lagebuch XXIV

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 20.07.2013, 10:50

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Klimperer

Beitragvon Klimperer » 24.07.2013, 11:06

Anders als ein Tagebuch, ist ein Lagebuch eine Seelenbilanz.
Der Autor tut das in Form von Aphorismen, zwölf in diesem Fall.
"Das Vorübergehen ist das Schlimmste", lautet der erste, quasi als Titel fungierender Aphorismus, als Pforte zu einer inneren Welt.
Dieses "vorübergehen" kann etwas Gutes sein, wenn es sich um einen Schmerz handelt, zum Beispiel. In diesem Fall meint der Autor wahrscheinlich das nicht beachten von wichtigen Erscheinungen, insbesondere dessen, was in einem selbst passiert.
NAH AM WASSER HABEN WIR ALLE GEBAUT
NUR VERSTEHEN SICH VIELE
AUF DIE KUNST SICH SELBST
DAS WASSER AUSZUGRABEN

Wenn nicht die Anderen, sorgen wir selbst für unser Unglück.

WIR ERLEBENVIEL
DOCH WAS HEISST DAS SCHON
WENN MAN SOVIEL VERPASST

Sollte man nicht versuchen, weniger und intensiver zu erleben? Anstatt ein ganzes Museum in einer Stunde, bei ein paar Bilder verbleiben?
In diesem Sinne, beschränke ich mich jetzt auf die ersten drei Aphorismen.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 24.07.2013, 21:35

Hi Niko,

da sind wieder ein paar Perlen für mich dabei. ,-)))

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Das hier vor allem:

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Hier habe ich so meine Zweifel. Ich finde, dass da ein "nicht" nach "man" hin müsste, auf jeden Fall ist dieses Fallen-lassen immer ein gutes Thema zum Philosophieren. ,-) Klar, man könnte es so sehen wie du. Im Sinne von: nur der kann loslassen, wer ein starkes Selbstbewusstsein hat. Also, so oder so gut zum Nachdenken.


Und hier:
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gefiele es mir persönlich besser ohne das "an mir" am Schluss.
Auf jeden Fall habe ich mich wieder gerne in deine Aphorismen versenken lassen.

Liebe Grüße
Gabi

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 25.07.2013, 09:56

Im "Lagebuch XXIII schrieb Niko, was er als "Erkenntnis der Woche" bezeichnete:
MAN BLEIT BEI SICH
WENN MAN AUS SICH HERAUSGEHT
Ich kommentierte diese Aussage so: "Ein Paradoxon, das intuitiv als wahr empfunden wird."
Jetzt, im "Lagebuch XXIV", schreibt er:

DAS FALLEN LASSEN GELINGT
NUR RICHTIG WENN MAN
AN SICH FESTHÄLT

Gabriella hat ihre Probleme mit dieser Behauptung, ich finde sie auch schwieriger als die Vorherige. Beim ersten Blick klingt es wie ein Widerspruch.
Wenn man "fallen lassen" mit "los lassen" identifiziert, wäre es ein Widerspruch. Wenn man los lässt vergisst man sich selbst, resigniert, gibt auf. Man gibt sich in die Hände Gottes. Es kann auch die Hand einer geliebten Person sein ...
Eine Aufgabe für Philosophen.

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 26.07.2013, 10:00

DER ALLTAG PFLÜGT SICH DURCH DIE WOCHENENDEN

Diese Aussage kommt im vierten Aphorismus vor.

Nur im Urlaub lässt sich der Alltag ausschalten.

Der Wunsch nach Ruhe wird im folgenden Aphorismus ausgedrückt:

MANCHMAL SEHNE ICH
MICH NACH STAUBLOSIGKEIT
DOCH DER TAG WIRBELT
ALLES AUF UND NIEDER

Im nächsten Aphrismus wird der Autor persönlich, direkt, ohne dass wir wissen wer mit "du" gemeint ist:

MEIN LEBEN HAST DU
NICHT ZERSTÖRT
VIEL SCHLIMMER NOCH DU
HAST DEM ZERSTÖREN
LEBEN EINGEHAUCHT

Hier muss ich an das Gedicht von Amanita über "Selbstschuld" denken. Eine in uns allen schlafende destruktive Kraft.

GRÜNLOSE GÄRTNER
HOLZFREIE TISCHLER
SIND WIR ALLE
BROTLOSE BÄCKER

Die ganze Materie, auf der wir bauen, kann sich als Luft herausstellen.

Niko

Beitragvon Niko » 27.07.2013, 11:30

hallo,

es freut mich sehr, sehr, dass euch dieses lagebuch so anregt und sogar zu philosophischen ansätzen verleitet. das veredelt den text für mich noch im nachhinein.
fallen lassen - als begriff für "jemanden fallen lassen: da braucht man innere stärke und muss somit an sich selbst halt finden. allerdings soll es bei hirnlosen zeitgenossen mit klebemerkzetteln am kühlschrank oder einer sms gänzlich erledigt sein...

fallen lassen - als begriff für "sich fallen lassen", ich glaube, dass man das nur wirklich und tief kann, wenn man bei sich halt findet. denn fallen lassen bedeutet auch "sich nackig machen". schutzpanzer ablegen und das innerste zulassen. dazu braucht man ebenso stärke...

liebe grüße: niko

danke!!!!!


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