farbkarte november

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 28.11.2012, 18:54

farbkarte november


knallgelbes haselblatt
leuchtender fleißpunkt
für frühlingsvorsorge
kerzengrade kätzchen

unter immerimmergrünem
blattwerk unentdeckt
gereifte preisselbeeren

wassergesättigte moosluder
birkenstämme umarmend
stümpfe giftgrün bemützend
auslegware unter künftigen
christbäumen

lederbraune laublagen
zwischen steingrauen hexenringen
vor lackbestiefelten stämmen

rehfarbene jungbuchenblätter
hinter wildzäune gedrängt
an denen mit tropfender spinnenseide
der nebel vernäht ist

aus den taschen tiefgrüner
nadelstreifenanzüge
zirpen die goldhähnchen

nur blau fehlt

mir nicht


Alternativversion mit mehr "Action":

► Text zeigen


geändert: aus gelbgrün wurde knallgelb
Zuletzt geändert von fenestra am 30.11.2012, 16:37, insgesamt 2-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.11.2012, 17:49

Hallo fenestra,

ausgezeichnet gefällt mir deine 'farbkarte november' (toller Titel übrigens). Da könnte man wieder schön auf die Suche gehen, wie viele Pflanzen du hier 'versteckt' hast. ,-)
fenestra hat geschrieben:knallgelbes haselblatt
leuchtender fleißpunkt
für frühlingsvorsorge
kerzengrade kätzchen

hier hätte es auch "fließpunkt" heißen können (so las ich es auch beim ersten Mal), da diese Kätzchen so schön fließend aussehen.

Die "wassergesättigten moosluder" haben es mir besonders angetan. ,-)
Feines Gedicht!

Saludos
Gabriella

carl
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Beitragvon carl » 29.11.2012, 20:22

Hallo Fenestra,

wirklich sehr anschaulich und kenntnisreich mit Liebe zum Detail beschrieben!
Titel, wie schon von Gabriella erwähnt, und Schlusspointe sind toll!
Eine Frage:
Warum bleibt es bei einer Aufzählung beobachteter Objekte?
Dadurch häufen sich Adjektive und Partizipien so, dass es mich etwas stört.
Außerdem tun die Luder doch alle was (wie die Goldhähnchen, die zirpen), etwa so:

farbkarte november


knallgelbes haselblatt
leuchted als fleißpunkt
frühlingsvorsorge für
kerzengrade kätzchen

unter immerimmergrünem
blattwerk unentdeckt
reifen preisselbeeren

wassergesättigte moosluder
umarmen birkenstämme
bemützen stümpfe giftgrün
auslegware unter künftigen
christbäumen

lederbraune laublagen liegen
zwischen steingrauen hexenringen
vor lackbestiefelten stämmen

jungbuchenblätter, rehfarben
hinter wildzäune gedrängt
an denen spinnenseide tropfnass
mit dem nebel vernäht ist

aus den taschen tiefgrüner
nadelstreifenanzüge
zirpen die goldhähnchen

nur blau fehlt

mir nicht


War jetzt kein Verbesserungsvorschlag, sondern ne Anregung bzw. Veranschaulichung dessen, was ich meine...

LG, Carl

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 30.11.2012, 16:34

Liebe Gabi, ich freue mich, dass dir als Malerin meine Farbkarte gefällt! :-)

Lieber carl, in der Tat ist die Dichte der Partizipien und Adjektive hier sehr groß und auch ich hatte überlegt, ob das Weglassen aktiver Verbformen günstig ist. Zuerst hatte ich die Moosluder-Strophe ungefähr so, wie du sie jetzt vorschlägst. Aber dann dachte ich: Es ist eine Farbkarte. Dort sind Farbkleckse aufgeklatscht, die sind statisch. Da passiert gerade nichts. Die Preißelbeeren reifen nicht vor meinen Augen, sie sind unbemerkt gereift, jetzt sind sie rot. Die Farben sind in einer Momentaufnahme festgehalten. Bei den Goldhähnchen geht das freilich nicht, ich musste ihnen eine gewisse Zeitspanne zum Zirpen zubilligen. Einmal deshalb, weil das Gedicht erst "novemberton" heißen sollte, dann, weil sie die Farbe gold ins Spiel bringen und vor allem, weil ich sie tatsächlich gehört habe. So erwacht die Farbkleckserei des Novembertages dann doch noch zum Leben.

Ich stelle aber gern eine dynamische Alternativversion ein und würde mich über Rückmeldungen dazu freuen!

Viele Grüße
fenestra

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.11.2012, 16:55

Hallo fenestra,

der aktiveren Alternativversion kann ich einiges abgewinnen. :daumen:
Nur hier:
fenestra hat geschrieben:wo mit tropfender spinnenseide
das nebelvlies vernäht ist

würde ich das umgangssprachliche "wo" ersetzen durch: an denen

und auch hier aktiver schreiben:

an denen tropfende spinnenseide
das nebelvlies vernäht


Saludos
Gabriella

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 04.12.2012, 21:32

Liebe Gabi,

danke für das Feedback. Ich werde den Text jetzt mal ein bisschen liegen lassen und mich dann entscheiden, welche Variante ich weiter verwende.

Ich hatte auch erst "an denen", statt "wo", aber der Vers erschien mir dadurch etwas sperrig. Auch das werde ich nochmals bedenken.

Viele Grüße
fenestra

carl
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Beitragvon carl » 05.12.2012, 10:21

Moin Fenestra,

ich verstehe, was du meinst, und wuerde es deshalb bei der "passiven" Version belassen.
Mir sind auch die anthropomorphen Zuschreibungen des Lyr.Ichs., das sich erst am Schluss zu erkennen gibt, erst jetzt bewusst geworden:
Fleiss und Vorsorge, unentdeckt (von wem?), Auslegware, Christbaum, Lackstiefel, Nadelstreifenanzug etc.

Grusse, Carl

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 05.12.2012, 18:48

Hallo, Carl,

freut mich, dass du meine Gedankengänge nachgehen konntest. Wie schon gesagt, ich lasse es mal so stehen und liegen und entscheide später, wie es bleiben soll. Diese Vorgehensweise hat sich ganz gut bewährt.

Viele Grüße
fenestra


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