die anstrengung zu erscheinen (darin)
>>Da wagte er einen Blick auf seine Wiese,
aber die gab es nicht mehr<<
und das soll es gewesen sein, nach all dem aufwand?
die anstrengung zu erscheinen
fallen lassen
wie eine münze
ohne dass es darauf ankommt
auf welche seite sie sich wendet
einfach nur sehen
wie sie fällt
so
stelle ich mir vor
fühlt es sich an
gut in ein gesicht zu blicken
das einen anschaut
.
man muss sich nur sagen
dass man darin nicht verschwindet
es wird bloß etwas fortgenommen
von dem man meint
es mache alles aus
eben weil man
schon längst verschwunden ist
in den versuchen
nicht zu verschwinden
.
aber kann man sich das sagen?
.
wenn ich sterben wollte
wirklich bereit dazu war
musste ich es mir nicht sagen
alles war
einfach
und ich
war einfach
darin
: ich konnte die münze sehen
weil ich es aushalten konnte
sie zu sehen
ich schmeckte das fleisch meiner lächerlich klobigen handknöchel und hatte sie gern
sah auf in den sand und war durchdrungen von sättigender traurigkeit
es war eine leichtigkeit um mich her
wie sie nur in schlimmen träumen vorherrscht
und wenn ich weinte
war ich das glitzern in einer feuchten stirnlocke
eines galoppierenden bisons
und ich wusste
niemand wusste davon
und dass dies in ordnung war
war der zauber dafür
dass es in ordnung war
.
bisher hat dieser zustand nie lange angedauert
denn sterben wollte ich dann natürlich nicht mehr
und schon kam das wollen zurück
und ich zerflog wieder
in diesen rest von geisterhaften schatten
und strengte mich aufs neue an
zu erscheinen
aber wer, mein geliebter bison, hat schon sagen hören
dass jemals auch nur ein einziger mensch auf einer wiese
erschienen sei?
ich weiß
du sprichst nicht
ich werde mir beibringen müssen
das auszuhalten
nicht wahr?
// sie erblicken einander zwischen den unzählig dampfenden körpern behäbiger tiere einer ziehenden herde. jeder einen anderen. //
die anstrengung zu erscheinen
Dieses Gedicht ist für mich die Schaumkrone auf einem Quantenmeer, deren Materie endlich entmaterialisiert erscheint. Beobachtersicht könnten verschränkte Teilchen einnehmen, die nur im Augenblick ihrer Messung sichtbar machen und von der man nicht voraussehen kann, ob nun die Wiese erscheint. Das LYrich wirkt durchsetzt von fragmentarischer Information zum Bison. Letztendlich sind die dampfenden massigen Körper Geisterscheinungen auf einem alles durchdringenden energetischen Fluss, die Bilder geronnene Information im Augenblick. Mein Lyrich hätte sich von vornherein für schwarze Totenfische auf einer Algenwiese entschieden, deren Erscheinen bzw. Nichterscheinen, mir dagegen mittels meiner Phantasie leicht gefallen wäre.
LG Kurt
LG Kurt
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)
-
Niko
und wenn ich weinte
war ich das glitzern in einer feuchten stirnlocke
eines galoppierenden bisons
das berührt mich! und auch besonders das hier:
es wird bloß etwas fortgenommen
von dem man meint
es mache alles aus
eben weil man
schon längst verschwunden ist
in den versuchen
nicht zu verschwinden
ich verstehe den text, möchte aber darüber nicht schreiben. (ich verstehe ihn auf meine art, was genügt. mir und wohl auch dir)
deine texte sind immer sehr speziell. speziell reich an fantasie und farbe und reich an tiefe und weite. - bedingt sich das?
liebe grüße: niko
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