abgrund

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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birke
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Beitragvon birke » 11.08.2012, 16:00

.


aus der klaffenden wunde
zwischen den lippen
eitern buchstaben
der hohlraum schwarz
verschluckt klebrige silben
hängen den schlund hinab
rollen steine zu groß
und worte zu klein
schweigen
schreit zum himmel




(dj08/12)





________________________________________-
zeilenumbrüche geändert, mit dank an mo. vorher:

hängen den schlund
hinab rollen
steine zu groß
und worte zu klein
schweigen schreit zum himmel
Zuletzt geändert von birke am 12.08.2012, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 11.08.2012, 21:12

kein schönes Gedicht, das das Sprechen zum Abgrund erklärt, den Mund gleichsetzt mit einer klaffenden Wunde, aus der Buchstaben eitern, aber es ist schleßlich auch kein schönes Gefühl, wenn die Worte zu klein sind und nichts bleibt, als dieses ungute Schweigen, das zum Himmel schreit.
Diesen Zustand gibst du mit diesen Zeilen gut wieder. Dennoch ist mir persönlich die Sprache dieses Gedichts zu plakativ, da ist kein Platz mehr zwischen den Zeilen für mich, für eine eigene Vorstellung.

Xanthi

Mucki
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Beitragvon Mucki » 12.08.2012, 00:46

Hallo Diana,

mir geht es mit deinem Gedicht ähnlich wie Xanthi. Mir fehlt hier die Luft. Ich kann als Leser nicht "atmen". Du schreibst so düster (zu düster?) ohne Pause. Da es jedoch so "zugepackt" ist, kommt dieses beklemmende Gefühl bei mir, als Leser, nicht an, es ergreift mich nicht, da keine Bewegung im Sinne von Entfaltung vorhanden ist. Würdest du langsam beginnen und eine Klimax einbauen, eine Art von Pausen einarbeiten, dann könnte ich mitgehen und dann würde mich dieses "Würgen" vermutlich erreichen und sich diese Beklemmung, dieses Zugeschnürte auf mich übertragen.
Am Schluss z.B. würde ich einen Absatz setzen und nur das Wort "schweigen" schreiben und "schreit zum himmel" streichen.
Vllt. kannst du mit den Adjektiven etwas sparsamer umgehen. Dadurch könnte etwas Luft hineinkommen.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.08.2012, 05:10

Liebe Dianan,

vor ein paar halben Stunden vielleicht las ich deine Rückmeldung zu Rosebuds "Am Berg" nachdem ich dort auch kommentiert hatte.
Nun zu deinen Text, den hatte ich mir auch vorgemerkt.
Interessant, wie du aus einer positiv konnotierten Sache etwas macht, das mich beim Lesen erschreckt und ... überbordet, nicht etwa im Sinne von neugierig machen. Xanthippes erster Satz im Kommentar, hatte mich zwar auch erschreckt, aber ich muss ihr Recht geben.
Hier hast du "alle" Register gezogen, jede Metapher in das Gedicht hineingepresst, dass es zu platzen droht und für deren Anzahl es m. M. n. zu kurz ist. Das fühle ich. Es ist unangenehm aber nicht auf kreative Art.
Die Metaphern sprengen den Rahmen der Aussage und machen das Ganze oberflächlich plakativ, das kann ich leider nicht anders sagen. (Meiner Ansicht nach führt sich der Text selbst ad absurdum).

Ich hoffe, du nimmst die deutlichen Worte als das was sie sind, Kritik am Werk. :-)

Liebe Grüße
Gerda

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2012, 09:56

liebe di,

ein äußerst beklemmender text, finde ich, der für mich die frage nach einem "hinter den zeilen" aufwirft.
ich meine damit, dass er gedanken in bewegung setzt, über möglichkeiten und grenzen des sagbaren nachzusinnen-

der text hat dynamik, die vielen verben vermitteln einen sog, er arbeitet sich konsequent vom kleinen zum großen, von buchstaben über silben zu worten, die unausgesprochen zu steinen werden, die nach unten ziehen.
schön auch die gegenbewegung, das schweigen, das nach oben schreit.

ich würde nur hier die umbrüche überdenken:

hängen den schlund hinab
rollen steine zu groß
und worte zu klein
schweigen
schreit zum himmel

somit hättest du die verben jeweils in frontposition, das würde m m nach diese sogwirkung, dieses ziehen noch verstärken.

herzlichst,
deine mo

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 12.08.2012, 11:07

Liebe Diana,

oje ... dachte ich, als ich die Kommentare las. Mir scheint, dass du einfach einen Weg gegangen bist, den du -zumindest so öffentlich - selten gehst. Ich fand das mutig. Allerdings ist das für mich ein Arbeitstext, ein Versuch, der viel aussagt, der sucht, der schürft. Ich will mal den Worten folgen, um deinen Bildern auf die Spur zu kommen.



birke hat geschrieben:.

aus der klaffenden wunde
zwischen den lippen---
(dj08/12)


Der absolute Schmerz, den der Mund nur noch als Wunde ausdrücken kann. Das Sprachwerkzeug, das eventuell trösten könnte, ist selbst verletzt worden. Dem Mund, der Sprache ist Gewalt angetan worden, der Mund wurde verletzt.

Ein starkes Bild.


birke hat geschrieben:.

eitern buchstaben
der hohlraum schwarz

(dj08/12)


hier finde ich Assoziationen zu Bildern, die genau diese verletzte Kehle, ihr Verstummen, ihr Verletztsein ausdrücken. Ich denke an eine Kehle, die von einer Axt zum Schweigen gebracht wird. --- Aber muss der Buchstabe eitern? Wenn ja, möchte ich darüber Genaueres wissen. Eitern bedeutet: die Wunde ist alt, verheilt schlecht und braucht Pflege .. bevor evtl. etwas ausgedrückt werden kann. Den Gedanken finde ich allerdings interessant: das Sprachwerkzeug als leidendes Organ darzustellen.


birke hat geschrieben:.

verschluckt klebrige silben
hängen den schlund
hinab rollen
steine zu groß

(dj08/12)



hier frage ich mich, was geht hinein, was kommt heraus?

Aus dem Mund kommen Worte, Silben, scheint mir rollen nicht den Schlund - sondern ins gehör hinab??

birke hat geschrieben:.

und worte zu klein
schweigen schreit zum himmel


(dj08/12)


schweigen schreit : sehr sehr gut ... aber der Kontext scheint irgendwie nicht zu stimmen...

Aber Diana, lies das mit viel Distanz und denk an den Kontext, ich mag auf jeden Fall diesen Ausflug in eine Textfarbe, die ich von dir so noch nicht kennengelernt habe.

Sonntagsgrüße
Renée

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birke
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Beitragvon birke » 12.08.2012, 11:58

Hallo Xanthi, Gabi, Gerda, habt Dank für Euer Feedback.

Nun ja, genau das beabsichtige ich ja mit dem Text: Atem nehmen, Beklemmung erzeugen, aber nicht subtil – sondern zwingend. Dem Leser keine Chance zum Luftholen lassen. Kein Entfalten, keinen Raum geben – denn genau das transportiert ja auch der Text. Und ja, unangenehm - soll er sein!
Es geht doch um ein LI, das unfreiwillig sprachlos, verletzt ist, "steine schlucken muss", allenfalls "eitern noch buchstaben" heraus. aber es will ja! sein schweigen schreit. heraus, von "unten nach oben".


___________________________________________________________

Danke dir sehr für deine treffenden Worte, liebe Mo, da bin ich aber froh, jaa!
Über deine Setzung werde ich nachdenken, die hat was, ja, vor allem das "schweigen" allein in eine Zeile zu setzen. :smile:
Habs jetzt geändert, danke!

___________________________________________________________

Liebe Renée, auch dir ein dickes Dankeschön fürs ausführliche Beschäftigen mit dem Text. Ja, ich kann auch anders, lächel.
Mir scheint der Kontext zu stimmen, siehe die Ausführungen oben; und hier:

verschluckt klebrige silben
hängen den schlund
hinab rollen
steine zu groß


ist schon so gemeint, dass Silben, anstatt sie rauszulassen, wieder verschluckt werden, mit den Steinen bzw. zu Steinen werden ...




Und zu guter Letzt noch eine kleine Fortführung:


(II)

aus dem abgrund
bricht ein feuer

mein auge
dein spiegel

erkennst du dich-
nicht?




Liebe Grüße
di/ana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Niko

Beitragvon Niko » 12.08.2012, 12:26

hallo diana,

das ein text beklemmungen hervorrufen soll - gut. dass er unangenehm sein soll - auch gut. aber es gibt einige dinge, die darüber hinaus gehen. nennen wir es abstoßen, erschrecken, abschrecken.
mein credo ist ja immer (was mir nicht immer gelingt!!!) etwas zu vermitteln, ohne aufzudrängen. etwas zu schreiben, worin der leser SEINE wahrheit finden kann.
es gibt schlüsselworte in deinem text, die bei mir abschreckend wirken:

aus der klaffenden wunde
zwischen den lippen
eitern buchstaben
der hohlraum schwarz
verschluckt klebrige silben
hängen den schlund hinab
rollen steine zu groß
und worte zu klein
schweigen
schreit zum himmel

ich bin der meinung, dass eine umformulierung den text leserfreundlicher macht, ihn aber dadurch nicht zwingend entschärft.

warum muss die wunde klaffen? warum ist sie nicht einfach nur unverschlossen? oder offen?
für eitern könnte man hervorbrechen, an die oberfläche drängen oder ähnliches nehmen. klebrige - ein wort, dass noch relativ unspektakulär ist. wenn man aber klebrige silben verschluckt droht erstickungsgefahr. im kontext also stimmig. insgesamt aber schon der tropfen, der das leidensfass überlaufen lässt. für mich...
schweigen schreit - gut. dieses paradoxon kann man nehmen. ich vermeide es seit jahren, weil es mir (auch durch mich selbst) zu abgedroschen klingt.

ich finde den gedanken des textes gut. und die art, den gedanken umzusetzen auch. nur die worte sind mir zu gewaltig, zu erdrückend.
auch wäre es gut denkbar, andere bilder zu verwenden.
ich empfinde dein gedicht in dieser form als zu aufdrängend.

liebe grüße: niko

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.08.2012, 14:09

Hallo Diana,

Nun ja, genau das beabsichtige ich ja mit dem Text: Atem nehmen, Beklemmung erzeugen, aber nicht subtil – sondern zwingend. Dem Leser keine Chance zum Luftholen lassen. Kein Entfalten, keinen Raum geben – denn genau das transportiert ja auch der Text. Und ja, unangenehm - soll er sein!
Es geht doch um ein LI, das unfreiwillig sprachlos, verletzt ist, "steine schlucken muss", allenfalls "eitern noch buchstaben" heraus. aber es will ja! sein schweigen schreit. heraus, von "unten nach oben".

Für mich funktioniert das so aber nicht. Es will zu viel, ist so überdramatisiert und scheint sich darin zu gefallen, dass es mich an Geisterbahn und Horrorfilme erinnert, die mit dem Grusel spielen, ihn evozieren wollen, aber nicht auf einer tieferen Ebene berühren, oder etwas Menschliches sichtbar machen können. Und zu etwas zwingen, und das so offensichtlich, möchte ich mich als Leser schon gar nicht lassen. Da erreichst du (bei mir zumindest) eher eine Distanzierung. Eine Identifizierung findet hier nicht statt, aber auch der Blick auf das gezeichnete LIch kann mich nicht berühren, weil ich nicht den Eindruck habe, hier einen Menschen, etwas "Echtes" anzusehen. Das wird vermutlich unterstützt durch die Tatsache, dass LIch die Worte nicht zu fehlen scheinen, es schweigt nicht, es kann sie sogar in lyrische Form bringen, damit arbeiten und den eigenen Zustand der angeblichen Wortlosigkeit ausschmücken und bebildern, auch wenn dies nicht verbal, sondern schriftlich geschieht, und dass dieser Aspekt im Text und von LIch nicht "gesehen", aufgenommen wird.
Das Bild der Wunde zwischen den Lippen gefällt mir, und ohne das "klaffend" wäre auch das "eitern" für mich nicht zu viel.
Das schreiende Schweigen hingegen scheint mir schon oft gelesen, ob die Aufnahme der Redewendung "das schreit zum himmel" das aufwiegen kann, weiß ich nicht ... vielleicht wenn es anders aufgegriffen wäre.
Ich benenne die "Worte" auch oft in meinen Texten. Aber ich glaube man muss damit vorsichtig sein, nicht immer gelingt es, sie so direkt anzusprechen, dass es aufgeht.

Für mich würde es sich wohl ausgehend von deinen Zeilen sehr reduzierend .-) in diese Richtung entwickeln:

aus der wunde zwischen den lippen eitern buchstaben
nur im schreiben schreit das schweigen zum himmel


Sicher nicht deines und auch kein Änderungsvorschlag, aber vielleicht ein neuer Impuls, selbst nochmal zu schauen.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

scarlett

Beitragvon scarlett » 12.08.2012, 14:39

Flora hat geschrieben: dass es mich an Geisterbahn und Horrorfilme erinnert, die mit dem Grusel spielen, ihn evozieren wollen, aber nicht auf einer tieferen Ebene berühren, oder etwas Menschliches sichtbar machen können.


ich verstehe zwar durchaus, dass und warum dieser text polarisiert, dass er nicht "gefällt", usw., aber ihn auf dieser ebene anzusiedeln, das empfinde ich, mit verlaub und bei allem respekt, schon als recht starken tobak, das hat er nicht verdient. das setzt ihn herab in einer weise, die ich beinah schon als beleidigend empfinde.

und wenn etwas zwingend ist, heißt das m m nach nicht, dass jemand zu etwas gezwungen wird.


Flora hat geschrieben: dass LIch die Worte nicht zu fehlen scheinen, es schweigt nicht, es kann sie sogar in lyrische Form bringen,


das verstehe ich nicht: wie sollten denn sonst texte entstehen?


lg
scarlett

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birke
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Beitragvon birke » 12.08.2012, 15:21

Hallo! :-)

Niko, ich verstehe durchaus dein Anliegen als Leser, ja, hab Dank für deine Meinung, deine Ausführungen, hierzu.
Aber ich fürchte, ich will/ muss das hier so krass haben.
Würde ich glätten, harmloser schreiben, bekäme der Text einen ganz anderen Akzent.
Dies soll kein nettes, angenehmes Gedicht sein, nein, es soll den Leser "stören".
Allein die vielen Reaktionen hier (und andere) zeigen mir, dass der Text sehr wohl etwas bewirkt.




Liebe Flora,

ich zwinge ja niemanden dazu, meine Texte zu lesen.

Und, verzeih, aber ich meine, dass dieser Text so durchaus Bestand hat.
Deine Reduktion machte aus dem Text einen ganz anderen ...

Ok, über das Bild "schweigen schreit ..." kann man in der Tat geteilter Meinung sein ... für mich aber bringt es hier die Situation auf den Punkt.

Und es ist natürlich nicht das LI, das hier die Situation versprachlicht - sondern ich, die Autorin!
Ja, wie sonst sollten Gedichte, Texte entstehen ...

(Danke dir, Mo!)


LG,
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.08.2012, 16:11

Hallo Diana, scarlett,

Diana hat geschrieben:Und es ist natürlich nicht das LI, das hier die Situation versprachlicht - sondern ich, die Autorin!
Ja, wie sonst sollten Gedichte, Texte entstehen ...
??? Solange du die Ich-Perspektive einnimmst, was ich aus deiner Fortführung und deinen Antworten schließe, versprachlicht aber nun mal das LIch. Eine Autorin gibt es im Text nicht, solange kein Erzählerin, bzw. Autorin dort eingeführt wird?
Texte über Sprachlosigkeit, gerade, wenn es keine selbstgewählte ist, und ein Schmerz damit verbunden ist, sind sicher sehr schwierig lyrisch zu fassen und umzusetzen. Besonders aber aus der Ich-Perspektive und der Gegenwart heraus, da das Behauptete dann zwangsläufig zumindest fragwürdig wird und schief.
Eine Möglichkeit wäre, eine Unterscheidung zwischen Schreiben und Sprechen im Text aufzugreifen, oder einen Erzähler einzuführen, oder von einem Zeitpunkt aus, an dem die Sprache wiedergefunden wurde, auf diesen Zustand zurückzublicken ... oder experimenteller heranzugehen, bildhafter, weniger direkt darauf zu ... ich weiß es auch nicht. .-)

Dies soll kein nettes, angenehmes Gedicht sein, nein, es soll den Leser "stören".
Allein die vielen Reaktionen hier (und andere) zeigen mir, dass der Text sehr wohl etwas bewirkt.

scarlett bei ihrem Text: Notizen aus der Steiermark hat geschrieben: habt dank für die großzügig verteilten kritikpunkte.
ich fühl mich sauwohl dabei, zeigt mir das doch, dass etwas dran ist an meinem text.

Diese Schlussfolgerung halte ich meist für einen Trugschluss, dem man als Autor (mich eingeschlossen) gerne unterliegt. Es ist nicht das Gedicht, das "stört", sondern seine Umsetzung und sie bewirkt schlicht und einfach, dass Kritik geübt wird.

ich zwinge ja niemanden dazu, meine Texte zu lesen.
Das hat ja auch niemand behauptet?

Und natürlich kannst du den Text genau so lassen und auch nach, oder auch gerade durch die Kritikpunkte vollkommen von ihm überzeugt sein, weil sie für dich, trotz nachdenken darüber, nicht stimmig erscheinen. Schön ist es natürlich, wenn ich das dann nach einer Antwort (des Autors) nachvollziehen kann und so auch etwas Neues für mich entdecken kann.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 12.08.2012, 16:26

hallo birke,
ohne werten zu wollen, geb ich zu bedenken dass der gedicht womöglich viel zu kurz ist um gleich 2 "allgemeinstellen" tragen zu können..."klaffende wunde" und "zum himmel schreien" sind so die wortschöpfungen die man zu oft hört...da würde ich mit evt. überarbeitung ansetzen, daraus ergeben sich dann vielleicht die andere blickwinkel und möglichkeiten ;-)

lg, pjesma

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 12.08.2012, 17:08

... rollen steine zu groß
und worte zu klein


finde ich super!

Aber ich finde - mit einigen anderen - auch, dass manche Stellen einfach ZU dramatisch sind/ sein wollen und damit sich selbst schwächen. Das Subtile kann manchmal mehr packen als plakativ Klaffendes und Eiterndes.

Ich denke, wenn Flora Änderungsvorschläge macht, nimmt sie die Texte auch sehr ernst - selbst wenn ganz andere Gedanken hineingewoben werden, kann das doch für Autoren und Leser spannend sein? Man fühlt sich vielleicht mitunter missverstanden, aber Assoziationen vom kritischen Leser können durchaus neue Türen öffnen ...


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