Heuernte

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 29.07.2012, 21:09

Heuernte
Kurzprosa-Version

Der Traktor zieht Linien in die Heumahd. Der Kreiselwender bringt das Heu auf Schwad, schafft niedrige langgezogene Wälle, die sich weich über die Wiese winden.
Die Erntemaschine, ein Vielfraß schluckt, verleibt sich Reihe für Reihe ein, paketiert und spuckt Quader aus. In der Scheune prima zu stapeln. Praktisch. Ballen würden auseinander rutschen. Nur noch zwei Arbeiter, die aber für Zehn schaffen. Die Maschinen machen’s möglich.

Einzig, der beständige Duft erinnert an früher…
©GJ20120831



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Zuletzt geändert von Gerda am 31.08.2012, 13:11, insgesamt 5-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.08.2012, 12:41

Liebe Gerda,

in deinem Gedicht beschreibst du anschaulich, wie heute maschinell Heu geerntet wird.
Diesen Satz
Gerda hat geschrieben:schluckt, paketiert und spuckt Quader aus.

finde ich klasse!
Ansonsten habe ich jedoch ein wenig Probleme, da mir zu viel "Technik" in den Zeilen steckt.
Hier:
Gerda hat geschrieben:Ein Monster folgt später - gefräßig
und verleibt sich Reihe für Reihe ein.
Die Erntemaschine ein Vielfraß

ist es doppeltgemoppelt. Das "Monster" ist ja die Erntemaschine, außerdem: "gefräßig" und "Vielfraß"
und hier
Gerda hat geschrieben:In der Scheune prima zu stapeln, nicht wie
Ballen, die auseinander rutschen.

ein bisschen ungelenk formuliert.

Meine Idee wäre, den beschreibenden, maschinellen Teil etwas zu kürzen und dann am Schluss diesen Satz
Gerda hat geschrieben:einzig, dass es ein wenig noch duftet wie damals …

etwas umzuformulieren und einen Absatz davor zu setzen:

Ein wenig duftet es wie damals.

Auf diese Weise würde die Wehmut, diese Nostalgie ausdrucksstärker rüberkommen, finde ich.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 08.08.2012, 10:05

Liebe Gabi,

dankeschön, du fleißige Kommentatorin, dass du dich dieses (wahrscheinlich misslungenen) Textes angenommen hast.
Ich muss noch genauer schauen, denke aber, du hast an den meisten Stellen Recht.

Liebe Grüße
Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 08.08.2012, 11:00

Liebe Gerda,

nein, dein Gedicht ist nicht misslungen. Es bedarf nur eines gewissen Schliffs, finde ich.
Übrigens, mir kam noch eine Idee: es wäre vielleicht ganz reizvoll, bei dem Thema Heuernte die heutige, maschinelle Ernte in Beziehung zu der alten Ernteweise (mit Sichel und Garben binden und so) zu verbinden. Was meinst du?

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 10.08.2012, 00:39

Liebe Gabi,

nun ja, auf die Idee, dass es zumindest nicht wirklich gelungen ist, muss ich ja zwangsläufig kommen, wenn ich die vielen Rückmeldungen lese ;-)
Dir sage ich herzlichen Dank für das Befassen und die auführliche Rückmeldung.

Ein Monster folgt später - gefräßig
und verleibt sich Reihe für Reihe ein.
Die Erntemaschine ein Vielfraß

Du schreibst:
Ist es doppeltgemoppelt. Das "Monster" ist ja die Erntemaschine, außerdem: "gefräßig" und "Vielfraß"
und hier

Ja und nein, ich habe das ganz bewusst geschrieben, kann aber auf das gefräßig verzichten, das ist tatsächlich überflüssig.
Enttechnisieren kann ich indes nicht.
Und genau das, was du aus mir hervorkitzeln möchtest, was so viele Maler in Bildern festgehalten haben, möchte ich nicht beschreiben, das wäre ein völlig anderes Gedicht und da wäre die Kitschgrenze nicht weit.
Es ist aber eigentlich dennoch alles in der Dufterinnerung enthalten; angefangen bei den Kopftüchern der Frauen, den Schürzen, den Rechen usw.
Ich verlange den Lesern ab, sich das zu imaginieren. :mrgreen:
Den lezten Satz werde ich ändern.

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 10.08.2012, 08:06

Hallo Gerda, ich ahne, was Dein Anliegen ist (eben wirklich das Technisierte herauszuarbeiten, als Gegensatz zur "romantischen" Erinnerung). Aber für mich klappt das nicht so richtig, es ist mir zuviel Beschreibung drin, die mich an eine sehr korrekte, redliche Schülerarbeit denken lässt - was natürlich zu wenig ist. ICH glaube, dass es eher was für einen Prosatext wäre, in dem man vielleicht ein größeres Ausmaß unserer Technisierung (auch in unserem Denken) deutlicher aufzeigen könnte.
Ein Problem ist ja immer, dass möglicherweise ein leiser Vorwurf mitschwingt, dass es sich die Bauern so "leicht" machen und uns das romantische Landleben nicht mehr gönnen. Einzig, der beständige Duft erinnert an früher… ist so ein Satz. Der ist mir nun wieder zu "wertend" - was zeigt, wie sehr es auf den Zusammenhang ankommt, in welchem Ausmaß so ein kleiner harmloser Satz wertet.
Ich glaube, wollte man so eine Heuernte in Lyrik "packen", müsste man sehr viel lautmalerischer arbeiten - die Maschinen vielleicht nicht Monster nennen, sondern sie mit passenden Worten zu Monstern machen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 10.08.2012, 08:16

Vielen Dank, Amanita, dass du mir aufgezeigt hast, warum (ich ahnte es schon beim posten) dieser Text nicht funktioniert. Ich glaube, sagen zu können, dass ich genau das von dir benannte schlechte Gewissen hatte, als ich die Heuernte schrieb... nach einem Spaziergang den Duft romantisierend in der nase.
Vielleicht versuche ich mich an Kurzprosa.

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.08.2012, 07:55

Ich habe jetzt mal einen Kurz-Prosaversuch gespostet, liebe Amanita.

LGG

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Beitragvon Zefira » 31.08.2012, 10:42

Liebe Gerda,
Du hast jetzt - mehr oder weniger - Dich darauf beschränkt, die Zeilenumbrüche zu streichen. Damit ist das Gedicht ein Prosatext, aber mehr oder weniger gleichlautend. Ich glaube zu wissen, um welches Thema es Dir geht, aber ich glaube, mit so wenig Text kommt es nicht richtig "rüber", jedenfalls nicht bei mir.
Ich musste jedenfalls eine bewusste Anstrengung machen, mir vor Augen zu rufen, wie sich in unserer Gegenwart die Heuernte vollzieht - während ich kurioserweise von der oldfashioned-Heuernte mit Sense und Garbenbinden sofort ein Bild vor Augen hatte, obwohl ich so etwas seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen habe ... kurios eigentlich, vielleicht eine Prägung aus meiner Kindheit? Jedenfalls ist mir die Schilderung der "technisierten" Heuernte nicht sinnlich genug dargestellt.
"Zwei Arbeiter mit Maschinen schaffen für Zehn" ist ein Beispiel dafür. Dass jemand "für zehn" schafft, meint im üblichen Sprachgebrauch, dass er sehr viel schafft, also schnell und gut arbeitet. Aber das ist es ja wohl nicht, was Du meinst, sondern: Zwei machen die Arbeit, die früher zehn machen mussten. Ich verstehe, was Du meinst, muss aber quasi erst mal "um die Ecke denken", um ein Bild vor Augen zu haben. Insoweit ist mir der Text noch zu "abstrakt".
Liebe Grüße!
Zefira
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 31.08.2012, 12:39

Liebe Gerda,

paar Peanuts:
Gerda hat geschrieben:Die Erntemaschine, ein Vielfraß schluckt, verleibt sich Reihe für Reihe ein, paketiert und spuckt Quader aus. In der Scheune prima zu stapeln. Praktisch. ballen, rutschen auseinander.

Die Ballen rutschen ja nicht mehr auseinander. Und "schluckt" und "verleibt" --> doppeltgemoppelt (würde da das "schluckt" rausnehmen, damit das "verleibt" zu "sich Reihe für Reihe" passt. Und noch ein Komma nach "Vielfraß".

Doch gefällt mir die Lyrikform wesentlich besser als die Prosaform. Sie wirkt "kompakter" auf mich.

Liebe Grüße
Gabi
P.S. Was Zefi zum Satz mit den Arbeitern schreibt, stimmt. Man versteht, was du meinst, klar, aber es ist ja kritisch gemeint, wirkt jedoch positiv. Ist mir vorher nicht aufgefallen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.08.2012, 13:07

Liebe Gabi, liebe Zefi,

vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Ich mute mir derzeit etwas zu viel zu.

Bevor ich hier weiter verschlimmbessere werde ich mal erst die Eröffnung der Sparachwoche hinter mich bringen, bzw. die Lesung dazu morgen Nachmittag.
Hab den Kopf so voll mit anderem, wollte hier aber unbedingt mal zeigen, dass es nicht vergessen ist ...


Liebe Grüße
Gerda
PS, Den Satz mit den Ballen habe ich korrigiert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 31.08.2012, 13:12

Ja, mach das Gerda.
Toi, toi, toi für morgen! :-)

Wir sehen uns dort. ;-)

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.08.2012, 13:21

Ich freu mich! :-)

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Beitragvon Zefira » 31.08.2012, 13:31

Ich bau morgen bei meiner Tochter in Frankfurt Schränke auf - wenn noch Zeit bleibt, komm ich auch vorbei! Viel Spaß!
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