regen II (regenslam)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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fenestra
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Beitragvon fenestra » 04.09.2010, 15:52

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Quoth
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Beitragvon Quoth » 05.09.2010, 22:10

Liebe fenestra,
mit regen I hast Du uns regen II natürlich schon zwingend in Aussicht gestellt, aber ich finde, es ist Dir gegangen, wie so manchem Autor und Filmemacher, der dem erfolgreichen ersten Teil einen zweiten folgen lässt in der Hoffnung, den ersten zu übertreffen - es gelingt fast nie! Du hast versucht, die Monotonie des Regens durch monoton mit r anlautende Worte wiederzugeben - aber Dein Text ist eben kein einlullender Regen, sondern ein Text, und bei seiner Lektüre kommt mir dann der Gedanke: Was fällt ihr jetzt noch ein? Sind nicht alle R-Wörter bald einmal verbraucht? Und wenn ich dann lese: "Er ruiniert Rettichfelder", denke ich: Morgensterns "Mondkalb" "tat's um des Reimes Willen" - den Rettich trifft's um seines Anlauts Willen ...
Einen Vorbehalt muss ich hier machen: durch schnelles, intensives und das kritische Bewusstsein gleichsam überrumpelndes Lesen mag der Text enorm gewinnen, zumal Du ja eine leseerfahrene Vortragskünstlerin bist! Insbesondere die letzte Strophe gleicht ja eher einem Notenblatt und schreit nach Rezitation!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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leonie
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Beitragvon leonie » 05.09.2010, 22:15

Liebe fenestra,

mir ging es beim Lesen ähnlich wie Quoth.
Ich bringe zudem das "r" auch schwer mit Regengeräuschen in Verbindung.

Wobei ich den Wortschatz aus dem Du schöpfst, auch wieder bewundernd zur Kenntnis nehme. Ebenso die Phantasie in der Umsetzung! Das ist wieder wirklich fenestrisch und gekonnt und auch Dein ganz eigener Stil!

Und doch hat Regen I mich mehr "gepackt".

Vielleicht muss ich es aber auch einfach hören. Stellst Du uns eine Hörfassung ein, darauf wäre ich sehr gespannt (am liebsten von beiden Texten!).

Liebe Grüße

leonie

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 06.09.2010, 20:46

Lieber Quoth,

erstmal sind die Texte zusammen, bzw. direkt nacheinander entstanden. Also keine zweite Folge, weil die erste erfolgreich war, ts ts ts ;)

Und natürlich sind viele Wörter der Constrainte geschuldet, dass alle Nomen und Verben mit R beginnen sollen. Sonst wäre ich aber auch nicht auf so (jedenfalls für mein Empfinden) nette Wortkombinationen gestoßen, wie "rotzt Rüben ins Rosarium".

Ja, der Text ist ein Slam und soll schnell vorgetragen werden, gleichsam auf den Zuhörer niederprasseln. Der Regen nimmt halt wahllos alles mit, es schwimmen die eigenartigsten Dinge an einem vorbei, so auch Rettiche und Richtungspfeile, einfach, weil sie dem Regenfluss (dem R) im Weg waren.

Ein solcher alles hinwegschwemmender Platzregen ist kein sinnlicher Genuss (wie regen I), sondern macht Angst. Dieses Gefühl zu vermitteln, ist mir wohl nicht so recht gelungen, stattdessen scheint es auf euch eher wie ein Wortfindespiel zu wirken.


Liebe leonie,

danke für das "fenestrisch"! :)
Das R der Wortanfänge ist lautmalerisch tatsächlich nicht so gut geeignet, wie die ganzen Silben, die ich im ersten Regentext verwendet habe. Ich habe stattdessen hier versucht, die Wirkung des Regens durch diese Wahllosigkeit der Gegenstände auszudrücken und auch durch die Tatsache, dass es immer weiter regnet und Dinge fortreißt, obwohl man eigentlich 'genug' schreien möchte (auch von der Aufzählung hat man irgendwann genug, sie wird aber bewusst bis zum Überdruss fortgesetzt).

In der Hörfassung würde ich versuchen, weitere Worte oder Geräusche zu unterlegen. Ich habe z.B. einen Refrain , der mir gut zu strömen schien:

run a run a run a run away

Für eure kritischen Anmerkungen herzlichen Dank!

fenestra

Max

Beitragvon Max » 06.09.2010, 21:05

Liebe Fenestra,

da ich gerade nach ein paar Tagen Abwesenheit wieder einsteige, kenne ich Regen I nicht.

Dem jetzigen Gedicht, dass ich vom künstlerischen Ansatz her gut finde, soll heißen, ich mag das artitische Konzept, bringe ich wohl den gleichen Einwand entgegen wie Leonie - mir scheint R ein zufälliger Buchstabe zu sein, der eben von "Regen" kommt. Beispielsweise hätte doch "Tropfen" in seinem Mittelteil sehr viel mehr Lautmalerisches, oder?

Liebe grüße
Max

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 06.09.2010, 21:19

Lieber Max,

der Regen, wie ich ihn hier beschreibe, tropft ja nicht. Er rauscht. Du kannst keine einzelnen Tropfen mehr heraushören:

tropf

to ropf

tripp ipp

to to to trropf

tarapata
tarapata
tarapa tarapa tarapa tarapa tarrrrrrrrrrrrr
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und dann sind da die Regenfluten, die über alles hinwegströmen, was sicher noch andere Geräusche mit sich bringt. Zum Glück musste ich das aber nicht selbst erleben - vielleicht steckt es deshalb nicht überzeugend genug drin im Text.

Vielen Dank, dass du dich in meinen Regen gestellt hast und viele Grüße
fenestra

Max

Beitragvon Max » 11.09.2010, 21:26

Liebe Fenestra,

das bringt mich zumindest ein wenig weiter ;-)

Merci auch für die vielen Rufzeichen ;-)
max

Quoth
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Beitragvon Quoth » 12.09.2010, 18:14

Ah, da hab ich was gelernt: Constrainte nennt man das, wenn man sich eine formale Zwangsjacke anzieht, die hier dann etwa heißt: Nur Wörter, die mit R anlauten! Dieser Ausdruck stammt wohl aus Deiner Befassung mit "oulipo", oder? Dort soll ja jemand sogar einen Roman ohne ein einziges E geschrieben haben. Letztlich ist ja auch ein Reimzwang, dem man sich ausliefert, eine Constrainte, ebenso ein Rhythmus, sogar selbstauferlegter Wohllaut usw.
Hättest Du nicht mal Lust, eine Aufgabe mit einer bestimmten Constrainte zu stellen? Ich bin sicher, es würden sich Interessenten finden!
Gruß
Quoth
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fenestra
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Beitragvon fenestra » 13.09.2010, 21:01

Lieber Max,

mit den vielen Rufzeichen wollte ich dich keineswegs aufrütteln, sondern nur statt lautmalerisch diesmal bildhaft den Regen darstellen (wie auch mit den dicker werdenden senkrechten Strichen der vielen r). ;)

Lieber Quoth,

ja, die Constraintes sind das Instrument der Oulipoten - und natürlich ist ein Reimschema wie ferdis Triolett z.B. auch eine Constrainte. Der Roman ohne e, "La disparition" von Georges Perec, liegt mir in seiner deutschen Übersetzung (!) vor: "Anton Voyls Fortgang" (Übersetzung: Eugen Helmlé). Liest sich erstaunlich flüssig.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine Aufgabe mit Constraintes hier viel Resonanz bekäme. Ferdi hat oft Formales ausgearbeitet und erläutert, aber dennoch wenig Nachahmer gefunden. Von mir aus könnte das Monatsthema gern mal nach einem formalen Kriterium gestellt werden, anstatt nach einem inhaltlichen Aspekt.

Viele Grüße
fenestra


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