Warum ich weine

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Luna

Beitragvon Luna » 20.07.2012, 08:46

Weil ich weiß,
dass ich dich wiedersehen werde.
Und wegen deiner Art
erbärmlich niedergehen werde.
Weil du so bist,
kalt, so eiskalt.
Und wenn ich weine,
dein Lachen von den Wänden hallt.
Weil du mich,
nicht nur mich, auch mein Leben so kaputt machst.
Weil du, wenn ich in Stücke fall'
über Trümmer und Schutt lachst.
Weil du der Grund bist,
warum mein kaltes Herz die liebe meidet.
Und du die Klinge bist, die mir Narben in die Arme schneidet.
Weil du mich langsam,
qualvoll aus dem Paradies ziehst.
Weil du auf jede letzte Hoffnung,
die mir noch blieb, schießt.

-- Weil ich hier im Zimmer sitze
und mir meinen Arm aufschlitze
und du da auf deinem Thron
ohne Achtung, nur mit Hohn
nun über mein Leid entscheidest,
niemals meinen Schmerz durchleidest.
Und auch wenn ich fliehen will,
in meine Träume kalt und still,
ich dort eig'ntlich fliegen kann,
doch immer wieder kommst du an.
Und drückst meine Seele nieder,
schlägst auf sie ein; wieder und wieder
Und ich kann mich nicht befrei'n,
werd' immer dir ergeben sein.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 21.07.2012, 09:32

Hallo Luna,

erst einmal herzlich Willkommen im Salon!
Du wartest sicher auf Rückmeldung zu deinen Texten. Ich schreibe mal hier meinen Eindruck, könnte es aber auch unter die anderen Texte stellen, denn sie sind sich in der Art des Schreibens sehr ähnlich.
Du bleibst sehr konkret, ganz nah am Gedanken, verwendest große, aber leider auch schwierige Worte wie Seele, Hoffnung, Schmerz, Leid ... Worte die für sich genommen leer, bzw. beliebig befüllbar sind und nur wenig auslösen können. Bilder, oder ganz eigene, neue Wendungen, die den Leser direkt ansprechen könnten, ihn "treffen", und aufhorchen lassen, finden sich wenige. Man hat eher das Gefühl, einen Tagebucheintrag zu lesen. Das macht es schwer, den Text wirklich als Text wahrzunehmen und unbefangen wirken zu lassen und man tappt schnell in die Falle, es eher psychologisch zu lesen, als literarisch und Autor und Text miteinander zu vermischen. Zeilen wie diese:
Weil ich hier im Zimmer sitze
und mir meinen Arm aufschlitze

sind dann, vielleicht auch zusätzlich noch bedingt durch dein Alter, zumindest für mich schwierig.

Andererseits sieht man natürlich durch die Zeilensetzung, die Sprache, die sich von der Alltagssprache abhebt, und die Reime, dass du mit den Themen gearbeitet hast. Gerade Endreime sind aber in frei(er)en Texten sehr schwierig auf gute und funktionierende Weise einzubinden.
Du hast dich sicher hier umgesehen, bevor du dich angemeldet hast. Welche Art der Rückmeldung erhoffst du dir für deine Texte?

Oft ist es leichter, wenn man durch das Schreiben mehr Distanz zum Thema gewinnt, dann auch vom konkreten Benennen hin zu einer ganz eigenen lyrischen Sprache zu finden. Vielleicht schaust du dich hier im Forum ein wenig um und schaust, welche Texte dir etwas sagen können, was dich "berührt" und mit welchen Mitteln der Autor arbeitet und das erreicht und lässt dich davon inspirieren.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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