Ehrenmord

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
EMO

Beitragvon EMO » 08.09.2013, 16:12

[align=center]besäte erde

xxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxx
Dateianhänge
bakom galler.jpg
bakom galler.jpg (11.6 KiB) 9745 mal betrachtet
Zuletzt geändert von EMO am 11.01.2014, 19:40, insgesamt 2-mal geändert.

ecb

Beitragvon ecb » 08.09.2013, 18:12

Solch haßerfüllte Sprache hat ganz offensichtlich nicht die Absicht, irgend etwas Vernünftiges und Positives zu bewirken.

Eva

Benutzeravatar
Ylvi
Beiträge: 9473
Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 08.09.2013, 22:10

Hallo EMO,

mir geht es wohl wie Eva. Ich würde gerne wissen, mit welcher Intention du das Gedicht verfasst hast, was für dich der Kerngedanke war, dich diesem Thema auf diese Weise anzunehmen.

Für mich entsteht hier der Eindruck, dass das Thema aufgegriffen wird, wie man es sich aus den bunten Medien zusammensuchen könnte. Trotzdem will es den Eindruck erwecken, dass es aus einer Innenperspektive erzählen, bzw. berichten kann. Das geht für mich so nicht auf. Es ist gespickt mit Worten, die polemisieren. Es schürt, ohne eine eigene (Ein-)sicht geben zu können, oder etwas für mich zu öffnen, ohne mir die Möglichkeit zu geben, etwas "mehr" zu verstehen. Und es scheint auch nicht darauf ausgerichtet, da etwas ins Positive bewegen zu wollen, auch nicht in den Köpfen der Leser.

Ich weiß nicht, wie man ein Gedicht über dieses Thema verfassen kann, sicher ist das sehr schwierig. Dieses hier funktioniert für mich auf jeden Fall nicht in einem guten Sinn.

Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Benutzeravatar
Zefira
Beiträge: 5750
Registriert: 24.08.2006

Beitragvon Zefira » 08.09.2013, 22:16

Kann es übrigens sein, dass das Bild auf dem Kopf steht, oder ist das Absicht?

Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

EMO

Beitragvon EMO » 09.09.2013, 16:16

Hej, Eva, Flora und Zefira!

Natürlich geht es hier um Hassgefühle – wie könnte man dergleichen auch lyrisch beschreiben? Nur sind es nicht meine.

Natürlich ist das Gedicht polemisch.

Doch, ja, es will den Eindruck erwecken, dass es aus einer Innenperspektive erzählt, bzw. berichtet wird. Sonst wäre es wie in den bunten (deutschen?) Medien wahrscheinlich nur eine gefühllose Notiz geworden. Hier in Schweden werden derartige Ereignisse (wenn sie hier passieren, was ab und zu geschieht) heftig aufgetischt und diskutiert.

Ich bin der Bote, nicht der Täter, auch nicht der physisch Betroffene, aber gefühlsmässig bin ich schon betroffen (schon vor über fünfzig Jahren von einem Erlebnis in der Türkei darauf vorbereitet). Ich versuche Ausdruck für etwas zu geben, was die Betroffenen nicht mehr ausdrücken können. Diejenigen, die das empfinden könnten sind entweder schon wegen einer unmenschlichen Tradition geopfert worden oder auf dem Wege in einer unerwünschten, aufgezwungenen Ehe als eigenständige Person zu vergehen und als solche in der vorliegenden Ehrentradition als unmündig mundtot gemacht.
Interessant ist, dass die erste Reaktion in diesem Forum diametral anders ist, als die in einem
schwedischen (www.poeter.se), in dem ich zum gleichen Thema ein ähnliches Gedicht eingestellt habe.

Flora, ich möchte gerne noch dazulernen (Zitat):
”Ich weiß nicht, wie man ein Gedicht über dieses Thema verfassen kann, sicher ist das sehr schwierig. Dieses hier funktioniert für mich auf jeden Fall nicht in einem guten Sinn.”
Wie meinst du das ”in einem guten Sinn”, ich verstehe den Ausdruck in dem hier angegebenen Thema nicht!

Ja, Zefira, das Bild ist mit Absicht verzerrt und auf den Kopf gestellt.

Ehrlich gesagt, hatte ich etwas textkritisches von euch erwartet – oder habe ich da was verpasst? Bin ich gar im falschen Forum gelandet? Da ich schon seit 1960 aus der deutschen Sprache raus bin und sie seitdem kaum verwende (mehr englisch und russisch, und natürlich schwedisch), wäre ich auch für ”Berichtigungen” dankbar.

MfG, EMO

Benutzeravatar
Pjotr
Beiträge: 6845
Registriert: 21.05.2006

Beitragvon Pjotr » 09.09.2013, 17:05

Moin, EMO,

als ich anfing zu lesen, hat mich Dein Text sofort eingesaugt, er hat eine enorme Saugkraft. Er klingt laut, zieht unablässig an, baut einen Wirbel auf, alles in allem sehr ästhetisch geformt, wobei diese Ästhetik keinesfalls das grausame Thema verzynisiert. Für mich passt hier alles.

Die Mentalitäten und Antennenwinkel in diesem Forum sind sehr unterschiedlich.


Ahoy

P.

Niko

Beitragvon Niko » 09.09.2013, 18:32

hallo EMO,

ehrlich gesagt bin ich - jetzt - froh, dass du dieses gedicht gepostet hast.
ich muss gestehen, dass ich wortgewalt und "brutalismen" in der lyrik überhaupt nicht mag. und das ist nur meine ganz persönliche meinung.
es brauchte deinen text, um für mich zu erkennen, dass ein text mitunter sich einer drastischen sprache bedienen muss, um ein drastisches gefühl transportieren zu können.
für mich habe ich festgestellt, dass es mit deinem text so ist, wie im richtigen leben: man sieht es, aber man möchte es nicht sehen, man möchte dran vorbeischauen. weil es unangenehm ist, weil es mich auch psychisch irgendwie belastet, weil das thema "ehrenmord" hier in deutschland nicht unalltäglich ist, weil man wieder und wieder sich gezwungen sieht, sich in eine materie einzudenken, einzufühlen, die einem so fremd ist, die man verurteilt. auf's schärfste. und doch auch zeitgleich nicht zuviel sagen will. die kultur ist fremd, das denken ist fremd.und alles was fremd ist, man fremd sein lässt, macht angst. und man will ja nicht als ausländerfeindlich gelten. das ist etwas, was in deutschland - wie du ja weißt - ein extrem sensibles thema ist. immer noch. und immer wieder. wobei sich, glaube ich, viele nicht sicher sind, ob sie die andere kultur hassen, das "anderssein" fürchten oder ob es die "fremde" religion der islamisten, salafisten, seinerzeit die juden etc ist, die furcht einflößt. wohl wissen wir, das tolerant ganz wichtig ist, dass die geschichte uns gezeigt hat, was aus intoleranz und suggestion werden kann. das man zum mitläufer wird, sich am ende mitschuldig macht........das alles, EMO, liest in irgendeiner ecke des gehirns, der seele, wenn du willst,mit.
von daher sind die reaktionen so, wie sie sind, schätze ich. wir sind aufgeklärte menschen. aber im grunde haben wir furcht vor uns selbst. immer wieder.

die fähigkeit eines gedichtes, polarisieren zu können, solche diskussionen lostreten zu können, ist aber für mich unterm strich deutlich höher anzusiedeln, als feinschliffige textkritiken.
er hat was ausgelöst. und das ist gut!
es ist nicht meine sprache. aber der text hat mich auf eine ganz spezielle art erreicht und bewegt.

beste grüße-niko
(Gesendet von meinem iBrain)
Zuletzt geändert von Niko am 09.09.2013, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
nera
Beiträge: 2221
Registriert: 19.01.2010

Beitragvon nera » 09.09.2013, 19:13

was niqab und haram bedeutet, habe ich rausbekommen. nur der letzte satz des textes????
irgendwas mit "vor dem einschlafen..." habe ich gefunden?
kannst du mir auf die sprünge helfen.

ansonsten: nicht gerne gelesen, weil´s weh tut. und das müssen manche themen.
liebe grüße

Nifl
Beiträge: 3931
Registriert: 28.07.2006
Geschlecht:

Beitragvon Nifl » 09.09.2013, 19:39

Hallo,

ich empfinde den Text als rassistisch, weil er verallgemeinert, aufhetzt, pauschalisiert, extrem wertet und vollkommen undifferenziert ist. Genau aus dem Stoff -und das meint vielleicht Flora- der keinen Weg zur Veränderung und Versöhnung sucht, sondern gröhlend durch die Zeilen marschiert.

Gruß
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Benutzeravatar
Pjotr
Beiträge: 6845
Registriert: 21.05.2006

Beitragvon Pjotr » 09.09.2013, 20:27

Ich empfinde Fatima nicht als Verallgemeinerung, sondern als eines von vielen Einzelfällen.

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5886
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 09.09.2013, 20:35

Mir gröhlt der Text auch zu sehr.

Wahrscheinlich würde ich an solch einer Stelle andocken (ich habe sie mal leicht verändert, weil ich das "verschachert" schon zu laut finde):

ein inzuchtmann
wurde ihr zur heirat aufgezwungen
sie wurde für ihn
in seide verpackt
behängt mit flitter
bestreut mit gold



Es ginge mir darum, für den Sachverhalt - wenn er es denn nun sein soll - mit dafür "untypischen" Vokabeln darzustellen; "ohne erbarmen" oder "RACHE" ist mir da viel zu abgegriffen. Währenddessen finde ich das Wort "inzuchtmann" viel expressiver - und die oben genannte Stelle sagt auch nichts über eine bestimmte Kultur (in Mitteleuropa waren arrangierte Ehen ja auch nicht unbekannt), sondern kritisiert die z. T. immer noch elende Situation der Frauen allgemein.

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 09.09.2013, 21:53

Hallo, EMO,

vor einigen Tagen noch stand in der Zeitung, dass in Indien jede Stunde ein Mitgiftmord geschieht (und das, obwohl es seit 1962 verboten ist, Mitgift zu fordern!). Es gibt noch viele Länder, in denen das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit mit Füßen getreten wird. Und darum finde ich deinen Text gut. In der Lyrik darf auch einmal Wut mit drastischen Worten herausgeschrien werden.

Nifl, wen genau siehst du hier diskriminiert? Wieviel political correctness muss in einem Gedicht sein?

Nun noch ein paar Anmerkungen zum Text:

Das Geschehen, das du beschreibst, ist so bildhaft und grauenvoll, dass es "erklärende" Worte gar nicht braucht:

z.B. "ihr Mörder, verbogene Kreaturen" oder "ohne Erbarmen" - das liest man aus dem Text, es muss nicht ausbuchstabiert werden. Der Text wird stärker, wenn die Bilder für sich sprechen und die Wertungen mehr dem Leser überlassen werden. Dadurch würdest du auch einem Teil der Kritiker den Wind aus den Segeln nehmen. Beschreibe ein Einzelschicksal, eine Szene und verzichte lieber auf Verallgemeinerungen.

fatimas geliebten raubten sie das leben

Grammatikalisch richtig wäre: fatimas geliebtem (oder waren es mehrere?)

Viele Grüße nach Schweden
fenestra

Benutzeravatar
nera
Beiträge: 2221
Registriert: 19.01.2010

Beitragvon nera » 09.09.2013, 21:54

uhhh...versöhnung????? jetzt muss ich mal meinem emanzenherz luft machen.
gerade gabs hier, im ziemlich ausländerfreien ilmenau, in der klasse meiner jüngsten, eine schöne geschichte. eine ihrer mitschülerinnen wurde zwangsverheiratet und erschien fortan verschleiert in der schule, außerdem regelmäßig übersät mit hämatomen.
das passiert in unserem rechtsstaat, in dem frauen und männer gleichgestellt sind. ich sehe hier auch frauen, die der apostolischen kirche angehören, wo die mädchen schon so erzogen werden, dass sie nur röcke trage oder frauen extremer evangelischer glaubensrichtungen, die, wenn sie den gruppendruck nicht mehr aushalten und ausbüchsen, ihre kinder bei den männern und sekten lassen müssen. wir wissen alle, was das verhütungsverbot der katholischen kirche anrichtet. wir lesen von den vergewaltigungsmorden in indien, von den töchtermorden in china. wir wissen darum, was die schönheitsindustrie bei unseren töchtern anrichtet, wieviel chancen eine frau in den achso tollen 1.welt-ländern hat. ich könnte da noch weiter machen.
aber wehe es wird polemisiert. dann kommt gleich der einwand: rassisitisch, hetze, gewaltätig und ein ruf nach versöhnung. hallo? hier geht es doch nicht darum, wie das abendland sich mit dem morgenland versöhnt. hier geht es um gewalt gegen frauen, egal unter welchem deckmäntelchen einer religion oder kulturellen idee. und die darf sich, mit verlaub, auch äußern!

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 10.09.2013, 07:19

Wenn in Deutschland ein Mann seine Schwester umbringen würde, weil sie fremdgegangen, würden einige von uns empörte Gedichte darüber schreiben.
Angenommen, ein türkischer Dichter würde auch darüber ein empörtes Gedicht schreiben, würden seine Landsleute ihm sagen, das wäre rassistisch? Er solle sich nicht in deutsche Angelegenheiten einmischen?
Unmenschliche Sitten darf man mit allen Mitteln, auch mit lyrischen, anprangern.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste