[M] o.T.

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 13.05.2013, 09:40

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Dieses Jahr verblühten die Quitten so schnell in die Stille
sang das Harte der Frucht Mus sagst du süßt deine Angst




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Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Rosebud

Beitragvon Rosebud » 13.05.2013, 09:59

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Zuletzt geändert von Rosebud am 26.06.2015, 16:05, insgesamt 1-mal geändert.

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 14.05.2013, 09:16

Ist das "du" in diesem bitter-süßen Gedicht das lyrische Ich?

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 14.05.2013, 10:52

Hallo Rosebud,

danke für deine Rückmeldung.
Das [M] steht für das Monatsthema, diesmal "Distichon". Ich finde diese Form, auch wenn ich mir mit der Umsetzung noch sehr schwer tue, ziemlich spannend und mag die Länge der Zeilen und die durch die Vorgabe entstehende Schwingung/Bewegung sehr gern.

Hier würde ich, auch wenn es kein Distichon sein sollte, die Umbrüche nicht anders setzen. Es gibt mir allerdings zu denken, dass du es tun würdest, vielleicht passt da also einfach etwas noch nicht. Für mich verliert es mit deinen Umbrüchen an Rhythmus und Klang, das Lesen wird "kühler" und "härter" und von der Deutung her wäre es mir zu festgelegt und würde weniger Raum lassen.
Mit dem zweiten klappt es nicht so gut. "Mus" funktioniert in meiner Lesart nicht als Bindeglied zwischen "sang das Harte der Frucht" und "sagst du süßt deine Angst".
Es ist ein Einschnitt an dieser Stelle, der auch durch die beiden betonten Silben deutlich wird, auch wenn das "Fruchtmus" auch zusammengehören könnte. Ich mache da auch keine längere, abschließende Pause, wie es ein Zeilenumbruch an dieser Stelle denke ich fordern würde.
Dass es keinen Titel gibt bzw. nur ein [M] ist Absicht. Aber welche liegt dahinter? Würden die beiden Verse nicht gewinnen durch einen Titel?
Dass es keinen Titel gibt, ist Absicht, ja. Ich empfände ihn hier als störend. Ich möchte die Zeilen auch nicht durch einen Titel eingrenzen, oder überlagern. Sie sollen für sich stehen, nur auf sich bezogen. Hier wüsste ich auch nicht, was ich den Zeilen noch dazugeben wollte? Was hättest du da im Sinn?


Hallo Klimperer,

Ist das "du" in diesem bitter-süßen Gedicht das lyrische Ich?
Das kann man sicher so lesen. Deine "Bitter-süß" Assoziation ist interessant.

Liebe Grüße euch
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 14.05.2013, 11:28

Es fällt mir schwer, meine Empfindung beim Lesen des Gedichts in Worte zu fassen, aber ich möchte es doch gern versuchen: Das Wort Angst, das ohne Abschlusspunkt am Ende steht - wie etwas in die Luft Geworfenes, das den Blick also über das Ende des Gedichts hinauslenkt - es weist irgendwie ins Leere hinein, weil es so unvermittelt kommt; weil in dem Gedicht bis dahin nichts auftaucht, was Angst begründen könnte. Und so geht der Blick wieder zurück, ich beginne in dem Gedicht nach etwas Angsterregendem zu suchen, weil das Wort ja nicht so ohne Bezug stehen kann - und dann öffnet sich ein Abgrund, der immer größer wird; wie ein Schwarzes Loch, das alles Gegenständliche in dem Gedicht in sich hineinzieht, bis ich nur noch im Leeren herumtaste. Mir ist, als ob das Gedicht auf eine Art Apokalypse verweist; selbst so etwas Freundliches wie die Obstblüte bekommt einen teuflischen Zug, als sei alles vergiftet.

Verwirrte Grüße
Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

Rosebud

Beitragvon Rosebud » 14.05.2013, 20:51

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Zuletzt geändert von Rosebud am 26.06.2015, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.05.2013, 08:33

Hallo Rosebud,

Ich kann dazu nichts Sinnvolles beitragen. Insofern erübrigt sich auch die Frage nach dem Zeilenumbruch und die nach dem Titel.
Das sehe ich nicht so. Im Idealfall müsste es für mich so sein, dass das Wissen um Versmaß etc. nur ein Zusatz für den Leser ist, aber keine Begründung. Die Verse sollten aus sich heraus stimmig wirken. Daher ist deine Rückmeldung für mich hilfreich, um das einschätzen zu können. Ich stelle mal noch einen Versuch ein, der ähnlich aufgebaut ist. Würde mich interessieren, ob es dir damit gleich ergeht.
Aber weil Du gefragt hast wegen eines Titels. Ich würde einen genommen haben, der zusammen mit dem letzten Wort Angst eine Klammer bildet.
Das wäre für mich auch unabhängig von der Versart keine Option gewesen. Zefis Rückmeldung freut mich in der Hinsicht sehr, weil gerade der Punkt für sie aufzugehen scheint, wie ich es mir dachte.

Hallo Zefi,
Das Wort Angst, das ohne Abschlusspunkt am Ende steht - wie etwas in die Luft Geworfenes, das den Blick also über das Ende des Gedichts hinauslenkt - es weist irgendwie ins Leere hinein, weil es so unvermittelt kommt; weil in dem Gedicht bis dahin nichts auftaucht, was Angst begründen könnte. Und so geht der Blick wieder zurück, ich beginne in dem Gedicht nach etwas Angsterregendem zu suchen, weil das Wort ja nicht so ohne Bezug stehen kann - und dann öffnet sich ein Abgrund, der immer größer wird; wie ein Schwarzes Loch, das alles Gegenständliche in dem Gedicht in sich hineinzieht, bis ich nur noch im Leeren herumtaste. Mir ist, als ob das Gedicht auf eine Art Apokalypse verweist; selbst so etwas Freundliches wie die Obstblüte bekommt einen teuflischen Zug, als sei alles vergiftet.
Ui, eine wunderbare Rückmeldung, danke! Du hast ziemlich genau getroffen, was ich mir dabei dachte und wie ich hoffte, dass es wirken könnte. Auch wenn ich es wohl nicht Apokalypse genannt hätte, oder eben eine private, auf die Welt und das Vergehen, die Wahrnehmung des LIch/Du bezogen.

Liebe Grüße euch
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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