Abgedreht vorher Spinnerei

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 15.07.2012, 12:56

Abgedreht Version 2

In der Erinnerung taucht
dieser Eine auf, wird durch
die Phantasie erhöht,
scheint größer als er war.

Er überstrahlt die Sonnen
abgezählter Sommertage,
nach denen der Herbst
so manches noch versprach.

Indes, mir Winter schon im Nacken
saß er im fernen Patagonien
an Deck des Dampfers,
bewundernd Land und Klimazonen,
den Sommer dort.

©GJ20120530

vorher "er" groß geschrieben

Spinnerei

In der Erinnerung taucht
dieser Eine auf, wird durch
die Phantasie erhöht,
scheint größer als Er war.

Er überstrahlt die Sonnen
abgezählter Sommertage,
nach denen der Herbst
so manches noch versprach.

Indes, mir Winter schon im Nacken
saß Er im fernen Patagonien
an Deck des Dampfers,
bewundernd Land und Klimazonen,
den Sommer dort.

©GJ20120530
Zuletzt geändert von Gerda am 26.07.2012, 18:23, insgesamt 2-mal geändert.

pjesma

Beitragvon pjesma » 15.07.2012, 13:22

fest scheint er eingeritzt
der patagonier
in der birkenrinde
bildhaft sitzt er noch da
in dem gedicht
kein jahreszeit dannach
spülte ihn
bedeutend
weg

;-)

Jelena

Beitragvon Jelena » 15.07.2012, 14:54

Liebe Gerda,mir gefällt das Gedicht gut.
Ich meine, ich mag diese Messerspitze Bissigkeit in dem sonst für mich lakonisch klingendem Gedicht. Ich kann es aber nicht als humorig oder satirisch empfinden. Aber passt so. Die Zeit hat die Wunden hier schon annähernd verschlossen, der Schmerz ist nur noch in der Erinnerung, die man wohl besser frühzeitig wieder verlässt, damit sie sich nicht ausspinnt zu mehr als einem Vorbei.
Gerne gelesen, schönen Gruß, Jelka.

scarlett

Beitragvon scarlett » 15.07.2012, 20:37

bis auf die großgeschriebenen ERs, die ich als unglaublich störend empfinde, gefällt mir das gedicht gut.
liebe gerda, da klingt vieles zwischen den zeilen, während in den zeilen nur das vertretbare steht.

allerdings die kategorie versteh ich auch nicht, aber das ist eher zweitrangig.

schönen gruß,
scarlett

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Beitragvon birke » 15.07.2012, 23:42

Ja, das spricht mich auch an, liebe Gerda, dein Text strahlt irgendwie eine ganz besondere Stimmung aus, sehr schön die Metaphern der Jahreszeiten.

Allerdings stört auch mich das großgeschriebene "Er" - es hat in mir sofort die Assoziation an "Gott" hervorgerufen - und fast beschleicht mich der Gedanke - vielleicht hast du das gewollt?
Und deshalb auch den Text in diese Kategorie gestellt?
Bin mir aber keineswegs sicher.
Vordergründig lese ich von einem "Verflossenen" ...

Liebe Grüße
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 16.07.2012, 00:02

Liebe Gerda,

für mich spricht das LI hier bissig über den früheren Lebensgefährten. Ich höre fast, wie das LI in einer Art von Hohn über ihn erzählt. Doch in diesem Hohn versteckt sich - gut verborgen - der Schmerz des LI.
Mit dem großgeschriebenen "Er" tue ich mich allerdings auch schwer. Oder möchtest du, dass man das "Er" besonders betont liest?

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 16.07.2012, 19:26

Liebe Kommentatorinnen, herzlichen Dank euch allen, ich beginne mal bei Gabi.

Liebe Gabi,


du bist nicht erstaunt, wenn ich deinen Komm. richtige deute, dass ich das Gedicht in diese Rubrik gepostet habe. Das freut mich. Du hast es fein erspürt. Ich meine, dass eine gewisse Bitternis und (nicht vordergründige) Ironie (des Schicksals) zu erspüren sind. Ein wenig ist es auch so, dass Lyrich sich selbst auf fie Schippe nimmt. Danke für dein Einfühlen. Zum "Er" komme ich gleich, bei Diana.

Liebe Diana,


Nein, Gott, kommt in meinen Texten nicht vor. Das großgeschriebene "Er" muss ich überdenken. Ich hatte es erst kleingeschrieben und dachte dann, ich müsse die Leseart mit dieser Großschreibung unterstreichen.
Ich glaube schon, dass man es anders liest, und auch die Bedeutung en Verschiebung erhält, weil die Überhöhnung des "ER" nicht gleich erkannt wird. Aber vielleicht sollte ich das Risiko eingehen.
Die Jahreszeiten sind selbst Metaphern, vielleicht schaust du es dir auch unter diesem Gesichtspunkt noch einmal an.

Liebe Monika,

danke dir fürs Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Ich habe dazu und zur Großschreibung schon etwas an Diana geschrieben, wenn du da bitte mitliest.

Liebe Jelka,

dankeschön für "gefällt mir"
Das, was du schreibst, trifft es fast ganz, nur, dass über die Jahreszeiten eine weitere Ebene lesbar ist.
Eine mir wichtige. Schau bitte auch bei der Antwort an Diana.

Liebe Pjesma,


danke fürs poetische Kommentieren ... nix hat sich eingeritzt, mangels Birken! ;-)


Liebe Grüße euch allen und einen angenehmen, "hochsommerlichen" Abend .... oder habt ihr etwa Strickjacken an und Fußwärmer? :pfeifen:

Gerda

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Beitragvon birke » 17.07.2012, 09:17

Ja, liebe Gerda, die Jahreszeiten lese ich als Metaphern, wie ich ja auch schon schrieb.
Für mich stehen sie in diesem Gedicht für das jeweilige Stadium der Beziehung, Wärme - Nähe, Kälte - Gefühlskälte usw.
Und das LyrDu - nun ja, es geht einfach woanders hin, um es wieder "sommerlich" zu haben. ;)
So meine Lesart.

Na ja, Gott hab ich hier auch nicht wirklich rausgelesen.
Vielleicht könntest Du das "Er" anders hervorheben als durch die Großschreibung?
ZB kursiv setzen, oder in Schrägstriche.

Liebe Grüße
Diana, in Strickjacke, seufz ;)
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Gerda

Beitragvon Gerda » 17.07.2012, 09:36

Liebe Diana,

dankschön für die nochmalige Rückmeldung.
Ich stelle jetzt mal eine Version ein, in der ich das "Er" kursiv setze, obgleich es für nicht dasselbe ist, denn in der Großschreibung ist die Überhöhung und die damit verbundene Ironie auch optisch lesbar


birke hat geschrieben:Ja, liebe Gerda, die Jahreszeiten lese ich als Metaphern, wie ich ja auch schon schrieb.
Für mich stehen sie in diesem Gedicht für das jeweilige Stadium der Beziehung, Wärme - Nähe, Kälte - Gefühlskälte usw.
Und das LyrDu - nun ja, es geht einfach woanders hin, um es wieder "sommerlich" zu haben. ;)
So meine Lesart.


Jetzt habe ich doch noch Fragen, wo liest du denn, dass Lyrich woanders hingeht?
Geht für dich Jahreszeiten = Lebenszeitalter auch auf?

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 17.07.2012, 09:45

Mir fällt gerade noch etwas ein, vielleicht ist der Titel nicht gut gewählt, im Grunde entstand er, weil mir nichts besseres einfiel. Wäre für euch "Sabbatical" denkbar?

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Beitragvon birke » 17.07.2012, 09:57

Liebe Gerda,

ich finde schon, dass durch das Kursiv-Gesetzte durchaus auch diese besondere (ironische) Betonung rüber kommt.

Nun ja, "weg gehen" im übertragenen Sinne halt - ("im fernen Patagonien") - sich entfernen oder sich-schon-entfernt-haben vom LI.
Und ja - durchaus geht die Lesart Jahreszeiten = Lebensalter hier für mich auch auf. :)
Sehr schön finde ich übrigens in diesem Zusammenhang die "Klimazonen" in der letzten Strophe! :smile:

Liebe Grüße
Diana

PS - Hm, der Titel ... "Sabbatical" wäre mir persönlich schon wieder zu religiös angehaucht. Die "Spinnerei" ... find ich gar nicht schlecht, aber vielleicht ließe sich hier noch mal nachdenken.
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Gerda

Beitragvon Gerda » 17.07.2012, 10:21

Ein kleiner Einwurf: Sabbatical = Berufliche Auszeit, wird heute ohne die religiöse Bedeutung verwendet.

scarlett

Beitragvon scarlett » 17.07.2012, 10:22

das würde für mich nicht passen, gerda, versteh ich in diesem zusammenhang aber vielleicht auch einfach nicht???

lg
monika

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Beitragvon birke » 17.07.2012, 11:23

Ja, Gerda, die Bedeutung ist mir bekannt, dennoch klingt ja der "Sabbat" in der ursprünglichen Bedeutung an und mit ... für mich jedenfalls.

Aber auch die Bedeutung der "Beruflichen Auszeit" will mir hier nicht so recht passen ... aber vielleicht versteh ich den Zusammenhang auch einfach nicht ... :smile:

Liebe Grüße
Diana
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