ruhrgebiet, 60er jahre

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.12.2012, 10:59

und der graue fluss
der sich nicht schlängeln durfte
floss immer gleich
durch die jahre
und beklagte sich nicht

wenn er wieder
die langeweile der welt
schlucken musste

von osten nach westen schleppte
sein leben lang
Zuletzt geändert von Amanita am 26.12.2012, 21:53, insgesamt 1-mal geändert.

Gerda

Beitragvon Gerda » 26.12.2012, 12:08

Dazu fällt mir ein: Das Leben ist kein grauer Fluss und erst recht keiner, der sich nicht windet.

Was kann gemeint sein, mit dem "grauen fluss"?
Die Zeit?
Depression, die sich durch ein Leben zieht?
Von Ost nach West?
Ist "Fluss" überhaupt als Metapher gemeint? (Langeweile der Welt schlucken) ...

Für mich lesen sich diese Zeilen gewichtig, bleiben aber im Diffusen ...

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 16:07

Ich dachte zuerst, dass hier die Monotonie oder die Alltäglichkeit gemeint sei, das Hinnehmen, eine apathische Grundhaltung. Doch stolpere ich hier auch über das "von osten nach westen". Der "graue Fluss" scheint hier personifiziert gemeint zu sein, doch für was? :12:
Somit sind wir schon zwei, die rätseln, Gerda. ,-)

Anonymus
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Beitragvon Anonymus » 26.12.2012, 17:55

Ihr habt absolut recht, es ist die Monotonie des Lebens - der Fluß als Parallele zu den Menschen, die in der Nähe wohnen. Müsste ich das vielleicht noch explizit sagen? Vielleicht auch, dass es sich um eine Kindheitserinnerung handelt? "Von Osten nach Westen" bezieht sich auch auf den Tageslauf.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 18:00

Anonymus hat geschrieben:"Von Osten nach Westen" bezieht sich auch auf den Tageslauf.

Na klar! Da hätte man auch drauf kommen können. :hide:
Anonymus hat geschrieben:der Fluß als Parallele zu den Menschen, die in der Nähe wohnen.

Das ist allerdings, für mich jedenfalls, schwer daraus zu lesen.
Anonymus hat geschrieben:Müsste ich das vielleicht noch explizit sagen?

Vielleicht andeuten, ja.
Dass es sich um eine Kindheitserinnerung handelt, ist m.E. hier unerheblich.

Anonymus
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Beitragvon Anonymus » 26.12.2012, 18:07

Nein, unerheblich würde ich nicht sagen, da meine Erinnerung so ausschaut, dass das Leben früher tatsächlich monotoner war und die Menschen das eher "schluckten" als heute; es prägte eine Atmosphäre, die ich hier anreißen will. Ohne sie in irgendeiner Weise werten zu wollen. Den Text sehe ich einfach als Statement - für eine bestimmte Zeit.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 18:20

Anonymus hat geschrieben:dass das Leben früher tatsächlich monotoner war und die Menschen das eher "schluckten" als heute;
Da stimme ich dir zu. Vllt. könntest du diese bestimmte Zeit, dieses Früher im Titel unterbringen?

Anonymus
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Beitragvon Anonymus » 26.12.2012, 19:27

Es sollte in eine Richtung gehen wie

"beobachtung in meiner kindheit"

"monotonie" - oder auch "ruhrgebiet, 60er jahre".

Den Fluss gibt es wirklich, es ist die Emscher, die heute großenteils renaturiert ist, früher jedoch so http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... asse_1.jpg aussah

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 19:58

Das Wort "Monotonie" würde ich nicht explizit erwähnen. Dieses Monotone soll ja aus den Zeilen hervorgehen.
"ruhrgebiet, 60er jahre" finde ich gut.

Dieser Fluss ist ja wirklich grau und floss absolut gerade.
Was im Text m.E. deutlicher herausgebracht werden sollte, ist der Fluss mit den Menschen dazu. Diese Parallele, die du angesprochen hast. Im Text, so wie er jetzt dasteht, wird der Fluss ja personifiziert. Alles bezieht sich auf den Fluss: "beklagte sich nicht", "er wieder die langeweile der welt schlucken musste". Hier würde ich versuchen, zu splitten: einmal ist da dieser Fluss (die ersten 4 Zeilen würde ich genauso lassen), doch dann die Menschen aktiv mit einbeziehen beim "beklagte sich nicht" und der "langeweile", also hier die Menschen nicht klagen lassen und die langeweile der welt schlucken lassen, um dann den Bogen zu spannen zur letzten Strophe, die ich auch genauso lassen würde. So hättest du beides drin und würdest dieses monotone Stimmungsbild erzeugen.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.12.2012, 20:07

Ja, Gabriella, der Fluss ist personifiziert - das, dachte ich, reicht.

Wenn ich jetzt titele "ruhrgebiet, 60er jahre", dürfte doch klar werden, dass die Monotonie der Arbeit (und damit für die Menschen, die sie tun) mit anklingt. Zumindest für Insider, die wissen, dass das Ruhrgebiet ein Ballungsraum und also nicht ohne die/ den Menschen denkbar ist.

Danke schön!

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 20:12

Hallo Amanita,

nachdem du dich geoutet hast ;-), ändere ich oben den Autor von Anonymus auf dich und verschiebe den Faden zu "themenunspezifisch", hm?

Saludos
Gabriella

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.12.2012, 20:15

Hach ja, zu doof, nochmal ins Anonyme zu hüpfen. Aber da der graue Fluss öfter bei mir auftaucht, war es wahrscheinlich eh klar, dass ich dahinter stecke :)


Und er roch, der graue Fluss. Je nach Wetterlage - siehe Nebelgedicht - stank die ganze Gegend. Ich kann ihn noch "malen", den Geruch. Es war - heute kaum zu glauben - ein Abwasserfluss, diese arme Emscher. Graue, puddingartige Pampe wälzte sich längs durchs Ruhrgebiet. Ich hielt mir oft die Nase zu, wenn ich über eine Brücke lief (und fürs Auge war es auch nix :( ).

Und doch: Dieser eigenartige Fluss "gehörte dazu". Die Stimmung um ihn herum war eine besondere.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.12.2012, 20:16

Gern, Gabriella. Es war aber wirklich ein Versehen, ich dachte, ich wäre als alter alter ego angemeldet :)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.12.2012, 20:21

Ok, erledigt.
Ich dachte mir schon die ganze Zeit, oh je, bei den häufigen postings wirst du dich vertun, klar ahnte ich sofort, dass du der Autor bist. *lach*


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