graue stadt IX

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 15:44

graue stadt


in der grauen stadt
legt man mir eine rettungsdecke
aufs herz
die jahre waren so schwer

scarlett

Beitragvon scarlett » 30.07.2013, 21:27

das erscheint mir nicht stimmig, amanita.
die rettungsdecke ist es ... wiewohl ich ahne, was du damit wolltest, etwas zudecken, bedecken, das Mäntelchen des schweigens drüber legen, unter den Teppich kehren klingt auch an, usw. ja ja ... versteh schon.
dennoch: es gibt keine rettungsdecke! das ist zu gewollt und für mich schief.

sca

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 21:35

Doch, doch, es gibt sie schon: http://de.wikipedia.org/wiki/Rettungsdecke

über die letzte Zeile diskutiere ich gern, die muss ich nicht so haben. Auch anderes muss vielleicht noch präzisiert werden. Aber die Rettungsdecke sollte schon bleiben.

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Beitragvon Pjotr » 30.07.2013, 22:35

Man-Alarm! :-)

Diesmal nicht wegen der Verallgemeinerung, sondern wegen der Wort-Ästhetik. Aber auch wegen des Bildmangels. Das "man" ist bildlos.
Zuletzt geändert von Pjotr am 30.07.2013, 22:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 22:38

legen sie? oder die graue Stadt selbst?

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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 22:39

obwohl ich dieses "man" doch mag, dieses nicht-verallgemeinernde, aber doch so beklemmend unbestimmte...

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Beitragvon Pjotr » 30.07.2013, 22:42

Du bist doch Malerin. Ich wette, Du hast zumindest eine Farbe oder Textur im Kopf wenn Du an das "man", an das "Unbestimmte" denkst. Warum malst Du das nicht in Deiner Lyrik?

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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 22:43

jau. neutralgrau!

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Beitragvon Pjotr » 30.07.2013, 22:48

Zur Musik:

"Rettungsdecke" an sich lässt sich rhythmisch gut verwenden. Aber in Verbund mit der Phrase "legt man mir eine" klingt die Zeile insgesamt etwas holperig, unausgereift, in meinen Ohren.

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Beitragvon Pjotr » 30.07.2013, 22:50

Amanita hat geschrieben:jau. neutralgrau!

Warum eigentlich nicht. Statt "man" einfach mal "grau" schreiben.

Die Stadt müsste dann allerdings ein anderes Adjektiv bekommen. Edit: Nein, "grau" darf hier doppelt sein. Einmal als Adjektiv vor der Stadt, einmal als personifiziertes Subjekt.
Zuletzt geändert von Pjotr am 30.07.2013, 22:53, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 22:50

Gut, daran würde ich dann gern arbeiten - kann sein, dass ich der Idee zu schnell aufgesessen bin, auf Kosten der Ästhetik.

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Beitragvon Amanita » 30.07.2013, 22:51

Grau gibts aber doch schon!

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Beitragvon birke » 30.07.2013, 23:58

eine idee hierzu - ("legen" scheint mir fast zu sanft ;))


die graue stadt
wirft mir eine rettungsdecke
aufs herz
...



lg
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Beitragvon Pjotr » 31.07.2013, 05:01

Schwupp. Birke rettet die Zeile auf geniale Weise, oder nicht? Ich finds brilliant.

Habe gerade ein paar Stunden geschlafen und wollte nochmal ansetzen wegen der Rettungsdecke: Dachte, der Begriff "Rettungsdecke" ist nicht besonders bekannt, er kann irreführend sein, denn es handelt sich ja prinzpiell nur um Alufolie, womit Leute eingewickelt werden. Wer verbindet "Folie" mit "Decke"? Wenn ich mir vorstelle, jemand bekommt ein Stück Alufolie auf die Brust gelegt, tut sich mir ein eher skurriles Bild auf. Mit Birkes Version wird das allerdings stimmig und: schmissig -- im passend unfreundlichen Sinn der kalten Stadt. Hier haste ma was zum Wärmen, umwickeln musste selber.

Vielleicht sogar:

schmeißt mir eine rettungsdecke

(Ist sie sehr grob, diese Stadt?)

Oder:

wirft rettungsdecken
mir aufs herz

schmeißt rettungsdecken
mir aufs herz




die jahre waren so schwer -- Wird diese Schwere entlastet durch die Leichtigkeit der Alufolie?



P.


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