leicht geänderte Fassung:
Der Stein der Bildhauerin
Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen.
Viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen.
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß.
War auf der anderen Seite
ein Mann, viel zu gerade graviert
seine Lebenslineatur.
Er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte.
Er war Geburt und Tod.
Gesägt hat sie ihn.
Gefeilt, geklopft und gedreht,
bis er zusammenbrach.
Der Stein der Bildhauerin
Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen
viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
Gesägt hat sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
Der Stein der Bildhauerin
Hallo Amanita,
dein Gedicht begeistert mich! Man sieht so richtig, wie sich der Stein immer wieder verformt, bis nichts Konkretes mehr übrigbleibt.
Die erste Strophe: klasse!
Bei der zweiten ist es ein bisschen holprig und zu oft "er war", hier würde ich geringfügig ändern:
Er war eine Mutter
mit schrundigem Schoß
ein Mann mit zu gerader
gravierten Lebenslineatur
ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
Er war Geburt und Tod
Und die dritte Strophe so lassen, wie sie ist.
Das wäre meine Idee, was meinst du?
Liebe Grüße
Gabi
dein Gedicht begeistert mich! Man sieht so richtig, wie sich der Stein immer wieder verformt, bis nichts Konkretes mehr übrigbleibt.
Die erste Strophe: klasse!
Bei der zweiten ist es ein bisschen holprig und zu oft "er war", hier würde ich geringfügig ändern:
Amanita hat geschrieben:Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
Er war eine Mutter
mit schrundigem Schoß
ein Mann mit zu gerader
gravierten Lebenslineatur
ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
Er war Geburt und Tod
Und die dritte Strophe so lassen, wie sie ist.
Das wäre meine Idee, was meinst du?
Liebe Grüße
Gabi
Gabriella, danke - aber so richtig anfreunden kann ich mich mit Deinem Vorschlag (noch) nicht. Die Wiederholungen sollen auf das monotone Meißeln hinweisen - oder auch auf das Statische des Steins, seine Vorder- Rück- und Seitenansicht usw. In Deiner Version ist es mir zu sehr Aufzählung.
Aber mal schauen, vielleicht lasse ich mich ja noch überreden :)
Aber mal schauen, vielleicht lasse ich mich ja noch überreden :)
-
Niko
hallo amanita,
ein kleines problem habe ich mit den zeiten. sie fegt, er war, sie hat gesägt. ich würde es alles im imperfekt belassen. vielleicht passt dann am ende "sie hat gesägt" auch besser dazu.....
Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen
viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen
das "viel" empfinde ich als störend. wieviel ist viel? ich glaube, es ist nicht nötig, "viel" zu schreiben. dadurch bekommt die erste strofe auch etwas resignatives.
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
diese beschreibung eines steines finde ich abgefahren und gut. es gefällt mir, einen stein auf diese art beschrieben zu bekommen. würde "frau" auch gehen? mutter-vater-kind. oder frau-mann-kind..... du hast es als erzählgedicht angelegt. mir würde es kürzer besser gefallen. aber ich gebe zu, von erzählerischen gedichten kenne ich nix, kann mich nicht leicht da hineinversetzen...obwohl - so ausschweifend erzählerisch ist es nun auch wieder nicht.....
Gesägt hat sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
da gibts nix: sitzt, passt, wackelt und hat luft!
meine preferierte version aus deinem text wäre so, amanita:
Am Abend fegte sie
den Staub des Tages zusammen
denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen
Er war Frau mit
schrundigem Schoß
auf der anderen Seite
Mann, viel zu gerade lebensliniert
er war Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
war Geburt und Tod
Gesägt hatte sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
ich glaube, es nimmt dir nichts wesentliches vom text und macht es mir geschlossener in sich. aber das ist nur - du weißt das - ein gedanken spinnen, ohne dir irgendetwas aufdrängen zu wollen.
liebe grüße: niko
ein kleines problem habe ich mit den zeiten. sie fegt, er war, sie hat gesägt. ich würde es alles im imperfekt belassen. vielleicht passt dann am ende "sie hat gesägt" auch besser dazu.....
Am Abend fegt sie
den Staub des Tages zusammen
viel, denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen
das "viel" empfinde ich als störend. wieviel ist viel? ich glaube, es ist nicht nötig, "viel" zu schreiben. dadurch bekommt die erste strofe auch etwas resignatives.
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
diese beschreibung eines steines finde ich abgefahren und gut. es gefällt mir, einen stein auf diese art beschrieben zu bekommen. würde "frau" auch gehen? mutter-vater-kind. oder frau-mann-kind..... du hast es als erzählgedicht angelegt. mir würde es kürzer besser gefallen. aber ich gebe zu, von erzählerischen gedichten kenne ich nix, kann mich nicht leicht da hineinversetzen...obwohl - so ausschweifend erzählerisch ist es nun auch wieder nicht.....
Gesägt hat sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
da gibts nix: sitzt, passt, wackelt und hat luft!
meine preferierte version aus deinem text wäre so, amanita:
Am Abend fegte sie
den Staub des Tages zusammen
denn der Stein wollte
nicht mit ihr schweigen
Er war Frau mit
schrundigem Schoß
auf der anderen Seite
Mann, viel zu gerade lebensliniert
er war Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
war Geburt und Tod
Gesägt hatte sie ihn
gefeilt, geklopft und gedreht
bis er zusammenbrach
ich glaube, es nimmt dir nichts wesentliches vom text und macht es mir geschlossener in sich. aber das ist nur - du weißt das - ein gedanken spinnen, ohne dir irgendetwas aufdrängen zu wollen.
liebe grüße: niko
-
pjesma
diesbezüglich, gabi, finde ich amanitas originalversion aus dem grund besser---da sie nichts abkürzt, bzw. liest sich eine aufzählung immer etwas "verschnellert"...und in ihrer version kann ich mir beobachtung des steines besser vorstellen, als langsames drumherum gehen, oder drehen...ich kann es schlecht erklären, aber in aufzählung sieht es aus als sagt man: alle diese dinge sah ich drin, und bei amanita ist dieses nacheinander stärker, alle diese dinge sah ich NACHEINANDER UND GLEICHZEITIG drin
(leute, ich bin echt sauschlecht bei interpretation, damit ihr wisst warum ich es selten tue....gif)
...und "viel" wünschte ich mir erhalten.....es ist beim lautlesen so eine schöne nachdenkpause, auch verlangsamendes, rekapitulation, müdigkeit ...
(leute, ich bin echt sauschlecht bei interpretation, damit ihr wisst warum ich es selten tue...
.gif)
...und "viel" wünschte ich mir erhalten.....es ist beim lautlesen so eine schöne nachdenkpause, auch verlangsamendes, rekapitulation, müdigkeit ...
Nikos Version finde ich sehr gut. Das mit den Zeiten stimmt. Auch das Frau, Mann, Kind, empfinde ich als runder.
Liebe Grüße
Gabi
P.S. pjesma, ich verstehe, was du meinst. Doch diese aufeinanderfolgenden Momente sind auch in Nikos Version enthalten, finde ich.
Liebe Grüße
Gabi
P.S. pjesma, ich verstehe, was du meinst. Doch diese aufeinanderfolgenden Momente sind auch in Nikos Version enthalten, finde ich.
Toller Text, Amanita, spricht mich sehr an, lässt den Leser tatsächlich sehr haptisch den Stein befühlen und betrachten - chapeau!
Ich finde ihn rund und stimmig genau so wie er ist – bis auf eine Winzigkeit, denn auf ein „war“ (& "er") könnte ich in der Tat auch verzichten, und zwar hier:
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
Aber das ist nur eine weitere Lesart, Anregung. Ansonsten würde ich ohnehin nichts ändern, denn ja, diese mittlere Strophe zeigt den Stein von allen Seiten und verdeutlicht sehr gut, was er alles „war“.
Liebe Grüße
Diana
Ich finde ihn rund und stimmig genau so wie er ist – bis auf eine Winzigkeit, denn auf ein „war“ (& "er") könnte ich in der Tat auch verzichten, und zwar hier:
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert war
er war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
Aber das ist nur eine weitere Lesart, Anregung. Ansonsten würde ich ohnehin nichts ändern, denn ja, diese mittlere Strophe zeigt den Stein von allen Seiten und verdeutlicht sehr gut, was er alles „war“.
Liebe Grüße
Diana
Liebe pjesma, genau das ist es, was Du sagst! So wollte ich es haben! Nacheinander und gleichzeitig, ja!
Gabriella und Niko, ich finde es schön, wie Ihr Euch in meinen Text hineinversetzt und an ihm schmirgelt wie an einem Stein - aber Eure Versionen sind mir tatsächlich (ein bisschen) zu glatt (geworden).
Natürlich klingt das "viel" (= mehr als sonst) resignierend, soll es ja auch! Denn die Bildhauerin wäre keine, wenn sie täglich einen Stein schrotten würde. Es deutet auf den Schluss: "zusammenbrach". Es ist scheußlich für einen Künstler, Stunden um Stunden an etwas zu arbeiten und "es wird nichts". Aber sie nimmt es doch auch gelassen: such is life.
Nein, mir ist das doch zu konventionell Frau, Mann, Kind. Mutter ist viel weicher, voller - und das Schrundige hat ganz andere Qualitäten als bei Frau (da klingt es für mich fast abwertend).
Ihr kennt mich mittlerweile, ich bleibe nicht immer auf meiner Version sitzen, sondern manchmal sind Eure Vorschläge wie Eukalytuspastillen: Ja, jetzt kann ich durchatmen - danach hab ich die ganze Zeit gesucht ... Aber hier ehrlich gesagt (noch) nicht so.
Mal drüber schlafen: Gute Nacht!
Gabriella und Niko, ich finde es schön, wie Ihr Euch in meinen Text hineinversetzt und an ihm schmirgelt wie an einem Stein - aber Eure Versionen sind mir tatsächlich (ein bisschen) zu glatt (geworden).
Natürlich klingt das "viel" (= mehr als sonst) resignierend, soll es ja auch! Denn die Bildhauerin wäre keine, wenn sie täglich einen Stein schrotten würde. Es deutet auf den Schluss: "zusammenbrach". Es ist scheußlich für einen Künstler, Stunden um Stunden an etwas zu arbeiten und "es wird nichts". Aber sie nimmt es doch auch gelassen: such is life.
Nein, mir ist das doch zu konventionell Frau, Mann, Kind. Mutter ist viel weicher, voller - und das Schrundige hat ganz andere Qualitäten als bei Frau (da klingt es für mich fast abwertend).
Ihr kennt mich mittlerweile, ich bleibe nicht immer auf meiner Version sitzen, sondern manchmal sind Eure Vorschläge wie Eukalytuspastillen: Ja, jetzt kann ich durchatmen - danach hab ich die ganze Zeit gesucht ... Aber hier ehrlich gesagt (noch) nicht so.
Mal drüber schlafen: Gute Nacht!
Liebe Diana, Du hast mich vermutlich auf die richtige Fährte gesetzt :)
- nur fehlt mir in Deiner Version die Verbform; nur weil es mein Text ist und ich es so nicht schreiben würde (im Text eines anderen würde es mich nicht stören)
So habe ich mir diese Fassung ausgedacht - vielleicht löst sie ja noch weitere Vorschläge aus:
...
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert schien
war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
...
- nur fehlt mir in Deiner Version die Verbform; nur weil es mein Text ist und ich es so nicht schreiben würde (im Text eines anderen würde es mich nicht stören)
So habe ich mir diese Fassung ausgedacht - vielleicht löst sie ja noch weitere Vorschläge aus:
...
Er war eine Mutter mit
schrundigem Schoß
war auf der anderen Seite
ein Mann, dessen Lebenslineatur
viel zu gerade graviert schien
war ein Kind, das Lichtstrahlen
sammelte und an Nachtränder legte
er war Geburt und Tod
...
Liebe Amanita,
hm, ja, das passt schon auch so, vor allem in Korrespondenz mit den Lichtstrahlen.
Allerdings fehlt mir nach dem "graviert" die Verbform gar nicht, da sich ja das folgende "war" durchaus auch darauf beziehen ließe ...
"graviert schien" hört sich für mich hier irgendwie doppelt an - entweder "graviert" oder "schien" - beides ist mir - wohlbemerkt: nur mir! - fast zu viel hier ...
Aber, ja - es ist dein Text, schau also, wie es dir taugt! Besser als das doppelte "war" an der Stelle finde ich es allemal. :)
Liebe Grüße
Diana
hm, ja, das passt schon auch so, vor allem in Korrespondenz mit den Lichtstrahlen.
Allerdings fehlt mir nach dem "graviert" die Verbform gar nicht, da sich ja das folgende "war" durchaus auch darauf beziehen ließe ...
"graviert schien" hört sich für mich hier irgendwie doppelt an - entweder "graviert" oder "schien" - beides ist mir - wohlbemerkt: nur mir! - fast zu viel hier ...
Aber, ja - es ist dein Text, schau also, wie es dir taugt! Besser als das doppelte "war" an der Stelle finde ich es allemal. :)
Liebe Grüße
Diana
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