immer weiter

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 17.11.2012, 00:08




immer weiter


zur fingerwurzel
wuchs der ast
herzwärts
trieb seine knospen unter die haut
und entfaltete seine blüten
in meinen venen

so bin ich stamm geworden
verwurzelt in allem
was in dem geerdeten dunkel
leben spendet

und die früchte
esse ich selbst




.

ecb

Beitragvon ecb » 18.11.2012, 18:31

Ein sehr ambivalenter Prozess, der hier geschildert wird, ein Einwachsen, In-sich-Hineinwachsen, eine Verinnerlichung, die vielleicht in einer Art Implosion enden muss, da Früchte doch eigentlich Agenten der Verbreitung, der Ausstreuung nach aussen sind - so meine ich deinen Text in etwa verstehen zu müssen, Niko - womit ich natürlich ganz und gar schief liegen kann. Aber ein Baum, der seine Früchte selbst isst - ist das nicht eine erschreckende Vorstellung?

(Noch eine kleine Anmerkung: ich bin auf dem besten Wege, gegen das Wort "geerdet" allergisch zu werden, das scheint mir eine Art Modewort geworden zu sein. Oder geht das nur mir so?)

Liebe Grüße
Eva

Niko

Beitragvon Niko » 18.11.2012, 19:41

hallo eva,

was das geerdet angeht - da geht es nicht alleine dir so. mir auch ;-) aber erde schien mir in diesem kontext unerlässlich zu sein. eine bessere ausformulierung für diese besagte stelle ist mir nicht eingefallen.
und - danke dafür besonders- ich habe mit dem schluss meine probleme, weiß sie aber nicht zu beheben.

die eigenen früchte essen - hat schon fast eine kannibalische note. aber was ich auszudrücken versuchte, war natürlich etwas ganz anderes. früchte als positive umwandlungen gemachter erfahrungen, die ich verinnerliche. und eigentlich wollte ich auch ausdrücken, dass ich durch eben dieses positive verinnerlichen der gemachten erfahrungen auch frucht für andere bin. aber da hat mein dichtereisches vermögen kläglich versagt.
am schluss verzweifle ich selbst und bin dankbar für alternativvorschläge oder richtungsweisende anmerkungen.

liebe grüße mit dickem "danke" niko

ecb

Beitragvon ecb » 18.11.2012, 20:42

Ich glaube, ich verstehe jetzt ein wenig besser und versuche es mal mit einem Vorschlag, denn ich finde das Gedicht, den Gedanken wirklich der Mühe wert, eine dir entsprechende Lösung zu finden:

was in dem erdenen dunkel
leben spendet

und die früchte
mein nicht nur od. nicht nur mein

Du siehst, ich neige zu äußerster Verkürzung. Aber vielleicht mag noch jemand mit Ideen beitragen?

Liebe Grüße erstmal von
Eva


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