abgrund

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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birke
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Beitragvon birke » 11.08.2012, 16:00

.


aus der klaffenden wunde
zwischen den lippen
eitern buchstaben
der hohlraum schwarz
verschluckt klebrige silben
hängen den schlund hinab
rollen steine zu groß
und worte zu klein
schweigen
schreit zum himmel




(dj08/12)





________________________________________-
zeilenumbrüche geändert, mit dank an mo. vorher:

hängen den schlund
hinab rollen
steine zu groß
und worte zu klein
schweigen schreit zum himmel
Zuletzt geändert von birke am 12.08.2012, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Niko

Beitragvon Niko » 12.08.2012, 17:15

Solange du die Ich-Perspektive einnimmst, was ich aus deiner Fortführung und deinen Antworten schließe, versprachlicht aber nun mal das LIch. Eine Autorin gibt es im Text nicht, solange kein Erzählerin, bzw. Autorin dort eingeführt wird?


das halte ich für an-den-haaren-herbeigezogen, flora. ein text ist nicht der autor. stimmt.aber ein autor nimmt eine erzählende, berichtende position ein. auch aus der sicht eines imaginären lyrichs. und auch dann, wenn das lyrich sich verschließt, also in real nichts sagen würde, kann ein autor in der ich-form seine position übernehmen und es sprechenlassen, laut denken / fühlen lassen. in sofern gibt es da für mich überhaupt keine widersprüchlichkeiten!

Das wird vermutlich unterstützt durch die Tatsache, dass LIch die Worte nicht zu fehlen scheinen, es schweigt nicht, es kann sie sogar in lyrische Form bringen, damit arbeiten und den eigenen Zustand der angeblichen Wortlosigkeit ausschmücken und bebildern, auch wenn dies nicht verbal, sondern schriftlich geschieht, und dass dieser Aspekt im Text und von LIch nicht "gesehen", aufgenommen wird.


sollen, dürfen also autoren nicht von fassungslosigkeit, von sprachlosigkeit schreiben, vom verstummen und von der wortlosigkeit? also....entweder sitze ich extrem auf der leitung, oder du schreibst von etwas, was du nicht allen ernstes wirklich glauben kannst, flora!

liebe grüße: niko

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2012, 17:49

Niko hat geschrieben:
sollen, dürfen also autoren nicht von fassungslosigkeit, von sprachlosigkeit schreiben, vom verstummen und von der wortlosigkeit? also....entweder sitze ich extrem auf der leitung, oder du schreibst von etwas, was du nicht allen ernstes wirklich glauben kannst, flora!


genau das hab ich auch nicht verstanden, niko, dann sind wir schon zu zweit auf der leitung ... :smile:

lg
scarlett

Nifl
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Beitragvon Nifl » 12.08.2012, 18:55

Wenn "eine Ich-Perspektive" schweigen soll/muss, dann wohl am besten in epischer Vergangenheit, also zB. als Rückblende/sicht. Etwas zweifelhafter (und schiefer) gingen für mich auch Gedanken, aber auch diese sollten mE. eine reduzierte Haltung einnehmen. Wenn plapperhaft im Präsens übers Schweigen lamentiert wird, ist das schon nicht so ganz stimmig. Weiß gar nicht, was es daran nicht zu verstehen gibt.

verschluckt klebrige silben
hängen den schlund hinab

das gefällt mir trotz aller Dramatik gut. Da spüre ich schon einen Kloß im Hals, den man gerne wegschlucken würde.

Grüße
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2012, 20:54

Nifl hat geschrieben: Wenn "eine Ich-Perspektive" schweigen soll/muss, dann wohl am besten in epischer Vergangenheit, also zB. als Rückblende/sicht. Etwas zweifelhafter (und schiefer) gingen für mich auch Gedanken, aber auch diese sollten mE. eine reduzierte Haltung einnehmen.


was bitte ist das denn für ein geschwurbel?
hallo?
gedanken sollten eine reduzierte haltung einnehmen ... aha.

Nifl hat geschrieben: Wenn plapperhaft im Präsens übers Schweigen lamentiert wird,


und das muss wohl auch sein, oder?
*kopfschüttel*

ich glaub grad, ich bin /mal wieder/ im falschen film.

ok, dann nehmen meine gedanken jetzt auch eine reduzierte haltung ein und meine finger ebenfalls -

scarlett

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 12.08.2012, 21:09

Kann mir mal jemand etwas genauer sagen, WO hier - etwas weiter ab von birkes Text - das Problem liegt? Ist es letztlich die Frage, ob man schweigend reden, übers Schweigen schreiben oder schreibend schweigen kann?

Niko

Beitragvon Niko » 12.08.2012, 21:09

ich nehme an, nifl meint, dass man soetwas schreiben kann, wenn man das ganze im imperfekt verfasst. das finde ich mal nicht ganz abwegig, aber im grunde macht es auch keinen großen unterschied. und ob es gedanken, beschreibung, betrachtung oder wie auch immer heißt, ist nur etiketten(schwindel).
plapperhaft finde ich völlig an der sache vorbei. der text ist doch alles andere als geschwätzig, plaudernd, plappernd. im gegenteil birke schreibt relativ reduziert meiner meinung nach.
aber, monika.....ein text ist ein text ist ein text.... ;-)

liebe grüße: niko

Niko

Beitragvon Niko » 12.08.2012, 21:11

die frage ist, amanita, ob man über das schweigen schreiben kann. und das auch noch in der ich form und das auch noch im präsens. wer schweigt, schreibt nicht. aber wie kriegt man dann schweigen zu papier?

grüße: niko

Nifl
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Beitragvon Nifl » 12.08.2012, 21:19

"Plappern" war in meinem Kommentar ein beispielhafter Kontrapunkt zum Schweigen
Ich verstehe die Aufregung nicht recht.

Hier ein interessanter Link zum epischen Präteritum::
http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesu ... ik/epp.htm

Grüße
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon Amanita » 12.08.2012, 21:20

Würde sich dann nicht auch der Begriff Schweigen ad absurdum führen, zumindest in bestimmten Zusammenhängen?

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2012, 21:25

im text manifestiert sich doch gar kein lyrisches ich!
die gewählte perspektive erlaubt höchstens den rückschluss auf eine beobachtung.

niko schrieb:

"ein autor nimmt eine erzählende, berichtende position ein. auch aus der sicht eines imaginären lyrichs. und auch dann, wenn das lyrich sich verschließt, also in real nichts sagen würde, kann ein autor in der ich-form seine position übernehmen und es sprechenlassen, laut denken / fühlen lassen"

und eben: beobachten!

scarlett

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Beitragvon birke » 12.08.2012, 21:26

Mal kurz von mir eingeworfen:

Wo ist denn hier im Text überhaupt von einem "Ich" die Rede?
Wo ist also das Problem ganz konkret?

Außerdem, JA, Amanita, genau: dann dürfte man das Wort "schweigen" wohl in bestimmten Fällen gar nicht benutzen, weil es sich ausschließt, zu reden und "schweigen" zu sagen? Ad absurdum ... jaja. ;)

Verfolge das hier ein wenig mit, sehr interessant - werde mich in den nächsten Tagen noch ausführlicher äußern.

Soweit, mit lieben Grüßen
Diana

PS -ooooh, Mo, danke, jajaaa! unsere postings haben sich überschnitten!
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Beitragvon Ylvi » 13.08.2012, 09:00

Hallo Niko,

Zitat:
Solange du die Ich-Perspektive einnimmst, was ich aus deiner Fortführung und deinen Antworten schließe, versprachlicht aber nun mal das LIch. Eine Autorin gibt es im Text nicht, solange kein Erzählerin, bzw. Autorin dort eingeführt wird?


das halte ich für an-den-haaren-herbeigezogen, flora. ein text ist nicht der autor. stimmt.aber ein autor nimmt eine erzählende, berichtende position ein. auch aus der sicht eines imaginären lyrichs. und auch dann, wenn das lyrich sich verschließt, also in real nichts sagen würde, kann ein autor in der ich-form seine position übernehmen und es sprechenlassen, laut denken / fühlen lassen. in sofern gibt es da für mich überhaupt keine widersprüchlichkeiten!
So unterschiedlich können die Sichtweisen sein, für mich ist es im Gegenteil sehr naheliegend, was ich geschrieben habe und ich wundere mich dafür wohl ebenso über deine Sichtweise. Das ist ein interessantes Thema. Mir scheint deine Ausführung dazu sehr widersprüchlich.
sollen, dürfen also autoren nicht von fassungslosigkeit, von sprachlosigkeit schreiben, vom verstummen und von der wortlosigkeit? also....entweder sitze ich extrem auf der leitung, oder du schreibst von etwas, was du nicht allen ernstes wirklich glauben kannst, flora!
Da ich das nicht geschrieben habe, brauche ich es auch nicht glauben, auch nicht allen ernstes. :o) Natürlich dürfen Autoren von Fassungslosigkeit (ein anderes Thema?) und Sprachlosigkeit schreiben, auch vom Verstummen und von Wortlosigkeit. Die Frage ist nur wie das gelingen kann und vor allem aus welcher Perspektive und in welcher Zeit. Ich hatte dazu ja auch schon im letzten Kommentar geschrieben.

Hallo Diana,

Mal kurz von mir eingeworfen:

Wo ist denn hier im Text überhaupt von einem "Ich" die Rede?
Wo ist also das Problem ganz konkret?
Das LIch wurde von dir selbst in deinen Antworten aufgebracht und wie ich schrieb, ging ich daher und aufgrund deiner Fortsetzung


(II)

aus dem abgrund
bricht ein feuer

mein auge
dein spiegel

erkennst du dich-
nicht?


von einem LIch aus. Aber das war ja auch nur ein Aspekt der Kritik.


Danke für den interessanten Link, Nifl!


Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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birke
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Beitragvon birke » 13.08.2012, 10:55

Hallo Flora!
Das LIch wurde von dir selbst in deinen Antworten aufgebracht und wie ich schrieb, ging ich daher und aufgrund deiner Fortsetzung

Ja, das stimmt schon.
Da hab ich mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt, wobei der Begriff des LI ja inzwischen ziemlich verwischt und schwammig verwendet wird. Es kann also auch einfach eine Person benennen, um die es in einem Gedicht geht. Fakt ist halt, dass der Text so oder so gelesen werden *kann*.
Und abgesehen davon steht er ja erstmal ohne Fortsetzung dort und sollte auch ohne diese Bestand haben.
(Die hab ich eigentlich spontan noch eingestellt, und ja auch nur in der Antwort-Funktion. Und auch diese sagt nichts darüber aus, ob es sich bei dem Abgrund ums "ich" handelt.)

Soweit ... habt alle Dank für eure Gedanken hierzu!

Liebe Grüße
Diana

PS - Es tut mir leid, auch wenn es für viele von euch zu krass, "too much" ist in diesem Text ... ich möchte ihn gern genau so belassen. Ich habe aufgrund eurer Reaktionen mal mit einer "Lean-Version" gespielt, aber das würde für mich den Text nur abschwächen.
Interessant ist ja auch, dass einigen von euch einige Passagen durchaus zusagen, und zwar jedem andere. :smile:

Ferner denke ich durchaus, dass man, ein "Ich", in der Jetzt-Zeit vom Schweigen schreiben kann.
Denn ein "Schweigen" ist so vielschichtig.
Einen Text kann man sehr wohl mit/ in absoluter Stille lesen. Und schreiben. Schweigend
(Und doch können natürlich geschriebene Worte *laut* sein.)
Andererseits kann man auch durch Worte schweigen, obwohl man redet.

Ein weeeeeeites Feld!!!
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