Kontext zu den beiden vorherigen Zeilen
("großmütig bin ich nicht
wünsch dir die pest
ganz ehrlich").

Das sind drei Sätze, (bewusst) wie dahingeworfen,
lakonisch, einfach, wuchtig,
die wirken genau so nur in ihrer Einheit, vom Drive (Slang) her gehören sie einfach zusammen, find ich.

Namaste,
Stefan

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 06.08.2010, 14:25

Lieber Stefan,

So eine schöne Replik, für die ich dir herzlich danke!

Ich freu mich sehr, dass du den letzten Satz nun aushalten kannst, den Gegensatz Großmütig/Pest/ehrlich so gut kombinierst.

4. bis 6. STr. sind mir ja ans Herz gewachsen, seit ichs schrob, die würde ich ganz ungern ändern.

Daher, fein!

Liebe Grüße
ELsie
Schreiben ist atmen

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 07.08.2010, 21:41

Liebe Elsa, das gefiel mir außerordentlich ... und meiner Meinung nach ist das Gedicht gelungen, weil es dem lIch einen klaren Standpunkt zuweist, mit sprachlich adäquaten Mitteln. nd Hass

Den Unterschied zwischen Wut und Hass finde ich ohnehin flleßend, dieses fließende Changieren das das Ende der Liebe begleitet, diesen letzten Vulkanausbruch, den hast du sprachlich sehr gut getroffen

Bravo!

lG
Renée

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 08.08.2010, 08:47

Liebe Renée,

ich bedanke mich herzlich für dein Lob.

Ja sicher ist das fließend, zumindest man selbst kann das nicht recht auseinanderhalten.
Für mich ist Wut aber ein heißes Gefühl, Hass ein kaltes, rächendes.

Liebe Grüße
ELsa
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carl
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Beitragvon carl » 27.08.2010, 20:06

Liebe Elsa,

der Text besteht für mich aus den ersten beiden Strophen... der Rest ist schön - aber überflüssig!
(Du brauchst keine Sorge zu haben: Er ist unmissverständlich, auch ohne den Drachen auf der Lende...)

LG, C

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leonie
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Beitragvon leonie » 27.08.2010, 22:32

Liebe Elsa,

sicher könnte man die ersten beiden Strophen für sich stehen lassen in der Kraft, die in ihnen ist. Aber mir würde der Drache fehlen :-) .Auf das "tätowiert" könnte ich aber verzichten, das nimmt dem ganzen das Geheimnis komplett weg.
Für mich wäre die Frage, ob Du nicht umstellen könntest, so dass die ersten beiden Strophen (das Gewitter sozusagen) am Schluss kommt und Du mit den anderen Bildern dorthin führst.
Wir hatten es schon öfter, aber für mich wäre an manchen Stellen die Frage, ob Du die Dinge nicht in ein Bild fassen könntest statt sie direkt zu benennen.
Die Angst vorm Alter fällt für mein Empfinden gegenüber dem Drachen auf der Lende ziemlich ab. Aber das ist vielleicht wirklich Geschmackssache und überhaupt sind es nur Ideen...

Liebe Grüße

leonie

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 28.08.2010, 08:35

Lieber Carl, vielen Dank. Ich glaube dir, dass es auch ohne geht, aber ich kanns nicht weglassen.

Liebe Leonie, danke auch für deine Idee, ich habs mal probiert:

Blitzwut

die leisen Geheimnisse
zwischen uns teilst du
längst mit einer anderen

sie weiß von deinem Drachen
auf der Lende und
welche Angst dir Altern macht

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leonie
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Beitragvon leonie » 28.08.2010, 12:26

Liebe Elsa,

mir gefällt das sehr so, es steigert sich, rollt langsam heran das Gewitter. Aber dann entlädt es sich mit ganzer Wucht.

Liebe Grüße

leonie


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