Ich bewundere Sie ja! Ich bewundere Sie ja!
Dass Sie mit sowas, mit so etwas -
Ich könnte das mit so etwas nicht!
Man kann nicht sagen es gäbe kein Problem mit Yorick,
aber man kann auch nicht sagen Yorick sei ein Problem.
Aus allen Ecken rinnen Sprüche und Blicke
in seine Abwasserkanal - Seele hinein -
Wenn es regnet und in Berlin regnet es oft (!)
trägt Yorick ein Hemd, drei Pullover, eine Jacke
und das Regencape, er sieht nasses Pflaster,
er sieht Schuhe und Zigarettenstummel
und manchmal, manchmal,
wenn er es schafft, den Kopf zu heben,
dann sieht er sogar den grauen Himmel.
Ich bin immer dahinter, ab und zu
hebe ich seinen Kopf an,
ich weiß nicht wieso.
Wieso fahren sie denn mit dem normalen Bus?
Gibt es da nicht extra Busse?
Früher gab es extra Busse.
Seit Monaten rede ich viel mit Yorick.
Man kann nicht sagen, dass er nicht sprechen kann,
aber man kann auch nicht sagen, dass er spricht.
Jeden Morgen frage ich: Dieser Tee heißt "Ööh"
und dieser Tee heißt "Iih" - welchen sollen wir kochen?
Und er lächelt ...
(Lächeln ist schon eine tolle Fähigkeit.)
Manchmal sagt er "Ööh", manchmal sagt er "Iih"
und manchmal sagt er nichts.
Er liebt es, wenn ich den Teebeutel-Faden
an seinen Finger knote, die Hand
hoch und runter bewege und das Wasser
sich rot oder grün oder gelb verfärbt.
Wenn ich ihn nachmittags auf eine Iso-Matte lege,
erinnert er mich an einen zappelnden Fisch,
der sich bewegt und sich nicht bewegen kann.
Ich wende ihn und erzähle, erzähle, erzähle ...
Danach kommen andere Frauen, Männer, Kinder -
jeder hat eine neue Idee, um es besser zu machen,
denn es kann ja nicht so bleiben wie es ist,
es kann ja, um Gottes Willen, nicht so bleiben wie es ist.
Das wäre fatal, das wäre eine Qual für Yorick,
denken die Männer und Frauen und Kinder ...
Was hat er denn, der Kleine?
Ich habe immer Angst ihn beim Füttern
umzubringen. Aber er kann gut husten.
(Husten ist schon eine tolle Fähigkeit.)
Ich umwickle uns beide mit Stofftüchern
vor jeder Mahlzeit und wundere mich
über Menschen, die täglich
von ihrem süßen Boxer abgeschleckt werden.
Guck mal, wie der Yorick sabbert!
Der Arme! Die arme Mutter! Der arme Vater!
Die armen Geschwister! Die armen Nachbarn!
Die armen sabbernden Hunde, die armen!
Er ist ein sehr kluges Kind.
Er kann doch nichts.
Yorick
Hallo Louisa,
das finde ich wirklich gelungen!
Die Unfähigkeit der Menschen, das Nicht-Normale mit zu tragen. Entweder die Abwendung oder der Versuch, etwas zu ändern. Aber nicht um der unmittelbar Betroffenen willen, sondern um ihrer selbst willen.
Die Neu-Entdeckung elementarster Fähigkeiten, nicht nur Lachen und Husten, sondern das der Kommunikation (wenn man sich einlässt wie das Lyr-Ich).
Dann die unterschiedlichen Urteile...
Ist auch stilistisch gekonnt!
(Arbeitest du in einer "Einrichtung"?)
LG, Carl
das finde ich wirklich gelungen!
Die Unfähigkeit der Menschen, das Nicht-Normale mit zu tragen. Entweder die Abwendung oder der Versuch, etwas zu ändern. Aber nicht um der unmittelbar Betroffenen willen, sondern um ihrer selbst willen.
Die Neu-Entdeckung elementarster Fähigkeiten, nicht nur Lachen und Husten, sondern das der Kommunikation (wenn man sich einlässt wie das Lyr-Ich).
Dann die unterschiedlichen Urteile...
Ist auch stilistisch gekonnt!
(Arbeitest du in einer "Einrichtung"?)
LG, Carl
-
Louisa
Lieber Carl,
ich freue mich sehr über dein einfühlsames Kommentar zum Text! Ich bin immer wieder gespannt, ob etwas ankommt oder nicht...
(Ja, ich habe in "Einrichtungen" *grins* gearbeitet, zur Zeit allerdings in einer Grundschule, die das neue "Inklusions-Modell" verfolgt...)
Dankeschön und noch einen schönen Sonntag!
l
ich freue mich sehr über dein einfühlsames Kommentar zum Text! Ich bin immer wieder gespannt, ob etwas ankommt oder nicht...
(Ja, ich habe in "Einrichtungen" *grins* gearbeitet, zur Zeit allerdings in einer Grundschule, die das neue "Inklusions-Modell" verfolgt...)
Dankeschön und noch einen schönen Sonntag!
l
Kann ich nur zustimmen.
Ich frage mich aber (oder vielmehr Dich, Lou), ob der Name Yorick evtl. eine weitere Bedeutungsebene andeuten soll? Yorick ist ja als der tote Spaßmacher bekannt. (Der, dessen Schädel Hamlet hat ...)
Grüße von Zefira
Ich frage mich aber (oder vielmehr Dich, Lou), ob der Name Yorick evtl. eine weitere Bedeutungsebene andeuten soll? Yorick ist ja als der tote Spaßmacher bekannt. (Der, dessen Schädel Hamlet hat ...)
Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
-
Sam
Gefällt mir ausnehmend gut. Vor allem die Man-kann-Sätze. Weil sie die Weite des Zwischenraums aufzeigen. Und ich glaube, genau darum geht es in diesem Gedicht: den Raum auszuleuchten, der sich zwischen Betroffenen und Beobachtenden auftut.
Ich wiederhole mich gerne: Ein hervorragender Text!!
Gruß
Sam
Ich wiederhole mich gerne: Ein hervorragender Text!!
Gruß
Sam
Hallo Louisa,
mich berührt es sehr, wie du mit diesem Thema hier umgehst. Da ist keinerlei Dramatik oder Larmoyanz und dennoch zeigst du sehr bildhaft auf, wie das LI mit Yoricks Schwierigkeiten umgeht und welche Probleme Yorick in seinem Alltag hat, was für ihn etwas ganz Besonderes ist, wie vermeintliche "Kleinigkeiten" für ihn zu etwas Großem werden, wie z.B.
Und wie du lebensbedrohliche Situationen, die zum Alltag gehören, schilderst
Das hier ist eine richtige Gänsehautstelle für mich.
Sehr gelungen und sehr nachdenklich stimmend!
Saludos
Gabriella
mich berührt es sehr, wie du mit diesem Thema hier umgehst. Da ist keinerlei Dramatik oder Larmoyanz und dennoch zeigst du sehr bildhaft auf, wie das LI mit Yoricks Schwierigkeiten umgeht und welche Probleme Yorick in seinem Alltag hat, was für ihn etwas ganz Besonderes ist, wie vermeintliche "Kleinigkeiten" für ihn zu etwas Großem werden, wie z.B.
Louisa hat geschrieben:Er liebt es, wenn ich den Teebeutel-Faden
an seinen Finger knote, die Hand
hoch und runter bewege und das Wasser
sich rot oder grün oder gelb verfärbt.
Und wie du lebensbedrohliche Situationen, die zum Alltag gehören, schilderst
Louisa hat geschrieben:Ich habe immer Angst ihn beim Füttern
umzubringen. Aber er kann gut husten.
(Husten ist schon eine tolle Fähigkeit.)
Das hier ist eine richtige Gänsehautstelle für mich.
Sehr gelungen und sehr nachdenklich stimmend!
Saludos
Gabriella
-
pjesma
ein tolles gedicht 
und obwohl viel gesagtes, auch noch viel mehr ungesagtes: stichwort: sabbernde hunde...da hat sich eine ganze kritische rede über stellungswert des lebens versteckt, und grad weil nicht weiter ausgeführt, gewinnt sie an der kraft....ich jubele nicht so gern über gedichte , aber diesmal, liebe louisa, sag ich einfach: bravo

und obwohl viel gesagtes, auch noch viel mehr ungesagtes: stichwort: sabbernde hunde...da hat sich eine ganze kritische rede über stellungswert des lebens versteckt, und grad weil nicht weiter ausgeführt, gewinnt sie an der kraft....ich jubele nicht so gern über gedichte , aber diesmal, liebe louisa, sag ich einfach: bravo

Hallo Louisa,
ich schließe mich auch gerne dem Lob an. Mir sind nur ein paar Dinge aufgefallen.
(Eine Nebensächlichkeit, die mich aber beim Lesen am Bildschirm ziemlich stört ... warum machst du die Schrift so groß?)
Liebe Grüße
Flora
ich schließe mich auch gerne dem Lob an. Mir sind nur ein paar Dinge aufgefallen.
(Eine Nebensächlichkeit, die mich aber beim Lesen am Bildschirm ziemlich stört ... warum machst du die Schrift so groß?)
Das "sowas" und "etwas" passt für mich hier nicht, klingt für mich nicht "echt", nicht glaubwürdig und hat mich dann erst einmal den Totenschädel assoziieren lassen und in eine falsche? Richtung denken lassen, was ich hier schade finde.Ich bewundere Sie ja! Ich bewundere Sie ja!
Dass Sie mit sowas, mit so etwas -
Ich könnte das mit so etwas nicht!
Dass LIch sich selbst als der/die Gute sieht und darstellt, der, der es wirklich "besser macht", sich gänzlich ausnimmt, abgrenzt, erhöht und pauschal auf die "anderen" (Männer, Frauen und Kinder) und ihr Verhalten, ihre Versuche, ihre Bemühungen, ihre Fragen abschätzig und lästernd herabsieht, ist ein Aspekt, der mir unangenehm aufstößt und den Blick von Yorick weg auf das LIch zieht ... die Bewunderung der ersten Strophe einfordert. Im "immer" zeigt sich diese Selbstüberhöhung für mich dann zu deutlich. Denn LIch ist nicht "immer" (für ihn) da, auch nicht immer hinter ihm, weder in realem noch in übertragenem Sinn. Da würde ich nochmal überlegen.Ich bin immer dahinter, ab und zu
hebe ich seinen Kopf an,
ich weiß nicht wieso.
Wer sagt das?Er ist ein sehr kluges Kind.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Louisa
Liebe Amanita, Zafira, lieber Sam, liebe Gabriella, pjesma!
Vielen lieben Dank für eure positiven Kommentare! Ich fühle mich sehr glücklich, wenn ich das lese.
Liebe Flora,
deine Kritik finde ich sehr interessant.
Also an der ersten Strophe wollte ich auch erst einmal in keine bestimmte Richtung zeigen. Sie ergibt sich für mich aus dem Kontext, nachdem man das GEdicht gelesen hat. Und zwar ist hier das Bedeutsame (für mich) ja eher, dass es Menschen gibt, die Yorick nicht als Person ansehen, sondern als "sowas", als "so etwas" - als "etwas". Das ist das (für mich) Erschreckende an diesen Zeilen. Zugleich auch diese (für mich) überhöhte Bewunderung, die einem seine "Sonderstellung" nur noch mehr ins Bewusstsein bringt.
Man sagt ja auch nicht ständig, wenn man in die Sparkasse geht zum Bankangestellten: "Also was sie da machen! Ich könnte das nicht!" - in dem Sinne sind diese einleitenden Strophen für mich auch zu sehen.
Das du es so empfindest, dass das Ich sich hier mit Eigenlob bepinselt, finde ich ja auch spannend.... das muss ich mir mal genauer anschauen. Denn zuerst wollte ich auch genau an dieser Stelle schreiben, dass es die Mutter ist, die den Kopf hoch hebt oder man kann auch sagen, dass es eine Betreuerin ist.... Das würde für mich aber schon wieder ihnaltliche Fässer aufmachen, die mir in der Strophe gar nicht so wichtig sind. Wichtig war mir hier viel mehr zu sagen: Es kann etwas ganz Groartiges sein, wenn man in der Lage ist den Kopf selbstständig zum Himmel zu wenden - und gleichzeitig wollte ich sagen: Wieso nehme "ich" mir eigentlich heraus beurteilen zu können, ob dieser Mensch gerade den Kopf hoch halten WILL... ?
Für mich drückt diese Strophe auch eher Hilflosigkeit aus, denn dieses "ich weiß nicht wieso" soll ja zeigen: Alles, was mit diesem Menschen geschieht, kann im Grunde nie aus seiner Selbstbestimmtheit geschehen. Ständig wird ihm ein Wille übergestülpt, weil er selbst nicht in der Lage ist, seinen Körper zu steuern. Ist das nun gut oder schlecht seinen Kopf hoch zu heben, damit er etwas von der Welt sieht? Soll man das machen oder soll er den ganzen Tag mit dem Kopf nach unten da hängen? Ist es mein Recht das zu entscheiden???
Darum soll es gehen.
Mich würde interessieren, ob die anderen LEser diese Zeilen auch als "Eigenlob" wahrgenommen haben oder ob die anderen es auch so gelesen haben, wie ich es wollte???? Oder auch gerne anders... Aber ein Text, der aussagt: "Schau her, ich bin die Mutter Theresa aus Berlin" - Um Himmels Willen, Flora! Das soll es auf keinen Fall sein. Das war nicht meine Absicht.
Und ich habe privat und beruflich ständig mit dem Thema Körperbehinderung zu tun, weshalb ich mir sehr wohl erlaube einmal pauschal über "die Männer und die Frauen und die Kinder" in diesem Gedicht zu schimpfen... denn eine Tatsache ist, dass 90 % aller Menschen, denen ich begegne auf diesen Zustand mit Angst, Ablehnung, Bevormundung, Scheu, Wut und schlimmstenfalls sogar Hass reagieren. 10 % der Menschen reagiert für mein Empfinden vollkommen angenehm und hemmungslos. Das ist aber auch ein Problem unserer Gesellschaft und unserer Medienwelt. Gleichzeitig soll auch hier wieder gezeigt werden wie viele gesunde Männer, Frauen und Kinder EInfluss auf das Leben eines größtenteils hilflosen Menschen nehmen - durch ihre Blicke, Sprüche, ihr Benehmen und zu guter letzt auch durch ihre Arbeit.
Ich kann mir so einen Zustand, in dem pausenlos, ständig über mich und meinen Körper von anderen geurteilt und entschieden wird überhaupt nicht vorstellen. Aber genau diesen Zustand versuche ich mir vorzustellen - und da sehe ich ganz viele unterschiedliche Menschen, die auf mich reagieren. Das sind oft anonyme GEstalten, die aber solche Sätze wie die kursiv gedruckten tag täglich an mich herantragen.
Alle kursiv gedruckten Sätze sind ja Zitate wie man vielleicht bemerkt. Auch der Satz "Er ist ein sehr kluges Kind" - was ja (für mich) ziemlich paradox klingt, ist ein Zitat eines Menschen, der sich auch (mal wieder) ein Urteil über diesen Menschen erlaubt hat. Diesmal ausnahmsweise ein positives, wenn auch absurdes Urteil - da ja selbst das - im Grunde niemand richtig beurteilen kann. Was heißt denn auch "klug" ????
Ist jemand klug, der besonders viel Liebe und Glück zeigen kann oder ist jemand klug, der zwar destruktiv und egoistisch ist, dafür aber 10 Doktortitel sein eigen nennt???
Das sind im Grunde alles hohle Begriffe - für mich.
Na dann bin ich gespannt, ob der TExt so ankommen kann wie ich es mir gewünscht habe. Bei den meisten Kommentaren hier habe ich zumindest den Eindruck.
Ach ja, Yorick hat keine weitere Bedeutung... ich wollte nur einen "besonderen" Namen nehmen.
Also dann noch mal vielen Dank!!!
LIebe Grüße,
l
Vielen lieben Dank für eure positiven Kommentare! Ich fühle mich sehr glücklich, wenn ich das lese.
Liebe Flora,
deine Kritik finde ich sehr interessant.
Also an der ersten Strophe wollte ich auch erst einmal in keine bestimmte Richtung zeigen. Sie ergibt sich für mich aus dem Kontext, nachdem man das GEdicht gelesen hat. Und zwar ist hier das Bedeutsame (für mich) ja eher, dass es Menschen gibt, die Yorick nicht als Person ansehen, sondern als "sowas", als "so etwas" - als "etwas". Das ist das (für mich) Erschreckende an diesen Zeilen. Zugleich auch diese (für mich) überhöhte Bewunderung, die einem seine "Sonderstellung" nur noch mehr ins Bewusstsein bringt.
Man sagt ja auch nicht ständig, wenn man in die Sparkasse geht zum Bankangestellten: "Also was sie da machen! Ich könnte das nicht!" - in dem Sinne sind diese einleitenden Strophen für mich auch zu sehen.
Das du es so empfindest, dass das Ich sich hier mit Eigenlob bepinselt, finde ich ja auch spannend.... das muss ich mir mal genauer anschauen. Denn zuerst wollte ich auch genau an dieser Stelle schreiben, dass es die Mutter ist, die den Kopf hoch hebt oder man kann auch sagen, dass es eine Betreuerin ist.... Das würde für mich aber schon wieder ihnaltliche Fässer aufmachen, die mir in der Strophe gar nicht so wichtig sind. Wichtig war mir hier viel mehr zu sagen: Es kann etwas ganz Groartiges sein, wenn man in der Lage ist den Kopf selbstständig zum Himmel zu wenden - und gleichzeitig wollte ich sagen: Wieso nehme "ich" mir eigentlich heraus beurteilen zu können, ob dieser Mensch gerade den Kopf hoch halten WILL... ?
Für mich drückt diese Strophe auch eher Hilflosigkeit aus, denn dieses "ich weiß nicht wieso" soll ja zeigen: Alles, was mit diesem Menschen geschieht, kann im Grunde nie aus seiner Selbstbestimmtheit geschehen. Ständig wird ihm ein Wille übergestülpt, weil er selbst nicht in der Lage ist, seinen Körper zu steuern. Ist das nun gut oder schlecht seinen Kopf hoch zu heben, damit er etwas von der Welt sieht? Soll man das machen oder soll er den ganzen Tag mit dem Kopf nach unten da hängen? Ist es mein Recht das zu entscheiden???
Darum soll es gehen.
Mich würde interessieren, ob die anderen LEser diese Zeilen auch als "Eigenlob" wahrgenommen haben oder ob die anderen es auch so gelesen haben, wie ich es wollte???? Oder auch gerne anders... Aber ein Text, der aussagt: "Schau her, ich bin die Mutter Theresa aus Berlin" - Um Himmels Willen, Flora! Das soll es auf keinen Fall sein. Das war nicht meine Absicht.
Und ich habe privat und beruflich ständig mit dem Thema Körperbehinderung zu tun, weshalb ich mir sehr wohl erlaube einmal pauschal über "die Männer und die Frauen und die Kinder" in diesem Gedicht zu schimpfen... denn eine Tatsache ist, dass 90 % aller Menschen, denen ich begegne auf diesen Zustand mit Angst, Ablehnung, Bevormundung, Scheu, Wut und schlimmstenfalls sogar Hass reagieren. 10 % der Menschen reagiert für mein Empfinden vollkommen angenehm und hemmungslos. Das ist aber auch ein Problem unserer Gesellschaft und unserer Medienwelt. Gleichzeitig soll auch hier wieder gezeigt werden wie viele gesunde Männer, Frauen und Kinder EInfluss auf das Leben eines größtenteils hilflosen Menschen nehmen - durch ihre Blicke, Sprüche, ihr Benehmen und zu guter letzt auch durch ihre Arbeit.
Ich kann mir so einen Zustand, in dem pausenlos, ständig über mich und meinen Körper von anderen geurteilt und entschieden wird überhaupt nicht vorstellen. Aber genau diesen Zustand versuche ich mir vorzustellen - und da sehe ich ganz viele unterschiedliche Menschen, die auf mich reagieren. Das sind oft anonyme GEstalten, die aber solche Sätze wie die kursiv gedruckten tag täglich an mich herantragen.
Alle kursiv gedruckten Sätze sind ja Zitate wie man vielleicht bemerkt. Auch der Satz "Er ist ein sehr kluges Kind" - was ja (für mich) ziemlich paradox klingt, ist ein Zitat eines Menschen, der sich auch (mal wieder) ein Urteil über diesen Menschen erlaubt hat. Diesmal ausnahmsweise ein positives, wenn auch absurdes Urteil - da ja selbst das - im Grunde niemand richtig beurteilen kann. Was heißt denn auch "klug" ????
Ist jemand klug, der besonders viel Liebe und Glück zeigen kann oder ist jemand klug, der zwar destruktiv und egoistisch ist, dafür aber 10 Doktortitel sein eigen nennt???
Das sind im Grunde alles hohle Begriffe - für mich.
Na dann bin ich gespannt, ob der TExt so ankommen kann wie ich es mir gewünscht habe. Bei den meisten Kommentaren hier habe ich zumindest den Eindruck.
Ach ja, Yorick hat keine weitere Bedeutung... ich wollte nur einen "besonderen" Namen nehmen.
Also dann noch mal vielen Dank!!!
LIebe Grüße,
l
Hallo Louisa,
Nein, gar nicht. Ich lese einerseits große Hilflosigkeit beim LI und gleichzeitig große Hingabe an den Schützling.
Saludos
Gabriella
Louisa hat geschrieben:Mich würde interessieren, ob die anderen LEser diese Zeilen auch als "Eigenlob" wahrgenommen haben
Nein, gar nicht. Ich lese einerseits große Hilflosigkeit beim LI und gleichzeitig große Hingabe an den Schützling.
Saludos
Gabriella
Hallo Louisa,
Liebe Grüße
Flora
Hm... ich schrieb ja, dass mir das nicht glaubwürdig erscheint. Vermutlich, weil ich niemanden kenne, der das denken und schon gar niemanden, der das in einer Begegnungssituation sagen, auf diese Weise aussprechen würde. Und das ist dir gegenüber wirklich so geäußert worden?Und zwar ist hier das Bedeutsame (für mich) ja eher, dass es Menschen gibt, die Yorick nicht als Person ansehen, sondern als "sowas", als "so etwas" - als "etwas". Das ist das (für mich) Erschreckende an diesen Zeilen.
Das für sich genommen, kommt sicher oft vor, aber muss man das negativ bewerten? Kann das nicht eine ehrliche und in deinem Sinn "ungehemmte" Aussage, ein Selbsteingeständnis, eine Wertschätzung, eine tatsächliche Bewunderung ausdrücken, die sich überhaupt nicht gegen Yorick richtet. Das hören auch andere Berufsgruppen, vielleicht nicht der Bankangestellte, aber vielleicht z.B. der Broker? Dass das nerven kann, finde ich verständlich und nachvollziehbar. Aber das ist auch weniger Yoricks als LIchs Problem?Man sagt ja auch nicht ständig, wenn man in die Sparkasse geht zum Bankangestellten: "Also was sie da machen! Ich könnte das nicht!" - in dem Sinne sind diese einleitenden Strophen für mich auch zu sehen.
Das kommt bei mir leider so nicht an. Dafür sind denke ich auch die Zeilen davor zu deutlich und sicher positiv von LIch eingefärbt, bewertet durch das "schafft" und das "sogar". Vielleicht kannst du davon noch etwas einfließen lassen, zum Beispiel indem du den Blick Yorick zuwendest, seine Reaktion/Nichtreaktion zeigst?Wichtig war mir hier viel mehr zu sagen: Es kann etwas ganz Groartiges sein, wenn man in der Lage ist den Kopf selbstständig zum Himmel zu wenden - und gleichzeitig wollte ich sagen: Wieso nehme "ich" mir eigentlich heraus beurteilen zu können, ob dieser Mensch gerade den Kopf hoch halten WILL... ?
Für mich drückt diese Strophe auch eher Hilflosigkeit aus, denn dieses "ich weiß nicht wieso" soll ja zeigen: Alles, was mit diesem Menschen geschieht, kann im Grunde nie aus seiner Selbstbestimmtheit geschehen. Ständig wird ihm ein Wille übergestülpt, weil er selbst nicht in der Lage ist, seinen Körper zu steuern. Ist das nun gut oder schlecht seinen Kopf hoch zu heben, damit er etwas von der Welt sieht? Soll man das machen oder soll er den ganzen Tag mit dem Kopf nach unten da hängen? Ist es mein Recht das zu entscheiden???
Aber wozu dieses Pauschalurteil? Was willst du dadurch (im Gedicht) erreichen?Und ich habe privat und beruflich ständig mit dem Thema Körperbehinderung zu tun, weshalb ich mir sehr wohl erlaube einmal pauschal über "die Männer und die Frauen und die Kinder" in diesem Gedicht zu schimpfen... denn eine Tatsache ist, dass 90 % aller Menschen, denen ich begegne auf diesen Zustand mit Angst, Ablehnung, Bevormundung, Scheu, Wut und schlimmstenfalls sogar Hass reagieren. 10 % der Menschen reagiert für mein Empfinden vollkommen angenehm und hemmungslos. Das ist aber auch ein Problem unserer Gesellschaft und unserer Medienwelt.
Ja, aber warum zeigst du das Verhalten des LIch "liebevoll", rührend, Yorick und seine Fähigkeiten annehmend und schätzend, das Bemühen der anderen aber durchweg durch "falsche" Motive (fehl)geleitet? Für mich kann das so nicht aufgehen.Gleichzeitig soll auch hier wieder gezeigt werden wie viele gesunde Männer, Frauen und Kinder EInfluss auf das Leben eines größtenteils hilflosen Menschen nehmen - durch ihre Blicke, Sprüche, ihr Benehmen und zu guter letzt auch durch ihre Arbeit.
Der Ansatz kann für mich im Grunde immer nur das Bild verzerren und mündet dann vermutlich meist genau in diesem "Bedauern", das der Text kritisiert? Man kann es sich eben nicht vorstellen.Ich kann mir so einen Zustand, in dem pausenlos, ständig über mich und meinen Körper von anderen geurteilt und entschieden wird überhaupt nicht vorstellen. Aber genau diesen Zustand versuche ich mir vorzustellen - und da sehe ich ganz viele unterschiedliche Menschen, die auf mich reagieren. Das sind oft anonyme GEstalten, die aber solche Sätze wie die kursiv gedruckten tag täglich an mich herantragen.
Ich kann mir Situationen denken, in denen dieser Satz durchaus stimmig und ehrlich ausgesprochen sein kann und zwar genau in dem Sinn, in dem auch LIch die Fähigkeiten von Yorick zeigt, schätzt, hervorhebt, ohne jetzt im alltäglichen Sprachgebrauch das verwendete Wort genau analysiert und hinterfragt zu haben. Und wenn es um Offenheit geht, um "Hemmungslosigkeit", warum sollte dann so etwas nicht gesagt werden dürfen? Schließlich sagt man das auch über, oder zu anderen Kindern. Und wenn man den negativen, oder dummen Urteilen, Aussagen, Blicken eine negative Auswirkung auf Yorick zuspricht, warum dann nicht hier auch das Positive sehen? Ist es nicht auch hier eher LIch, die ein Problem hat, oder sieht, oder stellvertretend für Yorick eines daraus macht?Alle kursiv gedruckten Sätze sind ja Zitate wie man vielleicht bemerkt. Auch der Satz "Er ist ein sehr kluges Kind" - was ja (für mich) ziemlich paradox klingt, ist ein Zitat eines Menschen, der sich auch (mal wieder) ein Urteil über diesen Menschen erlaubt hat. Diesmal ausnahmsweise ein positives, wenn auch absurdes Urteil - da ja selbst das - im Grunde niemand richtig beurteilen kann. Was heißt denn auch "klug" ????
Warum einen "besonderen" Namen? Das scheint mir zumindest mit der Erklärung seltsam gegen die Aussage des Textes zu arbeiten?Ach ja, Yorick hat keine weitere Bedeutung... ich wollte nur einen "besonderen" Namen nehmen.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Liebe Lou,
wenn Du mit dem Namen nichts Bestimmtes meinst, würde ich mir wirklich überlegen, ihn auszutauschen.
Yorick ist jedem, der Hamlet kennt, als der tote Narr bekannt; und überdies ist es sein Schädel, mit dem Hamlet hantiert (und wer hat noch kein Hamletbild mit Schädel gesehen?) Für Leser, denen der Name in diesem Kontext vertraut ist, mutet die Zeile mit dem Anheben des Kopfes erstmal als großer Stolperstein an.
Ich will Dir nicht reinreden, aber ich frage mich auch, was für ein Sinn dahintersteckt, dass es ein so wenig "gängiger" Name sein muss und kein etwas geläufigerer ...
Grüße von Zefira
wenn Du mit dem Namen nichts Bestimmtes meinst, würde ich mir wirklich überlegen, ihn auszutauschen.
Yorick ist jedem, der Hamlet kennt, als der tote Narr bekannt; und überdies ist es sein Schädel, mit dem Hamlet hantiert (und wer hat noch kein Hamletbild mit Schädel gesehen?) Für Leser, denen der Name in diesem Kontext vertraut ist, mutet die Zeile mit dem Anheben des Kopfes erstmal als großer Stolperstein an.
Ich will Dir nicht reinreden, aber ich frage mich auch, was für ein Sinn dahintersteckt, dass es ein so wenig "gängiger" Name sein muss und kein etwas geläufigerer ...
Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Hallo Louisa,
hier mal ein Versuch im Text zu zeigen. Es sind wirklich nur Kleinigkeiten, die aber für mein Lesen viel ausmachen würden, ein sichtbareres Mithineinnehmen des eigenen Zweifels, der Unsicherheit und weniger Abwertung und Pauschalurteil gegenüber den anderen. Vielleicht ist ja noch ein Gedanke oder Ansatz für dich dabei. Mit dem Namen sehe ich es wie Zefira.
Ich bewundere Sie ja! Ich bewundere Sie ja!
Dass Sie das können. Ich könnte das nicht!
[...]
Ich bin dahinter, ab und zu
hebe ich seinen Kopf an,
ich weiß nicht wieso.
Ob er das will oder nicht?
Meist schweigt er dazu.
[...]
Danach kommen andere Frauen, Männer, Kinder -
jeder von uns hat eine neue Idee, um es besser zu machen.
Denn es kann ja nicht so bleiben wie es ist,
es kann ja, um Gottes Willen, nicht so bleiben wie es ist.
Das wäre fatal, das wäre eine Qual
für Yorick, denken die Männer und Frauen
und Kinder und Yorick und ich?
Liebe Grüße
Flora
hier mal ein Versuch im Text zu zeigen. Es sind wirklich nur Kleinigkeiten, die aber für mein Lesen viel ausmachen würden, ein sichtbareres Mithineinnehmen des eigenen Zweifels, der Unsicherheit und weniger Abwertung und Pauschalurteil gegenüber den anderen. Vielleicht ist ja noch ein Gedanke oder Ansatz für dich dabei. Mit dem Namen sehe ich es wie Zefira.
Ich bewundere Sie ja! Ich bewundere Sie ja!
Dass Sie das können. Ich könnte das nicht!
[...]
Ich bin dahinter, ab und zu
hebe ich seinen Kopf an,
ich weiß nicht wieso.
Ob er das will oder nicht?
Meist schweigt er dazu.
[...]
Danach kommen andere Frauen, Männer, Kinder -
jeder von uns hat eine neue Idee, um es besser zu machen.
Denn es kann ja nicht so bleiben wie es ist,
es kann ja, um Gottes Willen, nicht so bleiben wie es ist.
Das wäre fatal, das wäre eine Qual
für Yorick, denken die Männer und Frauen
und Kinder und Yorick und ich?
Liebe Grüße
Flora
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