die anstrengung zu erscheinen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Lisa
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Beitragvon Lisa » 08.12.2012, 20:59

die anstrengung zu erscheinen (darin)



>>Da wagte er einen Blick auf seine Wiese,
aber die gab es nicht mehr<<


und das soll es gewesen sein, nach all dem aufwand?





die anstrengung zu erscheinen

fallen lassen

wie eine münze



ohne dass es darauf ankommt

auf welche seite sie sich wendet

einfach nur sehen

wie sie fällt





so

stelle ich mir vor

fühlt es sich an


gut in ein gesicht zu blicken

das einen anschaut




.


man muss sich nur sagen

dass man darin nicht verschwindet


es wird bloß etwas fortgenommen

von dem man meint

es mache alles aus



eben weil man

schon längst verschwunden ist



in den versuchen

nicht zu verschwinden




.


aber kann man sich das sagen?


.


wenn ich sterben wollte

wirklich bereit dazu war

musste ich es mir nicht sagen



alles war

einfach

und ich

war einfach


darin



: ich konnte die münze sehen


weil ich es aushalten konnte

sie zu sehen


ich schmeckte das fleisch meiner lächerlich klobigen handknöchel und hatte sie gern
sah auf in den sand und war durchdrungen von sättigender traurigkeit

es war eine leichtigkeit um mich her
wie sie nur in schlimmen träumen vorherrscht
und wenn ich weinte
war ich das glitzern in einer feuchten stirnlocke
eines galoppierenden bisons

und ich wusste


niemand wusste davon




und dass dies in ordnung war

war der zauber dafür

dass es in ordnung war



.


bisher hat dieser zustand nie lange angedauert

denn sterben wollte ich dann natürlich nicht mehr



und schon kam das wollen zurück


und ich zerflog wieder
in diesen rest von geisterhaften schatten


und strengte mich aufs neue an

zu erscheinen



aber wer, mein geliebter bison, hat schon sagen hören

dass jemals auch nur ein einziger mensch auf einer wiese

erschienen sei?




ich weiß

du sprichst nicht


ich werde mir beibringen müssen

das auszuhalten



nicht wahr?



// sie erblicken einander zwischen den unzählig dampfenden körpern behäbiger tiere einer ziehenden herde. jeder einen anderen. //

Kurt
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Beitragvon Kurt » 25.08.2013, 18:53

Dieses Gedicht ist für mich die Schaumkrone auf einem Quantenmeer, deren Materie endlich entmaterialisiert erscheint. Beobachtersicht könnten verschränkte Teilchen einnehmen, die nur im Augenblick ihrer Messung sichtbar machen und von der man nicht voraussehen kann, ob nun die Wiese erscheint. Das LYrich wirkt durchsetzt von fragmentarischer Information zum Bison. Letztendlich sind die dampfenden massigen Körper Geisterscheinungen auf einem alles durchdringenden energetischen Fluss, die Bilder geronnene Information im Augenblick. Mein Lyrich hätte sich von vornherein für schwarze Totenfische auf einer Algenwiese entschieden, deren Erscheinen bzw. Nichterscheinen, mir dagegen mittels meiner Phantasie leicht gefallen wäre. :mrgreen:

LG Kurt
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

Niko

Beitragvon Niko » 25.08.2013, 23:52

und wenn ich weinte
war ich das glitzern in einer feuchten stirnlocke
eines galoppierenden bisons


das berührt mich! und auch besonders das hier:
es wird bloß etwas fortgenommen

von dem man meint

es mache alles aus



eben weil man

schon längst verschwunden ist



in den versuchen

nicht zu verschwinden


ich verstehe den text, möchte aber darüber nicht schreiben. (ich verstehe ihn auf meine art, was genügt. mir und wohl auch dir)
deine texte sind immer sehr speziell. speziell reich an fantasie und farbe und reich an tiefe und weite. - bedingt sich das?

liebe grüße: niko


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