Jeder andere Name

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Lisa
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Beitragvon Lisa » 20.04.2006, 17:49

Jeder andere Name

Zieh deinen
Nerz aus Mangel
noch etwas tiefer
ins Gesicht.

Vergrabe
deine Hände
in seinen Taschen
voller Schmerz.

Dein Herz
ist eine nach
links gewachsene
Mondsichel.

Wie in bösen
Kinderbüchern.

Du hättest
jeden Namen tragen
können.

Nur nicht
diesen einen,
Mutter.

blau = geändert nach Gurkes Vorschlag
Zuletzt geändert von Lisa am 21.04.2006, 19:33, insgesamt 2-mal geändert.

Gast

Beitragvon Gast » 21.04.2006, 09:05

Liebe Lisa,
ein jeder hat nur eine Mutter... und dennoch scheinen Mütter vieles gemeinsam zu haben... oder ähnlich von Kindern, Heranwachsenden erlebt zu werden... :sad:

Harte, ehrliche Worte, gekonnt verdichtet zu anspruchsvoller Lyrik.
Vielen Dank §blumen§

Gerda

PS Bald ist Muttertag... dazu gibt es dann mal was in dieser Richtung von mir, aus 2004... ich muss es erst raussuchen...

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 21.04.2006, 11:40

Hallo ihr alle,
danke nochmals, ganz ehrlich, für die intensive Auseinandersetzung mit dem Gedicht.

Gurke: Mit dem Gedanken "jeder" zu benutzen wie schon im Titel verwendet, habe ich auch erst gespielt. Ich fand dann, dass alle auf seine Art schöner und tiefer klingt, überlege aber jetzt es abzuändern. Stimmiger wäre das ja schon!

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 21.04.2006, 11:44

Julek: Danke, du beschämst mich :schaem: .

MIt den Kinderbüchern muss ich überlegen. Es ist nicht so, dass für mich die Zeilen die wichtigsten wären. Sie entstanden eigentlich im Bezug auf die Mondsichel, da in Kinderbüchern mit guten Illustratoren und angstthemen die Mondsichel wirklich oft nach links (also zunehmend) zeigt. Mir war zwar klar, dass die Zeilen, so wie sie jetzt gesetzt sind, anders wirken, dass sie das "Negative" verstärken...aber für mich muss das Gedicht gar nicht so stark negativ gezeichnet sein.

MIch würde interessieren wie die anderen das sehen...das Gedicht kann ICH mir auch ohne die beiden Zeilen vorstellen...vielleicht zwei Versionen?

Ps: Ich schlafe eigentlich recht gut (ich liebe schlafen :cool: ) und wenn du guckst wie viele Gedichte ich seit meiner Anmeldung hier eingestellt habe, sind die, die du gelesen hast, fast alle! Eigentlich schreibe ich mich nämlich an einer längeren Erzählung (zugegeben recht lyrischer Art) müde und dachte, Gedichte schreibe ich erst, wenn ich 50 bin...der Inhalt fehlte, es war bloße Spielerei. Zur Zeit fühle ich mich der Form aber näher.

Max

Beitragvon Max » 21.04.2006, 16:46

Liebe Lisa,

ich schätze dieses Gedicht sehr, weil es präzise ist (klar, diese doofen Mathematiker wollen es wieder ganz genau haben) und dennoch lyrisch. Du sagst etwas auf lyrische Art, nicht weil Du unbedingt ein Gedicht schreiben willst, sondern, weil es sich anders nicht so sagen lässt. Das finde ich gut.
Die bösen Kinderbücher würdeich stehen lassen, das Gedicht verliert den unschuldigen Anspruch (und nicht nur die Kidnerbücher) und eines der stärksten Bilder, wenn Du sie rausnimmst.

Alles Liebe
Max

pandora

Beitragvon pandora » 21.04.2006, 17:17

genial, lisa, genial: das ist alles, was ich dazu sagen kann. (vielleicht noch, dass mir die schneekönigin vor meinem geistigen auge erscheint)

zwei wunderbare textstellen:
Lisa hat geschrieben:
Zieh deinen
Nerz aus Mangel
noch etwas tiefer
ins Gesicht.

Dein Herz
ist eine nach
links gewachsene
Mondsichel.



pandora, beeindruckt

Franktireur

Beitragvon Franktireur » 21.04.2006, 17:56

Ich votiere dafür, die bösen Kinderbücher drin zu lassen.

Nicht jeder assoziiert "nach links gewachsene Mondsichel" mit Bösem, Negativem, Bedrohlichem. Darum ist die Zeile "wie in bösen Kinderbüchern" zugleich auch eine Erläuterung, wofür die nach links gewachsene Mondsichel steht.

Auch rein formal aus lyrischer Sicht sollte die Zeile drin bleiben, da schließe ich mich Max an, dessen Begründung voll den Punkt trifft.

Zusammenfassend also: eine wichtige Zeile! Fliegt sie raus, könnte das Gedicht kippen.

Gruß
Frank

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 21.04.2006, 19:31

Hallo,
ok, die Kinderbücher bleiben, ich denke, ihr habt Recht. Ich habe jetzt noch nach Gurkes HInweis geändert (das müsste dann auch in der Anthologie nochmal geändert werden): alle in jeden.

Danke euch allen, mir hilft das wirklich produzieren zu können §blumen§

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 21.04.2006, 19:36

ps: Pandora: Die Schneekönigin ist eine Assoziation, die mir gefällt...

ps Gerda: ich bin mehr als gespannt, meines sollte man wohl eher nicht verschenken :cool:

Trixie

Beitragvon Trixie » 22.04.2006, 15:04

Servus Lisa!

Ein Wahnsinns-Gedicht, wirklich. Beeindruckend! Habe nichts, aber auch gar nichts auszusetzen. Ich finde im Übrigen auch, dass "jeden" besser passt. Jaja, alle sind sie verschiedene Menschen, doch Mütter heißen sie trotzdem immer. Als sei es eine Schublade, in die man sie stecken muss. Den Mondsichelteil finde ich weder verwirrend noch überflüssig, ich finde, er macht das Gedicht noch viele Male lesenwert und wirklich ganz ganz besonders. Da merkt man, dass wirklich was dahinter steckt! Respekt!!

lg Trixie

Gast

Beitragvon Gast » 22.04.2006, 18:28

Hallo Lisa,

verschenken kann man meins auch nicht...
Ich bitte noch um etwas Geduld...

Liebe Grüße
Gerda

Gast

Beitragvon Gast » 30.04.2006, 22:18

siehe unter "mutterliebe".

Rosebud

Beitragvon Rosebud » 20.10.2009, 14:23

.
Zuletzt geändert von Rosebud am 26.06.2015, 18:45, insgesamt 1-mal geändert.

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 21.10.2009, 16:55

Hallo,

ich schließe mich Rosebud an, ein unheimlich starker Text, jedes Wort sitzt,


viele Grüße
Wüstenfux

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 21.10.2009, 18:48

Hallo ihr,

ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber ich bin ja immer mehr als peinlich berührt, wenn man zu so einen alten Text dann noch einmal etwas gesagt bekommt - ich will ihn nicht seinen Anspruch nehmen, aber ihn so schreiben könnte ich ihn auf keinen Fall mehr. Daher nehme ich eure Begeisterung einfach mal so an und freue mich, obwohl mir ein Gefühl zum Text eher fehlt.

liebe Grüße,
Lisa (wie schön dich mal wieder zu lesen Fux!)
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.


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