die hündin

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
poeta

Beitragvon poeta » 20.09.2012, 07:49

.

die hündin


sucht nach dir
sie weiß noch wie du riechst
läuft unruhig auf dem wunden punkt

... verläuft mein denken sich
geht fremd in ihrem hundeblick

sucht spuren
im schnee von gestern
gräbt tiefer - findet
keinen boden - die erde
innen noch warm





ursprüngliche version:

[tabs][tabs: ]verlassen liebt sichs qualvoll


selbst die hündin sucht nach dir
sie weiß noch wie du riechst
läuft unruhig auf dem wunden punkt

... verlaufen sich gedanken auch
gehn fremd in ihrem hundeblick

suchen spuren
im schnee von gestern
graben tiefer - finden
keinen boden - die erde
innen noch warm[/tabs]
Zuletzt geändert von poeta am 30.09.2012, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.

Gerda

Beitragvon Gerda » 22.09.2012, 07:55

Liebe Poeta,

ich kann das Gefühl sehr gut nachempfinden, was dich möglicherweise dazu bewegt hat, dieses Gedicht zu schreiben.
Allerdings ist mir der Titel viel zu konkret, drückt er doch die Gefühle des Lyrich 1:1 aus. Da fällt dir mit Sicherheit ein besserer ein.
Den Hund miteinzubeziehen, ja, das gefällt mir gut und obwohl ich auch dieses 1:1 lesen kann (ich kenn ees auch eigener länger zurückliegender Erfahrung) finde ich diesen Teil sehr gelungen. Aber ich würde den Passus, "suchen spuren im schnee von gestern" ersatzlos streichen, weil dieser genauso wie der Titel meiner Ansicht nach das Gedicht schwächen. Beim Schnee kommt noch hinzu : viel zu oft gehört, stehende Redewendung.

Soweit meine Gedanken.

Liebe Grüße
Gerda

poeta

Beitragvon poeta » 23.09.2012, 09:22

danke, Gerda,

für deinen hilfreichen kommentar. ich bin wohl ein bisschen aus der übung. :rolleyes:

mit dem titel hast du sicherlich recht, auch den schnee zu streichen, kann ich mir durchaus vorstellen. aber meinst du, dass es ganz ohne spurensuche noch immer *funzt*?
as doppete suchen gefiel mir eigentlich, naja . . .


verlassen liebt sichs qualvoll
selbst die hündin,


sucht nach dir
sie weiß noch wie du riechst
läuft unruhig auf dem wunden punkt

... verlaufen sich gedanken auch
gehn fremd in ihrem hundeblick

suchen spuren
im schnee von gestern
graben tiefer - finden
keinen boden - die erde
innen noch warm


Vielen Dank noch mal,
schönen Sonntag wünsch ich dir,
poeta

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 23.09.2012, 18:52

Zustimmung, was den Titel angeht.
Den "schnee" würde ich aber drinlassen, auch in der Redewendung. "Schnee von gestern" ist ja normalerweise eine Anweisung, etwas locker zu nehmen. Das in diesem Kontext zu verwenden, gibt dem Spruch etwas Verbittertes. Ich mag das eigentlich. Ohne den "schnee" fiele auch die Spurensuche weg, wie du schon selber erwähntest, und zudem hat man nicht mehr diesen Warm-Kalt-Kontrast.
Ich habe eher noch Probleme, das alles motivisch zu ordnen. Ich habe gerade in dem Suchen der Hündin schon ein versinnbildlichtes Nachdenken gelesen. Dementsprechend hatte ich Schwierigkeiten, auch noch die Gedanken, die diese Hündin haben soll, einzuordnen. Verstehst du, wie ich meine? Ich werde aber auf jeden Fall noch ein paar Mal lesen. Das nur als ersten Eindruck.

LG David

pjesma

Beitragvon pjesma » 24.09.2012, 20:00

xxx
Zuletzt geändert von pjesma am 03.08.2016, 01:41, insgesamt 1-mal geändert.

poeta

Beitragvon poeta » 29.09.2012, 15:11

hallo, ihr zwei,

da ihr beiden euch an dem schnee von gestern nicht stört, werde ich ihn wohl behalten. ich hätte mich ohnehin nur sehr ungern von ihm getrennt. aus den von DavidK88 genannten Gründen (spurensuche und kalt-warm-gegensatz) scheint er mir doch wichtig.


@David,
ich danke dir für das plädoyer auch für die etwas schnoddrige wendung "schnee von gestern". dein beitrag hat mir etwas mehr sicherheit bezüglich meiner zeilen gegeben.
Ich habe gerade in dem Suchen der Hündin schon ein versinnbildlichtes Nachdenken gelesen. Dementsprechend hatte ich Schwierigkeiten, auch noch die Gedanken, die diese Hündin haben soll, einzuordnen.

oh, gemeint waren die gedanken des LI :confused:
ich hoffe mit dieser erklärung kommst du nun besser zurecht.



@pjesma,
ich finde es schön, dass du dich so intensiv mit diesen zeilen beschäftigt hast, auch wenn ich jetz nicht genau nachvollziehen kann, worin im einzelnen die verbesserung liegt, wenn du z.b. die spurensuche nach oben nimmst und die gedanken ganz fallen lässt. ich finde meine stimme in deinem text jedenfalls nicht mehr. den einstieg z.b. "suchen spuren..." finde ich recht unbefriedigend, weil ich mich frage, wer???
um authentizität gehst mir hingegen gar nicht. die szene, wie sie beschrieben wird, ist frei erfunden, geht aber von der beobachtung aus, dass hunde überaus treu sind unter einer trennung oft genauso leiden wie wir menschen. den "treuen hundeblick" empfindet LI als spiegel seiner eigenen befindlichkeit, und wenn es sich in diesem blick verläuft, gleich der hündin auf spurensuche, dass ist LI in dem moment die hündin und gräbt...


ich bin aufgrund eurer anregungen und neuerlichem intensiven nachgrübeln zu folgender version gelangt:


[tabs][tabs: ]die hündin


sucht nach dir
sie weiß noch wie du riechst
läuft unruhig auf dem wunden punkt

... verläuft mein denken sich
geht fremd in ihrem hundeblick

sucht spuren
im schnee von gestern
gräbt tiefer - findet
keinen boden - die erde
innen noch warm[/tabs]

vielen dank euch beiden und
liebe grüße, poeta

Gerda

Beitragvon Gerda » 30.09.2012, 12:25

Liebe Poeta,

erster Eindruck: Jaaaaaaaaaah, das gefällt mir! (Trotz des Schnees)
Hast du alte Version gelöscht? (Oder habe ich Alzheimer)
Wäre gut, diese zum Vergleich lesen zu können.

LG
Gerda

poeta

Beitragvon poeta » 30.09.2012, 13:33

Liebe Gerda,

nein, ich habe nicht gelöscht. die erstfassung steht unverändert im ausgangspost. ich wollte erst reaktionen abwarten, denke aber dass ich nun genügend sicherheit gewonnen habe, um die direkt darüber stehende version oben einzutragen und den titel zu ändern.

dankeschön für deinen kommi! :smile:
liebe grüße,
mona

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.09.2012, 17:30

Hallo poeta,

ja, die zweite Version finde ich auch sehr gelungen!

Saludos
Gabriella

poeta

Beitragvon poeta » 09.10.2012, 06:48

danke Gabriella, das freut mich! :smile:

liebe grüße, poeta

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.10.2012, 10:33

Danke, liebe Mona, jetzt sehe ich, im Kopfposting beide Versionen.
Dein Gedicht hat sehr gewonnen und der Titel macht neugierig ...berechtigterweise. :daumen:

Liebe Grüße
Gerda :smile:

Sag kenne ich dich als "Mona", aus den Anfängen des Salons? Oder handelt es sich lediglich um eine zufällige Namensübereinstimmung?

poeta

Beitragvon poeta » 11.10.2012, 08:20

liebe Gerda,
danke fürs zurückkehren und deine lieben worte.
Und, nein, ich bin nicht die mona, die du aus den anfängen des salons kennst, habe mich erst im vergangegen jahr hier her "verirrt" und bedauere sehr, nicht mehr zeit zu haben, um hier aktiver zu sein. :smile:

liebe grüße,
mona/poeta

Gerda

Beitragvon Gerda » 11.10.2012, 09:06

Danke LG
Gerda :-)

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 20.10.2012, 23:15

Hallo, poeta,

ein sehr schöner Text, der durch das "Fremdgehen im Hundeblick" den Kitsch vermeidet. Der Schnee kühlt ein wenig den Schmerz.

Schwieriges Thema, aber so kann man es angehen, findet

fenestra


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