Herbstanhnung (überarbeitet)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
scarlett

Beitragvon scarlett » 11.08.2006, 22:19

Es legt sich langsam eine Stille
groß und golden auf das Land,
Dahlien blühen an den Wegen —
was stumm gesammelt deine Hand
reift nun dem Herbst entgegen.

Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn,
die Luft schmeckt herb, nach kühlem Wein —
schon fügt sich in dein Weitergehn
Abschied und Vollendung ein



Erste Fassung:
Es legt sich langsam eine Stille
groß und golden auf das Land,
Dahlien blühn auf allen Wegen-
was du gesammelt stumm in deiner Hand,
reift nun dem Herbst entgegen.

Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn,
die Luft schmeckt herb, nach kühlem Wein –
so fügt sich in dein Weitergehen
schon Abschied und Vollendung ein.



scarlett, 2006
Zuletzt geändert von scarlett am 13.09.2006, 07:46, insgesamt 5-mal geändert.

königindernacht

Beitragvon königindernacht » 11.08.2006, 22:32

Ich liebe Gedichte, in denen die Naturbeschreibung auch über das Entstehen, Blühen und Vergehen unseres Lebens erzählt und so freue ich mich über deinen Abend- Text, liebe Scarlett.

Wenn es noch eine Anmerkung gibt, dann bezieht sich diese auf den Rhythmus deines Textes- er "fließt" noch nicht immer, was ich beim Reimgedicht aber für sehr wichtig halte.

Herzlichst, Kö

Max

Beitragvon Max » 11.08.2006, 22:34

Liebe Scarlett,

vielleicht ein wenig früh, aber das gefällt mir sher gut ... ich frage mich ob Herbstluft wirklich herb schmeckt (vielleicht kommt das Wort ja daher :-) ).... ich finde es wirklich gelungen.

Liebe Grüße
max

scarlett

Beitragvon scarlett » 11.08.2006, 22:44

Hallo ihr Lieben,

danke für eure Rückmeldung -
bei diesen Temperaturen und dem Regen fällt es einem ja wahrlich nicht schwer, schon Herbstgedichte zu schreiben - die ersten Spuren des Herbstes sind ja auch in der Natur schon sichtbar.

KÖ, wo fließt es denn noch nicht so ganz? Bitte um HInweise - ich kann höchstens in S1 Z3 bei den Dahlien etwas weniger rund lesen, meinst du das?

Max, die Idee Herbst und herb zu verbinden find ich nicht uninteressant -
:daumen:
Hast du übrigens meine pn bekommen? ich frag nur, weil ich doch so oft mit der Technik auf Kriegsfuß stehe...

Danke euch nochmals fürs Lesen...

Nachtgrüße,

scarlett

Trixie

Beitragvon Trixie » 11.08.2006, 22:51

Oh, scarlett!!

Das ist mal wieder eines dieser typsichen wunderschönen Scarlett-Gedichte!! Es erinnert mich an das Heu-Gedicht, zu dem wir auch pn's hatten, weißt du? Hach- es ist einfach so...vollendet. Schön. Auch, wenn ich mir den Herbst ein bisschen anders vorstelle, wie du sagst, mit Regen und Düster und Wind und kühl...Aber dieses hier- ich kann bei solchen Gedichten gar nicht sagen, welche Metren und Worte und Zeichen und Absätze stimmen- es ist einfach das Gesamtbild, welches mich einmal mehr begeistert hat!!

schwärmende Grüße, Trixie

königindernacht

Beitragvon königindernacht » 11.08.2006, 23:01

Nein, ich meine z.B. den Wechsel beim Reim in Strophe 2 und den für mich gewöhnungsbedürftigen Wechsel der Silbenanzahl bei den Paarreimen in beiden Strophen.

Du siehst von weitem noch das Licht
a verglühn
b
c weitergehen
b

Dennoch mag ich dein Gedicht, liebe Scarlett, wie oben schon geschrieben,

herzlichst, Kö

Gast

Beitragvon Gast » 11.08.2006, 23:22

Liebe scarlett, ich kann mich dies Mal den Lobeshymnen nicht uneingeschränkt anschließen. Zum Einen hast du schöne Bilder beschrieben, die regelrecht Lust auf den Herbst machen. Zum Anderen zu allgemein gehalten, und ja, ein wenig am Metrum könnte noch gearbeitet werden.

Z. 2 "dürfte" nicht mit dem Wort "groß" beginnen, betonte Sillbe...
Außerdem fehlte in dieser Zeile eine Silbe

Es legt sich langsam eine Stille (9 Silben)
(so) groß und golden auf das Land, (jetzt 8 vorher nur 7)

Das von mir eingesetzt "so" ist keine Lösung, aber als Beispiel reicht es.

Dann:
Dahlien blühn auf allen Wegen...
Meinst du das wirklich?
Es wirkt auf mich, wie etwas zu schnell zu Paier gebracht ;-)
Mir scheint der Sinn ein wenig dem Reimfluss gebeugt...


was du gesammelt stumm in deiner Hand,
reift nun dem Herbst entgegen.
auch das ist mir zuallgemein

Im zweiten Vers, dann ein anderes Reimschema, wurde schon erwähnt, halte ich auch für nicht so glücklich...

Ich denke, liebe scarlett, deine schönen Ideen und
Gedanken wirst du noch etwas besser verweben können.

Liebe Grüße
Gerda

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2006, 10:02

Danke fjür die HInweise - ich werd das jetzt nochmal checken.

Das "Allgemeine" Gerda, das ist beabsichtigt - das soll der Leser, wenn er denn mag, selbst auffüllen -

Gruß,

scarlett

savage

Beitragvon savage » 12.08.2006, 11:23

Ich spürte den Herbstwind, schmeckte ihn
und sah die ersten Blätter fallen... :daumen:


savage

scarlett

Beitragvon scarlett » 13.08.2006, 14:38

Hallo Trixie, Savage...

ich danke euch herzlich für die positive Rückmeldung zu meinem "verfrühten" Herbstgedicht - hab mich gefreut.
Ich hab es jetzt nochmal "überarbeitet" - bin gespannt, ob es euch mit der neuen Fassung auch so geht wie mir... :blink2:

Liebe Sonntagsgrüße,

scarlett

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 13.08.2006, 15:48

Liebe scarlett,

ich habe jetzt auf keine Reimschemata oder dergleichen geschaut...ich hoffe also, ich störe nicht die Diskussion, aber einige Stellen in der ersten Version empfand ich als viel besser! Einzig die jeweils beiden Endzeilen waren - ich weiß das war Absicht, aber mir war es ein wenig zu großen Stocken - für mich zu abrupt im Wechsel, sodass ich die Veränderungen dort gelungen finde.

Daraus ergibt sich für mich folgenden Form:

Es legt sich langsam eine Stille
groß und golden auf das Land,
Dahlien blühn auf allen Wegen −
was stumm gesammelt deine Hand
reift nun dem Herbst entgegen.

Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn,
die Luft schmeckt herb, nach kühlem Wein −
schon fügt sich in dein Weitergehn
Abschied und Vollendung ein
.

Den Anfang deiner Erstversion würde ich unbedingt lassen, den ziehe ich den Verbesserungen im Längen vor! Man könnte auch überlegen, ob man anstatt des Gedankenstrichs die beiden letzten zeilen jeweils absetzt...in Sonetten wird (soweit ich das erahne) ja auch mit solchen inahtlich bedingten rhythmusänderungen gearbeitet...

Zum Text selbst: ich finde die Mischung am Ende, Abschied und Vollendung toll...das ist eine Wortkombination, die ich nie gesetzt hätte, die aber sehr reizvoll ist...und Ruhe mitschwingen lässt. Der Rhythmus zudem ist auch besonders...und ich glaube, es ist gar nicht so untreffend, dass die wirklichen Herbstgedichte im zenit des Sommers entstehen...

Liebe grüße,
Lisa
Zuletzt geändert von Lisa am 13.08.2006, 15:50, insgesamt 1-mal geändert.

steyk

Beitragvon steyk » 13.08.2006, 15:49

liebe scarlett,
was ich sagen wollte, hat mir savage schon aus dem mund
genommen. ich hätte es nach dem lesen nicht anders
beschreiben können.

liebe grüße aus dem nassen berlin
stefan

Max

Beitragvon Max » 13.08.2006, 18:26

Liebe Scarlett,

das finde ich beeindruckend, das Gedicht hat durch die Bearbeitung noch einmal gewonnen - für mich eines der stärksten bislang diesen Monat

Spätsommergrüße
von max

PS: Deine Spurenmail vedient und bekommt noch eine Antwort, ich hinke derzeit in allem nach

Trixie

Beitragvon Trixie » 13.08.2006, 18:38

Hmmm, also ich fand gerade dieses "Es legt sich langsam" viel schöner und stimmungsvoller als "Langsam legt sich..." und auch
"Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn, "

fand ich viel viel schöner, als

"Letzten Glanz der Sommersonnen
siehst von weitem du verwehn"

:confused2: ohne dich verwirren zu wollen... aber das waren für mich gerade die besonders schönen Zeilen. Kannst es natürlich ändern, ich werde mir die alte Version abspeichern, wenn das für dich ok ist!

grüßchen, Trixie


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