An mir vorbei (vorher:Ganz gut)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 25.10.2012, 12:08

Nach langen Wochen praller Hitze
nicht enden wollend
auch des Nachts – wird’s Herbst.

Die Tage wirken müder.
Gehüllt in Nebeldecken, die sie
nur mittags zögernd lüften.

Ich sitze auf der Bank
zwischen türkisen Vasen
und vor mir fließt die Wien
seit guten hundert Jahren
durch Jugendstilgewölbe.

In Paaren und mit Hunden flanier’n
am Sonnenufer Menschen an mir vorbei.

Ich bin allein – nach Zeiten
des Liebens und der Abschiede.
Lab mich am Rundherum
und es ist gut so wie es ist.


.
Zuletzt geändert von Elsa am 23.11.2012, 12:48, insgesamt 1-mal geändert.
Schreiben ist atmen

Herby

Beitragvon Herby » 31.10.2012, 00:02

Hallo Elsa,

Das les ich ja jetzt erst - und der Text nimmt mich sehr ein in seiner Melancholie, seiner Ruhe, seinen Bildern. Dir gelingt mit deinem Gedicht etwas, was in meinen Augen eine hohe Kunst ist: die Worte, der Text nimmt Gestalt an, wird Bild, wird Bewegung, nimmt mich mit. Wunderschön auch die türlisfarbenen Vasen, die ich als Reminiszenz an den Sommer lese.
Mich wundert, dass der Text bisher ohne Response blieb!

Dieses Gedicht würde ich wahnsinnig gerne von dir gelesen hören, es ruft förmlich nach deiner Stimme! Glaubst du, das ist machbar?

Mit Genuss gelesen!
Herby

PS: Könntest du dir vorstellen, aus dem Titel das "Ganz" zu streichen - für mich wirkt es auf seltsame Weise unpassend in diesem Text, bagatellisierend?

Mucki
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Beitragvon Mucki » 31.10.2012, 11:32

Liebe Elsie,

dein Gedicht ist mir irgendwie durchgeflutscht.
Es hat wirklich eine feine Wirkung. Das liegt einmal an dem melancholischen Nachhall und andererseits an der Haltung des LI. Dieses Annehmen des Lebens, so wie es ist, so wie es sich verändert.

Ich höre deine Stimme beim Lesen ganz genau, höre, wann du Pausen machst, wie du dir Zeit lässt, wann du mit der Stimme runtergehst.

Feines Stimmungsgedicht!

Liebe Grüße
Mucki

Max

Beitragvon Max » 31.10.2012, 19:07

Liebe Elsa,

es geht mir ähnlich wie Gabriella: Ich höre Deine Stimme und es ist ja ganz erstaunlich, dass ein Gedicht das schaffen kann.

Mir gefällt die Gemütslage, die dieser Text erzeugt.

Einzig mit dem Titel hadere ich noch ein wenig. Weder "ganz gut" noch "gut", wie von Herby vorgeschlagen, treffen es für mich. Wie wäre denn "Wie es ist"?


Liebe grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 01.11.2012, 18:30

Oh, vielen Dank, liebe Gabi, lieber Herby, lieber Max, das freut mich.

Ich werde es gern einlesen, wenn ich wieder daheim bin.

Der Titel war eine Notlösung, "wie es ist" erinnert zu stark an Fried, dem ich echt nicht das Wasser reichen kann. Dann eher doch "Gut" ?

Liebe Grüße
ELsa
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 01.11.2012, 18:42

Hallo Elsa!

Ich schließe mich den anderen an, mir gefällt Dein Gedicht auch (wenn ich auch einschränkend anmerke, dass ich mit dem Einstieg ein bisschen Probleme habe: nicht enden wollend ... klingt für mich etwas "konstruiert" und auch grammatisch nicht so ganz schlüssig - so dass ich erst "richtig" anfange zu lesen bei Die Tage wirken müder.)

Und ich muss zugeben, Dein aktueller Titel hätte mich fast am Anklicken gehindert, ein Gedicht, das Ganz gut lautet, interessiert mich wohl nicht :). Dann habe ich aber doch gelesen - und ich finde die Stimmung auch wunderbar! Etwas davon - oder ein Hinweis - sollte aber m. E. auch schon im Titel auftauchen. Es ist gut so oder So ist es gut würde mir vermutlich am besten gefallen - oder jedenfalls ein Titel, der Gelassen- und Zufriedenheit ausdrückt.

Max

Beitragvon Max » 01.11.2012, 19:37

Liebe Elsa,

ja an Fried habe ich natürlich auch gedacht - aber ich denke, es ließe sich aushalten, oder?

Liebe Grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 02.11.2012, 09:10

Danke Amanita für deine Betrachtung. Dabei mag ich die 1. Str. so gern, weil sie einen schönen Leserhythmus hat. :)

Stimmt, Max.

Was wäre mit:

"Und gut ist es"

Das tät mir gefallen.

Liebe Grüße
Elsa
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Lisa
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Beitragvon Lisa » 02.11.2012, 19:09

Liebe Elsa,

ich mag diesen Text aus den Gründen, die schon genannt wurden. Auch ich höre tatsächlich deine Stimme, die den Text sicher und erhaben durch alle Wote trägt, die er verwendet.

Auch die Stimmung "mag ich", mag mich hinzubegeben in diesen ruhigen, fließenden, loslassenkönnenden Schmerz. Nicht an jedem Tag mag es so sein, an anderen tut sich das Grauen auf, aber an manchen kann es so sein und auch wenn es eben schmerzvoll ist, dann verstehe ich, was es bedeuten soll, wenn der Text sagt, es ist gut so, wie es ist.

Titelei:

ich wäre für "Und es ist gut so wie es ist" (letzte Zeile) oder "An mir vorbei".

Fried ist fein, aber die Ähnlichkeit eines solch bekannten Gedichts würde ich auch nicht suchen.

liebe Grüße
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 23.11.2012, 12:48

Liebe Lisa,

verzeih, dass ich mich erst jetzt wieder melde, hab einfach viel zu tun.

Dankeschön für deinen loebenden Komm. freut mich! Ja, klar, es ist ein Tag, der gut ist, andere können mies sein, daher nur eine Momentaufnahme. Und genau deswegen finde ich deinen Titelvorschlag riesig! Ich nenne es jetzt so, vielen Dank dafür!

Liebe Grüße, Elsa
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Beitragvon Mucki » 23.11.2012, 12:57

Ja, dieser Titel ist klasse!

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 23.11.2012, 13:14

Ja, gell?
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