federlesen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 09.08.2012, 20:28

silber / reiher

immer an derselben stelle
im wasser am mond
jenseits des deiches

regungslos

als warteten sie darauf, dass die landschaft vergeht im schutz der zeit

staubvögel

ihre federspitzen zerfallen
wie eines tages
ich


grau / gänse

auf den brücken
drei tropfen blut
und falada du hangest

wiesen die im nebel enden

muschelkies


lach / möwen

sie heißen alle emma schreibt der seepferdmann

die eine blinkt am himmel

fliegt kurven und leistet känguruhs gesellschaft

in neu seeland
Zuletzt geändert von allerleirauh am 15.08.2012, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 12.08.2012, 01:28

Hallo allerleirauh,

was mich an deinen Gedichten immer wieder beeindruckt, ist ihre enorme Bildhaftigkeit. So auch hier. Tolle Bilder, tolle Worte wie "seepferdmann". Sehr schön finde ich, wie du dein Gedicht hier durchkomponiert hast. Diese geteilten Untertitel mit dem / in der Mitte und dann die Verbindungen wie "staubvögel" und "muschelkies", die sich so klasse ins Gesamtbild fügen. Außerdem gefällt mir die enthaltene Bewegung von "regungslos" über "zerfallen", "enden" und schließlich "fliegen". Jedes Wort hast du mit Bedacht gesetzt.
Feines Gedicht!

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.08.2012, 12:45

Hallo A.

ich habe auch den Eindruck, dass du hier alles sehr bewusst gesetzt hast, es ineinandergreifen sollte, ich etwas übersehe, wenn es sich nicht zusammenfügt, aber ich komme nicht dahinter. :(
Weder kann ich den Sinn der Trennungstriche und diese Betonung der einzelnen Aspekte der Vogelnamen, oder auch des neu seeland, erkennen, noch finde ich den Zugang über das Märchen, was ich als Kerngedanke vermute, oder über das Vergehen, oder über den Aspekt, dass Kängurus eigentlich gar nicht in Neuseeland beheimatet sind (?), oder sonst eine (gedanklich/bildliche) Entwicklung, einen inneren Zusammenhang der Strophen, den ich für mich stimmig herauslesen könnte.
Vielleicht sollen die einzelnen Bilder/Beobachtungen/Assoziationen auch eher unabhängig nebeneinander stehen und ich habe durch die Form nur eine falsche (Erzähl-)Erwartungshaltung? Dann würde ich mir da irgendeine sichtbare Aufteilung wünschen. Sei es über größere Zeilenabstände, oder Nummerierungen.
Rein optisch irritiert mich, ohne, dass ich weiß, ob auch das so beabsichtigt ist, die ungleiche Verschiebung der Klammern, die durch einen Umbruch symmetrischer hätte gelöst werden können.

(als warteten sie darauf,
dass die landschaft vergeht
im schutz der zeit)


Emma und den Seepferdmann finde ich jedenfalls ganz wunderbar und einnehmend.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 12.08.2012, 13:48

Flora hat geschrieben:ich habe auch den Eindruck, dass du hier alles sehr bewusst gesetzt hast, es ineinandergreifen sollte, ich etwas übersehe, wenn es sich nicht zusammenfügt, aber ich komme nicht dahinter. :(

Was hier ineinandergreift ist für mich, dass das LI - gemäß dem Titel - in den Federn liest. Und zwar immer auf andere Art und Weise. Mal mit innerem Bezug, mal ohne und mit verschiedenen Bewegungen und den dadurch verbundenen Assoziationen, die jeweils den Federn ein anderes Erleben erfahren lassen.

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 15.08.2012, 20:20

danke für die rückmeldungen, gabriella und flora.

ich denke, dass gabi aufbau und aussage des textes gut erfasst hat. drei federn, drei vögel und drei verschiedene assoziationsketten. die reiher, eher biologisch gefasst. (stichwort: "puderdunen", davon hatte ich noch nie gehört)
gänse im märchenkontext und schließlich die möwen, von denen ringelnatz tatsächlich in einem gedicht schreibt, dass sie alle aussähen, als ob sie emma hießen. im zeeländer sommer 2012 gibt es leute, die känguruhs durch ihre vorgärten hüpfen lassen, was mich einigermaßen verwundert hat.

@flora: ich glaube, die klammern nehme ich ganz weg.

lga

Gerda

Beitragvon Gerda » 16.08.2012, 11:31

Graureiher klein.JPG
Liebe A.,

mir gefällt der Text jetzt erst so richtig nachdem ich ihn mehrmals gelesen habe.
Es sind ja drei Textabschnitte und der Reiher hat mich angezogen. Aber dann wsr mir das Gedicht zunächst fremd, ich empfand die Sprünge, für mich hinderlich. Vor einigen Wochen habe ich "unseren" Graureiher fotografiert. Es war wie bei einem Shooting auf Bestellung er ging auf dem gegenüberliegenden Ufer des Eschbachs mit mir mit. ("unser Silberreiher taucht immer nur winters auf).
Zurück zum Text.
Welche Weite sich dann weiterhin uim Text entwickelt finde ich sehr interessant und nahezu kontemplativ.
Es wird weltumspannend ohne Jetlag und Reise-Hektik...
Bei Neuseeland musste ich aber auch Schmunzeln ... (Wegen meiner Lesebrille)
Sehr schöner Text wieder von dir, obgleich ich finde du solltest ihn nicht so auseinander gezogen setzen.

Herzliche Grüße
Gerda


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