wir queren den himmel.
rauchwolken ziehen über den fluss
und vertreiben die straßenköter.
für den einen moment
bietet der affengott masken feil am weg.
von uns bekommt er keine keine einzige rupie,
denn hier trägt jeder ein fremdes gesicht.
an diesem ort sind hände mächtig.
sie greifen ins schwarzweiß und teilen sich über
den ufern, an denen die kahlköpfigen sitzen
für dreizehn tage.
du blickst durch die finger:
sechs scharten, dein eigenes gefängnis.
es tötet das licht.
ein kehlblau streicht staubig die füße und kratzt.
auf deinen lippen kein wort.
erinnerung – ein tag unter dem meer.
wiesenblüten dorren
und zahnlose bettler sammeln löwenmünzen,
mahlen die hoffnung zu lichtlosem mehl.
an diesem ort entzündet die fackel den geöffneten mund.
hier endet alles und beginnt,
wenn ein wind aus den bergen die farben findet, befreit und neu mischt.
von ende und anfang
-
Klimperer
"an diesem Ort entzündet die Fackel den geöffneten Mund."
Dies ist ein Vers, den man sonst nur bei den großen Dichtern trifft.
Es erinnert mich an die Fackel, an das Feuer, das man bei Oiympia anzündet.
Es erinnert mich auch an die Fackel, die den Scheiterhaufen ansteckt.
Ist es eine Anspielung an die Seele, die sich entzündet in Kontakt mit dem Feuer?
Ich frage mich, ob dahinter ein Erlebnis in Indien zugrunde liegt.
Wie dem auch sei, bei diesem Gedicht habe ich das Gefühl, mit etwas Erhabenem zu tun zu haben.
Dies ist ein Vers, den man sonst nur bei den großen Dichtern trifft.
Es erinnert mich an die Fackel, an das Feuer, das man bei Oiympia anzündet.
Es erinnert mich auch an die Fackel, die den Scheiterhaufen ansteckt.
Ist es eine Anspielung an die Seele, die sich entzündet in Kontakt mit dem Feuer?
Ich frage mich, ob dahinter ein Erlebnis in Indien zugrunde liegt.
Wie dem auch sei, bei diesem Gedicht habe ich das Gefühl, mit etwas Erhabenem zu tun zu haben.
Hallo Anett,
es geht mir genauso wie Carlos. Deine Zeilen verbreiten eine erhabene, eine heilige Stimmung. Ein ganz besonderer, magischer Ort. Der Satz, der mich vor allem in den Bann gezogen hat, ist dieser:
Das hat mich gar nicht losgelassen. Tolle Zeilen mit einer faszinierenden Wirkung!
Saludos
Gabriella
es geht mir genauso wie Carlos. Deine Zeilen verbreiten eine erhabene, eine heilige Stimmung. Ein ganz besonderer, magischer Ort. Der Satz, der mich vor allem in den Bann gezogen hat, ist dieser:
allerleirauh hat geschrieben:an diesem ort sind hände mächtig.
Das hat mich gar nicht losgelassen. Tolle Zeilen mit einer faszinierenden Wirkung!
Saludos
Gabriella
-
poeta
hi allerleirauh,
es sind tolle bilder in schweren stoff gewebt, opulent, viefälltig und bewegt/bewegend. deine leserInnen erhalten die chance, mitten hineinzustürzen in die heilige zeremonie des rituellen bades im ganges / in der unsterblichkeit.
von den vorkommentatoren wurde die stimmungs als 'erhaben und heilig' wahrgenommen, für mich wars eher rätselhalft, fremd, ein blick durchs schlüsselloch auf das, was anderen heilig, mir weitgehend unverständlich ist, mich aber mit solcher wucht trifft, dass ich zur 'glaubenden' werde: da muss etwas sein, etwas großes, wenn es zu solcher hingabe befähigt. bängstigend ist es auch für mich, ich sehe bilder von massen nackter menschen, die ungeachtet all des unrats und schmutzes während des kumbh-mela-festes ihr heil in den fluten des ganges suchen ... und zwar mit den augen eines beobachters, der ganz nah am geschehen, aber doch außerhalb bleibt, neugierig, fasziniert, versucht zu verstehen, in sich aufzunehmen, ohne zu bewerten.
es fehlt mir wohl an hintergrund und wissen, sodass ich nicht alle bilder im einzelnen aufzulösen vermag. ich bin hier schon einige male zu gast gewesen und immer wieder hat sich mir ein fitzelchen eröffnet:
der affengott hanuman, der seine masken nicht los wird, weil "hier jeder ein fremdes gesicht trägt" lässt für kurze zeit bei sich selbst einkehren und ein wenig über die eigenen 'fremden gesichter', rollen, (scheinbaren) zwänge, ... nachsinnen.
über die mächtigen hände habe ich nachgedacht, sie kommen bei mir als etwas göttliches an, etwas in das man sich hineinkuscheln, darin geborgen, genauso wie gesegnet oder verdammt, ihnen ausgeliefert ... fühlen kann; mächtige hände, die außerhalb unseres einflusses, unseres begreifens stehen.
faszinierend finde ich das bild vom 'kehlblau, das staubig die füße streicht', ich fühle es als geheime kraft, die veranlasst weiterzugehen, die mich lenkt, leitet, führt, wenn ich es zulasse.
den aufbau empfinde ich als sehr ausgewogen, aus den niederungen der straßenköter gehts ans ufer des göttlichen - reicht sogar ein bisschen dahinein - in ein wunder, das "auf deinen lippen kein wort" hervorbringt vor staunen(?), unwirklich wie "ein tag unter dem meer" und dann wieder zurückkehrt zu den bettlern, gauklern, fakiren und eine ahnung, eine hoffnung, eine gewissheit mitnimmt, dass "ein wind die farben findet, befreit und neu mischt".
vielleicht ist aber auch alles ganz anders? ich für mich, bin mit der interpretation, so wie sich sie gefunden habe, sehr zufrieden.
liebe grüße, poeta
es sind tolle bilder in schweren stoff gewebt, opulent, viefälltig und bewegt/bewegend. deine leserInnen erhalten die chance, mitten hineinzustürzen in die heilige zeremonie des rituellen bades im ganges / in der unsterblichkeit.
von den vorkommentatoren wurde die stimmungs als 'erhaben und heilig' wahrgenommen, für mich wars eher rätselhalft, fremd, ein blick durchs schlüsselloch auf das, was anderen heilig, mir weitgehend unverständlich ist, mich aber mit solcher wucht trifft, dass ich zur 'glaubenden' werde: da muss etwas sein, etwas großes, wenn es zu solcher hingabe befähigt. bängstigend ist es auch für mich, ich sehe bilder von massen nackter menschen, die ungeachtet all des unrats und schmutzes während des kumbh-mela-festes ihr heil in den fluten des ganges suchen ... und zwar mit den augen eines beobachters, der ganz nah am geschehen, aber doch außerhalb bleibt, neugierig, fasziniert, versucht zu verstehen, in sich aufzunehmen, ohne zu bewerten.
es fehlt mir wohl an hintergrund und wissen, sodass ich nicht alle bilder im einzelnen aufzulösen vermag. ich bin hier schon einige male zu gast gewesen und immer wieder hat sich mir ein fitzelchen eröffnet:
der affengott hanuman, der seine masken nicht los wird, weil "hier jeder ein fremdes gesicht trägt" lässt für kurze zeit bei sich selbst einkehren und ein wenig über die eigenen 'fremden gesichter', rollen, (scheinbaren) zwänge, ... nachsinnen.
über die mächtigen hände habe ich nachgedacht, sie kommen bei mir als etwas göttliches an, etwas in das man sich hineinkuscheln, darin geborgen, genauso wie gesegnet oder verdammt, ihnen ausgeliefert ... fühlen kann; mächtige hände, die außerhalb unseres einflusses, unseres begreifens stehen.
faszinierend finde ich das bild vom 'kehlblau, das staubig die füße streicht', ich fühle es als geheime kraft, die veranlasst weiterzugehen, die mich lenkt, leitet, führt, wenn ich es zulasse.
den aufbau empfinde ich als sehr ausgewogen, aus den niederungen der straßenköter gehts ans ufer des göttlichen - reicht sogar ein bisschen dahinein - in ein wunder, das "auf deinen lippen kein wort" hervorbringt vor staunen(?), unwirklich wie "ein tag unter dem meer" und dann wieder zurückkehrt zu den bettlern, gauklern, fakiren und eine ahnung, eine hoffnung, eine gewissheit mitnimmt, dass "ein wind die farben findet, befreit und neu mischt".
vielleicht ist aber auch alles ganz anders? ich für mich, bin mit der interpretation, so wie sich sie gefunden habe, sehr zufrieden.
liebe grüße, poeta
- allerleirauh
- Beiträge: 766
- Registriert: 26.06.2010
- Geschlecht:
hallo klimperer, hallo gabi,
ich war noch nie so nah dran, einen text wieder zu löschen...
danke für eure rückmeldungen. wenn der text nur einen hauch von atmosphäre erzeugen kann, ist das mehr, als ich erwartet habe.
lga
ich war noch nie so nah dran, einen text wieder zu löschen...
danke für eure rückmeldungen. wenn der text nur einen hauch von atmosphäre erzeugen kann, ist das mehr, als ich erwartet habe.
lga
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