aus german letters "einen heimatfilm erzählen"

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 20.05.2012, 13:13

einen heimatfilm erzählen (für k.u.)


da ist dieser eine der aus sibirien verkrüppelt zurückkehrt
seine kinder werden ihm vorgestellt
und hin und her und das und jenes
seine frau hat sich einen spitzenkragen um den hals gebunden
ein kuchen ist gebacken worden
in der porzellanschale damfpt das sonntägliche mahl

sieben jahre sind es her
auf den hat keiner mehr gehofft
natürlich bricht er zusammen über dem kuchen
wäre ich auch
und sonst was noch

und hin und her
das ist ein film über die wirklichkeiten
und wie erwartet gibt es da albträume
es wäre ein wunder wenn es sie nicht gäbe
angesichts der geschichte
UND der geschichte

es wäre ein wunder wenn es nahtlos weiter ginge da wo es brach
es ist eigentlich ein doppelbruch, bloß merkt es am anfang noch keiner
auch der zuschauer ist mit sich noch uneinig
schon mal in den fragen
wo stellen wir jetzt den tisch hin, wie beziehen wir jetzt das bett
und was ist schwieriger: weggehen oder zurückkehren,
im ausbleiben aushaaren,
oder bleiben

wie hast du das allein geschafft?

und das und jenes und hin und her
wie gesagt-das ist nur ein film
über die wirklichkeiten
und somit ist vieles vorhanden, und mehr als das:
die missverständnisse, schmerzen und entäuschungen
unsinn und sinn, und schrecken, alles etwas

was mich aber wirklich ergrauen lies
und mich erst zu einer fremden macht:

da ist dieser eine der verkrüppelt aus der sibirien zurückkehrt-
und im türrahmen steht zurückhaltend,
und fällt ihm NICHT um den hals, seine mutter,
alle anderen anwesenden wie holzspäne seitlich wegfegend

das

verstehe ich nicht

da bin ich
entweder zu fremd-
oder der regiseur hat‘s an der stelle

voll verschissen.
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 20.05.2012, 23:05

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pjesma

Beitragvon pjesma » 21.05.2012, 22:55

danke gabi :-)
mich gibts leider nur mit fehlern ;-)))

aber bei

da ist dieser eine der verkrüppelt aus der sibirien zurückkehrt-
und im türrahmen steht zurückhaltend,
und fällt ihm NICHT um den hals, seine mutter,
alle anderen anwesenden wie holzspäne seitlich wegfegend

bin ich mir nicht sicher, ob ich das zu schräg verränkt habe...sollte evt. "seine mutter" zum schluß vom vierzeiler kommen..?.irgendwas klingt mir da falsch, und ich komm nicht dahinter

lg, pjesma

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.05.2012, 00:10

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Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 29.05.2012, 17:01

Liebe Pjesma,

das geht direkt unter die Haut und ist sprachlich auf sehr interessante Weise komprimiert. Den Vorschlag von Gabi finde ich sehr gut. Ansonsten ist es für gewordene Zweisprachler fast leichter beiden Sprachen gerecht zu werden, denn die mit zwei Sprachen aufgewachsenen brauchen nicht mehr über ihre eingewachsene Sprache nachzudenken.

Es lohnt sich für Leser und Schreiber einen Text zu lesen, der aus dem Innern der "Fremdsprache" kommt.
liebe Grüße
Renée

pjesma

Beitragvon pjesma » 30.05.2012, 22:41

vielen herzlichen dank, euch beiden!
ich hab in meinem gedichteordner deine verbesserung berücksichtigt, gabi :-)
hört sich das so sehr (wenn man gramm.fehler oder ortografie außer acht nimmt) dass ich die sprache erst später erlernt habe? woran genau?

lg, pjesma

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Beitragvon fenestra » 30.05.2012, 22:57

hört sich das so sehr (wenn man gramm.fehler oder ortografie außer acht nimmt) dass ich die sprache erst später erlernt habe?


Liebe Piesma,

nein, ich hatte es nicht bemerkt, denn in der Lyrik darf die Sprache ja geschliffen oder ungeschliffen, verdreht, gekerbt, durchgekaut werden "und hin und her und das und jenes". ;) Aber jetzt, wo es angesprochen wurde, fällt mir doch einiges auf, was ein/e MuttersprachlerIn vielleicht anders gesagt hätte:

das sonntagliche Mahl > das sonntägliche Mahl

natürlich bricht er zusammen über dem kuchen
hätte ich auch > wäre ich auch

es wäre wunder wenn es sie nicht gäbe
> es wäre ein wunder oder was wunder

alles etwas > von allem etwas oder alles ein wenig

Aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten und sie wirken hier im Text völlig stimmig. So ein irgendwie schnoddrig, mündlich herunter erzählter Text hat seinen ganz eigenen Charme, das würde ich ruhig bewusst einsetzen, es wirkt oft besser und direkter, als eine wohl gesetzte Schrift-Sprache. Ein bekanntes Vorbild für den Einsatz von schnoddriger Mündlichkeit im Gedicht ist der leider verstorbene Thomas Kling.

Der Verbesserungsvorschlag von Gabriella für die Mutter-Strophe ist gut, die lief vorher tatsächlich nicht so glatt.

Viele Grüße
fenestra

P.S.: Wir sind uns bisher noch nicht begegnet, aber ich habe gesehen, dass du während meiner monatelangen Abwesenheit hier einen meiner Texte kommentiert hast, dafür herzlichen Dank, ich habe mich auch jetzt noch darüber gefreut!

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.05.2012, 22:59

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pjesma

Beitragvon pjesma » 30.05.2012, 23:06

hihi gabi, du wirst dich aber im august wundern, wenn du eine stille untemperamente pummelfee begegnest ;-)))), außer wir besorgen gutes wein;-)

fenestra vielen dank für die beispiele, das ist mir sehr kostbar...manchmal kommt sowas von meinem sohn ("das kann man so nicht saaaaagen! es ist undeutsch!es hört sich falsch aaaan!") aber ich höre es gerne, es gibt mir was zu vergleichen was aus meine muttersprache an dem fehler mitgewirkt hat!

lg euch!

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 30.05.2012, 23:12

Liebe Pjesma,

ich glaube, dass deine Frage nur dann eine für dich sinnvolle Antwort bekommen kann, wenn du selbst weißt, was du wissen willst. Dass deine Texte eigenwillig, ursprünglich und poetisch sind, das ist für mich völlig eindeutig. Da ich aber in meinem vierzigjährigen Hin und Her zwischen den beiden Sprachen (frz dt) sehr viel Erfahrung gesammelt habe, kann ich - meine ich, das Spannungsfeld, das dahinterliegt einordnen. Ein fruchtbares Feld.

Bei Gelegenheit kann man ja darüber sprechen.

sehr liebe Grüße
Renée

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.05.2012, 23:12

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pjesma

Beitragvon pjesma » 30.05.2012, 23:17

ja, es passiert viel an der brücke zwischen zwei sprachen, renne...lieben,abneigungen, zuneigungen, unfälle und unfreiwillig witzige situationen,,,unerzählbares und unübersetzbares...wir reden dann drüber!

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 19.08.2012, 07:37

ich wüsste ja gerne was das für ein film war. kannst du das verraten?
und die stelle mit der mutter ist groß, aber deine reaktion darauf auch.
xanthi

Gerda

Beitragvon Gerda » 27.08.2012, 05:21

Gut getroffen liebe Pjesma! Du beschwörst diese Atmosphäre der Beklemmung und des Verklemmtseins fein herauf. Ich konnte mir diesen Film nicht ansehen, er hat mich gleich zu Beginn so sehr berührt, dass ich den Fernseher ausgeschaltet habe, passiert mir je älter ich werde immer öfter, dass ich Filme nicht aushalte.
Zu Sprache ist schon reichlich gesagt worden, und ich kann nur alle bestätigen die schreiben: Lass dich bloß nicht verbiegen!
Aber, ich darf wohl annehmen, nachdem wir uns nun wiedergesehen haben, dass du so gefestigt bist, dass das ohnehin nicht in Frage käme. :smile:


Xanthi: Schau mal hier:

http://www.kino.de/kinofilm/die-frau-de ... rers/90446

Ich gehe davon aus, dass dieser Film gemeint ist.


Herzliche Grüße
Gerda


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