das meer wird bleiben
die papierrosen werden bleiben
bleiben wird der gedanke an
eine wählerschaft in einer sauberen wahlurne
oder jener gedanke
der aus einem schuhverkäufer einen träumer macht
die luft wird bleiben
der gedanke daran dass man glücklich sein könnte
die punkte werden bleiben
die sich fortpflanzen wollen werden bleiben
die nacht wird bleiben
sie wird wieder und wieder bleiben
das gedächtnis wird bleiben
das leben wird bleiben
die nacht wird bleiben
die kerzen werden bleiben
das fenster wird bleiben
jesus wird in den gesichtern der ungläubigen bleiben
afrika wird bleiben
bosnien wird bleiben
namen werden bleiben
sie werden gerufen und gesucht
sie werden gesucht und vergessen
das vergessen wird bleiben
das bleiben wird bleiben
die wiesen werden übernacht bleiben
die abgründe werden bleiben
manchmal wird der regen bleiben
die tage an denen der erbsenzähler seine erbsen zählt
die romane werden bleiben
die vergessenen werden bleiben
der trost wird in die luft steigen und die toten fragen
die fragen werden bleiben
die nilpferde und ihre freunde werden bleiben
es wird bleiben das schmalzbrot und
die guten ideen
die guten ideen werden bleiben
bleiben wird auch das heu
das heu wird bleiben und
diese unvergessenen nächte
diese unvergessenen nächte werden bleiben
das bleiben wird bleiben
das fremde in uns wird bleiben
die soldaten werden bleiben
die pazifisten und ihre schiessbefehle werden bleiben
es wird bleiben; die qual, die folter, die ungerechtigkeit
die flüchtlinge müssen bleiben
schiebt man sie ab schickt man sie in den tod
der tod wird bleiben
die namen werden bleiben
die türen und der planet wird bleiben
der planet wird bleiben
die töchter und die söhne werden bleiben
das brot wird bleiben
der hunger wird bleiben
bosnien wird bleiben
die nacht wird bleiben
afrika wird bleiben
zwei werden bleiben
gesichter werden bleiben
die nacht wird bleiben
nur beiläufig erwähnt
-
ecb
Ein wunderbarer Text der Monotonie des Immerwiederkehrenden, aber auch der nie endenden Erwartung, Hoffnung, sogar Gewißheit von etwas, das es die Sache dennoch wert macht, ... zu bleiben.
Ungemein wirkungsvoll das "bleiben" und gewisse Wiederholungen - definitiv vorgemerkt für meine Monatswahl
LG Eva
Ungemein wirkungsvoll das "bleiben" und gewisse Wiederholungen - definitiv vorgemerkt für meine Monatswahl
LG Eva
-
Renée Lomris
Liebe(r?) Estragon
Gegen diese Art von Gedichten wehre ich mich, auch wenn es manchmal meine eigenen sind. Wenn ich in einem Zustand von gesunder Distanz auf sie stoße und einer Selbstkritik fähig bin, die leider anfangs (bei mir jedenfalls) von einer großen Selbstverliebtheit in meine Texte verdrängt wird, dann mache ich mir selbst ähnliche Vorwürfe.
Erstens sind da viele Gedanken, die sich nicht in einer konsequenten Folge - ob spiralförmig oder pfeilartig eine Entwicklung ahnen lassen - gedanklich und lexikalisch aufeinander beziehen.
Zweitens sind einige Bilder nicht wirklich kohärent, zumindest eines, natürlich nur meiner Ansicht nach... siehe weiter unten,.
Drittens stören mich religionsideologische Einschübe. Jedem seine Meinung und EInstellung, aber auch das kann in einen neutraleren Rahmen gepackt werden.
Allerdings muss ich hinzufügen kommt, dass die Idee mir an sich gefällt, ich nur formal noch einiges ändern würde:
Was tut die Wählerschaft in der Urne? Sind da nicht eher die Zettel, mit denen abgestimmt wurde?
diese Stelle gefälllt mir gut...
dieses Springen von einem Sprachgebiet, Gedankenfeld, zum andern finde ich gelungen
Hier rufen deine Assoziationen bei mir ziemlichen Widerstand hervor: das lyr. Ich behauptet hier, bestimmt wohl wissend, dass das z.T. paradoxale Behauptungen sind, dass etwas bleibt, von dem wir genau wissen, dass es nicht bleibt, und so interessant eine Erwägung solch unrealistischen Bleibens, so uninteressant wird es für mich im Laufe der abrollenden Bilder. "Jesus wird in den Gesichtern der Ungläubigen bleiben" Warum, und Wie und Weshalb? Wer will das in dieser Form wissen? (Pardon, das ist kein schreiberisches Argument...)
Hier empfinde ich eine Beliebigkeit, die mich nirgendwo hinführt. Statt Schüttelreimen haben wir hier Schüttelassoziationen, -- mir scheint, dass es hier an der Oberfläche bleibt. Etwas Flaches, Unreflektiertes warum werden die Wiesen übernacht bleiben? Warum?
Dieser ganze Abschnitt ist für mich im Wesentlichen gelungen und ich kann mir dazu sehr gut eine Rezitation mit Musik vorstellen ... Aber auch hier schleichen sich bei mir kritische Überlegungen ein: z.B. frage ich :Warum müssen die Flüchtlinge bleiben? Flüchtlinge zeichnen sich dadurch aus, dass sie nichr bleiben. Das hat Bertolt Brecht in dem Gedicht "Radwechsel" wunderbar ausgedrückt.
Solche grammatischen Zwickmühlen würde ich auf jeden Fall vermeiden. Entweder du nimmst zwei Plurale, etwa so:
"die Türen und die Planeten werden bleiben". (also 2X Plural. Auch so könnte man diese Verszeile umändern:
"Türen werden bleiben. Und der Planet wird bleiben."
Natürlich die Wiederhollung der näachsten Zeile beibehalten.
Die wiederholte Nacht bekommt allmählich ein Gesicht, es stört mich hier nur der "Planet", etwas wuchtig n einem feinen Wortgespinst ...
Fazit: Eigentlich würde eine Überarbeitung der insgesamt wenigen Stellen, die von mir kritisiert wurden, zu einer größeren Dichte führen... vielleicht kannst du etwas mit diesen Gedanken anfangen.
Noch schöne Tage und Nächte, möge dir das Beste und Schönste immer ... bleiben.
viele Grüße
Renate
Gegen diese Art von Gedichten wehre ich mich, auch wenn es manchmal meine eigenen sind. Wenn ich in einem Zustand von gesunder Distanz auf sie stoße und einer Selbstkritik fähig bin, die leider anfangs (bei mir jedenfalls) von einer großen Selbstverliebtheit in meine Texte verdrängt wird, dann mache ich mir selbst ähnliche Vorwürfe.
Erstens sind da viele Gedanken, die sich nicht in einer konsequenten Folge - ob spiralförmig oder pfeilartig eine Entwicklung ahnen lassen - gedanklich und lexikalisch aufeinander beziehen.
Zweitens sind einige Bilder nicht wirklich kohärent, zumindest eines, natürlich nur meiner Ansicht nach... siehe weiter unten,.
Drittens stören mich religionsideologische Einschübe. Jedem seine Meinung und EInstellung, aber auch das kann in einen neutraleren Rahmen gepackt werden.
Allerdings muss ich hinzufügen kommt, dass die Idee mir an sich gefällt, ich nur formal noch einiges ändern würde:
Estragon hat geschrieben:das meer wird bleiben
die papierrosen werden bleiben
bleiben wird der gedanke an
eine wählerschaft in einer sauberen wahlurne
Was tut die Wählerschaft in der Urne? Sind da nicht eher die Zettel, mit denen abgestimmt wurde?
Estragon hat geschrieben:oder jener gedanke
der aus einem schuhverkäufer einen träumer macht
diese Stelle gefälllt mir gut...
Estragon hat geschrieben:die luft wird bleiben
der gedanke daran dass man glücklich sein könnte
die punkte werden bleiben
die sich fortpflanzen wollen werden bleiben
dieses Springen von einem Sprachgebiet, Gedankenfeld, zum andern finde ich gelungen
Estragon hat geschrieben:die nacht wird bleiben
sie wird wieder und wieder bleiben
das gedächtnis wird bleiben
das leben wird bleiben
die nacht wird bleiben
die kerzen werden bleiben
das fenster wird bleiben
jesus wird in den gesichtern der ungläubigen bleiben
afrika wird bleiben
bosnien wird bleiben
Hier rufen deine Assoziationen bei mir ziemlichen Widerstand hervor: das lyr. Ich behauptet hier, bestimmt wohl wissend, dass das z.T. paradoxale Behauptungen sind, dass etwas bleibt, von dem wir genau wissen, dass es nicht bleibt, und so interessant eine Erwägung solch unrealistischen Bleibens, so uninteressant wird es für mich im Laufe der abrollenden Bilder. "Jesus wird in den Gesichtern der Ungläubigen bleiben" Warum, und Wie und Weshalb? Wer will das in dieser Form wissen? (Pardon, das ist kein schreiberisches Argument...)
Estragon hat geschrieben:namen werden bleiben
sie werden gerufen und gesucht
sie werden gesucht und vergessen
das vergessen wird bleiben
das bleiben wird bleiben
die wiesen werden übernacht bleiben
die abgründe werden bleiben
Hier empfinde ich eine Beliebigkeit, die mich nirgendwo hinführt. Statt Schüttelreimen haben wir hier Schüttelassoziationen, -- mir scheint, dass es hier an der Oberfläche bleibt. Etwas Flaches, Unreflektiertes warum werden die Wiesen übernacht bleiben? Warum?
Estragon hat geschrieben:manchmal wird der regen bleiben
die tage an denen der erbsenzähler seine erbsen zählt
die romane werden bleiben
die vergessenen werden bleiben
der trost wird in die luft steigen und die toten fragen
die fragen werden bleiben
die nilpferde und ihre freunde werden bleiben
es wird bleiben das schmalzbrot und
die guten ideen
die guten ideen werden bleiben
bleiben wird auch das heu
das heu wird bleiben und
diese unvergessenen nächte
diese unvergessenen nächte werden bleiben
das bleiben wird bleiben
das fremde in uns wird bleiben
die soldaten werden bleiben
die pazifisten und ihre schiessbefehle werden bleiben
es wird bleiben; die qual, die folter, die ungerechtigkeit
die flüchtlinge müssen bleiben
schiebt man sie ab schickt man sie in den tod
der tod wird bleiben
Dieser ganze Abschnitt ist für mich im Wesentlichen gelungen und ich kann mir dazu sehr gut eine Rezitation mit Musik vorstellen ... Aber auch hier schleichen sich bei mir kritische Überlegungen ein: z.B. frage ich :Warum müssen die Flüchtlinge bleiben? Flüchtlinge zeichnen sich dadurch aus, dass sie nichr bleiben. Das hat Bertolt Brecht in dem Gedicht "Radwechsel" wunderbar ausgedrückt.
Estragon hat geschrieben:die namen werden bleiben
die türen und der planet wird bleiben
der planet wird bleiben
Solche grammatischen Zwickmühlen würde ich auf jeden Fall vermeiden. Entweder du nimmst zwei Plurale, etwa so:
"die Türen und die Planeten werden bleiben". (also 2X Plural. Auch so könnte man diese Verszeile umändern:
"Türen werden bleiben. Und der Planet wird bleiben."
Natürlich die Wiederhollung der näachsten Zeile beibehalten.
Estragon hat geschrieben:die töchter und die söhne werden bleiben
das brot wird bleiben
der hunger wird bleiben
bosnien wird bleiben
die nacht wird bleiben
afrika wird bleiben
zwei werden bleiben
gesichter werden bleiben
die nacht wird bleiben
Die wiederholte Nacht bekommt allmählich ein Gesicht, es stört mich hier nur der "Planet", etwas wuchtig n einem feinen Wortgespinst ...
Fazit: Eigentlich würde eine Überarbeitung der insgesamt wenigen Stellen, die von mir kritisiert wurden, zu einer größeren Dichte führen... vielleicht kannst du etwas mit diesen Gedanken anfangen.
Noch schöne Tage und Nächte, möge dir das Beste und Schönste immer ... bleiben.
viele Grüße
Renate
Hallo, Estragon,
formal gefällt mir der Text ausgesprochen gut. Die listenförmige Aufzählung, die monotone Struktur, die Wiederholungen, die Vermischung nicht zusammengehöriger Themenfetzen. Also was René teilweise moniert:
Gerade dieses nicht kohärente und das unlogische finde ich sehr anregend. Es ist ja kein Essay, sondern eben ein lyrischer Text, da muss meiner Meinung nicht alles logisch sein, vielmehr sollen Assoziationen hervorgerufen werden. Dennoch packt mich der Text inhaltlich nicht, denn ich muss bei fast allem, was da bleiben soll, NEIN schreien. Kommt sicher auf den Blickwinkel an. Nach der nächsten Nacht? Nach dem eigenen Tod? Oder überhaupt?
Dieser Planet wird natürlich nicht bleiben und mit ihm wird alles verschwinden. Viel früher wird noch verschwinden: Soldaten und Flüchtlinge, Namen, Türen und Brot. Dass Trost in die Luft steigt und Tote befragt, finde ich - pardon - kitschig. Und die Formulierung, dass Jesus in den Gesichtern Ungläubiger zu sehen ist, fände ich in einem Text des "Wachturm" wenig überraschend. Wenn das eine Schlüsselstelle des Gedichtes ist, soll es wohl missionieren? Das wäre für mich ziemlich unerträglich. Wenn da noch stände:
bleiben wird, dass manche in jedem gesicht eines ungläubigen jesus erblicken
würde das m.E. besser zu dieser Welterhaltungslitanei (und diesen Begriff meine ich nicht negativ gemeint) passen.
Viele Grüße
fenestra
formal gefällt mir der Text ausgesprochen gut. Die listenförmige Aufzählung, die monotone Struktur, die Wiederholungen, die Vermischung nicht zusammengehöriger Themenfetzen. Also was René teilweise moniert:
sind da viele Gedanken, die sich nicht in einer konsequenten Folge - ob spiralförmig oder pfeilartig eine Entwicklung ahnen lassen - gedanklich und lexikalisch aufeinander beziehen.
Gerade dieses nicht kohärente und das unlogische finde ich sehr anregend. Es ist ja kein Essay, sondern eben ein lyrischer Text, da muss meiner Meinung nicht alles logisch sein, vielmehr sollen Assoziationen hervorgerufen werden. Dennoch packt mich der Text inhaltlich nicht, denn ich muss bei fast allem, was da bleiben soll, NEIN schreien. Kommt sicher auf den Blickwinkel an. Nach der nächsten Nacht? Nach dem eigenen Tod? Oder überhaupt?
Dieser Planet wird natürlich nicht bleiben und mit ihm wird alles verschwinden. Viel früher wird noch verschwinden: Soldaten und Flüchtlinge, Namen, Türen und Brot. Dass Trost in die Luft steigt und Tote befragt, finde ich - pardon - kitschig. Und die Formulierung, dass Jesus in den Gesichtern Ungläubiger zu sehen ist, fände ich in einem Text des "Wachturm" wenig überraschend. Wenn das eine Schlüsselstelle des Gedichtes ist, soll es wohl missionieren? Das wäre für mich ziemlich unerträglich. Wenn da noch stände:
bleiben wird, dass manche in jedem gesicht eines ungläubigen jesus erblicken
würde das m.E. besser zu dieser Welterhaltungslitanei (und diesen Begriff meine ich nicht negativ gemeint) passen.
Viele Grüße
fenestra
-
Estragon
Ich habe gerade ein Gedicht von E.A Richter, wo er etwas ähnliches macht, ich meine das mit den aufzählungen, ich bin mir oft nicht sicher, ob es funktioniert.
Ich hatte ein Gedicht von Rolf-Dieter Brinkmann im Kopf, ich müsste es mal suchen, es ist um deutliches länger und naturgemäß tausendfach stärker als mein bescheidener Versuch
Ich hatte ein Gedicht von Rolf-Dieter Brinkmann im Kopf, ich müsste es mal suchen, es ist um deutliches länger und naturgemäß tausendfach stärker als mein bescheidener Versuch
-
ecb
Estragon hat geschrieben:Ich habe gerade ein Gedicht von E.A Richter, wo er etwas ähnliches macht, ich meine das mit den aufzählungen, ich bin mir oft nicht sicher, ob es funktioniert.
Ich hatte ein Gedicht von Rolf-Dieter Brinkmann im Kopf, ich müsste es mal suchen, es ist um deutliches länger und naturgemäß tausendfach stärker als mein bescheidener Versuch
Jetzt weiß ich auch, woran mich dein Text dunkel erinnerte - das von Brinkmann hatte ich irgendwann kennengelernt. Tut der Sache keinen Abbruch.
LG Eva
-
Estragon
Alles macht weiter von Rolf Dieter Brinkmann
Der Text wurde aus Urheberrechtsgründen von der Moderation durch einen Link ersetzt.
Der Text wurde aus Urheberrechtsgründen von der Moderation durch einen Link ersetzt.
Hallo, Estragon,
vielen Dank für den Verweis auf das Gedicht von RDB und auf den Dichter E.A. Richter, den ich noch gar nicht kannte! Das Brinkmanngedicht ist tatsächlich sehr stark. Was unterscheidet es von deinem? Diese Formel "... macht weiter, .... machen weiter" hat etwas Resignatives für mich. Da schwingt immer etwas Obsoletes mit. Egal was auch passiert, alle machen weiter so. Das ist eine Beobachtung in diesem Gedicht, weil es im Präsens geschrieben ist.
Die Formel, die du gewählt hast, dieses "...wird bleiben, .... werden bleiben" klingt teilweise wie ein Trost, aber auch wie ein Blick in die Glaskugel, wegen der Futur-Form, fast etwas pathetisch. Da sieht man dann doch genau hin: Wird das wirklich bleiben? Ist es überhaupt ein Trost, wenn es bleibt? Allerdings zählst du auch negative Sachverhalte auf, die bleiben werden, da kommt dann doch das Resignative durch, was auch in Brinkmanns Text zu finden ist. Dennoch bleibt dieser Beigeschmack des Zukunftsblickes. Ein Sprecher, der jetzt schon weiß, was bleiben wird. Woher weiß er das? Ist das nicht eine Selbstüberschätzung? Ich denke, das ist der größte Unterschied zum Brinkmann-Text. Dennoch finde ich den Text formal gelungen. Versuche ruhig, noch andere Aufzählungsgedichte zu schreiben!
Viele Grüße
fenestra
vielen Dank für den Verweis auf das Gedicht von RDB und auf den Dichter E.A. Richter, den ich noch gar nicht kannte! Das Brinkmanngedicht ist tatsächlich sehr stark. Was unterscheidet es von deinem? Diese Formel "... macht weiter, .... machen weiter" hat etwas Resignatives für mich. Da schwingt immer etwas Obsoletes mit. Egal was auch passiert, alle machen weiter so. Das ist eine Beobachtung in diesem Gedicht, weil es im Präsens geschrieben ist.
Die Formel, die du gewählt hast, dieses "...wird bleiben, .... werden bleiben" klingt teilweise wie ein Trost, aber auch wie ein Blick in die Glaskugel, wegen der Futur-Form, fast etwas pathetisch. Da sieht man dann doch genau hin: Wird das wirklich bleiben? Ist es überhaupt ein Trost, wenn es bleibt? Allerdings zählst du auch negative Sachverhalte auf, die bleiben werden, da kommt dann doch das Resignative durch, was auch in Brinkmanns Text zu finden ist. Dennoch bleibt dieser Beigeschmack des Zukunftsblickes. Ein Sprecher, der jetzt schon weiß, was bleiben wird. Woher weiß er das? Ist das nicht eine Selbstüberschätzung? Ich denke, das ist der größte Unterschied zum Brinkmann-Text. Dennoch finde ich den Text formal gelungen. Versuche ruhig, noch andere Aufzählungsgedichte zu schreiben!
Viele Grüße
fenestra
Wer ist online?
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