Musenkuss

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 19.08.2012, 09:33

Musenkuss

Es könnte doch sein
dass niemand auf der Welt
so glücklich ist wie ich es bin
(Ich meine, wirklich auszuschließen ist es nicht
Aber ein Abgleichen wäre unmöglich).

Von einer Schreibwelle erfasst
bringe ich mich ins Trockne
In Wahrheit könnte ich mich
von dieser Woge schaukeln lassen.

©GJ20120814

Edit: "schier" in Z5 gestrichen. Danke Monika und Eule.
Edit 25.08.2012 uferlos halte ich mich im Zaum. ist geopfert ;-)
Z 3 in Str. 2 gedreht.

Danke Elsa, danke Zefira. :daumen:
Zuletzt geändert von Gerda am 25.08.2012, 09:06, insgesamt 3-mal geändert.

Gerda

Beitragvon Gerda » 22.08.2012, 04:53

Amanita hat geschrieben:birke, selbstverständlich meintest Du Gerdas Gedicht. Ich wollte nur andeuten, dass Dein Kriterium auch für ganz anderes - was keine literarische Kunstform ist, sein will - zutreffen kann (und daher für mich nur ein "halbes" Argument ist).


Guten Morgen Amanita,

wir benutzen ja auch die selben Wörter wie im normalen Alltag, um Kommentare zu schreiben, oder was willst du eigentlich Diana mitteilen? Für mich ist dieser zitierte Satz schlicht Humbug.

Aber zurück zu meinem Text, den du als tendenziell "kraftlos" empfindest.
Das ist eben das Problem, dass wir alle unterschiedlich empfinden und Qualitätskriterein, die es zwar möglich machen einen literarischen Text als solchen zu erkennen, eben doch ebenso meist subjektiver Natur sind, weil jeder den Schwerpunkt woanders sieht.
Und nicht nur das, ich weiß nicht mehr wo ich es gelesen habe, aber es herrscht wohl eine nicht unmaßgebliche Meinung in literarischen Kreisen vor, dass Autoren, die dasselbe Genre bedienen, in der Regel schlechte Kritiker sind. (Also z. B. wenn ein Lyriker einen anderen Lyriker kritisiert).
Ich dachte bisher, es sei umgekehrt, nämlich dass gerade AutorInnen, die selbst Lyrik schreiben, eben auch die wahrhaftigsten Kommentare schrieben. Vielelicht hast du die Jury beim Bachman-Preis erlebt.

Für mich ist meine Version so wie sie ist, genau richtig: verhalten kraftvoll und ein wenig unsicher noch, zwischen Schreiben, Erfahrung, Denken und Lieben.

Mir morgenfrisch/forschen Grüßen,
herzlich
Gerda

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 22.08.2012, 22:37

Liebe Gerda

Gerda hat geschrieben:Für mich ist meine Version so wie sie ist, genau richtig: verhalten kraftvoll und ein wenig unsicher noch, zwischen Schreiben, Erfahrung, Denken und Lieben.

Mir morgenfrisch/forschen Grüßen,
herzlich
Gerda


Genau! Außer eine Zeile, auf die ich später zurückkomme.
In der 1. Str. diese Zaghaftigkeit, den eigenen Gefühlen zu trauen, zu vergleichen mit der Welt da draußen und dann doch "relativ" frech zu behaupten, SO glücklich kann einfach keiner sein, außer das LI hier. Das Spiel darin finde ich :daumen:

Und endlich sagt eine: Der Musenkuss ist eben doch eng geknüpft an berauschende Gefühle, ha! Egal um wie hier glückliche oder woanders schmerzliche.

Also Teil 1 finde ich wunderbar gelungen.

In Str. 2 habe ich das Gefühl, sie ist ein bissi "laut", ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Ich stelle mir diese Str. nach dem Glücksrausch, der dem LI ganz und gar gehört, intellektueller, kühler vielleicht, vor. Weil da kommt dann das Aufschreiben, das mehr Klarheit braucht als das Fühlen selbst. Je länger ich mich damit befasse, desto genauer weiß ich, dass es um eine Zeile geht, diese

uferlos halte ich mich im Zaum.

Wäre es mein Text, ich würde sie streichen.

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Gerda

Beitragvon Gerda » 23.08.2012, 08:32

Liebe Elsa,

meine Freude ist groß, dass du dich hier meldest, meinen herzlichen Dank. :smile:

Ich las es gestern Abend schon, als ich vom PoetenStammtisch nach Hause kam und wälze nun diese Textzeile hin und her.
Ich wäre nicht Gerda, wenn ich gleich mit fliegenden Fahnen schreiben würde, ja Elsa, genau, genau das ist es , das muss verschwinden.
Im Moment weiß ich es noch nicht, denn für mich unterstreicht gerade diese Zeile noch einmal (und es ist vielleicht dieses Zuviel, was auch als Amanita als zu unentschlossen sieht), den Zustand des Lyrich, eigentlich zu wollen und zu können sich aber Zurückhaltung aufzuerlegen, im Schreiben wie in der Liebe. :pfeifen:


Liebe Grüße in deinen Morgen
Gerda

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Beitragvon Zefira » 23.08.2012, 10:32

Liebe Gerda,
die von Elsa angesprochene Zeile ist genau die, die auch mich stört - das fällt mir jetzt auf, wo Elsa es schrieb.
Bisher habe ich bei jedem Lesen des Gedichts eine vage Unstimmigkeit empfunden, ohne sie benennen zu können, deshalb habe ich mich auch nicht gemeldet ... (Vielleicht bin ich auch eine jener Kritiker/innen, die nachgelassen haben - ich bringe nicht mehr so den Kritikerfinger drauf wie früher, zumindest habe ich das Gefühl, früher fundiertere Kommentare geschrieben zu haben.)

Für mich ist ein bildlicher Widerspruch in den Zeilen
... bringe ich mich ins Trockne
uferlos halte ich mich im Zaum.
Ich sehe (bildlich) ein ich, das sich an Land rettet, statt sich davontragen zu lassen ... und gleich darauf ist es uferlos. Da stolpere ich ...
Und der Zaum passt so gar nicht in das Wellenbild, das ja in der Schlusszeile noch einmal aufgenommen wird.
Ich glaube, ich würde die Uferlos-Zeile auch streichen.

Liebe Grüße
Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

Gerda

Beitragvon Gerda » 23.08.2012, 14:44

Liebe Zefira,

es ist gut, dass auch du dich noch einmal zu Wort meldest. :-)
Ich schreibe jetzt nicht noch einmal das, was ich auch Elsa geschreieben habe, sondern bitte um Geduld.

Ich danke dir herzlich
Gerda
Zuletzt geändert von Gerda am 23.08.2012, 22:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Elsa » 23.08.2012, 18:05

Liebe Gerda,

alles klar. *wart*

:)

Liebe Grüße
Elsa
Schreiben ist atmen

Gerda

Beitragvon Gerda » 25.08.2012, 09:07

Soohhh, nu isses geschehen.
Ich habe die Zeile gestrichen und o. i. Seitenkopf geändert.

Danke noch einmal allen Kommentatoren und einen herzlichen Gruß
Gerda

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Beitragvon Elsa » 25.08.2012, 09:25

Von einer Schreibwelle erfasst
bringe ich mich ins Trockne
In Wahrheit könnte ich mich
von dieser Woge schaukeln lassen.

---
Lieber Gerda, das ist superb! In sich völlig logisch, chapeau!

Liebe Samstagsgrüße,
Elsa
Schreiben ist atmen

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 25.08.2012, 10:26

Ha! Jetzt finde ich die 2. Strophe auch rund. Gut, dass die betreffende Zeile getilgt ist - wie gesagt, ich fand sie auch nicht gut, sehe aber erst jetzt, wie sehr sie mich gestört hat.


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