Denke dir ...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 30.09.2012, 12:21

Version II

Denk dir die Liebe.
Denk dir - die Liebe!
Denk dir die Liebe.
Denk dir die Liebe
Denk: Dir, die Liebe

©GJ20121004


Denk dir - die Liebe!
Denk dir die Liebe.
denk, dir: die liebe
denk dir DIE Liebe.
Liebe "denken"?

©GJ20120930
Zuletzt geändert von Gerda am 04.10.2012, 07:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.09.2012, 15:52

Hallo Gerda, ich denk' (!) mir auch sooo oft, man müsste viel öfter mit einer Permutation arbeiten (wie hier zumindest im Ansatz).

Aber Deine Version finde ich noch ziemlich unausgegoren. Zum Beispiel DIE in Versalien - das meinst Du sicher als Betonung? Aber bezogen auf den ganzen Text finde ich das nicht günstig, wenn das Wort die dermaßen herausgehoben ist. Ferner sehe ich das Komma in der dritten Zeile als überflüssig an. Last not least meine ich, dass Anführungszeichen in solch einem Text auch nicht gut sind.

Ich glaube, da ist viel mehr drin; rein typografisch ließe sich da erheblich mehr machen.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.09.2012, 17:27

Hi Gerda,

ich denk mir, dass es dir hier in erster Linie auf die Betonung ankommt. Und das ist schon interessant, deine Zeilen laut zu lesen. Beim Bindestrich, klar, lange Pause. Das Ausrufezeichen ruft eine kräftige Betonung hervor.
Die zweite Zeile liest sich recht tonlos, sicher auch so von dir gewollt.
Bei Zeile 3 erzeugt das Komma auch eine Pause, jedoch nur eine kurze, dito der Doppelpunkt. Beim Komma komme ich jedoch auch ins Schleudern.
In Zeile 4 das groß geschriebene DIE erzwingt starke Betonung. Hier könntest du auch das "DIE" kursiv setzen, hätte m.E. die gleiche Wirkung.
In der letzten Zeile können die Anführungszeichen m.E. eigentlich entfallen, da man diese Zeile sowieso als Frage liest, durch das Fragezeichen.
Was mir in diesem Experiment (für mich hat es experimentellen Charakter) noch fehlt, ist der Punkt mitten im Satz, der zum abrupten Lesestopp zwingt.
Ein anregendes Experiment, finde ich.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 30.09.2012, 22:00

Liebe Amanita, liebe Gabi,

vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Ihr habt hauptsächlich auf die Form reagiert.
Wie sieht es denn mit dem Inhalt aus?
Mir geht es weniger um Permutation, als um die (Un)möglichkeit ...
Noch genauer möchte ich eigentlich nicht werden, aber mich würde natürlich interessieren, was ihr dazu gesagt hättet, stünde da nur der Satz:
Denk dir die Liebe.
Ursprünglich hatte ich vor, genau diesen unter Kurzprosa zu posten ... habe mich dann anders entschieden.

Liebe Grüße fürs Erste,
herzlich
Gerda

Niko

Beitragvon Niko » 30.09.2012, 23:06

man kann das eine nie ohne das andere sehen, gerda. die form begleitet den inhalt und der inhalt begleitet die form. beides steht nie für sich, beides wirkt immer zusammen. wie stark - kommt halt auf die umsetzung der jeweiligen komponenten an. ich kenne zu wenig von permutationen, um das beurteilen zu können. ich finde es eine gelungene spielerei von worten, verschobenen zeichensetzungen und betonungen, die sich daraus teils ergeben. eine betonung durch -wie hieß das doch gleich, amanita- versalien (wieder was dazu gelernt!!!) finde ich unglücklich, weil es eine betonung ist, die sich nicht ergibt, sondern erst dem leser sozusagen aufgedrängt werden muss. durch kommata und ähnliches erzeugte betonungen sind von natürlicher kraft.

die letzte zeile enttäuscht mich. mir hat es den anschein, als wollest du das ding gepflegt abrunden. zwar ist es ein witzig, knifflig poitierter abschluss, der vermittelt, dass lieben und denken ncht zusammengehen, aber formal wirkt es mir persönlich zu konstruiert, zu auffällig gegengesetzt.

wer keine liebe hat, denkt sich welche. dann sucht man sie sich durch vorstellung zu ersetzen und herbei zu sehnen.
"Denk dir die Liebe" und "Denk, dir die Liebe" - kannst du mir den sinnhaften unterschied erklären, gerda? ich erkenne ihn nicht. (der Liebe solltest du die ihr angemessene Grüöße verleihen und sie mit einem großen "L" beginnen lassen in der 3. Zeile!

nichts desto trotz - ich mag´s!

liebe grüße: niko
Zuletzt geändert von Niko am 30.09.2012, 23:12, insgesamt 2-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.09.2012, 23:08

Liebe Gerda,

ja, ich hab nur auf die Form reagiert, weil sie für mich im Vordergrund steht, bzw. die verschiedenen Formen einen hier anspringen, als Leser.

Zum Inhalt:
"Denk dir die Liebe"

Hm, kann man sich die Liebe denken? Ich glaube schon, dass dies möglich ist. Aus der Erinnerung heraus kann man sich in die Liebe sozusagen wieder hineindenken, hineinfühlen. Oder aber aus der aktuellen Situation heraus.
Wobei ich vielleicht den Fehler begehe und aus "denke" automatisch "fühle" bzw. "erfühle" mache, da man, glaube ich, die Liebe nicht nur denken kann.
Soweit meine Gedanken.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.10.2012, 07:25

Guten Morgen in die Runde,

lieber Niko, vielen Dank, für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass du es magst.

Niko hat geschrieben:man kann das eine nie ohne das andere sehen, gerda. die form begleitet den inhalt und der inhalt begleitet die form. beides steht nie für sich, beides wirkt immer zusammen. wie stark - kommt halt auf die umsetzung der jeweiligen komponenten an.


Mir ist allerdings nicht klar, weshalb du mir das, im Zitat erwähnte zu erklären trachtest.
Genau darum ging es mir, nämlich Niko; ... und, so belehrend, das kommt auch bei mir nicht gut an ;-)
Ich bin eine alte Lyrik-Häsin, das weiß' ich so etwas Selbstverständliches.
Genau das fehlt aber doch in den Kommentaren vom Amanita und Gabriella, die sich ausschließlich auf de Form konzentrierten.

Liebe Gabi,

jetzt kommen wir "der Sache" schon näher ... und bitte, das geht auch an dich Amanita, lasst im Moment mal die Orthografie im Text außen vor und betrachtet, was da steht.
Meiner Meinung nach, handelt es sich um ein Paradoxon. "Die Liebe denken, sich die Liebe denken", das geht doch nicht ... entweder ist Liebe vorhanden oder nicht ... Was ist das was sich da gedacht werden soll?
Darüber zu diskutieren würde mich freuen.
Dann werde ich noch über die Form nac, w. o. erwähnt belassen kann.

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 01.10.2012, 08:35

Du, Gerda, ich finde den Niko überhaupt nicht "belehrend"! Wenn Du uns ein Gedicht einstellst, das sofort durch seine Form auffällt, sollte es doch niemanden wundern, dass wir genau an diesem Formalen "andocken".

Ich meine übrigens schon, dass man sich "Liebe denken" kann. Sonst gäbe es wohl keine Liebesgedichte, ohne dass man "akut" verliebt ist ... Daher finde ich den letzten Satz auch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber er gehört eben zu Deiner Aussage.

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.10.2012, 08:59

Du, Amanita, ich finde, du begründest selbst genau damit, dass du vom "über die Liebe schreiben" schreibst, dass man sich "Liebe" gerade nicht denken kann.
Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn du mir dabei nicht folgen magst. Möglich, dass meine Ansicht eher eine philosophische Sicht berührt als die ausschließlich dichterische und auch, dass sie befremdlich wirkt.
Aber ich denke jetzt schon tagelang über den nach meinem Verständnis Widerspruch "...sich Liebe denken" nach ...

Warum du meinst zänkisch antworten zu müssen, nur weil ich Niko mitgeteilt habe, was mein Empfinden ist verstehe ich nicht.

Einen guten Morgen
Gerda
Zuletzt geändert von Gerda am 01.10.2012, 09:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Amanita » 01.10.2012, 09:07

Zu Hülf, Gerda, nein, nicht zänkisch. Ich habe hier (in diesem Strang) allerdings das Gefühl, dass man es Dir nur schwerlich rechtmachen kann.

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.10.2012, 09:09

Mensch Amanita, geht es hier um "Rechtmachen"? Lies doch vllt. nochmal, dass ich gern diskutiert hätte, aber so wird das nichts, das sehe ich jetzt ein. Dankeschön, für die Kommentare.

LGG

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Beitragvon Ylvi » 01.10.2012, 10:02

Hallo Gerda,

für mich wäre die Zeile:
Denk dir die Liebe
anregender und in ihrer Wirkung spannender. Das Fehlen eines Satzzeichens würde mir hier zum Beispiel wesentlich eindrücklicher unterschiedliche Lesemöglichkeiten eröffnen, als deine Ausführungen.
Bei deinem Gedicht verschiebt sich auch für mich die Frage nach dem Inhalt in Richtung Form, Gestaltung, Betonung und vor allem von der Frage an mich selbst hin zur Frage: was will die Autorin mir durch die Veränderungen sagen.

Wenn du in erster Linie nicht über das Gedicht, die Umsetzung, sondern über den dahinterstehenden Gedanken diskutieren möchtest, würde sich vielleicht ein Faden im Café besser anbieten.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.10.2012, 11:04

Ja, Flora, das hatte ich auch schon überlegt, danke für das Angebot.
Ich eröffne schlicht im Café einen neuen Faden nur mit diesem Satz.
Denk dir die Liebe
(Du hast wahrscheinlich auch den Klang von Bachmann "Erklär mir Liebe" im Ohr) :-)
Mit der Form, kann ich mich hier im Faden, immer noch auseinandersetzen, deswegen möchte ich nicht, dass verschoben wird.
Danke nochmals.

Liebe Grüße
Gerda
Caféfaden: viewtopic.php?p=187661#p187661

Niko

Beitragvon Niko » 01.10.2012, 13:44

und, so belehrend, das kommt auch bei mir nicht gut an


vielleicht erkennt man manchmal im gegenüber, was man sich selbst nicht eingestehen möchte, gerda... ;-)

Ich bin eine alte Lyrik-Häsin, das weiß' ich so etwas Selbstverständliches.

schön, gerda, dass du mich (uns) dennoch an deinem oevre teilhaben lässt!

statt herumzufrozzeln haääte ich mir von der alten lyrikhäsin eine antwort auf die frage
"Denk dir die Liebe" und "Denk, dir die Liebe" - kannst du mir den sinnhaften unterschied erklären, gerda? ich erkenne ihn nicht.


gewünscht.

gott zum gruße: nikolaus josef, belehrer und alter lyrik-hase


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