sommerzeit

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Dohle

Beitragvon Dohle » 18.09.2013, 17:26

in der mitte angekommen
unbestreitbar schön

bis hierhin
waren die jahre lang
verharren, schauen,
wachsen fortan

die mutter bietet süßes
ganz anders
schaut mich der junge an
ich knöpf mir die jacke des vaters

Niko

Beitragvon Niko » 18.09.2013, 19:55

hallo und "willkommen"!

zum einstand finde ich das sehr gelungen. und auch wenn's nicht der einstand wäre :-)
sehr gefühlvoll und doch mit dem nötigen abstand. wobei man waghalsiger weise überlegen könnte, ob der text auch ohne strophe 2 auskäme.

nix desto trotz - sehr gern gelesen. und ich freue mich auf mehr von dir!

beste grüße - niko
(gesendet mit meinem Brain)

Dohle

Beitragvon Dohle » 19.09.2013, 09:58

Hallo Niko,

danke für die nette Kritik.
Ich mag die zweite Strophe.
jedoch, es würde auch ohne sie funktionieren.

Grüße

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Ylvi
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Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 19.09.2013, 12:54

Hallo Dohle,

herzlich Willkommen im Salon. :)

Die erste und dritte Strophe finde ich sehr fein und besonders. Aber ich hadere ein wenig inhaltlich damit, dass es (LIch) zwar unbestreitbar schön ist/war (was mir in der Offenheit gut gefällt, wie auch die unterschiedliche Leseweisen der letzten Strophe), aber die zweite Strophe sich durch das "lang" und "verharren" müde anhört, ausgelaugt ... herbstlich.

Ob die Jahreszeitenmetaphorik, oder die Verschiebung Sommer/Winterzeit hier trägt, weiß ich nicht. Die zweite Strophe spielt für mich auf die kürzer werdenden Tage im Herbst an. Aber vor dem Sommer gab es auch den Frühling und den Winter und da waren die Tage auch kürzer? "Bis hierhin waren die Jahre lang" empfinde ich daher, zumindest unter dem Titel, ein wenig schief, auch wenn ich schon verstehe, wie es gemeint ist. Auch das "wachsen fortan" würde ich eher nicht dem Sommer, oder der Lebensmitte zuordnen, ist es da nicht eher ein "dem wachsen zusehen fortan" (auch im Hinblick auf die letzte Zeile), oder zumindest ein weiterwachsen? Ich frage mich, ob du den Titel so wirklich brauchst, auch weil du im Gedicht nichts "sommerliches" mehr aufgreifst und weil diese Metaphorik auch nicht gerade neu ist und dein Ende so viel mehr zeigt?
Vielleicht ist da noch ein Gedanke für dich dabei. ("Lang" und "fortan" finde ich auch klanglich nicht so glücklich.)

Niko kann ich mich anschließen, sehr gern gelesen und ich freu mich auch auf mehr von dir.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Dohle

Beitragvon Dohle » 19.09.2013, 14:21

Hallo Flora,

danke, dass Du dir Zeit und Gedanken genommen hast für mein Gedicht.
Interessant wie jeder die Texte ein wenig anders liest.
Vielleicht ist wirklich der Titel etwas irreführend - mehr geht es mir um die Lebensmitte als um die Jahreszeiten an sich. Als junger Mensch scheint ja die zeit weniger schnell zu verinnen, deswegen waren die "Jahre lang". Und was bleibt dem lyrischen Ich dann? Es verharrt und schaut und das ist schön. Und es ist sich klar, dass es noch weiter wachsen wird (wenn es auch das wachsen anderer betrachten kann, jetzt) - wenn auch nicht in Fleisch und Knochen. Vielleicht ist ja Strophe zwei doch nicht so unnütz? Obwohl sie stilistisch besser sein könnte.
schön, sich hier wilkommen zu fühlen
Dohle

wolpertinger

Beitragvon wolpertinger » 20.10.2013, 18:59

Hallo Dohle,
das Gedicht gefällt mir, nur mit unbestreitbar schön kann ich leider nicht viel anfangen, das liegt daran, dass ich das Wort schön in der Lyrik nicht mag, weil es nichts beschreibt.
Aber das Geicht funktioniert auch bestens, wenn du (nur als Vorschlag) auf den 2 Vers völlig verzichtest.

Dann könnten 2 fünfversige Strophen stehen, indem Du aus dem letzten Vers 2 machst:

ich knöpf mir
die Jacke des Vaters

Grüße
Wolf


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