flucht

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 16.02.2007, 16:23


flucht

glaub mir
zerfetzte ich mein zweites gesicht
würdest du
schreiend rennen
und ich
schweigend springen

aram
Beiträge: 4537
Registriert: 06.06.2006

Beitragvon aram » 16.02.2007, 16:45

schweigend springen


liebe magic,

diese zeile macht den text sehr geheimnisvoll.


liebe grüße,
aram


p.s.
deutsch ist doof mit den konjugationen der hilfsverben - sie lassen sich dadurch nicht mehrfach beziehen... (aber ich kann zumindest drüberlesen, ohne 'rauszufallen')
there is a crack in everything, that's how the light gets in
l. cohen

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 16.02.2007, 17:00

hallo aram,

das ist gut, wenn es geheimnisvoll rüberkommt. ich hatte zuerst noch ein wort davor, habe dann aber verdichtet.
saludos
magic

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 16.02.2007, 22:44

magic,
es ist der WANDEL in deinen texten,
hierin steckt energie ;-)

salve
hakuin

Benutzeravatar
leonie
Beiträge: 8896
Registriert: 18.04.2006
Geschlecht:

Beitragvon leonie » 16.02.2007, 22:49

Liebe magic,

der Text wirft die Frage nach dem ersten Gesicht auf, wenn es solches auslösen kann. Oder meint das lyrIch nur, dass es das könnte. Vielleicht täuscht es sich gar. Spannend....

Liebe Grüße

leonie

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 16.02.2007, 23:30

hallo hakuin,

ja, viel energie, manchmal zuviel ...

hallo leonie,

die frage ist, ob es überhaupt noch ein erstes gesicht gibt,-)
saludos
magic

Gast

Beitragvon Gast » 17.02.2007, 00:04

Liebe Magic,

ich finde es schwierig, dieses "Zweite Gesicht" in deinem Text.
Weisst du, von Menschen mit prophetischen Gaben, die "weissagen", spricht man davon, dass sie das "zweite Gesicht" haben. Wenn du diese Leseart intendierst, so wird der Text einserseits klar, aber lesbar, m. M. nach auschließlich für die Menschen, die daran glauben, dass ein Mensch diese Gabe besitzen kann.

Möglich ist natürlich auch, dass es dir um das "wahre Gesicht" geht. Dass das zweite Gesicht, eben das wahre ist, Daraus folgert für mich, wenn das Lyrich dieses wahre G. dem lyrDu zeigt, dass das lyrDu nur noch flüchten wird, weil es mit der Wahrheit nicht leben kann...

Die dritte Möglichkeit innere zwiesprache des Lyrich.
Das zweite Gesicht ist die Maske, die zum Bersten gebracht, das erste Gesicht in die Flucht schlägt.
Übrig bleibt??? ja was ? Nichts.m. M.

Ein paar Versuche, dem Text auf die Spur zu kommen, liebe Magic, ich bin noch nicht warm geworden mit ihm.

Liebe Grüße
Gerda

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 17.02.2007, 01:56

hallo gerda,

du bist doch schon ganz gut warm geworden mit den zeilen,-)

das sog. "zweite gesicht" als gabe des weissagens meine ich jedoch nicht.

mit deinen gerdanken,-) zum "wahren gesicht" bist du sehr nah dran. doch hier fehlt noch das lyr.ich. in deiner interpretation.

saludos
magic
p.s. sorry, schreibe alles klein, da ich mir die schulter gezerrt habe und alles mit der linken hand tippen muss und auch die maus auf der linken seite liegt, puh, das ist vielleicht ätzend,-(

Gast

Beitragvon Gast » 17.02.2007, 13:18

Schon mal gute Besserung, liebe Magic.

Geht es denn darum, dass das Lyrich dem Lyrdu quasi die Zähne zeigt, damit es endlich Ruhe hat?
Oder geht es um Suizid?
Das "Springen" verwirrt mich sehr, könnte es sein, dass dem Lyrich nichts anderes übrig bleibt als zu springen... aber in den Tod? :confused:
Lieber wäre mir, es würde "lachend" in die Freiheit "springen".

Das "schweigend" könnte ja zu meinem Gedankengang, dass das LyrDu in die Flucht geschlagen wird passen, quasi die Überlegenheit demonstrierend, aber das Springen passt dann nicht, du siehst ich grüble weiter. :12:


Liebe Grüße
Gerda

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 17.02.2007, 14:17

hallo gerda,

aus deinem posting von 00.04:

Möglich ist natürlich auch, dass es dir um das "wahre Gesicht" geht. Dass das zweite Gesicht, eben das wahre ist, Daraus folgert für mich, wenn das Lyrich dieses wahre G. dem lyrDu zeigt, dass das lyrDu nur noch flüchten wird, weil es mit der Wahrheit nicht leben kann...


hier kamst du meiner intention bereits sehr nah. ich schrieb ja an leonie, dass sich die frage stellt, ob es überhaupt noch ein erstes gesicht gibt.

und dann an dich, dass in deiner interpretation noch das lyrich fehlt.

zum zitierten passus: wenn das lyrich das zweite gesicht herunterreißt, hat es gar kein gesicht mehr, was nicht nur die flucht des lyrdu zu konsequenz hätte, sondern auch das springen des lyrichs. das springen ist so gemeint, wie du es geschrieben hast.
saludos
magic

aram
Beiträge: 4537
Registriert: 06.06.2006

Beitragvon aram » 17.02.2007, 15:12

liebe magic,

dass "schweigend springen" auch in den tod springen heißen kann - und so auch am ehesten sinn macht - hatte ich glatt übersehen.

damit beschreibt der text eine stufe der selbstreflexion, in der die folgen einer nicht vorgenommenen handlung (zerfetzen des zweiten gesichts) vorausgesehen werden - und der schwerpunkt verlagert sich auf die frage, weshalb das geschehen genau so gesehen wird - das lyr.ich empfindet seine maske als unbefriedigend, kann sich aber nicht vorstellen, aus ihr heraus zu gelangen, außer sie zu "zerfetzen" - vielleicht, weil es alles andere schon versucht hat, nur um festzustellen, dass genau das die maske wieder aufbaut.

welche grunderfahrungen hinter dieser sicht stehen bleibt im dunkeln, womit der text selbst zur "maske" wird - das lyr.ich steht sich selbst im weg und kann seine lebensenergie nicht fließen lassen, ohne einen fluss der selbstzerstörung freizusetzen.

durch die blockade hält sich dieser kreis selbst aufrecht, die imaginierte realität - die illusion der alternativen "maske oder tod" - wird zur wirklichen wirklichkeit, und die erkenntnis darüber schürt den kreis nur weiter, genau das ist die maske.

das lyr.ich hat nur die chance, dass sich die "richtung der gehaltenheit" umkehrt (d.h. es würde einen "stoß" in dieselbe richtung erhalten, aus der es sich selbst zurückhält), im schub würde etwas neues, unbekanntes, eine unerfahrene erfahrung geschehen - und das bekannte lyr.ich in diesem sinne auf jeden fall sterben.

soweit meine interpretation.

maskengrüße,
aram
there is a crack in everything, that's how the light gets in

l. cohen

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 17.02.2007, 17:40

hallo aram,

du hast meine intention haargenau wiedergegeben, besser kann man es nicht formulieren.

übrigens: das "glaub mir" zu beginn ist als warnung an das lyrdu gemeint, da das lyrich weiß, dass kein "erstes gesicht" mehr existiert, da beide gesichter miteinander verschmolzen sind, somit die blockadesituation "absolut" und zur wirklichen Wirklichkeit wird. dies ist die "erkenntnis", die du hier ansprichst:

durch die blockade hält sich dieser kreis selbst aufrecht, die imaginierte realität - die illusion der alternativen "maske oder tod" - wird zur wirklichen wirklichkeit, und die erkenntnis darüber schürt den kreis nur weiter, genau das ist die maske.


saludos
magic


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 29 Gäste