als hättest du unsere sprache verloren
und nur ein bodensatz tinte sei dir geblieben
sie ist rot, gelb, grün und, natürlich, orange, wie der sonnenaufgang über dem tal
du planst deine worte wie ein architekt
bemalst sie, schleifst sie glatt
legst du sie sorgsam auf gebauschten organza im schaufenster
streust duftende rosenblätter dazwischen
ich werde ganz zersprochen davon
zu schön will ich schreien, zu schön, viel zu schön
und einen stein ins glas werfen
das grelle, glänzende
mit straßendreck und stinkendem unrat beschmieren
kerben in die oberfläche schlagen
und, vor allem, den trüben winterhimmel über die blütenblätter werfen
zu schön, viel zu schön
mein leben ist keine bunte zickzacklinie hinter glas
(M) mit dir im lupenreinen
Hallo Annett,
gekonnt beschreibst du hier die nach außen heile, schöne Welt, die nur Fassade für das LI, nicht die Welt des LI ist. Alles ist perfekt, viel zu perfekt. So sieht das wahre Leben eben nicht aus. Im wahren Leben gibt es Dreck und Gestank. Und LI fühlt sich wie hinter Glas und will ausbrechen. Ich fühle mich von deinem Gedicht sehr angesprochen, da ich mich darin wiederfinde.
Saludos
Gabriella
gekonnt beschreibst du hier die nach außen heile, schöne Welt, die nur Fassade für das LI, nicht die Welt des LI ist. Alles ist perfekt, viel zu perfekt. So sieht das wahre Leben eben nicht aus. Im wahren Leben gibt es Dreck und Gestank. Und LI fühlt sich wie hinter Glas und will ausbrechen. Ich fühle mich von deinem Gedicht sehr angesprochen, da ich mich darin wiederfinde.
Saludos
Gabriella
-
Max
Liebe A.,
das ist ein sehr geklungener Text, den ich zwischen zwei Ufern sehe, wie Verse, die Du aufspannst zwischen dem Strand des Möglichen und dem Strand des Wirklichen. Die Mitte ist für mich wie im Gedicht bei
erreicht (wobei ''zersprochen'' wunderbar passen ist).
Der zweite Teil erinnert mich nicht in der Stoßrichtung sondern auch in der Feinheit der Sprache an Bachmanns ''Keine Delikatessen''.
Texte wie dieser sind ein Grund hier häufiger vorbeizuschauen.
Liebe Grüße
Max
das ist ein sehr geklungener Text, den ich zwischen zwei Ufern sehe, wie Verse, die Du aufspannst zwischen dem Strand des Möglichen und dem Strand des Wirklichen. Die Mitte ist für mich wie im Gedicht bei
allerleirauh hat geschrieben:ich werde ganz zersprochen davon
erreicht (wobei ''zersprochen'' wunderbar passen ist).
Der zweite Teil erinnert mich nicht in der Stoßrichtung sondern auch in der Feinheit der Sprache an Bachmanns ''Keine Delikatessen''.
Texte wie dieser sind ein Grund hier häufiger vorbeizuschauen.
Liebe Grüße
Max
- allerleirauh
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- Registriert: 26.06.2010
- Geschlecht:
hallo ihr vier,
ich danke für die positiven rückmeldungen und freue mich vor allem, dass ich den herrn mathematicus herbeilocken konnte.
lga
ich danke für die positiven rückmeldungen und freue mich vor allem, dass ich den herrn mathematicus herbeilocken konnte.

lga
Hallo Allerleihrauh.
die ersten beiden sätze, ein interessanter beginn,
mit der farbenwelt kann ich weniger anfangen, ist mir zu bunt,
verwechsele dieses natürlich (beim Lesen) fast mit einer farbe, hätte es gerne wie eine farbe gelesen,
den nächsten satz, find ich, gelinde gesagt, gut,
hab in meinem Leben so eine Technik entwickelt, Werbung vor meinen Augen zu übersehen, wenn dieser Satz als Einzeiler an eine Wand gesprayt worden wäre, würde ich ihn selbst aus dem Augenwinkel heraus noch bemerken,
dieses
...ich werde ganz zersprochen davon
in der Mitte des Textes
harmoniert bildlich & sprachlich wirklich gut mit den beiden ersten sätzen,
auf mich wirkt er ansprechend, zwischendrin ab und zu kurz langweilig (in den Momenten, in denen die Sprache sich ´beblümt´) und vor allem gut durchkomponiert.
Wenn ich mir die Aussage des Textes kurz in Erinnerung rufe , geht mir so durch den Kopf, wirkt er von seiner ´Konsistenz´ her fast schon ein wenig wie das, vor dem das Lyrische Ich im Text ausbrechen will.
....es steckt schon viel ironie drin, find ich, in diesem text. auch im titel. vom letzten satz mal abgesehen. Der kommt mir so vor wie ein Negativ, auf dem ich nichts erkennen kann, wenn ich es in Händen halten würde. Nichts drauf zu sehen. Von diesem anderen Leben.
Namaste,
jondoy
die ersten beiden sätze, ein interessanter beginn,
mit der farbenwelt kann ich weniger anfangen, ist mir zu bunt,
verwechsele dieses natürlich (beim Lesen) fast mit einer farbe, hätte es gerne wie eine farbe gelesen,
den nächsten satz, find ich, gelinde gesagt, gut,
hab in meinem Leben so eine Technik entwickelt, Werbung vor meinen Augen zu übersehen, wenn dieser Satz als Einzeiler an eine Wand gesprayt worden wäre, würde ich ihn selbst aus dem Augenwinkel heraus noch bemerken,
dieses
...ich werde ganz zersprochen davon
in der Mitte des Textes
harmoniert bildlich & sprachlich wirklich gut mit den beiden ersten sätzen,
auf mich wirkt er ansprechend, zwischendrin ab und zu kurz langweilig (in den Momenten, in denen die Sprache sich ´beblümt´) und vor allem gut durchkomponiert.
Wenn ich mir die Aussage des Textes kurz in Erinnerung rufe , geht mir so durch den Kopf, wirkt er von seiner ´Konsistenz´ her fast schon ein wenig wie das, vor dem das Lyrische Ich im Text ausbrechen will.
....es steckt schon viel ironie drin, find ich, in diesem text. auch im titel. vom letzten satz mal abgesehen. Der kommt mir so vor wie ein Negativ, auf dem ich nichts erkennen kann, wenn ich es in Händen halten würde. Nichts drauf zu sehen. Von diesem anderen Leben.
Namaste,
jondoy
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