ich bin vogel genug

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.04.2013, 17:45


Endfassung:

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte

zu horten
die dunklen zeiten
im alten winternest

zwitschernd zu zählen
die sonnenträume

ich bin vogel genug
für den flug




Zwischenfassung

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte
mit spitzem schnabel
gut zu entsorgen
die dunklen zeiten
aus altem nest
zwitschernd zu zählen
die sonnenträume

ich bin vogel genug
für den flug



1. Fassung:

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte
gut zu horten
die dunklen zeiten
im alten winternest
zwitschernd zu zählen
die fiebrigen sonnenträume
ich bin vogel genug
für den flug

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 06.04.2013, 20:46

Liebe gabie,
Ich wäre fast wie Franz für das wunderbare: ich bin Vogel genug ... Für den Flug, für den Flug .,,

pjesma

Beitragvon pjesma » 06.04.2013, 20:56

hi gabi, ein hübsches gedicht

mir gefällt die erste version besser, auch wenn die botschaft etwas schwummiger bliebe (wer sagt dass man alles genau verstehen muss?), nehme ich es lieber in kauf ,als das wort "entsorgen" in zweiter version...stört mich ungemein , so steif in diesem leichtem, fließendem, federndem...

lg, pjesma

Niko

Beitragvon Niko » 06.04.2013, 20:59

hallo gabriella,

das "gut zu entsorgen" - mir macht es ein gesamtes ansonsten gutes und kompaktes bild kaputt. ein vogel ist nicht gut zu entsorgen! es passt übehaupt nicht ins bild. was war deine idee, das da jetzt einzufügen?

das gedicht mag ich ansonsten sehr. die besagte zeile ist aber ein absoluter fremdkörper und macht in ihrer einzeiligkeit alles zunichte!

liebe grüße: niko

pjesma

Beitragvon pjesma » 06.04.2013, 21:01

die dunklen zeiten im alten winternest zu verscharren...vllt?

Trixie

Beitragvon Trixie » 06.04.2013, 21:09

Hallo Gabi,

ich finde beide Ideen können eigentlich für sich stehen bleiben, einmal zu horten, einmal aus dem Nest zu werfen, haben dann eben einen unterschiedlichen Grundton. Die zweite Version hat mehr von Frühjahrsputz, bzw. Vorbereitung auf den Frühling - und gefällt mir in Anbetracht der täglichen Wetterumstände besser ;-)

Eine Idee, was du mit dem "alten Zeug" machen könntest in Vogelsprache - Vögel würgen doch unverdauliche Nahrungsreste wieder aus, das Gewölle eben. Vielleicht würde sich das noch irgendwie poetisch einbringen lassen...

In jedem Fall spricht mich der Text sehr an!

Liebe Grüße
Trix

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.04.2013, 21:51

Hallo an alle,

hui, so viele Ideen und Meinungen. Ich danke euch!
Was mach ich denn nu? ,-)
Niko, das Entsorgen bezieht sich auf die dunklen Zeiten, die im alten Winternest noch stecken.

Ich schau mal, wie ich das vielleicht noch anders machen kann mit der besagten Zeile, an der es m.E. hapert.

Liebe Grüße
Gabi

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 06.04.2013, 22:01

Liebe Gabi,
ich möchte Dich noch auf ein Problem aufmerksam machen; ich weiß nicht, inwieweit Du das schon einbezogen hast:

Man kann das Gedicht so lesen

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte;
mit spitzem schnabel
gut zu entsorgen
die dunklen zeiten
aus altem nest;
zwitschernd zu zählen
die sonnenträume (...)

(... wobei man das zweite Semikolon jetzt auch hinter "Zeiten" setzen könnte, lassen wir das mal außen vor - )

- oder man liest so:

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte
mit spitzem schnabel
gut zu entsorgen;
die dunklen zeiten
aus altem nest
zwitschernd zu zählen;
(...)

... und wenn man bis dahin so gelesen hat, stolpert man erst bei "die sonnenträume", weil die dann quasi übrig bleiben, fährt etwas irritiert den Karren zurück und fängt von vorne an zu lesen mit neuer Zuordnung.
Ich weiß, dass bei dieser Lesart das "für" in der dritten Zeile keinen Sinn macht, bin aber nicht sicher, ob das jedem Leser sofort klar wäre.
Es wäre vielleicht besser, mit Kommas oder Leerzeilen die Bezüge klarer zu machen.

Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
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(Ikkyu Sojun)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.04.2013, 23:44

Du hast Recht, Zefi. Die Bezüge kann man verschieden lesen. Das ist mir gar nicht klar gewesen. Ich komme immer mehr zu der Erstfassung zurück, da man dieses "horten der dunklen zeiten im winternest" auch so lesen kann, dass LI die dunklen Zeiten eben dort im alten Nest zurücklässt. Es ist bereit für den Flug, raus aus dem Winter. Das "gut" vor "zu horten" lasse ich weg. Eine Möglichkeit wäre auch, mehr Absätze zu setzen, so dass die Bezüge klar sind, also so:

ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte

zu horten
die dunklen zeiten
im winternest

zwitschernd zu zählen
die sonnenträume

ich bin vogel genug
für den flug



Im Moment ist dies für mich die favorisierte Fassung. Ich stelle sie oben mal ein, damit man die 3 untereinander weg lesen kann.

Liebe Grüße
Gabi

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birke
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Beitragvon birke » 06.04.2013, 23:51

liebe gabi, und noch eine meinung ;)

ich finde, pjesmas "verscharren" hat was!
das "entsorgen" jedenfalls empfinde ich auch, wie einige andere, als unpassend, ja, störend.

du könnest meiner meinung nach ganz einfach in deiner ursprungsfassung (auch das "fiebrig" würde ich lassen) das "horten" durch "verscharren" ersetzen! und zum besseren verständnis (zefira sprach die unterschiedlichen lesweisen an) eventuell noch absätze einfügen? (muss aber nicht sein, meinem verständnis nach).

auf jeden fall - und so oder so, finde ich das gelungen!

liebe grüße
diana

ps - sehe gerade, unsere beiträge überschneiden sich - und du hast auch über absätze nachgedacht! :-)
und noch mal edit - ja, deine fassung, die dritte, hat auch was! ja.





ich bin vogel genug
meine flügel zu fiedern
für die hellen orte

gut zu verscharren
die dunklen zeiten
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Beitragvon Mucki » 07.04.2013, 00:03

Huhu Diana,

danke für deinen Kommentar! Deine Fassung hat auch was. Da könnte das "gut" dann drinnen bleiben, da es mit dem "verscharren" Sinn macht und sehr klar ist, was gemeint ist. Einzig, das Wort "verscharren" lese ich als sehr hart. "horten" ist da sehr viel weicher. Und die Frage ist, ob es wirklich so klar ausgedrückt werden muss, was mit dem horten gemeint ist? Das "fiebrig" gefällt mir nicht mehr, ich finde diese Zeile zu lang. Die Absätze bleiben jetzt auf jeden Fall, ja. Die machen Sinn wg. der Bezüge.

Liebe Grüße
Gabi
P.S: Und "entsorgen" ist jetzt für mich auch raus (aus dem Rennen). Stimmt, das klingt wie ein Fremdkörper.

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Beitragvon fenestra » 07.04.2013, 00:10

Na, hier hat sich ja einiges getan - sind wohl viele beim Nestbau. ;)

Also wenn schon horten, dann bitte im alten Winternest, das dann sozusagen als Endlager dient. Allerdings ist ein Hort schon auch etwas Behütetes. Die dunklen Zeiten behüten? Vielleicht, denn Dunkles hat auch etwas von Geborgenheit und der Möglichkeit, sich zu entziehen. Daher finde ich die daraus entstehende Doppeldeutigkeit gar nicht so schlecht.

Entsorgen geht auch für meinen Geschmack gar nicht - das hat was von moderner Abfallbehandlung. Warum du das Herausschälen nicht als Vogelsprache siehst, weiß ich allerdings nicht, immerhin kommen Küken doch aus einer Schale.

Wenn man sich etwas heraus pickt, will man es behalten, also auch dieses Bild triffts hier nicht wirklich.

Etwas verscharren - das können Vögel natürlich. Aber nicht im Nest.

Interessant, wie viele Nuancen dieser Text hier entwickeln kann!

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Cicero
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Beitragvon Cicero » 07.04.2013, 00:24

Hi Gabi,

vielleicht ein verrückter Gedanke, aber:

die dunklen zeiten
zu übersommern
im winternest

hat auch etwas!

Man beachte den weichen Klang von übersommern, wie das summen der Bienen auf einer Blumenwiese.

Die dunklen Gedanken halten ihren Sommerschlaf ...

Mit einem Gruß aus dunkler Frühlingsnacht
;o)

Franz
Die Sprache sei die Wünschelrute, die gedankliche Quellen findet. (Karl Kraus)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.04.2013, 00:29

Hallo fenestra,

ja, sind viele am Nestbauen *lach*. Ich bin ganz begeistert, wie viele hier mittüfteln. :-)

Sag mal, du bist ja Biologin: wie ist das mit den Winternestern bei Vögeln? Ich dachte, die bauen sich immer neue Nester? Deshalb empfand ich "im alten Winternest" als doppeltgemoppelt. Wenn dem nicht so ist, und die Vögel in ihre vorherigen Winternester zurückkehren, würde ich das "alten" wieder einfügen.
fenestra hat geschrieben:Die dunklen Zeiten behüten? Vielleicht, denn Dunkles hat auch etwas von Geborgenheit und der Möglichkeit, sich zu entziehen. Daher finde ich die daraus entstehende Doppeldeutigkeit gar nicht so schlecht.

Jep, finde ich inzwischen auch.

Liebe Grüße
Gabi

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 07.04.2013, 00:35

Ich glaube, Vögel benutzen ihr Nest nur, solange sie brüten bzw. Junge aufziehen. Nicht zum Schlafen in dem Sinn, wie wir unsere Räume benutzen.
Ich bin, wie Franz, gern für die Lesart, dass die dunklen Zeiten bleiben, nur halt für den Sommer beiseite gelegt werden - deshalb finde ich "horten" immer noch am besten; "übersommern" gefällt mir auch, klingt mir allerdings etwas zu leicht. Aber das ist wirklich Deine Entscheidung, Gabi, wie Du hier den Schwerpunkt setzt :o)

Gruß von Zefira
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