so rot

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 21.08.2012, 07:51

.

so rot brennst du
in meinem fleisch noch immer
hat mir nichts genützt – kein fluch
kein eishauch kein vergessen

die glut will nicht verlöschen
mit der du mich gesiegelt hast
dem ende wohnt kein zauber inne



.
Schreiben ist atmen

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.08.2012, 11:01

Hallo, Elsa,
irgendwie ist da so ein sado-maso-Ton drin, den ich nicht mag und auch nicht für poesiefähig halte. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Aussage!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.08.2012, 12:15

Jetzt muss ich aber doch auch einmal etwas konkreter werden.
Meines Erachtens ist SM etwas, woran Elsa beim Schreiben ganz sicher nicht gedacht hat.
Es mag anklingen, wenn man die Bilder sehr direkt und äußerlich interpretiert.
Aber hier geht es meiner Ansicht nach ganz klar um innere Wunden.
Die können eben auch "Rot" sein, weil Rot nämlich eine Signalwirkung hat, wenn es auch noch grell ist.
Ja und dass die schmerzen ist auch hinlänglich bekannt und dass eine Erlösung nur durch Trauerarbeit stattfinden kann, wenn überhaupt, auch.

LGG

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 13:49

Hallo Quoth, gewiss nicht! Wäre das LI masochistisch, würde es sich freuen und nicht leiden.

Gerdas Interpretation ist richtig.

Liebe Grüße,
Elsa
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 13:55

Liebe Flora,

für mich ist hier wohl auch einfach das Bild noch nicht ausgearbeitet, entschieden genug. Die einzelnen Ansätze verlieren sich und wirken dann auf mich nur "benutzt", aber nicht wirklich "ernst" genommen und können so für mich auch keine Wirkung entfalten.
Ok, verstehe.

Ich sehe auf der einen Seite ein Feuer (durch das Verlöschen und die Glut) auf der anderen Seite aber das glühende Brandzeichen, das zu lange aufgedrückt wird und sich dadurch tief ins Fleisch einbrennt. Ein starkes, gewalttätiges und ekliges Bild. "Fluch" und "Vergessen" verlassen beide Bilder gänzlich und springen auf eine andere Ebene und der Eishauch könnte zwar das Eisen abkühlen, aber in meiner Vorstellung keine Glut löschen.
Nein, Eishauch und alle anderen Versuche können nicht löschen, so ist es gemeint. Liebesverlust trifft sowohl die körperliche Ebene als auch die Gefühlsebene, ebenso den Geist, der allerhand unternimmt, das Siegel, den Stempel, der glüht nach dem Brand, loszuwerden.

Auch die letzte Zeile geht für mich nicht auf. Denn das Ende ist ja für LIch nicht erreicht, es steckt im "noch immer" fest.
Wie das Ende für LIch aussehen wird, davon "weiß", oder berichtet das Gedicht nichts. Das könnte es höchstens, wenn du es in die Vergangenheit setzen würdest und das Bild des Brandzeichens weiterführst und darauf den Verlust des Zaubers anwendest. Oder indem du von einem "Enden" sprichst und nicht vom "Ende". Die Frage ist für mich auch, ob das Brandzeichen nicht bereits während der Beziehung aufgedrückt wurde, und ob das dann auch schon so schmerzhaft empfunden wurde, oder erst im nachhinein umgedeutet wird, und somit der Schmerz und der fehlende Zauber nicht schon in einer anderen Phase angesiedelt war und auch so wiederum die letzte Zeile nicht wirklich aufgeht.
Nein, DEM Ende wohnt kein Zauber inne, der Zauber wäre, die Glut würde gelöscht werden. Das LI erholt sich einfach nicht von dieser Erfahrung.

Vielen Dank für deine Überlegungen und liebe Grüße,
Elsa
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 14:03

Liebe Mo,

ein im wahrsten sinne des wortes „heißer“ text ist dir hier gelungen, dessen eigentliches thema sich erst am schluss durch eine wunderbare umkehrung des hesse-zitates offenbart.

Oh, da freu ich mich, danke!

es geht um das ende einer beziehung, die sich das li wohl so nicht gedacht haben mag, brennt doch das du, das gegenüber, weiterhin im ich, mit anderen worten: das du kann nicht vergessen werden.
Genau.

bemerkenswert und ja, sogar besser als bei hesse finde ich hier sogar, dass das ich allein von seiner situation spricht, vom ende dieser einen beziehung und nicht allwissend, verallgemeinernd im sinne von jedes ende ist so – bei hesse „jedem anfang wohnt ein zauber inne“, was mich immer schon an diesem hesse-gedicht gestört hat, aber ok, ich bin auch kein hesse-fan und das steht auch nicht zur diskussion.
Ja, es geht um das spezielle Ende, und keine Zauberei hilft, es zu besiegeln im positiven Sinne. Ich schreibe DEM Ende und nicht DIESEM Ende, weil man sich denken kann, es geht um das eine Ende. "Diesem" fände ich hässlich in dem Text und unpassend.

dein gedicht besteht aus nur zwei strophen, wobei die zweite eine leerstelle eröffnet dadurch, dass sie um eine verszeile verkürzt ist – ich hatte beim lesen spontan das gefühl: hier fehlt doch was … und ja natürlich, das gedicht macht hier auch formal deutlich, dass da etwas weggefallen ist, dass das gegenüber nicht mehr greifbar ist. ein formaler aspekt also der inhaltlich begründet ist. und dabei ist es egal, ob du das so intendiert hast oder nicht, ich betrachte das gedicht in der form, in der es da steht!
Du kennst mich gut, genauso ist es gedacht von mir.

von feuer und glut und brand ist hier die rede- und auf den ersten flüchtigen blick mag es sein, dass da was drucheinander geht, was ich aber überhaupt nicht so sehe.
die reihenfolge der „ereignisse“ sieht doch so aus: das DU hat mit seiner „glut“ /liebe/begeisterungsfähigkeit/usw./ das ICH in brand gesteckt.
glut glimmt, ist nicht tot, ein funke genügt, um einen brand auszulösen und das ist wohl in dieser situatuation geschehen. das Ich ist entflammt /zu spät?/ und muss damit klarkommen. das Du bleibt also in „seinem fleisch“ als etwas brennendes, als etwas, das das ich immer erinnern wird daran … da war doch was, da war ein du, ein gegenüber …
richtig, Mo. Es ist eine ungelebte Liebe, die daher weiterhin schmerzen wird.

gesigelt bleibt das ich zurück- für mich heißt das hier „mit dem aufgedrückten stempel“ einer liebe/einem rot/, geprägt davon- und nichts hilft, das abzuschütteln, es zum „verlöschen“, zum schweigen zu bringen …
fluch nicht – worte haben keine macht in solch einer situation
eishauch nicht – gegen ein solches feuer/eine solche glut verpufft das
vergessen nicht – weil der stachel sitzt tief im fleisch, brennt.
Nichts gedanklich gewolltes hilft gegen diese Schmerzgefühle, ja.

das einzige, was eventuell zu überlegen wäre an diesem text, ob das „so rot“ wirklich nötig ist, das ist eigentlich tautologisch, weil feuer immer mit rot assoziiert wird.
In einem weiteren Posting hast du widerrufen, freut mich. Das Rot muss bleiben, ebenso wie...

ansonsten: chapeau madame und kein wort ändern!
das geht runter wie öl und brennt wie lauge!

...der Text nach langen Überlegungen auch so bleiben wird. Hab Dank!

Herzlich,
ELsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 14:06

Liebe Renée

eins deiner besten gedichte, elsa, hätte es gern schon vor zehn Stunden gesagt, denn inzwischen hat Monika das wesentliche gesagt. Hesse ist mir nicht so wichtig, in diesem Zusammenhang.
Hui, vielen Dank!

Wenn ich mir das erlauben kann, verlasse ich gerne diese elegische Hessezeile. Was mich berührt, ist die Idee, die dir eigen ist: das Eingebrannte, das Zeichen, das besagt: man ist "gezeichnet". Wie du außerdem an dem HeineGedicht im andern Faden lesen kannst, beinhaltet dein Gedicht auch einen Anklang von Glut und Asche, beides veränderbare Elemente des Feuers: Zwischenstadien! die Idee des Markiert seins, die Glut und die Asche.

Auch an den Film "Asche undDiamant" musste ich denken:
Diamant und Asche wäre eine ... Variante. .

Aus der erkalteten Asche entsteht immer etwas Nweues.

Asche reinigt, Asche ist neue Energie.

So betreten wir die neue Aschenbahn ...
Ja, man ist gezeichnet, es bleibt das, was einen prägt/stempelt, irgendwann entsteht dann gewiss die Asche, die neues gebiert, danke für den feinen Kommentar!

Liebe Grüße
ELsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 14:18

Liebe Diana

Ein Text, der polarisiert, offenbar.
Ja, sehr schön!

Also, ich kann Floras Argumentation durchaus folgen … und zustimmen. Auch für mich weist der Text einige Unstimmigkeiten auf.

Mal abgesehen davon, dass auf mich das Bild „etwas brennt in meinem Fleisch“ brutal und irgendwie bestialisch wirkt (verzeih, Elsa!), fallen der Fluch und das Vergessen mE aus eben diesem Bild heraus, und der Eishauch … der könnte allenfalls kühlen, aber nicht löschen. Insofern ist dies für mich nicht stimmig.
Aber ja, es fällt raus, keine Frage, denn es sind auch zweierlei Dinge, das eine der körperliche Schmerz, man hat ja rausgefunden, dass auch Mesnchen, die keine gesundheitlichen Herzprobleme haben, durch Liebesschmerz einen Infarkt erleiden können (Herzbruch), und zum anderen der intellektuelle Widerstand gegen diese Beschwerden. Das ist schon Absicht in dem Text.

Die erste Zeile der zweiten Strophe erscheint mir dann redundant, da genau das die erste Strophe aussagt.
In der 1. Str. brennt es lichterloh, in besagter Zeile geht es aber um die Glut, das Weiterglosen. Das ist mM was anderes.

„gesiegelt“ betritt nun wieder eine andere Ebene, das LDu hat das LIch also „gebrandmarkt“, mit der Glut "gestempelt". Wie nun, auf der Haut? Oder im Fleisch?
Diese Frage verstehe ich nicht? In der 1. Str. steht ja "Fleisch", als es geht auch um den körperlichen Schmerz. Wobei ich dem LDU keine Schuld dafür gebe, das LI ist selbst schuld dran.

Und dass diesem (diesem? ja, dann müsste es so heißen; „dem“ lese ich auch eher allgemein!) Ende bei all dem Schmerz kein Zauber innewohnt, nun, das versteht sich beinah von selbst … wobei sich in der Tat die Frage stellt, kann man hier von „Ende“ reden?
Ich hab das weiter oben schon erklärt: dem gilt hier für den speziellen Fall und ich meine, das sich das auch so liest. Und klar, es ist ein Ende. Für das LDU.

Die Aussage von Hesse überhaupt zu nehmen und zu verfremden, gefällt mir allerdings.


Vielen Dank für deine Gedanken dazu,
Liebe Grüße
ELsa
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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 14:25

Liebe nera

mein erster gedanke beim lesen: shit, ja, so hat sich das angefühlt, genau so. und erst dann habe ich mir den text genauer angesehen.
kommt das "rot" nicht zu plakativ? zuviel pathos? und auch noch "brennen, fleisch"?
passt denn das "vergessen" in die reihe mit "fluch" und "eishauch"?
und dann noch "glut", fast so gut wie herz, schmerz....gleich "gesiegelt"....die geschichte der o???
und dann dieser wie lapidar hingeworfene satz, die verkehrung des jetzt viel zitierten hessesatzes, der aber eigentlich gar keine verkehrung ist. deshalb fange ich hinten an.


Ich glaube, verletzte Liebe ist maßlos leidenschaftlich und pathetisch.

dieser satz ist wie eine fortsetzung, schlussfolgerung auf den hessesatz...der zauber war! das lyrische ich war verzaubert, angesteckt von der liebe, entfacht. am anfang.
deshalb kann sich das ende nur darauf beziehen. es ist kein beliebiges ende, das man deutlicher bezeichnen muss. hier geht es nicht um das ende der ferien oder der olympischen spiele.
ich finde das toll gemacht!
Ja, es geht um genau das Ende. Freut mich, dass es dir gefällt.

und ein "ende" in einer beziehung kann sich recht lange hinziehen und der protagonist, das lyrische ich kann/ darf doch durchaus in diesem prozess darüber reflektieren.
Das meine ich auch. Es bleibt offen. daher kann ich es auch nicht im Präteritum erzählen, wie Flora überlegt hat.

nun zum "rot". das passt schon. es färbt diesen text für mich sehr erotisch, sinnlich ein. das rot bezeichnet nicht nur liebe und zuneigung, sondern auch begehren (nicht nur körperlich), das manchmal nur vor sich hin glimmt und durch einen hauch entfacht werden kann....eine stimme, musik, eine geste von einem fremden, ein schatten.
da hilft kein fluch, keine kälte und auch nicht das vergessen. und da stimmt das alles, was elsa aufzählt
ein siegel eben, das man lange nicht spürt und trotzdem irgendwo tief innen weiter brennt.
schön elsa!
Weil es ja auch immer ums Körperliche geht, um den Verlust dieser Nähe.

einzig an diesem satz kaue ich: "hat mir nichts genütz-" er wirkt etwas unbeholfen.

die übergreifende Zeile vorher gehört eigentlich dazu: noch immer/
hat mir nichts genützt
Bleibt es dann unbeholfen für dich?

flora, ich denke mal der fluch und der eishauch, wie das vergessen sollen nicht die glut löschen, sondern das feuer. die drei begriffe sind für mich metapher für wut (jemanden vefluchen), verachten(eishauch) und ignorieren (vergessen) das feuer geht aber nicht ganz aus, es bleibt die glut.


Ja, das war die Idee.

Vielen Dank für deine Ausführungen, die mich freuen.

Liebe Grüße
Elsa
Schreiben ist atmen

scarlett

Beitragvon scarlett » 03.09.2012, 14:40

Elsa hat geschrieben: Und klar, es ist ein Ende. Für das LDU.


das allerdings steht nicht im text.
da hast du dich wohl verschrieben, liebe elsa, oder?

im gegenteil: der text suggeriert mit allen bildern und formulierungen, dass das für das ICH so ist.

aber egal, es zählt ja nicht, was der autor intendiert hat sondern das, was letztlich da steht.

gruß,
mo

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Beitragvon Elsa » 03.09.2012, 14:59

Nein, hab mich nicht verschrieben, denn das LDU ist weg, für den/die ist es endgültig, das LI nagt an dem Ende, sicher für lange Zeit.

Liebe Grüße
Elsa
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 03.09.2012, 19:40

Liebe Elsie,

ich finde es gut, dass du nichts an deinem Text geändert hast.
Für mich ist er sehr gelungen, genauso wie er dasteht. :daumen:

Liebe Grüße
Gabi

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Beitragvon Elsa » 04.09.2012, 08:31

Liebe Gabi,

Natürlich habe ich lange darüber nachgedacht, ob oder nicht, ich konnt nix ändern. Und freu mich, dass du es auch so siehst.

Liebe Grüße aus dem Wald,
Elsie
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