kathmandu

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 28.12.2012, 12:36

hoch über den dächern der stadt
gehst du leise zurück

in deine träume
klammern kleine frauen nachtschwarze raben
(und seidengelbe saris, leuchtende tücher)

im mauerwerk schlägt ein herz aus gletschereis

hoch über den dächern der stadt
gehst du leise zurück

in deine träume
treibt ein alter mann laute wut
(er winkt mit laken und bleicht verschlissene tauben)

in wasserleitungen schmilzt rostig der schnee

hoch über den dächern der stadt
gehst du leise zurück

in deine träume
spuckt ein müder babymund die guten geister des tals
(die mutter gießt weihnachtssterne in den restkaffee)

im schwarz deiner augen liegen berge
die sich nur zeigen, wenn du ihren anblick erträgst

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 28.12.2012, 17:39

mag ich sehr dieses gedicht, ein bild mit dunklen flecken, das von der gegenüberstellung, dem gegensatz von traum und wirklichkeit lebt.
xanthi

pjesma

Beitragvon pjesma » 30.12.2012, 00:29

finde ich auch sehr schön :-)
lg

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 01.01.2013, 20:25

Es gibt Wörter, wie "Kathmandu" oder "Peristeri", die ein ein ganzes Gedicht in sich beinhalten.

Der wie ein Refrain immer wieder kehrende Vers: "hoch über den dächern der Stadt gehst du leise zurück" erinnert mich an den Blick aus dem Fenster eines Flugzeugs ...

"im mauerwerk schlägt ein herz aus gletschereis" : Klasse!

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 02.01.2013, 10:34

Hallo allerleirauh

In den Träumen geht es hoch her, absurd, wie das nun mal ist, aber alles scheint besser zu sein als in der Realität, die - den letzten 2 Zeilen nach - unerträglich sein dürfte. Jede Zeile symbolträchtig, man könnte darüber endlos reflektieren, sie analysieren, das ist gut, das ist spannend.

LG
ELsa
Schreiben ist atmen

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 04.01.2013, 13:00

Liebe Annett,

gerade habe ich noch deine Bilder aus Nepal betrachtet und dabei gedacht: Solche Bilder kennt man aus Reportagen, aber es muss noch ganz anders, viel berührender, ja verwandelnder sein, selbst mitten darin zu stehen.

Nun finde ich diesen Text und bin unschlüssig. Der Text ist vom Rhythmus und Sprachklang her wunderbar, aber ist das wirklich die Wirkung dieser Bilder, dieser Umgebung? Dass man nur doch immer wieder in den eigenen "Träumen", Vorstellungen, Erinnerungen landet? Die letzten zwei Zeilen lassen dann noch vermuten, dass es nicht um positiv besetzte Gedanken und Träume, sondern eher um die eigenen Abgründe geht. Es mag wohl sein, dass durch fremdartige Farben und Gerüche einiges emporgeholt wird, aber erweitern solche Bilder nicht auch die eigenen beschränkten Vorstellungen?

Irgendwie macht mich der Text ein wenig traurig. Aber vielleicht wolltest du gerade das transportieren.

Schöne Neujahrsgrüße
fenestra


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