so rot

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 21.08.2012, 07:51

.

so rot brennst du
in meinem fleisch noch immer
hat mir nichts genützt – kein fluch
kein eishauch kein vergessen

die glut will nicht verlöschen
mit der du mich gesiegelt hast
dem ende wohnt kein zauber inne



.
Schreiben ist atmen

Niko

Beitragvon Niko » 24.08.2012, 07:32

tja, elsa.......über die anfänge schreiben viele. und hesse am schönsten (für mich) aber ein ende besingt niemand...

ich finde deinen text sehr stark. er ist so stark, wie das gefühl, das er beschreibt. "gesiegelt" finde ich toll. hätte "besiegeln" auch was?

mehr als gern gelesen - niko

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 24.08.2012, 09:43

Lieber Niko,

vielen Dank, freut mich. Freut mich sehr!
Ich finde auch, dass Hesse das perfekt auf den Punkt bringt.

"besiegelt" ist für mich ein anderer Begriff, liebevoll und sanft. "Gesiegelt" hingegen schmerzhaft, das Aufdrücken eines Stempels, daher für das Gedicht passender.

Liebe Grüße,
Elsa
Schreiben ist atmen

Gerda

Beitragvon Gerda » 27.08.2012, 05:47

Liebe Elsa,

mit manchen deiner Texte tue ich mich schwer, wie du weißt. Das ist ein solcher. Zu punktuell genau benannt ist hier der Schmerz, übergroß dass das Ende der Liebe, welches immer noch ganz konkret wehtut.

Mit der Verkehrung des Hesse - Satzes tue ich mich deshalb schwer, aber auch, weil mich das zu sehran: Besser ein Ende mit Schrecken, als eine Schrecken ohne Ende erinnert.

Dennoch finde ich, dass es ein typisches Elsa-Gedicht mit deinem charakteristischen Ton ist und das widerum, ist eine ganze Menge. :daumen:

Liebe Grüße
GErda

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 27.08.2012, 09:38

Liebe Gerda,

Ja, ich weiß, dass du dich schwer tust mit meiner Art Gedichte, zu wild immer, die Elsa, zu wenig intellektuell und hermetisch :)

Trotzdem Dank für das "typisch".

Liebe - ich kann aus meiner Haut nicht raus - Grüße.
Elsa
Schreiben ist atmen

Gerda

Beitragvon Gerda » 27.08.2012, 11:06

Elsa hat geschrieben:
Liebe - ich kann aus meiner Haut nicht raus -


Ich auch nicht ;-)

Keine Sorge ichnehme dich, so wie du bist, du weißt es und es hat schon Texte gegeben, die mir zu hundert Prozent gefallen haben! :-)

Alles Liebe
Gerda

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 27.08.2012, 11:16

Hallo Elsa,

für mich ist hier wohl auch einfach das Bild noch nicht ausgearbeitet, entschieden genug. Die einzelnen Ansätze verlieren sich und wirken dann auf mich nur "benutzt", aber nicht wirklich "ernst" genommen und können so für mich auch keine Wirkung entfalten.
Ich sehe auf der einen Seite ein Feuer (durch das Verlöschen und die Glut) auf der anderen Seite aber das glühende Brandzeichen, das zu lange aufgedrückt wird und sich dadurch tief ins Fleisch einbrennt. Ein starkes, gewalttätiges und ekliges Bild. "Fluch" und "Vergessen" verlassen beide Bilder gänzlich und springen auf eine andere Ebene und der Eishauch könnte zwar das Eisen abkühlen, aber in meiner Vorstellung keine Glut löschen. Auch die letzte Zeile geht für mich nicht auf. Denn das Ende ist ja für LIch nicht erreicht, es steckt im "noch immer" fest.
Wie das Ende für LIch aussehen wird, davon "weiß", oder berichtet das Gedicht nichts. Das könnte es höchstens, wenn du es in die Vergangenheit setzen würdest und das Bild des Brandzeichens weiterführst und darauf den Verlust des Zaubers anwendest. Oder indem du von einem "Enden" sprichst und nicht vom "Ende". Die Frage ist für mich auch, ob das Brandzeichen nicht bereits während der Beziehung aufgedrückt wurde, und ob das dann auch schon so schmerzhaft empfunden wurde, oder erst im nachhinein umgedeutet wird, und somit der Schmerz und der fehlende Zauber nicht schon in einer anderen Phase angesiedelt war und auch so wiederum die letzte Zeile nicht wirklich aufgeht.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

scarlett

Beitragvon scarlett » 27.08.2012, 20:49

liebe elsa,

ein im wahrsten sinne des wortes „heißer“ text ist dir hier gelungen, dessen eigentliches thema sich erst am schluss durch eine wunderbare umkehrung des hesse-zitates offenbart.

es geht um das ende einer beziehung, die sich das li wohl so nicht gedacht haben mag, brennt doch das du, das gegenüber, weiterhin im ich, mit anderen worten: das du kann nicht vergessen werden.

bemerkenswert und ja, sogar besser als bei hesse finde ich hier sogar, dass das ich allein von seiner situation spricht, vom ende dieser einen beziehung und nicht allwissend, verallgemeinernd im sinne von jedes ende ist so – bei hesse „jedem anfang wohnt ein zauber inne“, was mich immer schon an diesem hesse-gedicht gestört hat, aber ok, ich bin auch kein hesse-fan und das steht auch nicht zur diskussion.

dein gedicht besteht aus nur zwei strophen, wobei die zweite eine leerstelle eröffnet dadurch, dass sie um eine verszeile verkürzt ist – ich hatte beim lesen spontan das gefühl: hier fehlt doch was … und ja natürlich, das gedicht macht hier auch formal deutlich, dass da etwas weggefallen ist, dass das gegenüber nicht mehr greifbar ist. ein formaler aspekt also der inhaltlich begründet ist. und dabei ist es egal, ob du das so intendiert hast oder nicht, ich betrachte das gedicht in der form, in der es da steht!

von feuer und glut und brand ist hier die rede- und auf den ersten flüchtigen blick mag es sein, dass da was drucheinander geht, was ich aber überhaupt nicht so sehe.
die reihenfolge der „ereignisse“ sieht doch so aus: das DU hat mit seiner „glut“ /liebe/begeisterungsfähigkeit/usw./ das ICH in brand gesteckt.
glut glimmt, ist nicht tot, ein funke genügt, um einen brand auszulösen und das ist wohl in dieser situatuation geschehen. das Ich ist entflammt /zu spät?/ und muss damit klarkommen. das Du bleibt also in „seinem fleisch“ als etwas brennendes, als etwas, das das ich immer erinnern wird daran … da war doch was, da war ein du, ein gegenüber …

gesigelt bleibt das ich zurück- für mich heißt das hier „mit dem aufgedrückten stempel“ einer liebe/einem rot/, geprägt davon- und nichts hilft, das abzuschütteln, es zum „verlöschen“, zum schweigen zu bringen …
fluch nicht – worte haben keine macht in solch einer situation
eishauch nicht – gegen ein solches feuer/eine solche glut verpufft das
vergessen nicht – weil der stachel sitzt tief im fleisch, brennt.

das einzige, was eventuell zu überlegen wäre an diesem text, ob das „so rot“ wirklich nötig ist, das ist eigentlich tautologisch, weil feuer immer mit rot assoziiert wird.

ansonsten: chapeau madame und kein wort ändern!
das geht runter wie öl und brennt wie lauge!

liebe grüße,
mo

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 28.08.2012, 07:33

eins deiner besten gedichte, elsa, hätte es gern schon vor zehn Stunden gesagt, denn inzwischen hat Monika das wesentliche gesagt. Hesse ist mir nicht so wichtig, in diesem Zusammenhang. Wenn ich mir das erlauben kann, verlasse ich gerne diese elegische Hessezeile. Was mich berührt, ist die Idee, die dir eigen ist: das Eingebrannte, das Zeichen, das besagt: man ist "gezeichnet". Wie du außerdem an dem HeineGedicht im andern Faden lesen kannst, beinhaltet dein Gedicht auch einen Anklang von Glut und Asche, beides veränderbare Elemente des Feuers: Zwischenstadien! die Idee des Markiert seins, die Glut und die Asche.

Auch an den Film "Asche undDiamant" musste ich denken:
Diamant und Asche wäre eine ... Variante. .

Aus der erkalteten Asche entsteht immer etwas Nweues.

Asche reinigt, Asche ist neue Energie.

So betreten wir die neue Aschenbahn ...

herzlichen Glückwunsch zu diesem Gedicht
Renée
Zuletzt geändert von Renée Lomris am 28.08.2012, 09:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 28.08.2012, 08:54

Hallo scarlett,

von feuer und glut und brand ist hier die rede- und auf den ersten flüchtigen blick mag es sein, dass da was drucheinander geht, was ich aber überhaupt nicht so sehe.
Mal abgesehen davon, dass mein Blick nicht flüchtig war ;-) ... siehst du es nicht, oder interpretierst du es nicht? Ich sprach ja von der Bildebene, die mir hier durcheinandergeht und noch nicht ausgearbeitet scheint. Deine Begründung, warum das für dich aber schlüssig ist, bezieht sich aber ausschließlich auf die Interpretation. Die Glut ist keine Glut mehr, sie ist "Glut" = liebe/begeisterungsfähigkeit/usw./ das ICH in brand gesteckt Das funktioniert für mich in der Alltagssprache, in der man oft nachlässig oder leicht, locker mit Redewendungen, mit Sprache umgeht und sie nicht mehr hinterfragt, nicht beim Wort/Bild nimmt, nicht mehr hinsieht. Aber in einem Gedicht steht dann da für mich tatsächlich das Bild, ganz ohne Anführungszeichen und dieses Bild muss für sich selbst sprechen, erzählen, zeigen können.

bemerkenswert und ja, sogar besser als bei hesse finde ich hier sogar, dass das ich allein von seiner situation spricht, vom ende dieser einen beziehung und nicht allwissend, verallgemeinernd im sinne von jedes ende ist so
Für mich müsste in dem Fall "diesem Ende" dort stehen. "Dem Ende" liegt für mich sehr nah bei "jedem" Ende. Für mich ist das auch aus der Situation (dem Anfang/ dem Enden) heraus stimmig. Eine Differenzierung und Relativierung, ein Blick über die eigene gerade erlebte Situation hinaus, wäre für mich erst zu einem späteren Zeitpunkt, mit Abstand glaubhaft.

Liebe Grüße
Flora
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birke
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Beitragvon birke » 28.08.2012, 10:16

Ein Text, der polarisiert, offenbar.

Also, ich kann Floras Argumentation durchaus folgen … und zustimmen. Auch für mich weist der Text einige Unstimmigkeiten auf.

Mal abgesehen davon, dass auf mich das Bild „etwas brennt in meinem Fleisch“ brutal und irgendwie bestialisch wirkt (verzeih, Elsa!), fallen der Fluch und das Vergessen mE aus eben diesem Bild heraus, und der Eishauch … der könnte allenfalls kühlen, aber nicht löschen. Insofern ist dies für mich nicht stimmig.

Die erste Zeile der zweiten Strophe erscheint mir dann redundant, da genau das die erste Strophe aussagt.

„gesiegelt“ betritt nun wieder eine andere Ebene, das LDu hat das LIch also „gebrandmarkt“, mit der Glut "gestempelt". Wie nun, auf der Haut? Oder im Fleisch?

Und dass diesem (diesem? ja, dann müsste es so heißen; „dem“ lese ich auch eher allgemein!) Ende bei all dem Schmerz kein Zauber innewohnt, nun, das versteht sich beinah von selbst … wobei sich in der Tat die Frage stellt, kann man hier von „Ende“ reden?

Die Aussage von Hesse überhaupt zu nehmen und zu verfremden, gefällt mir allerdings.

Soweit … meine Gedanken hierzu.

LG, Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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nera
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Beitragvon nera » 28.08.2012, 23:14

mein erster gedanke beim lesen: shit, ja, so hat sich das angefühlt, genau so. und erst dann habe ich mir den text genauer angesehen.
kommt das "rot" nicht zu plakativ? zuviel pathos? und auch noch "brennen, fleisch"?
passt denn das "vergessen" in die reihe mit "fluch" und "eishauch"?
und dann noch "glut", fast so gut wie herz, schmerz....gleich "gesiegelt"....die geschichte der o???
und dann dieser wie lapidar hingeworfene satz, die verkehrung des jetzt viel zitierten hessesatzes, der aber eigentlich gar keine verkehrung ist. deshalb fange ich hinten an.
dieser satz ist wie eine fortsetzung, schlussfolgerung auf den hessesatz...der zauber war! das lyrische ich war verzaubert, angesteckt von der liebe, entfacht. am anfang.
deshalb kann sich das ende nur darauf beziehen. es ist kein beliebiges ende, das man deutlicher bezeichnen muss. hier geht es nicht um das ende der ferien oder der olympischen spiele.
ich finde das toll gemacht!
und ein "ende" in einer beziehung kann sich recht lange hinziehen und der protagonist, das lyrische ich kann/ darf doch durchaus in diesem prozess darüber reflektieren.
nun zum "rot". das passt schon. es färbt diesen text für mich sehr erotisch, sinnlich ein. das rot bezeichnet nicht nur liebe und zuneigung, sondern auch begehren (nicht nur körperlich), das manchmal nur vor sich hin glimmt und durch einen hauch entfacht werden kann....eine stimme, musik, eine geste von einem fremden, ein schatten.
da hilft kein fluch, keine kälte und auch nicht das vergessen. und da stimmt das alles, was elsa aufzählt
ein siegel eben, das man lange nicht spürt und trotzdem irgendwo tief innen weiter brennt.
schön elsa!
einzig an diesem satz kaue ich: "hat mir nichts genütz-" er wirkt etwas unbeholfen.
lg n.


flora, ich denke mal der fluch und der eishauch, wie das vergessen sollen nicht die glut löschen, sondern das feuer. die drei begriffe sind für mich metapher für wut (jemanden vefluchen), verachten(eishauch) und ignorieren (vergessen) das feuer geht aber nicht ganz aus, es bleibt die glut.

scarlett

Beitragvon scarlett » 29.08.2012, 08:26

liebe elsa,

je länger ich über den text nachdenke, desto mehr komme ich doch zu dem schluss, dass das "so rot" bleiben sollte, lese ich es doch als "so lebendig"- die flamme ist nur in ihrem "ursprung" rot, da wo sie am heißesten ist, ansonsten doch eher gelb.

egal, wollt nur sagen, dass ich es doch nicht streichen würde, es passt.

lg
monika

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 29.08.2012, 11:21

Hui! So viele Kommentare, vielen Dank vorerst an euch, bin bisschen unter Zeitdruck, ich antworte aber so schnell wie möglich!

Liebe Grüße
Elsa
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