immer wenn ...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
ecb

Beitragvon ecb » 25.08.2012, 17:38

immer wenn ich dich vermisse
laufen mir die worte über
verdammte verräter
alles biete ich auf, doch sie
haben natürlich nichts besseres zu tun
als grenzenlos
unbestechlich
zu spielen

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.08.2012, 09:21

Was genau unterscheidet denn ein Gedicht von einem Prosatext? Ich verstehe Euch (beide "Seiten"), kenne aber die genauen Kriterien - so es sie denn gibt - nicht. Ich selbst arbeite ja auch gern mit ganzen Sätzen in der Lyrik; wo aber müsste man die Grenze abstecken?

Für mich wäre hier "doch sie / haben natürlich nichts besseres zu tun" die Linie zur Prosa überschritten (und genau diese Stelle finde ich auch nicht so gut).

ecb

Beitragvon ecb » 29.08.2012, 09:30

Amanita hat geschrieben:wo aber müsste man die Grenze abstecken?


Für mich wäre ja eher die Frage, warum man unbedingt eine Grenzlinie ziehen sollte zwischen Lyrik und Prosa?

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birke
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Beitragvon birke » 29.08.2012, 09:35

Warum eine Grenze?
Damit nicht jeder Text völlig beliebig wird?

Tja, die Grenzen sind schon inzwischen zuweilen fließend, aber mMn zeichnet sich Lyrik immer noch durch einen bewussten durchgefeilten Sprachduktus aus, sowie dadurch, dass die Empfindung im Vordergrund steht.

Auch zeitgenössische Lyrik kann nicht /so/ frei, beliebig, sein, dass jeder Text als Lyrik gelten könne ... das wär doch auch traurig, oder?

Hier noch ein Zitat aus Wikipedia, das es für mich noch ganz gut auf einen Punkt bringt, was ich unter Lyrik verstehe, was sie für mich ausmacht:

Lyrische Texte unterscheiden sich dennoch sprachlich-formal von epischen und dramatischen vor allem durch ihre Kürze, ihre strengere Form, ihre Dichte (Ausdruckskraft) und sprachliche Ökonomie (Prägnanz), ihre Subjektivität und ihren Bezug auf ein lyrisches Subjekt (z.B. ein lyrisches Ich). Oft werden sehr viele sprachliche und formale Mittel dabei als Ausdrucksmittel nutzbar gemacht (siehe beispielsweise Reim, Rhetorische Figur, Alliteration, Metapher). Auch eine nicht alltägliche Anordnung von Wörtern, Wortgruppen und Sätzen spielt dabei eine Rolle (...)


Liebe Grüße
Diana
Zuletzt geändert von birke am 29.08.2012, 09:38, insgesamt 1-mal geändert.
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.08.2012, 09:38

Man muss gar nicht, das denke ich auch; nur, weil es ziemlich deutlich ausgesprochen wurde ...

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 29.08.2012, 11:25

Hallo ihr,

ich habe diese Frage auch schon bei Texten gestellt und finde es auch gut, das immer mal wieder zu beleuchten. Die Grenze wäre für mich vermutlich, dass ich keinerlei Sinn in den Zeilenumbrüchen erkennen kann und der Text als Fließtext (für mich) eher gewinnen würde, oder andersherum, es auch durch die Zeilenumbrüche nicht "besser" wird. Das ist hier aber für mich nicht der Fall, da sie den Leser durch Pausen und Betonung führen und dadurch ein "mehr" entsteht, das sich auch auf Interpretation, Tonfall und Leseweise auswirkt und mir sehr stimmig erscheint. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie willkürlich gesetzt sind und auch nicht, dass hier nur etwas als Gedicht verkleidet werden sollte, um mehr "her zu machen".

Wieder sehr gern gelesen und daran entlang und weiter gedacht. :)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Estragon

Beitragvon Estragon » 29.08.2012, 19:19

Gibts auch noch welche die sich mit dem Gedicht beschäftigen. Ich finde das Wort "natürlich" völlig fehl am Platz, das Gedicht hat bis zur vierten Zeile tatsächlich so etwas wie einen Klang, aber den verliert es auch so gleich wieder,
dass die Worte grenzenlos sind, das mag ich noch abnicken, unbestechlich finde ich seltsam, denn genau das ist es was bestechlichkeit auszeichnet, wie könnte es Bestechlichkeit ohne Worte geben?

ecb

Beitragvon ecb » 30.08.2012, 19:47

Danke, Flora, das sehe ich weitgehend genau so.

So ist es, estragon - das ist es ja gewissermaßen gerade. Bild

LG Eva Bild

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 10.09.2012, 23:58

Cool.
Ich denke, so kann man es auf den Punkt bringen. Das ist verspielt, ironisch, bildlich fein herausgearbeitet. Schön auch dieser Verzicht auf Punkte, der das Überlaufen gut deutlich macht. Das hebt das Ganze noch auf eine schöne Metaebene, denn die Worte, die in dem Gedicht stehen, können gleichzeitig auch als die gelesen werden, um die es in dem Gedicht geht, denn sie scheren sich nicht um mögliche Begrenzungen. So erzeugt das Werk verschiedene Lesarten. Das ist Spielerisch und macht Spaß, zu lesen.

LG David

ecb

Beitragvon ecb » 11.09.2012, 18:26

Danke für deine coole Besprechung, David - was könnte besser sein, als so schön in seinen Absichten durchschaut zu werden. :-)

LG Eva

Timo

Beitragvon Timo » 20.09.2012, 15:31

Liebe Eva,
so ist es mit dem vermissen, es laufen einen die Worte über, doch damit belastet man sich oft selbst.
Liebe Grüße
Timo

ecb

Beitragvon ecb » 20.09.2012, 18:57

Danke, Timo :engel:


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