Jahresreise

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.12.2012, 09:56

Jahresreise


Wenn mich das Jahr jetzt entlässt
in eine seltsame Heimat
aus Nächten

erinner‘ ich mich
wie ich die ersten Tage
mit Hoffnung belud

als ich loszog
lichthungrig
in den März wuchs

alles umarmen wollte
was mir entgegen kam

während der Himmel erblindete
Grautöne tropfte

und ich mich verlief

über Monate festlag
wartete

auf ein Wort
das mich zurückbrachte

an den Anfang

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 27.12.2012, 19:22

Hallo,

das gefällt mir gut. Nur ein kurzer Kommentar mit wenigen Anmerkungen:

wie ich die ersten Tage
mit Hoffnung belud


Finde ich angesichts der ansonsten sehr bildreichen Sprache zu allgemein.

während der Himmel erblindete
Grautöne tropfte


Überläd das Bild meiner Meinung nach und ist, denke ich, verzichtbar.

LG David

Mucki
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Beitragvon Mucki » 27.12.2012, 19:32

Hallo Amanita,

mir ist so, als ob für das LI das Jahr schon im März aufhört. Das "über Monate festlag" genügt mir nicht, um auch das Erleben des LI der anderen Monate zu sehen. Da fehlt etwas, finde ich. Es fängt sehr gut an, ich würde jedoch ausführlicher werden, die übrigen Monate auch "anreißen", um so das ganze Jahr einzufangen und auch dem Titel gerecht zu werden.

Saludos
Gabriella

scarlett

Beitragvon scarlett » 27.12.2012, 22:10

für manch einen endet das jahr im märz. unfreiwillig. freiwillig.
warum auch nicht?

ich findes gelungen!

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.12.2012, 10:57

Hallo David, danke schön.
"mit Hoffnung belud" könnte ich jetzt nicht ersetzen, daher denke ich, dass es so bleiben muss.

Die andere Stelle würde ich wenn, dann auf andere Weise ändern: Mir wäre das Sich-Zuziehen, Verhängen des Himmels schon wichtig.

Hallo Gabriella, Dir auch vielen Dank. Der Verlauf hakt im März, im Monat des Frühlingsbeginns. Dann bricht die Hoffnung ein, ab. es würde m. E. nicht passen, hier im Jahr weiterzu"laufen", denn das würde (zumindest eine gewisse) Beständigkeit aufzeigen, die ich doch gerade nicht meine.

Danke, scarlett. Dazu eine Frage: während der Himmel erblindete - ist Dir das auch zu viel? Hättest Du einen Vorschlag für eine Änderung?

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.12.2012, 11:21

Für mich ist das gedicht stimmig und rund.
Der März der verheißungsvoll, lebensfroh begann, steht im weiteren Verlauf als Metapher für Stagnation und Depression.
Lyrich verharrt.
Das kann sich auf den Prozess des Schreibens genauso beziehen, wie auf das Leben selbst (im Verlauf eines Jahres).

Und es ist ja die ganz allgemeine Hoffnung, die sich am Beginn eines Jahres bei vielen Menschen einnistet. Wir hoffen auf vielerlei, an dem wir oft schwer zu tragen haben ...
Ich wüsste nicht, was für ein Bild statt dessen hier stehen könnte.
Einzig das "erblindete" würde ich auch weglassen wollen.

Ich finde es ist gut gelungen.

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.12.2012, 11:23

während der Himmel sich verhängte
Grautöne tropfte


??




Vielen Dank, Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 28.12.2012, 11:30

Hallo Amanita,

"mit Hoffnung belud" gefällt mir gerade gut. Das würde ich lassen.
Und wenn die Stagnation hier so stark sein soll, als würde für das LI das Jahr quasi wirklich im März "enden", dann würde ich auch diese Passage so lassen:

während der Himmel erblindete
Grautöne tropfte


da die Stagnation durch diese "Fastwiederholung" intensiviert wird.

Saludos
Gabriella

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.12.2012, 11:38

Amanita hat geschrieben:während der Himmel sich verhängte
Grautöne tropfte
??


ich würde Davids Vorschlag überdenken und schlicht
"während der Himmel
Grautöne tropfte"
schreiben, denn das ist sehr stark:
dieses Grautöne tropfte,
auch ergibt sich eine schöne Allitiration.

Dieses "sich verhängte" passt für mich genauso wenig wie das "erblindete", ich vermisse an dieser Stelle nichts, wenn du nur steichst und nicht änderst. :-)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.12.2012, 11:45

Liebe Gerda, so ist es mir zu wenig, das klingt ja wie ein normaler Regen. Diese Version - also Davids - fällt für mich aus. Zumindest ein "nur noch" o. ä. müsste dahin.

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 28.12.2012, 11:53

hallo amanita,

ich mag den text, so wie er ist. (einzig "erinner'" finde ich nicht so gut gelöst. warum nicht "erinnere"?)

über den titel würde ich an deiner stelle nachdenken. ich weiß nicht, ob der so passend ist. mir gefällt die "seltsame heimat aus nächten" in strophe eins. lässt sich daraus nicht eine passendere überschrift machen?

lga

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.12.2012, 12:00

Danke, allerleirauh. Ich fürchte, den Titel muss ich so lassen - da habe ich keine Idee für eine Alternative (es sei denn ich würde von Euch drauf gestupst). Denn es geht ja gerade um den "Jahreslauf", der hier zwar unterbrochen ist oder "eiert" :), aber doch wieder zum Kreislauf wird. Der Begriff Reise beinhaltet für mich das "Abenteuer", das Unplanbare usw. Daher finde ich das passend.

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Eule
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Beitragvon Eule » 06.01.2013, 14:06

Berührt mich sehr, die 2. Texthälfte ist für mich die stärkere.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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