version 3/2010
Der eine trug sein Kreuz
rot aufgemalt (man sagte mir)
nicht nur bis Stalingrad
Fern war dort Hippokrates
und längst gebrochen
der Stab des Äskulap
das Heil versickerte im Schnee
(wie klang danach
sein Lautenspiel?)
Der andere entkam
zunächst
hinter Reißbrett und Maschinenträume
bis sich dazwischen schoben
Bombenflieger
nicht nur in Tusche
Ein vollbesetzter Irrtum
(der Geschichte, wie man spät erfuhr)
trug ihn schließlich doch noch fort
für immer
hinter ausgediente Fronten
ins neue Bruderland
voll von schwarzem Schnee
Väter
waren sie beide doch groß
bleibt nur die Frage
was hätten sie mir wohl erzählt?
Der eine trug sein Kreuz
rot aufgemalt (man sagte mir)
nicht nur bis Stalingrad
fern war dort Hippokrates
und längst gebrochen
der Stab des Äskulap
das Heil versickerte im Schnee –
(wie klang danach sein Saitenspiel?)
Der andere entkam
zunächst
zwischen Reißbrett und Maschinenträume
schob ein Fließband
Bombenflieger
nicht nur in Tusche –
ein vollbesetzter Irrtum
(der Geschichte wie man spät erfuhr)
trug ihn schließlich doch noch fort
für immer
hinter ausgediente Fronten
ins neue Bruderland
voll von schwarzem Schnee –
Väter
waren sie beide doch
groß
bleibt nur die Frage
was hätten sie mir wohl erzählt?
(zumindest an des einen Grabe
kann ich hin und wieder stehn)
scarlett, 2007
Großväter
-
moshe.c
Liebe Scarlett!
Du sprichst hier von Trauer in einer Intensivität, daß mein Körper reagiert und meine Seele....auch schwer atmet.
Du sprichst hier von unsinnigem Verlust, unersatzbarem Verlust, den ganzen Tränen, die ich auch habe.
Du sprichst hier auch von mir und meinem Verlust und schaffst eine Brücke.
Danke, daß du den Text veröffentlicht hast.
Er ist sehr gut.
Moshe
Du sprichst hier von Trauer in einer Intensivität, daß mein Körper reagiert und meine Seele....auch schwer atmet.
Du sprichst hier von unsinnigem Verlust, unersatzbarem Verlust, den ganzen Tränen, die ich auch habe.
Du sprichst hier auch von mir und meinem Verlust und schaffst eine Brücke.
Danke, daß du den Text veröffentlicht hast.
Er ist sehr gut.
Moshe
Liebe scarlett,
das ist wirklich gelungen, finde ich. Du machst es einem nicht leicht beim Lesen und "mitkommen", aber genau das entspricht ja dem Thema des Gedichtes: Damit kann man es sich nicht leicht machen.
Ich glaube, ich würde hinter der Frage enden. Für mein Empfinden wäre das als Schluss viel "bedrängender" als diese fast "versöhnliche" Klammer. Sie klingt für mich auch fast zu sehr nach "privater Information" und nimmt dem gedicht ein wenig von seinem "allgemeingültigen" Charakter (den es für mich trotz des persönlichen hat).
Nicht verstanden habe ich "ein vollbesetzter Irrtum", trotz mehrmaliger Lektüre.
Ein starker Text!
Liebe Grüße
leonie
das ist wirklich gelungen, finde ich. Du machst es einem nicht leicht beim Lesen und "mitkommen", aber genau das entspricht ja dem Thema des Gedichtes: Damit kann man es sich nicht leicht machen.
Ich glaube, ich würde hinter der Frage enden. Für mein Empfinden wäre das als Schluss viel "bedrängender" als diese fast "versöhnliche" Klammer. Sie klingt für mich auch fast zu sehr nach "privater Information" und nimmt dem gedicht ein wenig von seinem "allgemeingültigen" Charakter (den es für mich trotz des persönlichen hat).
Nicht verstanden habe ich "ein vollbesetzter Irrtum", trotz mehrmaliger Lektüre.
Ein starker Text!
Liebe Grüße
leonie
Hallo Scarlett,
das, finde ich, ist ein ganz toller Text!
Es stimmt, dass die Schlussklammer schwächt, andererseits wird dadurch die räumliche Ferne des anderen Großvaters deutlicher. Ich lese aus dem vollbesetzten Irrtum die "Zone" oder einen Teil des damals "roten" Europa. Der Großvater wollte Kommunist werden, vielleicht. Das Bruderland aufbauen helfen. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor, doch der blendende Schnee ist in Wahrheit schwarz, die Menschen noch nicht reif für die Bruderschaft, und die Wahrheit auch keine.
Darf ich den Text versuchen zu lesen? Ich würde dir die Datei vorher schicken (wenn du mir per PN deine Mail gibst?), und wenn sie unpassend für dich ist, wegwerfen.
Herzlich
Klara
das, finde ich, ist ein ganz toller Text!
Es stimmt, dass die Schlussklammer schwächt, andererseits wird dadurch die räumliche Ferne des anderen Großvaters deutlicher. Ich lese aus dem vollbesetzten Irrtum die "Zone" oder einen Teil des damals "roten" Europa. Der Großvater wollte Kommunist werden, vielleicht. Das Bruderland aufbauen helfen. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor, doch der blendende Schnee ist in Wahrheit schwarz, die Menschen noch nicht reif für die Bruderschaft, und die Wahrheit auch keine.
Darf ich den Text versuchen zu lesen? Ich würde dir die Datei vorher schicken (wenn du mir per PN deine Mail gibst?), und wenn sie unpassend für dich ist, wegwerfen.
Herzlich
Klara
-
Max
Liebe Scarlett,
das gehört für mich zu den wirklich guten Texten von Dir und hier im Salon. Da st nichts gekünstelt, vieles aber sehr künstlerisch verarbeitet.
Mir gefällt z.B. sehr wie Du "Heil" in
verarbeitest ...
Gut finde ich auch, wie Du mit dem "groß" und "Vater" arbeitest in
im Anschluss
würde ich das "nur" weggelassen ...
Klasse!
Liebe Grüße
Max
das gehört für mich zu den wirklich guten Texten von Dir und hier im Salon. Da st nichts gekünstelt, vieles aber sehr künstlerisch verarbeitet.
Mir gefällt z.B. sehr wie Du "Heil" in
fern war dort Hippokrates
und längst gebrochen
der Stab des Äskulap
das Heil versickerte im Schnee
verarbeitest ...
Gut finde ich auch, wie Du mit dem "groß" und "Vater" arbeitest in
Väter
waren sie beide doch
groß
im Anschluss
bleibt nur die Frage
würde ich das "nur" weggelassen ...
Klasse!
Liebe Grüße
Max
-
Orit
Liebe Scarlett!
Ein sehr bewegender Text! Trauer um den Verlust von naher Familie, die man nie kennengelernt hat ... das kommt besonders gut durch die Klammern rüber. Die ertse Klammer: was erzählt wird. Die zweite Klammer: der geschichtliche Kontext und die dritte Klammer: die eigene ganz persönliche Sichtwiese mit allen Fragen, Gefühlen, Schmerzen ...
Liebe Grüße
Orit
Ein sehr bewegender Text! Trauer um den Verlust von naher Familie, die man nie kennengelernt hat ... das kommt besonders gut durch die Klammern rüber. Die ertse Klammer: was erzählt wird. Die zweite Klammer: der geschichtliche Kontext und die dritte Klammer: die eigene ganz persönliche Sichtwiese mit allen Fragen, Gefühlen, Schmerzen ...
Liebe Grüße
Orit
-
scarlett
Hallo in die Runde,
es freut mich riesig, daß mein Gedicht so positiv von euch aufgenommen wurde, freut mich natürlich ganz besonders, weil ich doch so einige Zweifel an diesem Text hatte, was seine "Verständlichkeit" anbelangt (dazu aber später mehr).
Aber es zeigt sich mal wieder, daß ich viel zu wenig Vertrauen in die Kraft der eigenen Worte und Bilder habe...
Bevor ich auf die einzelnen Beiträge eingehe, möcht ich mal für die Unterstützung, die ich hier immer wieder von euch erfahre, einfach nur danke! sagen.
Lieber moshe,
wenn mir mit diesen Zeilen, wie du schreibst, gelungen ist, eine "Brücke zu schaffen", dann ist das mehr, als ich jemals erwarten konnte.
Ich denke, daß wir uns alle viel näher sind, in unserem Fühlen, mit unseren Erfahrungen von Angst, Verlust und ja, auch mit Liebe, als wir gemeinhin so annehmen. Es kommt nur darauf an, öfter genauer hinzuschauen und sich zu öffnen.
Ich danke dir für deine Zeilen.
Liebe leonie,
daß es nicht einfach zu Lesen ist, das Gedicht, vielleicht sogar ein wenig sperrig wirkt, das war mir bewußt, andererseits konnte ich in diesem Fall, wie du ja auch schreibst, einfach nicht anders.
Ich mußte aus einer Fülle von Fakten die wirklich relevanten für dieses Thema (man darf ja die Beschreibung des topics nicht außer acht lassen) herausfiltern und das so, daß sie dennoch über den privaten Charakter hinaus etwas Allgemeingülitgeres transportieren.
Der "vollbesetzte Irrtum" (diese Strophe hat mich arg schwitzen lassen!): nun hat Klara ja was dazu geschrieben und ich bin sehr erleichtert, daß diese Strophe jenseits der persönlichen geografischen Gegebenheit etwas transportiert, was sich so oder so ähnlich (wie von ihr beschrieben) hätte abspielen können und abgespielt hat.
Ich dachte bei dieser Formulierung erst an "vollbesetzte Züge", hatte gehofft, daß sich da eine Analogie einstellt - mit denen die Menschen abtransporiert wurden, in meinem speziellen Fall in Arbeitslager.
Der "Irrtum" kam hinzu, als ich mich daran erinnerte, daß es Jahrzehnte gedauert hat, bis von höchster Stelle der Abtransport der Siebenbürger Sachsen (vorrangig) in russische Lager (wohlbemerkt: NACH dem Krieg!) offiziell als Irrtum bzw. Fehler deklariert wurde. Das ist nicht allzu lange her, wurde erst möglich, nachdem das totalitäre Regime in Rumänien beseitigt war.
Die "versöhnlichere Klammer" wie du schreibst, leonie, klar, die ist schon irgendwo private Info, aber ich denke, nicht nur das. Mir war damit wichtig, klarzustellen, daß einer (meiner) der Großväter nicht zurückgekehrt ist, daß wohl nicht mal ein Grab irgendwo in Russland existiert.
Der andere hat ja nach dem Krieg noch gelebt (deshalb in der ersten S der Hinweis "nicht NUR bis Stalingrad" (sondern darüber hinaus war er noch einige Jahre Arzt).
Diese auch räumliche Ferne noch zu betonen, war mir wichtig.
Liebe Klara,
ich würde mich sehr freuen, wenn du den Text liest. Und ich bin sicher, daß du die Datei nicht wegwerfen wirst müssen...
Ansonsten finde ich deine Lesart sehr treffend und interessant, zeigt sie doch das Allgemeingülitge in meinem Gedicht.
Lieber Max,
du sprichst die Stelle mit dem "Heil" an (ja, ja... das war auch so eine schwierige Geburt!). Da habe ich versucht, gleich mehrere Gedankenbahnen zu eröffenen: das "Heilen" des Arztes (was ja fast unmöglich war), das persönliche Heil, das Seelenheil und schließlich ... na ja, du weißt schon, das Heil, von dem die Menschheit hätte verschont werden müssen.
Es freut mich, daß du die Stelle als gelungen empfindest.
Das "nur" wegzulassen, dachte ich erst spontan, kein Problem, aber ich will dennoch ein wenig darüber nachdenken, ja?
Liebe Orit,
du sprichst explizit die Klammern in diesem Gedicht an, bei der ersten, war ich mir nicht sicher, ob sie denn überhaupt sein muß. Aber im nachhinein eröffnet sich bereits am Anfang damit eine andere Ebene und deswegen wird sie bleiben. Das hast du mir mit deiner "Erklärung" schön vor Augen geführt. (HIhi... ich schreibe manchmal schon auch "aus dem Bauch heraus").
Auch dir ganz lieben Dank für die Rückmeldung.
So, meine Fragen zum Gedicht, stelle ich dann später - ich muß jetzt nämlich mal weg.
Liebe Grüße an euch alle,
s.
es freut mich riesig, daß mein Gedicht so positiv von euch aufgenommen wurde, freut mich natürlich ganz besonders, weil ich doch so einige Zweifel an diesem Text hatte, was seine "Verständlichkeit" anbelangt (dazu aber später mehr).
Aber es zeigt sich mal wieder, daß ich viel zu wenig Vertrauen in die Kraft der eigenen Worte und Bilder habe...
Bevor ich auf die einzelnen Beiträge eingehe, möcht ich mal für die Unterstützung, die ich hier immer wieder von euch erfahre, einfach nur danke! sagen.
Lieber moshe,
wenn mir mit diesen Zeilen, wie du schreibst, gelungen ist, eine "Brücke zu schaffen", dann ist das mehr, als ich jemals erwarten konnte.
Ich denke, daß wir uns alle viel näher sind, in unserem Fühlen, mit unseren Erfahrungen von Angst, Verlust und ja, auch mit Liebe, als wir gemeinhin so annehmen. Es kommt nur darauf an, öfter genauer hinzuschauen und sich zu öffnen.
Ich danke dir für deine Zeilen.
Liebe leonie,
daß es nicht einfach zu Lesen ist, das Gedicht, vielleicht sogar ein wenig sperrig wirkt, das war mir bewußt, andererseits konnte ich in diesem Fall, wie du ja auch schreibst, einfach nicht anders.
Ich mußte aus einer Fülle von Fakten die wirklich relevanten für dieses Thema (man darf ja die Beschreibung des topics nicht außer acht lassen) herausfiltern und das so, daß sie dennoch über den privaten Charakter hinaus etwas Allgemeingülitgeres transportieren.
Der "vollbesetzte Irrtum" (diese Strophe hat mich arg schwitzen lassen!): nun hat Klara ja was dazu geschrieben und ich bin sehr erleichtert, daß diese Strophe jenseits der persönlichen geografischen Gegebenheit etwas transportiert, was sich so oder so ähnlich (wie von ihr beschrieben) hätte abspielen können und abgespielt hat.
Ich dachte bei dieser Formulierung erst an "vollbesetzte Züge", hatte gehofft, daß sich da eine Analogie einstellt - mit denen die Menschen abtransporiert wurden, in meinem speziellen Fall in Arbeitslager.
Der "Irrtum" kam hinzu, als ich mich daran erinnerte, daß es Jahrzehnte gedauert hat, bis von höchster Stelle der Abtransport der Siebenbürger Sachsen (vorrangig) in russische Lager (wohlbemerkt: NACH dem Krieg!) offiziell als Irrtum bzw. Fehler deklariert wurde. Das ist nicht allzu lange her, wurde erst möglich, nachdem das totalitäre Regime in Rumänien beseitigt war.
Die "versöhnlichere Klammer" wie du schreibst, leonie, klar, die ist schon irgendwo private Info, aber ich denke, nicht nur das. Mir war damit wichtig, klarzustellen, daß einer (meiner) der Großväter nicht zurückgekehrt ist, daß wohl nicht mal ein Grab irgendwo in Russland existiert.
Der andere hat ja nach dem Krieg noch gelebt (deshalb in der ersten S der Hinweis "nicht NUR bis Stalingrad" (sondern darüber hinaus war er noch einige Jahre Arzt).
Diese auch räumliche Ferne noch zu betonen, war mir wichtig.
Liebe Klara,
ich würde mich sehr freuen, wenn du den Text liest. Und ich bin sicher, daß du die Datei nicht wegwerfen wirst müssen...
Ansonsten finde ich deine Lesart sehr treffend und interessant, zeigt sie doch das Allgemeingülitge in meinem Gedicht.
Lieber Max,
du sprichst die Stelle mit dem "Heil" an (ja, ja... das war auch so eine schwierige Geburt!). Da habe ich versucht, gleich mehrere Gedankenbahnen zu eröffenen: das "Heilen" des Arztes (was ja fast unmöglich war), das persönliche Heil, das Seelenheil und schließlich ... na ja, du weißt schon, das Heil, von dem die Menschheit hätte verschont werden müssen.
Es freut mich, daß du die Stelle als gelungen empfindest.
Das "nur" wegzulassen, dachte ich erst spontan, kein Problem, aber ich will dennoch ein wenig darüber nachdenken, ja?
Liebe Orit,
du sprichst explizit die Klammern in diesem Gedicht an, bei der ersten, war ich mir nicht sicher, ob sie denn überhaupt sein muß. Aber im nachhinein eröffnet sich bereits am Anfang damit eine andere Ebene und deswegen wird sie bleiben. Das hast du mir mit deiner "Erklärung" schön vor Augen geführt. (HIhi... ich schreibe manchmal schon auch "aus dem Bauch heraus").
Auch dir ganz lieben Dank für die Rückmeldung.
So, meine Fragen zum Gedicht, stelle ich dann später - ich muß jetzt nämlich mal weg.
Liebe Grüße an euch alle,
s.
-
scarlett
Hallo nochmal,
ich hätte noch folgende Fragen:
wäre die S mit dem "vollbesetzten Irrtum" evtl. klarer, wenn ich statt "trug ihn doch noch fort" evtl. ein anderes Verb nehmen würde, z. B. "brachte" oder "nahm ihn mit"? Wäre dadurch der Gedanke zum Zug eher gegeben? (ich bezweifle es, ehrlich gesagt, aber na ja).
Ferner, am Anfang: findet ihr "das Heil versickerte im Schnee" gut, oder besser: "das Heil zerrann im Schnee"?
Zur letzten Strophe: findet ihr die Setzung so, wie sie momentan ist, OK? Oder wäre besser:
Väter
waren beide
doch groß
bleibt nur die Frage
.... "
Max, wenn ich das "nur" rausnehme, dann macht das "doch" irgendwie auch keinen Sinn mehr, also:
"Väter
waren beide
groß
bleibt die Frage... "
Nee, ich glaube, das "nur" muß bleiben...
also: wenn ihr nochmal Lust habt, drüberzuschauen und mir eure Ideen mitzuteilen, würd ich mich freuen, falls nicht, bleibt es, wie es ist.
Liebe Grüße,
s.
P.S. Wird eigentlich der Beruf des einen Großvater klar?
ich hätte noch folgende Fragen:
wäre die S mit dem "vollbesetzten Irrtum" evtl. klarer, wenn ich statt "trug ihn doch noch fort" evtl. ein anderes Verb nehmen würde, z. B. "brachte" oder "nahm ihn mit"? Wäre dadurch der Gedanke zum Zug eher gegeben? (ich bezweifle es, ehrlich gesagt, aber na ja).
Ferner, am Anfang: findet ihr "das Heil versickerte im Schnee" gut, oder besser: "das Heil zerrann im Schnee"?
Zur letzten Strophe: findet ihr die Setzung so, wie sie momentan ist, OK? Oder wäre besser:
Väter
waren beide
doch groß
bleibt nur die Frage
.... "
Max, wenn ich das "nur" rausnehme, dann macht das "doch" irgendwie auch keinen Sinn mehr, also:
"Väter
waren beide
groß
bleibt die Frage... "
Nee, ich glaube, das "nur" muß bleiben...
also: wenn ihr nochmal Lust habt, drüberzuschauen und mir eure Ideen mitzuteilen, würd ich mich freuen, falls nicht, bleibt es, wie es ist.
Liebe Grüße,
s.
P.S. Wird eigentlich der Beruf des einen Großvater klar?
liebe scarlett,
ich hatte das gedicht zunächst nur kurz angelesen - stalingrad, hippokrates und äskulap war mir zuviel namedropping hintereinander - ich konnte mich nicht in die bilderwelt der anfangsstrophen finden - sie schien mir verrätselnd/ konstruiert, als würde etwas in ziemlich mentale bilder gepackt, was sich direkterem ausdruck (warum auch immer) entzieht - ich verstand auch nicht, was genau gemeint ist - und nichts verlockte mich zur 'auflösung' dieser bilder - ich fand den gefühlszugang nicht.
beim nochmaligen lesen öffnet sich der text und berührt mich mehr: das lyr.ich scheint sich hier durch chronologien und fakten durchzuringen. die dadurch nicht fassbarer werden. es scheint nach worten zu suchen - die verbindung ermöglichen - zu den verlorenen vätern.
die worte können das jedoch nicht leisten.
manchmal am grab des einen großvaters zu stehen, bleibt weiter - die größtmögliche annäherung.
gefühlskontakt - möchte sich an etwas festmachen - aber die bilder, die auftauchen, bleiben weit weg, können nichts erklären, obwohl sie sich darin -naiv? - versuchen... die väter bleiben fern für das lyr.ich, es sucht vergeblich nach ihnen - und doch hat diese suche einen sinn . trägt den schmerz, den verlust.
das ist mein eindruck von diesem text.
liebe grüße
aram
ich hatte das gedicht zunächst nur kurz angelesen - stalingrad, hippokrates und äskulap war mir zuviel namedropping hintereinander - ich konnte mich nicht in die bilderwelt der anfangsstrophen finden - sie schien mir verrätselnd/ konstruiert, als würde etwas in ziemlich mentale bilder gepackt, was sich direkterem ausdruck (warum auch immer) entzieht - ich verstand auch nicht, was genau gemeint ist - und nichts verlockte mich zur 'auflösung' dieser bilder - ich fand den gefühlszugang nicht.
beim nochmaligen lesen öffnet sich der text und berührt mich mehr: das lyr.ich scheint sich hier durch chronologien und fakten durchzuringen. die dadurch nicht fassbarer werden. es scheint nach worten zu suchen - die verbindung ermöglichen - zu den verlorenen vätern.
die worte können das jedoch nicht leisten.
manchmal am grab des einen großvaters zu stehen, bleibt weiter - die größtmögliche annäherung.
gefühlskontakt - möchte sich an etwas festmachen - aber die bilder, die auftauchen, bleiben weit weg, können nichts erklären, obwohl sie sich darin -naiv? - versuchen... die väter bleiben fern für das lyr.ich, es sucht vergeblich nach ihnen - und doch hat diese suche einen sinn . trägt den schmerz, den verlust.
das ist mein eindruck von diesem text.
liebe grüße
aram
there is a crack in everything, that's how the light gets in
l. cohen
l. cohen
-
Herby
Hallo scarlett,
als jemand, dessen Vater an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung starb, haben mich diese Verse besonders berührt.
Und auch, wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, dass Dir die Klammer am Ende persönlich wichtig ist, für den Text ist sie nach meinem Lesen entbehrlich.
Liebe Grüße
Herby
als jemand, dessen Vater an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung starb, haben mich diese Verse besonders berührt.
Und auch, wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, dass Dir die Klammer am Ende persönlich wichtig ist, für den Text ist sie nach meinem Lesen entbehrlich.
Liebe Grüße
Herby
-
Jürgen
Hallo scarlett,
ich bin genau wie die Vorkommentatoren beeindruckt. Es sind interessante Bilder und sie schaffen es, den Leser gerade wegen ihres persönlichen Inhaltes zu berühren. Die Stelle mit dem Saitenspiel verstehe ich allerdings nicht. Ist es wirklich so gemeint, dass es um einen Arzt geht, der in der Freizeit musiziert?
Späte Grüße
Jürgen
ich bin genau wie die Vorkommentatoren beeindruckt. Es sind interessante Bilder und sie schaffen es, den Leser gerade wegen ihres persönlichen Inhaltes zu berühren. Die Stelle mit dem Saitenspiel verstehe ich allerdings nicht. Ist es wirklich so gemeint, dass es um einen Arzt geht, der in der Freizeit musiziert?
Späte Grüße
Jürgen
-
Sam
Hallo Scarlett,
ich bin auch der Meinung, dass dir hier ein atmosphärisch dichtes Stück Lyrik gelungen ist. Meine beiden Großväter waren ebenfalls im Krieg. Nur, dass ich das Glück hatte, wenigsten den einen noch so lange zu "erleben", dass er mir seine Eindrücke und Erfahrungen aus den Jahren in Russland mitteilen konnte. Mittlerweile ist er aber auch schon mehr als fünfzehn Jahre tot. Und eigenartig, wie einem doch immer wieder dieses Bedürfnis überkommt, dieser ganz tiefsitzende Wunsch, mit ihnen zu sprechen, sie von dem erzählen lassen, was man sonst immer nur aus zweiter oder dritter Hand hört.
Von daher hat mich dein Gedicht sehr angesprochen.
Einzig die zweite Strophe gefällt mir nicht. Nicht nur weil sie sprachlich nicht zum Rest des Textes mit seinen nüchternen Bildern passt, sondern weil mir ihnen zuviel Wissen um das steckt, was der Großvater dort erlebt hat. Aber gerade das NICHTWISSEN ist ja zentrales Thema des Gedichtes.
Liebe Grüße
Sam
ich bin auch der Meinung, dass dir hier ein atmosphärisch dichtes Stück Lyrik gelungen ist. Meine beiden Großväter waren ebenfalls im Krieg. Nur, dass ich das Glück hatte, wenigsten den einen noch so lange zu "erleben", dass er mir seine Eindrücke und Erfahrungen aus den Jahren in Russland mitteilen konnte. Mittlerweile ist er aber auch schon mehr als fünfzehn Jahre tot. Und eigenartig, wie einem doch immer wieder dieses Bedürfnis überkommt, dieser ganz tiefsitzende Wunsch, mit ihnen zu sprechen, sie von dem erzählen lassen, was man sonst immer nur aus zweiter oder dritter Hand hört.
Von daher hat mich dein Gedicht sehr angesprochen.
Einzig die zweite Strophe gefällt mir nicht. Nicht nur weil sie sprachlich nicht zum Rest des Textes mit seinen nüchternen Bildern passt, sondern weil mir ihnen zuviel Wissen um das steckt, was der Großvater dort erlebt hat. Aber gerade das NICHTWISSEN ist ja zentrales Thema des Gedichtes.
Liebe Grüße
Sam
-
scarlett
LIeber aram,
ich danke dir sehr, daß du dich zu diesem Gedicht geäußert hast.
Du hast natürlich recht: es ist schon ein mehr mentales Herantasten an die Großväter, da der Gefühlszugang versperrt bleibt, bleiben muß. Es ist dieses Angewiesensein auf das, was andere dem lyrIch erzählt haben und was das Ich nur notdürftig aufgreifen und vielleicht etwas gefühlsmäßig aufladen kann, was bedrückt und einen nie ganz losläßt.
Deshalb sind mir eigentlich auch die letzten Verszeilen irgendwo wichtig: so wie du auch schreibst, es ist die größtmögliche annäherung" die dem Ich zur Verfügung steht.
Daß du den "schmerz,den verlust", diedas Gedicht letztendlich transportieren, als einzig mögliche "Message" verstanden hast, stimmt mich zuversichtlich, ja ich denke, mehr ist fast nicht möglich.
Danke!
Lieber Herby,
dank dir auch herzlich für die Rückmeldung.
Ich denke, daß viele von uns an diesen unsäglichen "Folgen" in der einen oder anderen Weise leiden oder daran zu tragen haben - und es tut mir mit jedem für sein persönliches Schicksal leid -
Wie gesagt, ich verstehe den nicht nur von dir geäußerten Einwand z den letzten Verszeilen durchaus, aber ich kann und will nciht darauf verzichten.
LIeber Jürgen,
lieb von dir, daß auch du dich zu diesem Gedicht geäußert hast. Ich freue mich, daß du nachempfinden und nachvollziehen kannst.
Ja, es ist in der Tat so, daß es um einen Arzt geht, der in seiner Freiziet für sein Leben gern musiziert hat und auf vielen Instrumenten "daheim war". Ja, er muß wohl ein sehr geselliger und angenehmer Mensch gewesen sein...zumindest bis Stalingrad.
Hallo Sam,
dich unter einem meiner Texte zu lesen, hat mich sehr gefreut, weiß ichdoch, daß du eher in der Prosa "zu Hause" bist. DAnke!
Du sprichst von diesem ganz tiefsitzenden Wunsch, mit ihnen, die man - wie ich - nicht gekannt hat zu sprechen, sich erzählen zu lassen...
Ist es nicht einerseits furchtbar, daß wir es nie mehr können? Für mich schon - Erzähltes, aus zweiter Hand Bekommenes, Wünsche, Träume, Phantasien sind alles, was uns bleiben und damit müssen wir leben, klarkommen.
Andrerseits - wer weiß, wieviel "Unsagbares" auch besser nicht gesagt bleiben soll - vielleicht hat das auch irgendwo seinen Sinn, auch wenn wir ihn nciht erstehen können.
Die zweite Strophe, die du ansprichst: ich gebe dir irgendwo recht, sie fällt schon etwas raus, ich hatte aber gehofft, daß sie gerade durch diese Klammer "man sagte mir" schon deutlich macht, daß das Ich ausschießlich auf INfos aus zweiter Hand angewiesen ist.
Das NIchtwissen ist zwar thematisiert, aber das Gefühl, das sich Hintasten bleibt dennoch die einzige Möglichkeit.
Liebe Grüße an euch alle,
scarlett
ich danke dir sehr, daß du dich zu diesem Gedicht geäußert hast.
Du hast natürlich recht: es ist schon ein mehr mentales Herantasten an die Großväter, da der Gefühlszugang versperrt bleibt, bleiben muß. Es ist dieses Angewiesensein auf das, was andere dem lyrIch erzählt haben und was das Ich nur notdürftig aufgreifen und vielleicht etwas gefühlsmäßig aufladen kann, was bedrückt und einen nie ganz losläßt.
Deshalb sind mir eigentlich auch die letzten Verszeilen irgendwo wichtig: so wie du auch schreibst, es ist die größtmögliche annäherung" die dem Ich zur Verfügung steht.
Daß du den "schmerz,den verlust", diedas Gedicht letztendlich transportieren, als einzig mögliche "Message" verstanden hast, stimmt mich zuversichtlich, ja ich denke, mehr ist fast nicht möglich.
Danke!
Lieber Herby,
dank dir auch herzlich für die Rückmeldung.
Ich denke, daß viele von uns an diesen unsäglichen "Folgen" in der einen oder anderen Weise leiden oder daran zu tragen haben - und es tut mir mit jedem für sein persönliches Schicksal leid -
Wie gesagt, ich verstehe den nicht nur von dir geäußerten Einwand z den letzten Verszeilen durchaus, aber ich kann und will nciht darauf verzichten.
LIeber Jürgen,
lieb von dir, daß auch du dich zu diesem Gedicht geäußert hast. Ich freue mich, daß du nachempfinden und nachvollziehen kannst.
Ja, es ist in der Tat so, daß es um einen Arzt geht, der in seiner Freiziet für sein Leben gern musiziert hat und auf vielen Instrumenten "daheim war". Ja, er muß wohl ein sehr geselliger und angenehmer Mensch gewesen sein...zumindest bis Stalingrad.
Hallo Sam,
dich unter einem meiner Texte zu lesen, hat mich sehr gefreut, weiß ichdoch, daß du eher in der Prosa "zu Hause" bist. DAnke!
Du sprichst von diesem ganz tiefsitzenden Wunsch, mit ihnen, die man - wie ich - nicht gekannt hat zu sprechen, sich erzählen zu lassen...
Ist es nicht einerseits furchtbar, daß wir es nie mehr können? Für mich schon - Erzähltes, aus zweiter Hand Bekommenes, Wünsche, Träume, Phantasien sind alles, was uns bleiben und damit müssen wir leben, klarkommen.
Andrerseits - wer weiß, wieviel "Unsagbares" auch besser nicht gesagt bleiben soll - vielleicht hat das auch irgendwo seinen Sinn, auch wenn wir ihn nciht erstehen können.
Die zweite Strophe, die du ansprichst: ich gebe dir irgendwo recht, sie fällt schon etwas raus, ich hatte aber gehofft, daß sie gerade durch diese Klammer "man sagte mir" schon deutlich macht, daß das Ich ausschießlich auf INfos aus zweiter Hand angewiesen ist.
Das NIchtwissen ist zwar thematisiert, aber das Gefühl, das sich Hintasten bleibt dennoch die einzige Möglichkeit.
Liebe Grüße an euch alle,
scarlett
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